Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 10 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 10 Seite 181 Oesterrei r,ischr Wochenschrift (1660), £'n mm erb t etter (1635), Wirkte 1714), Weins ch enker (1685), Tabakhändler (1751.) Zur Characteristik der socialen Zustände der Prager Judengemeinde sind die Vorkehrungen zur Erhaltung der Ordnung und Sicherheit besonders erwähnenswerth. Es bestand .eine eigene Polizeibehörde, welche gleichsam ein Friedeusrrchtercollegium für Bagatellsachen bildete. Ein Grabstein (1737) verewigt Smicha Rakow, Secretär der S t r aßenpolizei, ferner Sicherheitswachleute (1734—1767),Thorwärter des Ghetto (1668), schließlich ein Beamter und erster Schreiber bei der königlichenSteuer, (tempi pasati) (1662). Auch die Leidensgeschichte der Juden zieht sich wie ein rother Faden in den Grabinschriften, welche Zeugniß geben von den vielen Glaubensgenossen die den Märtyrertod gestorben sind zur Ehre Gottes und des Judenthums. Der älteste Grabstein eines solchen Helden datirt aus dem Jahre 1647. Schließlich sei noch erwähnt, daß sich der Verfasser auf die diesbezüglichen Arbeiten Professor Kaufmann'», Hock's, Zunz und Steinschneider's beruft, von denen er mit Bedauern cvnstatirt, daß sie noch viel zu wenig bekannt sind. Wir sehen der Fortsetzung der „Inschriften" mit Spannung entgegen und behalten uns vor, s. Z. auf dieselben zurückzukommen. Eduard Beer. Wien. (Meister Stampiglius in Berlin.) -Letzten Samstag fand in Berlin in den Concordiasälen aus Anlaß des neunjährigen Stiftungsfestes des deutschen Antisemitenbundes eine große Demonstration statt, bei welcher Meister S t a m p i g l i u s die österreichischen Parteigenossen vertreten. Herr Ahlwardt feierte Herrn Schneider als großen Talmudgelehrten, welcher der Partei das große Opfer gebracht, hebräisch zu studiren, um die Geheimnisse des Talmuds an das Tageslicht zu fördern. Die Ausführungen wurden mit .ungeheurem Enthusiasmus begrüßt. Zum Schlüsse erhielt Herr Ahlwardt einen Riesenlorbeerkranz mit einer Schleife in den .deutschen Farben und Herr Ernst Schneider einen gleichen Kranz in den österreichischen Färben.. . Soweit die Berliner Meldung. -Ein Commenlar unsererseits ist wohl überflüssig. Wien. (Professor Nothnagel über den Antisemitismus.) Montag erschien eine Deputation des liberalen Turnvereins an der Wiener Universität bei Professor Nothnagel, um ihm eine Ehrenmitgliedskarte zu überreichen, Auf .eine Anrede des Führers der Deputation, in welcher dieser die liberalen Tendenzen des Vereines betonte, erwiderte Professor Nothnagel n. A. Folgendes: „Es wäre unendlich wünschenswerth, wenn der unselige Widerstreit der Meinungen, der auch in der Studentenschaft platzgegriffen, aufhören würde. Es ist aber auch -kaum mehr zu hoffen, daß diese Generation von der Krankheit des Antisemitismus ganz genesen werde, und wir Männer mit grauem Haar müssen nun für den Idealismus eintreten. Auch für die Bestrebungen der Anderen lvird ein gewisser Idealismus vorgeschützt, aber es ist ein irregeleiteter Idealismus. Man stellt ihnen ein Phantom hin, das ist der Deutschnationalismus." Wien. (Das gute antisemitische Herz.) Dr. 'Psenner's „Oesterreichischer Bolksfreund" bringt nachstehendes 'Eingesendet: An edle Menschenfreunde! wendet si.li ein Gesinnungsgenosse mit der Bitte um ein Darlehen von 100 fl. zur Errichtung eines kleinen Geschäftes. In diesem Fache befindet sich bisher nur ein einziges in Wieir und kann ein zweites leicht bestehen. Der Gesuchsteller, welcher der Redaction persönlich bekannt ist, würde sich eine sichere Existenz gründen und das Geld alsbald dankbarst zurückzahlen. Gütige Zuschriften werden erbeten unter der Chiffre „Christliche Hilfe" an die Expedition des Blattes. Der von Dr. Psenner empfohlene „Gesinnungsgenosse" ist zweifellos ein waschechter in der Wolle gefärbter Antisemit. Nun sollte man meinen, es sei ganz undenkbar, daß es gar erst eines Appelles an edle Menschenfreunde bedürfe, damit einem Antisemiten geholfen werde, noch dazu nur mit der Bagatelle von lumpigen 100 Gulden. Gibt es doch unter den 'Antisemitenführern und den ihnen assimilirten Feudalen ungezählte Millionäre. Ist kein Prinz Lois'l Lichtenstein da!? Laranm »Corda! Allein nach der Theorie des hochwürdigen Herrn P. Scheicher fängt und hört die Nächstenliebe bei sich selbst an . ülnd auf. Wien. („Oest. israel. Union"). In einer sehr stark besuchten Versammlung der „Oesterreichischen isr. Union" sprach Reichsrathsabgeordneter Wrabetz über die Reform der Gewerbe- Ordnung und führte aus: Geradezu kläglich ist das Ergebniß der viel protegirten Zwangsgenossenschaften. Dieselben sind zum Tummelplatz einer unaufhörlichen Fehde geworden. Jeder wird dort angefelndet, der noch einen guten Rock trägt, jedem Vorsteher wird Opposition gemacht, nicht aus sachlichen Gründen, sondern weil man ihm die paar Groschen Gehalt neidet. Verschärft werden diese Zustände noch durch die Einigkeit, mit welcher die Gehilfen gegen die Principale Zusammenhalten. Zweifellos bestehen Uebelstände, welche abgestellt werden müssen, allein die Gewerbetreibenden selbst sind über das Wie nicht einig. Allerdings sind in neuester Zeit dem Gewerbe patentirte Retter erstanden, Persönlichkeiten, von welchen man allerdings nicht recht weiß, woher ihnen die Erleuchtung über die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden gekommen ist. Der weitestgehende Antrag gehe von einem Manne aus, der bisher mit den Gewerbetreibenden höchstens durch einen Kammerdiener verkehrt hat. (Rufe: Liechtenstein!) Er verlangt Dinge, die vor ihm Niemand verlangt hat, die nach ihm sicher Niemand mehr verlangen wird. (Heiterkeit.) Nach dem durchlauchtigsten Fürsteil kommt eine lange Reihe von Gewerbereformatoren, welche die Sache auch verstehen, weil sie alle Doctoren sind. (Erneuerte Heiterkeit.) Es sei bedauerlich, daß ein großer Theil des Gewerbestandes sich durch Versprechungen blenden und irreführen, durch Anhoffnung von Gesetzesreformen von den vernünftigen Bahnen selbstschöpferischer Thätigkeit abdrängen läßt. Wenn im Parlamente für das Gerverbe nichts geschehe, sei dies die Schuld gewissenloser Hetzereien, durch welche das Gewerbe von Leuten geblendet wird, die auf seinen Schultern emporgestiegen sind. Blind oder schlecht sind diese Leute — ob mehr blind oder mehr schlecht, das wage ich nicht zu unterscheiden. (Anhaltender Beifall.) Im Anschlüsse an diese Ausführungen ergriff Gemeinderath Frauenberger das Wort, welcher die Abstinenz der Antisemiten-Fraktion im Gemeinderathe und die über die Blenderung des Gemeindestatuts im Landtage geführte Debatte erörtert. In scharfen Worten brandmarkt er das Auftreten Lueger's als unqualifictrbares, jedes anständigen und gebildeten Mannes unwürdiges. Für die gegen ihn persönlich gerichteten Angriffe habe er nur volle Verachtung, als Schande müsse er es aber bezeichnen, daß man sich in öffentlichen Körperschaften so weit vergessen kann, die Immunität zu mißbrauchen, um unter dem Schutze derselben die gröbsten Ehrenbeleidigungen zu begehen. Uebrigens fei der antisemitische Bürgerclub bei jenem Führer angetangt, den er verdient — bei Herrn Gregorig, bezüglich dessen man nur sagen kann, daß die Verirrung der Wählerschaft zu beklagen ist, welche so tief herabgestiegen ist. Wenn man solche Leute, dann die anderen Führer, einen Geßmann, einen Schneider betrachtet, dann muß man schon vermöge der Qualität dieser Führer die vollste Ueberzeugung erlangen, daß der Antisemitismus nichts werth ist, daß über die Unwürdigkeit dieser Bewegung den Verführten bald die Augen aufgehen werden und somit diese Schande des Jahrhunderts verschwinden wird. Auch diese Ausführungen wurden durch lebhaften Beifall ausgezeichnet. Wien, am 4. März. Geehrte Redaction! Wie verrohend der Antisemitismus auch auf die wenigen Gebildeten seiner Bekenner wirkt, davon konnte ich mich erst kürzlich wieder überzeugen. Am vorigen Montag saßen im Cafe Griensteidl zwei Herren, zu denen sich der Rechnungs-Revident des n.-ö. Landesausschusses, Herr Josef Faschingbauer, gesellte. Dieser Herr berichtete über das Wahl-Ergebniß in Korneuburg. In der hieran geknüpften Debatte flogen die Juden, S .. jnden und Binkeljuden" nur so herum. Auf die Bemerkung eines der Herren, daß die Wahl Czedlks umso bedauerlicher sei, als dieselbe den Verlust eines Mandates für die Antisemiten bedeute, erwiderte Herr Faschingbauer: „Das macht schließlich nicht so viel, wie die Person des Gewählten. Dieser Czedik ist nämlich ." Mir widerstrebt es, das von Faschingbauer gebrauchte Wort zu wiederholen. Es gehört aber eine beispiellose Vermessenheit dazu, wenn ein Mensch von der Winzigkeit dieses Herrn Faschingbauer sich solcher Ausdrücke über einen Mann bedient, der ein volles Menschenalter hindurch sein bestes Können in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat. Die Zügellosigkeit des Herrn Faschingbauer findet allerdings eine Erklärung, wenn man sich die Thatsache vor Augen hält, daß dieser Herr durch die Vermittlung eines ihm sehr nahen Verwandten seine politische Meinung aus