Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 10 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 176 Orstrrreichische Wochenschrift Nr. 10 Segen der göttlichen Lehre, die unsere Väter uns in die Brust gepflanzt. Dieses gemeinsame Band verpflichtet uns aber auch, immer und allerwegen, ohne Unterschied der Sprache und Nationalität, als treue, opferwillige Söhne unseres Vaterlandes zu leben, zu fühlen, zu wirken und insbesondere in dem Momente, indem wir den Grundstein des neuen Gotteshauses legen, sehen wir dankerfüllten Herzens auf zu unserem erhabenen Landesherrn, (Lebh. langanhaltender Beifall.) dessen väterliche Huld uns das staatsgrundgesetzlich gewährleistete Palladium der freien Glaubensübung, der Gleichberechtigung verlieh und dessen mächtiger Arm auch alle von unseren andersgläubigen Landesbrüdern errungenen und erworbenen freiheitlichen Rechte fernerhin schirmen und schützen möge. Und da wir daran gehen, den Grundstein des Gotteshauses in die Erde zu senken, bitte ich mit mir einzustimmen, in den feurigen Ruf: Se. Majestät, unser Kaiser, Franz Josef 1., er lebe hoch, hoch, hoch! In das dreifache Hoch auf Sr. Majestät stimmte die Versammlung begeistert ein. Hierauf verlas Baurath Stiaßny die Grundstein- Urkunde, mit folgendem Wortlaut: Grundstein - Urkunde. Unter der glorreichen Regierung Seiner kaiserlichen und königlichen Apostolischen Majestät Kaisers Franz Josef I. wurde mit dem Baue dieses Hauses, welches der Verehrung Gottes geweiht ist, begonnen. Nachdem sich das im Jahre 1772 begründete Beihaus, für die dem mosaischen Glaubensbekenntnisse nach polnischem Ritus ungehörigen Gemeindemitglieder, sowohl in Hinsicht auf seine innere Eintheilung und Einrichtung als unzulänglich herausgestellt, und nachdem sich die Errichtung, eines den Anschauungen und Erfahrungen unserer Zeit entsprechenden Gotteshauses für die genannten Glaubensbrüder als dringende Nothwendigkeit erwiesen hatte, beschloß der Vorstand des den Cultus nach polnisch-jüdischem Ritus pflegenden Bet- Haus-Vereincs „Be th-Jsr a e l", unter dem Präsidium von S. M e i s e l s, in seiner Sitzung vom 17. Dezember 1888, den Bau einer Synogoge für 750 Personen. Zur Durchführung dieses Baues wurde ein Comite bestellt» welches aus dem Ehrenpräsidenten Wilhem Stiaßny, Architekt und k. k. Baurath, dem Obmann Ignatz Zolles, Fabrikant, den Obmannstellvertretern Dr. Felix Hönigsmann, Hof- und Gerichtsadvokat und S. Landau, den Caffieren S. Deiches und I. Brecher, den Schriftführern B. Landau Und Dr. Leo Rosenste in. und nachfolgenden Mitgliedern bestand: Dr. I. S. Bloch, Reichsrathsabgeordneter, I. M. Bels, B. Brauner, A. S. Diamant, Js. Feder, Wilhelm Freyberg, S. Heit, Max Hescheles, Clemens Hönigsmann, Ingenieur, Albert Kahane, Sigmund Kauders, I. Mahler, S. Weisels, Arthur Edler von Miss, Ingenieur, Phöbus Schmelkes. Dieses Baucomite beschloß in seiner Sitzung vom 20. März 1692, die Realität Consr. und Einl. Nr. 942, Or.-Nr. 29, in der Leopoldsgasse im II. Wiener Gemeindebezirke (Leopoldstadt) zu erwerben. Die Kosten für diesen Bau wurden zum Theil durch großherzige Spenden des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien und des Bereinsmitgliedes Hermann H es cheles, ferner durch eine Sammlung unter Glaubensgenossen bestritten und befindet sich kill Verzeichniß der edlen Spender als Beilage zu dieser Urkunde. Endlich ist ein beträchtlicher Theil der Baukosten durch eine mit Bewilligung des hohen k. k. Finanzministeriums veranstaltete Lotterie aufgebracht worden, zu welchem Behufe ein aus den Mitgliedern des Baucomites, Dr. Felix Höu igsmann. als Obmann, Bernhard Brauner, Ignatz Zolles und S. Weisels bestehendes Lotterie-Comite eingesetzt wurde. Der ehrfurchtsvolle Dank sei hier Seiner kaiserlichen und königlich Apostolischen Majestät, unserem Allergnädigstem Herrn und Kaiser Franz Josef 1. ausgesprochen, welcher, in Munificenz und natürlicher Fürsorge für die Bürger seines Reiches ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, die werthvollste Trefferspende huldvollst gewidmet hat. Ebenso gebührt der ehrerbietige Dank Sr. Excellenz, dem Finanzminister Dr. Emil Steinbach, sowie Sr. Excellenz dem Statthalter Erich Graf Kielmannsegg, welche das zur Aufbringung der Baukosten unentbehrlich gewesene Lotterie-Unternehmen in jedem Belange unterstützt haben. Die Pläne des Baues wurden von dem Architekten Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath, derzeit Gemeinderath der Stadt Wien und Mitglied des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde verfaßt, und vom Magistrate, sowie vom Stadtrathe und vom Gemeind-rathe der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien genehmigt. Die Baumeisterarbeiten wurden dem Stadlbaumeister Carl Mayer, die Steinmetzarbeiten demStadt-Steinmetzmeister Michael Sonnenschein übertragen. Zur bleibenden Erinnerung an den Beginn des Baues wurde diese Grundstein-Urkunde errichtet, von den Vertretern der communalen Behörden, der israelitischen Cultusgemeinde und des Bau-Comites unterfertigt und in Gegenwart der genannten Persönlichkeiten, sowie zahlreicher Ehrengäste in den Grundstein des Baues versenkt. Gegeben zu Wien, am 5. März 1893. Nun forderte Herr Baurath Stiaßny die Honoratioren aus an der Ceremonie der Grundsteinlegung und Urkundeneinmauerung, theilzunehmen und richtete an dieselben nachstehende Ansprache: Ansprache-es Architekten Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath. Hochgeehrte Festgenoffen! Alles menschliche Beginnen stellen wir unter den Schutz des H ö ch st e n. So auch die werdenden Gebilde der Baukunst, zumal wenn sie der Verherrlichung Seines Namens gewidmet sind. Nach altehrwürdiger Sitte empfehlen wir, Werkmeister und Werkleute, heute, am Beginne unseres Schaffens, den neu entstehenden Bau dem Schutze des allmächtigen Baumeisters aller Welten, aus daß Er ihn schirme und behüte, unser Werk ohn' Fehl uud Unbill zu gedeihlichem Ende gebracht werde und das Gebäude nach den Regeln der Kunst sich gestalte. Aber auch den Schutz der staatlichen und der städtischen Behörden erbitten wir uns und erwarten wir ihn mit aller Zuversicht. Wir leben ja unter dem Scepter des weisesten und gütigsten Monarchen. der alle die Bürger seines Staates, ohne Unterschied der Nation und der Confession, wie ein Vater seine Kinder, mit gleicher Liebe umfaßt. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Wir bewohnen ja eine Stadt, deren Bürgerrneister im Vereine mit seinen würdigen Stellvertretern mit fester Hand und in verständnißvoller Weise, unbeirrt durch der Parteien Kampf, die Geschäfte der Stadt führt und leitet. (Lebhafter Beifall.) Uns ist es vergönnt, in einer Zeit zu leben, in welcher in unserer Vaterstadt — dank dem Gemeinsinn ihrer Bürger — eine Reihe von großartigen Werken in's Leben gerufen worden, bestimmt, der Cultnr und dem Fortschritte zu dienen. Und auch dieser bescheidene Bau, dessen Beginn wir heute feiern, verdankt seine Entstehung der Opferwilligkcit von Wiener Bürgern, sowie von Glaubensgenossen, die in der Ferne wohnen, als ein sichtbarer Beweis, daß in unserer Zeit, in welcher angeblich Materialismus und Egoismus triumphirend ihr Haupt erheben, dennoch das Streben nach Idealen begeisterte und opferbereite Anhänger findet. Zur Feier unseres Festes haben sich zahlreiche Vertreter der staatlichen und communalen Autoritäten eingefunden, die wir dankend freudig begrüßen, an ihrer Spitze unseres Bürgermeistershochverehrter Stellvertreter. Durch Wiffenstiefe, durch Charakterstärke, sowie durch Milde uno Versöhnlichkeit der Gesinnung — so kennen wir Dr. Grübl seit einem halben Menschenalter — ragt er in der Schaar unserer Amtsgenoffen hervor. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Und nun gestalten Sie, hochverehrter Herr Bice-Bürgermeister und Sie meine verehrten Festgenoffen, daß ich an Sie die ergebene Bitte richte, das Werk der 3 Hammerschläge zu vollführen. Sie werden durch diese. Handlung den Beginn unseres Baues feierlich verkünden und dem zukünftigen Unternehmen die Weihe verleihen. Indem Sie, hochgeehrte Herren, die Arbeit der 3 Hammerschläge leisten, werden Sie aber auch der Arbeit jene Achtung erweisen, welche ihr Niemand versagen darf. Und so lassen Sie mich mit dem alten Meistersprüche schließen den ich zu den meinigen erwählt habe: „Wer den wahren Sinn der Dinge will erschauen, „ Muß den Stein mit eig'ner Hand behauen". (Beifall und Händeklatschen.) Vice - Bürgermeister Dr. Grübl machte die üblichen 3 Hammerschläge, dankte sodann für die ihm gewordene freundliche Belüßung und beglückwünschte das Bau-Comite zu dem in Ausführung egriffenen prächtigen Bau. Polizeirath Dr. Wachler, gleichfalls mit Hochrufen begrüßt, sprach die Versicherung aus, daß, so lange ihm die Leitung des zweiten Bezirkes obliegen werde, er daselbst die Ruhe und Ordnung, sowie die Eintracht unter der Bürgerschaft, wie sie bisher stets geherrscht haben, aufrecht erhalten werde. Bezirksvorsteher - Stellvertreter Schwab begrüßte das Komite namens der Gemeindeverwaltung des ersten Bezirkes. Nach Beendigung der Zeremonie der Grundsteinlegung sprach Architect Fleischer die Hoffnung aus, daß der Schlußstein des Baues unter ebenso günstigen Bedingungen gelegt werden möge, wie der Grundstein, und beglückwünschte den Ehrenpräsidenten Baurath Stiaßny. Hierauf wurde die Feier geschloffen. An den Obmann des Baucomites, Fabriksbesitzer, Ignatz Zolles ist nachfolgendes Telegramm eingelangt: „Leget den Grund zum Hause des Herrn mit fröhlichem Hoffen! Bald erheb' sich der Bau, weihend schütze ihn Gott!" Rabb. Dr. Wolf. An den Ehrenpräsidenten, Baurath Stiaßny, gelangte nachfolgendes Telegramm: „Der Vorstand des israelitischen Cultusvereines in Gablonz beglückwünscht den hochgeehrten Verein „Beth Israel“ zur Grundsteinlegung des Tempels, der unter Ihrer Meisterhand zur herrlichen Vollendung gelangen möge." Mendl. mistarnnmi, j/j it»ul iiitii rnirmn irrmrn