Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 10 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr-i io Oesterreichifitzr Wochenschrift Seite 175 zwanzig Ketten je eine zweite Stahlfeder unsichtbar eingefügt sei, daß bei mehreren sogenannten „Achter-Ketten" in Folge zu starker Lothausschwemmung (Löthung) der Feingehalt herabgemindert, dagegen ein Gewichtszuwachs von je 6 Gramm per Kette verursacht wurde und daß an mehreren sogenannten „Panzerketten" einerseits eine Gewichtsvermehrung, andererseits eine Herabminderung. sowohl des Feingehaltes als auch des Goldwerthes erfolgte. Alle diese Mängel seien constatirtermaßen erst nach bereits erfolgter Punzirung erfolgt. Dieses Factums wegen erkannte der Richter den Angeklagten des Betruges schuldig und verurtheilte denselben zu vier Tagen durch einen Fasttag verschärften Arrest. Ueber Beschluß der Genoffenschaft der Claviermacher und Orgelbaner in Wien wurde nachstehende Warnung in folgende Blätter eingeschaltet; „Neue freie Presse" am 11., 13. und 15. December 1891. — „Alte Presse" am 18., 20. und 22. December 1891. — „Fremden-Blatt" am 11., 13. und 15. December 1891. — „Tagblatl" (Neues) am 11. und 13. December 1891. — „Oesterr. Bolks-Zeitung" am 13., 20. und 25. December 1891. — „Deutsche Zeitung" am 18., 20. und 24. December 1891. — „Vaterland" am 20., 22. und 24. December 1891. — „Wiener Zeitung" am 17., 20. und 23. December 1891. — „Extrablatt" am 17., 20. und 22. December 1891. — „Intern. Blatt" am 24., 31. December 1891 und 7. Jänner 1892. — „Troubadur" (Musik-Zeitung) am 1. Jänner 1892. — „Mährisches Tagblatt" am 20. December 1891. „Warnung! Seit längerer Zeit wird das musiktreibende Publikum durch Inserate aufmerksam gemacht, daß .wegen Krankheit, Todesfall, Uebersiedlung rc. Claviere oder Pianinos bei „Privaten" billig zu kaufen seien. Ist es schon an sich auffallend, daß derlei Anerbietungen täglich und in großer Zahl erscheinen, so muß für Jedermann, der auch nur halbwegs fachmännische Kenntnisse bezüglich der Voraussetzungen eines brauchbiren Musikinstrumentes besitzt, bei Besichtigung dieser „gelegentlich" zum Kaufe angebotenen Klaviere klar werden, daß ein unlauteres Manöver vorliegt. Die gefertigte Genossenschaft hat diesfalls unter behördlicher Intervention Erhebungen gepflogen und constatirt, daß ein Clavierhändler sich verschiedener Persönlichkeiten bedient, bei denen er Claviere und Pianinos der schlechtesten Sorte deponirt und im Jnseratenwege als dieser Person gehörig, als Gelegenheitskäufe offerirt. Hiebei werden, um das Publikum über die Qualität dieser Instrumente zu täuschen, dieselben mit falschen nicht existirenden Firmen „0barle8 vnbois a Paris". Otoebes de Paris" u. a. versehen, während in Wahrheit Instrumente schlechtester Sorte auf diesem Wege an den Mann gebracht werden. Die gefertigte Genossenschaft sieht sich im Interesse des Publikums verpflichtet, vor solchen „Gelegenheitskäufen" zu warnen, und behält sich vor, das Resultat des eingeleiteten Strafverfahrens zu veröffentlichen. Gleichzeitig wird das P. T. Publikum, welches bereits im Besitze von solchen Clavieren sich befindet, ersucht, bei der gefertigten Genossenschaft hieriiber mündlich oder schriftlich Mittheilung zu machen. Genossenschaft der Clavier-.und Orgelbaner in Wien: Carl Kutschern m. p. als Vorsteher." Sowohl Carl S l a ma, als der Schwindler, vor welchem die Claviermacher-Genossenschaft öffentlich warnte, sind fromme Arier und die Beschwindelten zumeist Inden. Namentlich dem Clavierschwindler sind zahlreiche Juden derProviuz in's Garn gegangen. Die österr. Clavierfabrication wurde durch diesen arischen Speculanten schwer geschädigt, ohne daß die ehrenwerthen Anticorruptionisten auch nur ein Wort darüber verloren hätten. Denn der Schwindler ist ein Parteigenosse der Antisemistlinge geworden und hat sich dadurch für sein Gewerbe ei n e n F r e i b r i e f e r w o r b e n. 8apienti sat. Feierliche Grundsteinlegung;mn polnisch-jüdischen Tempel in Wien. Sonntag, den 4. März wurde in feierlicher Weise der Grundstein für eine Synagoge nach polnisch-israelitischem Ritus in der Leopoldstadt gelegt. Die Baustelle, - welche sich in der Leopoldsgasse Nr. 29 befindet, war mit Reisig und Fahnen geschmückt. Zur Feier hatten sich zahlreiche Vertreter der Behörden, der Stadt, des Bezirkes und der Kultusgemeinde, sowie ein zahlreiches Publicum eingefunden. Nebst den Mitgliedern des Bethausvereines waren erschienen: Bice-Bürgermeister Dr. G r ü b l, Stadtrath Theodor Röter v. G o l ds ch m i d t, Reichsraths-Abgeordneter Tr. Bloch, die Gemeinderülhe Robert G e i t l e r, K. M. May e r, Karl Meist l.. Joseph M ii l l e r, Dr. August N e ch a n s k y, Banrath Wilhelm S t i a st n y, Karl T a gleicht und Heinrich W a e g n e r, der Polizeibezirksleiter der Leopoldstadt, Polizeirath W ach l e r, Ober-Baurath H a b e r k v r n. Baurath Ta n s s i g, Architekt F l e i sch e r, Bezirksvorsteher - Stellvertreter S ch w a b, Cultnsvertreter H i e l d b u r g h ä u s s e r, Bezirks-Schulinspector Kaschl, vom Vorstand der „Chewra-Kadischa" Ortsschulrath S. Heit, Dr. Marcus Spitzer, Vice-Präsident der Cultusgemeinde, Gemeinderath Gustav Simon und Gemeinderath Dr. Alfred Stern haben ihre Abwesenheit schriftlich entschuldigt. Der Vorsteher - des polnisth-israelit.' Bethhaus-Vereines Herr S. Meiseis eröfsnete die Feier mit nachstehender Ansprache. Geehrte Versammlung! Ein großer Moment für unsere kleine Gemeinde, ein lang vorbereiteter, unter schweren Kämpfen und Opfern errungener ist eingetreten,. — wir schreiten zur Grundsteinlegung unserer Synagoge. Diese Stätte, die der Befriedigung der seelischen Bedürfnisse so vieler Gläubigen geweiht sein soll, an der das Gotteswort, der Name des Schöpfers in Freude und Kummer angerusen werden soll, diese heißersehnte Stätte wird endlich Form und Gestalt bekommen, als ein sichtbares Wahrzeichen unserer national-religiösen Zusammengehörigkeit aus dem Schutt sich erheben. Fast der älteste Bethaus-Bereiu in Äien hatte dieser (ortodox) polnisch israelitische Verein lange Jahre der Entbehrung zu überdauern, bis es ihm gelang, zur gemeinsamen Thätigkeit sich wieder aufzuraffen und um das Paladium seiner religiösen Selbständigkeit sick einmüthig zu sammeln. Nichts liegt unserem Streben ferner, als dieses Paladium der Unabhängigkeit zu separatistischen Zwecken auszubeuten. Wir gehören, wie alle in diesem Staatsverb an de lebenden Israeliten, welcher Nationalität, welchem Laude sie angehören mögen, einer einzigen gemeinsamen, von denselben Gefühlen, Gesinnungen, Tendenzen getragenen Familie an; nur kleine Verschiedenheiten liturgischer und ritueller Art, die mehr der Form als dem Wesen der Sache gelten, sondern uns in separate Körperschaften und drücken einer jeden von ihnen ein individuelles Gepräge auf. Der culturell so hochstehende Staat, unter dessen sicherem Schutz wir zu leben das Glück haben, trägt in richtiger Erkenntniß der Berechtigung dieser Gesinnung, diesem Standpunkte Rechnung, indem er jeder Gemeinde das Recht verleiht, innerhalb ihrer Geistesspäre, nach ihren, durch Geburt ererbten, durch Erziehung und Gewohnheit gefestigten Neigungen selbständig sich zu entwickeln; und unsere hochlöbliche Cultusgemeinde hat, in dem vom Staate vorgezeichneteu Geleite sich bewegend, ihre liberale Anschauungs- und Handlungsweise auf's Schönste documentirt, indem -sie, weit entfernt unseren Bestrebungen hinderlich zu sein, dieselben vielmehr nach Kräften bestens zrc fördert: sich bemühte. Dank und Preis sei ihr dafür zu Theil, und den Tribut unserer tiefempfundenen Dankbarkeit wollen wir entrichten, indem wir uns, trotz unserer Sonderstellung, unsere Pflichten gegen den großen Verband, mit dem unlöslich verbunden zu sein, wir eine stolze Geuugthuung empfinden, beständig iu's Bewußtsein rufen. (Lebh. Beifall.) Zum Schlüsse fühle ich mich noch verpflichtet, eines Mannes, der nicht mehr unter den Lebenden weilt, banferfiiHt zu erwähnen, der mit seiner splendiden Schenkung von 25000 fl. den ersten Grundstein zu diesem gottgefälligen Werke gelegt hat. Weiters gedenke ich mit inniger Dankbarkeit der anderen hochherzigen Spender, wie auch der Herren im Baucomit^, die ihre geistigen Kräfte diesem frommen Werke gewidmet haben, besonders aber fühle ich mich gedrängt, bei diesem Anlasse dem k. k. Baurath Herrn Wilhelm Stiasny den wärmsten Dank für seine uneigennützige, aufopfernde Thätigkeit auszudrücken, die er uns stets zu beweisen, die Gewogenheit hat. (Lebh. Beifall.) Möge das Bewußtsein, eine würdige Stätte der Andacht iu's Leben zu rufen, für unsere Gönner der sortwirkende Antrieb sein, nicht eher zu ruhen, bis wir zur Ehre Gottes unser Werk vollendet haben werden. -(Lebh. Bravo.) Es ergreift nunmehr das Wort der Obmann des Bau-Comites, Herr Ignaz Zolles. Hochgeehrte Damen und Herren! Im Namen des Baucomite's begrüße ich Sie auf das Herzlichste auf dieser einem frommen Werke gewidmeten Stätte und spreche Ihnen den innigsten Dank aus für Ihre gütige Theilnahme an dem bedeutungsvollen Act, den zu begehen wir jetzt im Begriffe sind. Auf diesem Boden soll ein weihevoller, luft- und lichterfüllter Bau erstehen, ein würdiges Gotteshaus, in dem unsere Glaubensbrüder in den alten geheiligten Traditionen ihre Feste feiern und in der Väter Art ihre Andacht verrichten werden. Dieses Gotteshaus, das an der Schwelle friedlicher, glücklicher Zeiten begründet werden möge, es wird Zeugniß ablegen von der Festigkeit des gemeinsamen Bandes, das alle unsere Glaubensgenossen umschlingt: unserer festen Zuversicht indem ewig einzigen Gotte, unserem unerschütterlichen Glaubet: an den