Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 10 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Vesterreichifchr Wochenschrift Seite 173 Nr. 10 Waarenlager mit Gewalt treibt, des schnöden Mammons halber! Oder zu dem Grundbesitzer Franz Forsky aus Zales, der seine Gattin, Eigenthümerin eines Hauses, erdrosselte! * * Ein Parteigenosse des Prinzen Liechtenstein, der famose Professor Schlesinger gelangte in einer Rede vom 1 März 1893, zu folgenden denkwürdigen Sätzen: „Meine Herren! Kein Patriotismus ist es. den diese Gruppe als Theil eines höheren Ganzen zeigt, sondern die Interessen des internationalen Capitals sind es, welche der Theil wie das Ganze vertritt, und diese Vertretung bewirkt es, daß wir christliche Völker zu Gegnern des capitalistisch wuchernden Judenthums überhaupt werden müssen. (Bravo! Bravo! auf der äußersten Linken)" „Sie lesen ja doch unsere großen Zeitungen, und finden Sie nicht, wie ich schon früher erwähnte, daß der österreichische Credit jetzt in so außerordentlicher Weise lobgepriesen wird, sehen Sie nicht, wie man das Ausland ködert, daß es unsere Werthpapiere ankaufe, anstatt mit dem Gelbe, welches es von uns als Zinsen zu fordern hat, Waaren anzukausen?" »Und mithin kann ich es nicht genug verdammen, daß unsere jüdischcapitalistische tonangebende und führende Presse in dieser so außerordentlich kräftigen Weise dem Auslande unseren österreichischen Credit anpreist; denn das ist nichts anderes als ein Verrath, der an dem Volke begangen wird." Und er schließt mit dem lapidaren Satze „daß die großkapitalistischen Juden nnd ihre Anhänger wirkliche Staatsdemagogen sind und verdienen, aus allen christlichen Völkern auf das wirksamste hinausgepeitscht zu werden. Ich habe gesprochen. (Bravo! Bravo! seitens der Parteigenossen)" Also jede Förderung des Staatscredites ist ein Hochverrath, nur die Schädigung des Staatscredites ist eine patriotische Leistung, und um diese Art Patriotismus macht die Sippe die größten Anstrengungen und wenn es ihr bis heute nicht gelungen ist, den österreichischen Staatscredit zu ruiniren, so ist das ihre Schuld nicht. Schädigung des Staates und Förderung des antisemitischen Geschäftes, das ist das Programm. Das Haus lachte hell auf über die verblüffenden Theorien des antisemitischen Profeffors, die Herren Geßman und Liechtenstein aber riefen: „Bravo". * * * Es war Samstag, am 4. März 1893 in der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses, daß Hofrath Exner dem Herrn Geßmann laut stenographischem Protokolle S. 9987 das schmeichelhafte Beiwort „Rohheit" zuschleuderte. Herr Geßmann stand dabei und hörte zu. Der Abg. Dr. Ruß tractirte denselben Herrn Geßmann mit der ' Bezeichnung „Lümmelei" (Stenographisches Protocoll S. 9999) während der Herr Hofrath H a l w i ch von ihm sagte, daß er „be — wußte Unwahrheiten" vorträgt. (S. 10.004) Und dieser Herr Geßmann hat auf all' das, weder tforn Präsidenten einen Ordnungsruf, noch vom Hause eine Mißbilligung gefordert. Im antisemitischen Krätze! wurde darüber eine eifrige Berathung gepflogen, allein man konnte sich nicht zu irgend einem Antrag entschließen, aus Besorgniß, alle anständigen Elemente des Hauses werden Herrn Geßmann die wohlverdiente Züchtigung gönnen. Liechtenstein, Schlesinger und Geßmann versichert?» einander gegenseitiger Hochachtung und blieben — Ehrenmänner! Arische Waarenverfälschung. Im Reichsrathe gelangt nach Abschluß der Budgetdebatte das Gesetz gegen Verfälschung von Lebensmitteln zur Berathung und die professionsmäßigen Hetzer rüsten sich bereits, bei dieser Gelegenheit ein besonderes Spektakel aufzuführen. Die Introduktion liest man in allen antisemitischen Blättern, die „jüdischen Waarenverfälscher" hätten das neue strenge Gesetz nothwendig gemacht. Arische Lebensmittelverfälscher gibt es selbstverständlich keine! In uneigennützigster Weise haben wir uns bemüht über dieses Thema einige Materialien zu sammeln, die wir den Herren Antisemistlingen gratis zur Verwendung ausliefern. Bor dem Strafrichter Dr. Heidt des Bezirksgerichtes Währing erschienen Samstag, den 29. Oktober 1892 23 sage dreiundzwanzig Fleischhauer, Gastwirthe, Selcher und Gemischtwarenverschleißer unter der Anklage, durch Verabfolgung und Verkauf gesundheits-schädlicher Würste und faulen Käses die körperliche Sicherheit der Käufer gefährdet zu haben. In der That wurden 7 Angeklagte zu verschiedenen Strafen verurtheilt. Angeklagte und Berurtheilte waren ausschließlich Arier. Am 14. November stand der Fleischselcher Alois Müller IX., Nußdorferstraße 46 vor Gericht. Derselbe hatte den Versuch gemacht, in seine Braunschweiger Würste, alte, verfaulte Wurstreste und Unschlitt zu mengen, jedoch hatten die Marktcommissäre des IX. Bezirkes, Heinrich Staudinger und Johann Freundorfer noch rechtzeitig diese ganz unqualificirbare Manipulation vereitelt. Der Polizei-Agent Wendtner sagte vor Gericht, daß Marktcommiffär Staudinger, auf die confiscirte, in Fänlniß begriffene Wurstmasse hinweisend, die Frau Müller fragte, wozu diese zu verwenden bestimmt gewesen wäre, worauf die Letztere die bezeichnenden Worte erwiderte: „Da wären ja nur Braunschweiger Würste gemacht worden." Wir erinnern auch an die Strafverhandlung gegen den Meidlinger Fleischselcher Johann Pla nsky, wegen Verkaufs gesundheitsschädlicherWuaren, sowie an den antisemitischen Fleischselcher im Wahlbezirke des Herrn Schneider; dieser Ehrenmann kaufte — und nicht etwa nur aus sträflichem Leichtsinn ooer Unwissenheit, sondern mit vollem Vorbedacht — finnige und halbcrepirte Schweine, um selbe zu Wurst verarbeiten zu lassen, wir erinnern ferner an die Strafverhandlung gegen den Fleischselcher Johann Stiasny, Hernals, Leffinggasse 42, bei dem sämmtliche Waaren, 79 Kilo Würste aller Art als verwest, von Maden strotzend und mit Finnen behaftet von gerichtswegen beschlagnahmt wurde. Das Berkaufsgewölbe war von ekelerregender g.'sundheitswidriger Unreinlichkeit „auf, in und unter dem Ladentische" und die nähere Untersuchung ergab, daß Glasscherben und sonstige Dinge in den Würsten enthalten waren. Der ganze Wurst- und Fleischvorrath wurde dem Wasenmeister zur Vertilgung übergeben und der Act dem Bezirksgerichte zur competenten Amtshandlung übermittelt. Bei der am 18. August vor dem Bezirksgericht Hernals stattgefundenen Verhandlung deponirte der Gehilfe Isidor Friedrich wörtlich die sogenannten weichen Würste, Blut-, Leber- und Servelatwürste u. dgl. verderben leicht. Es sind das, wie man fie nennt, salzgestoßene Würste. Die schlechte Qualität wird aus Abfällen hergestellt, aus Flexen, Sehnen, ungenießbarem Fleisch, das beim Ausbeindler gekauft wird, aus „Kuddelflecken" und verdorbenen „Grammeln". Dies Alles wird zusammengewyrfen und drei bis vier Wochen in Salz gelegt und dann frische Würste daraus gemacht. Das meiste Fleisch kommt aber aus der Gryßmarkthalle von den Großhändlern. Diese verkaufen im letzten Momente, wenn das Fleisch drinnen schon in einem Zustande ist, daß es der Marktcommiffär ohnehin confisciren würde, hinaus in die Vororte um vier bis zehn Kreuzer das Kllo. Da wird es noch zu'Würsten verarbeitet. Der Angeklagte selber aber erklärte: „Andere mache ns ebenso!" Und der Mann hatte Recht. Die arischen Selcher in Berlin machen es nicht anders. Dort wurde vor kurzer Zeit der Schlächtermeister Otto Bollmar vor dem Schöffengerichte „wegen eines schweren Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz" dadurch, daß er Pferdefleisch und Fleisch von tuberkulösen Rindern zu Wurst verarbeitet, verurtheilt. Es ist bekannt, wie viele Christen jüdische Wurstläden mit Vorliebe aufsuchen, weil sie hier von derlei Waaren geschützt zu sein meinen. In Bezug auf Milchverfälschung kann man auf ein amtliches Document verweisen, einen Polizeibericht über die biedere Arierin Katharina Hammerschmied und zwar lautet derselbe: „Den Marktcommissären des IX. Bezirkes wurde seitens des Bezirksamtsleiters, Magistrathsrathes Dr. Keitler, der Auftrag zutheil, ihr Augenmerk besonders scharf auf die Milchwagen zu richten und die Milch-Approvisionirung strengstens zu überwachen. In Ausübung dieses Auftrages fahndeten die behördlichen Organe mit verschärftem Eifer nach den profesfionsmäßigen Milchpantschern, und ihre Bemühungen wurden auch von Erfolg gekrönt. Die Milch der genannten, als „Milchpanffcherin berüchtigten Katharina Hammerschmidt, wurde eines schönen Tages untersucht, für verfälscht befunden und in den Canal geschüttet unter dem lauten Beifalle der dieser Operation beiwohnenden Menge. Die ertappte Milchpantscherin hatte sich wegen Lebensmittelverfälschung vor Gericht zu verantworten. In Bezug auf Weinfälfchungen brachten erst die jüngsten Gerichtsverhandlungen interessante Ausschlüsse speciell