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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-03 · 9 (3.3.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
9 (3.3.1893)
Date
1893-03-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dir. 9 OrzierreichisttzL Worlrenschrist Seite 159 caplans Scherzer toastirte dieser aus den schwarzen Prinzen als — zukünftigen Bürgerin erster von Wien! Leider war Lei dieser schönen Feier Dr. Lueger nicht anwesend, in dem man bisher den antisemitischen Bürgermeister-Candidaten zu sehen gewohnt war. Wien. (Tempelb au im ersten Wiener Stadtbezirke.) In der jüngsten Sitzung des isr. Wählervereines wurde nachfolgender von dem Vorsitzenden Herrn Director Arnold Marek im Namen mehrerer Bereinsmitglieder gestellter Resolutionsantrag unter lebhaftem Beifall der Versammlung einstimmig angenommen: „Es sei die Erbauung eines großen und würdigen Gotteshauses im I. Gemeindebezirke von Wien anzustreben. Es sei aus der Mitte der Versammlung ein fünfgliedriges Comite zu wählen, welches sich mit dieser Frage befassen soll, welches ermächtigt wird, geeignete Persönlichkeiten zur Bildung eines größeren Comites zu cooptiren, um eventuell an die Gründung eines Tempelbauvereines zu schreiten. Diesem Re,olutionsantrage liegen folgende Erwägungen zu Grunde: Es ist eine unleugbare Thatsache, daß die in Wien bestehenden Gotteshäuser den Cultnsbedürfnissen der Judenschast nur höchst unvollkommen entsprechen; dieser Mangel bewirkt, daß anläßlich der hohen Feiertage einerseits zahlreiche Unternehmer auftreten, welche mehr oder weniger unwürdige Stätten zur Abhaltung von Festgottesdiensten verwenden, und daß andrerseits einem sehr großen Theile unserer Glaubensgenossen überhaupt keine Gelegenheit geboten wird, das religiöse Bedürfniß zu befriedigen. Insbesondere im ersten Wiener Gemeindebezirke, in welchem ein großer Theil der wohlhabenden Juden wohnt, macht sich der Mangel eines entsprechenden Tempels fühlbar, da das bestehende Gotteshaus nur einen kleinen Theil der im l. Bezirke seßhaften Israeliten saßt. Es ist ferner nicht zu verkennen, daß es die Pflicht der Judenschaft ist, in einer so ernsten Zeit, da wir von allen Seiten bedrängt und in unseren heiligsten Gefühlen verletzt werden, mit dem Aufgebote aller Kraft dafür Sorge zu tragen, daß die Lehren unseres Glaubens nicht untergehen, daß unsere Kinder nicht abfallen von der Religion, die wir Hochhalten und die trotz Jahrtausende währender Kämpfe von unseren Gegnern nicht ausgerottet werden konnte. Es ist weiters die Pflicht der Bemittelten unter uns Sorge dafür zu tragen, daß auch unseren armen Glaubensgenossen, welche nicht in der Lage sind, viele Gulden dafür zu verausgaben, daß ihnen das Recht ertheilt wird, an hohen Festtagen int Tempel Erbauung zu suchen, die Möglichkeit geboten wird, ohne Abstattung einer Steuer ihr Gebet zu verrichten. . . Wenn nun die Wiener israelitische Cultusgemeinde dem dringenden Bedürfnisse nach einem großen und würdigen Gotteshause im I. Wiener Gemeindebezirke bisher nicht abzuhelsen vermochte, so verkennen wir durchaus nicht, daß sich ihrem Bestreben, diese Pflicht zu erfüllen, unübersteigliche Hindernisse in den Weg stellten. Die Cultusgemeinde hat ein zu bedeutendes Ausgabenetat, um allen anderen Cnltusagenden gerecht zu werden, und muß jeder Unbefangene es begreifen, daß es eher nicht gelingen kann, für eine außerordentliche Auslage in der Höhe der Kosten eines Tempelbüues die Bedeckung zu finden. Wenn aber aus der Mitte der Judenschaft selbst für den angeregten heiligen Zweck eine lebhafte Agitation eingeleitet wird, dann werden unsere wohlhabenden Glaubensbrüder nicht widerstehen können und es werden die Mittel ausgebracht werden, um ein würdiges, großes und schönes Gotteshaus zu erbauen, als ein mächtiges Denkzeichen dafür, daß die bedrängte Judenschast geeinigt ist in ihrem Glauben, daß sie nicht geneigt ist, jenen, die diesen Glauben ausrotten wollen, zu weichen und daß sie heute und immerdar festhält an ihrer heiligen Religion. Wenn wir der Cultusgemeinde, in hoffentlich nicht zu ferner Zeit, das neue, prächtige Gotteshaus übergeben können, dann werden auch wir mit gerechtem Stolze auf unser Werk blicken können!" Wie uns mitgetheilt wird, findet zur Weiterberathung dieses Gegenstandes Dienstag, den 7. März, Abends 7 Uhr im Hotel Europe (Winternitz) II. Asperngaffe eine Bertrauensmänner- Versammlung statt. Wien. (Zahlungsstockung der Gebrüder Israel.) Die Mühlenbau-Anstalt, Mühlstein- und Maschinenfabrik Gebrüder Israel in Währing ist in Zahtungsstockung gerathen. Die Chefs dieser Firma sind nicht blos arischer Abstammung, sondern wäre»! auch jederzeit bemüht in antisemitischen Blättern diesen ihren arischen Vorzug mit Nachdruck hervorzuheben und zur Kenntniß zu bringen. Angebliche Briefe jüdischer Wohlthätigkeits- Bereine, welche die Chefs wegen ihres Namens irrthümlich für Juden hielten und sich darum berechtigt glaubten, bei der Firma um eine Unterstützung zu ersuchen, wurden jederzeit den antisemitischen Preßbanditen ausgeliefert, um die Briesschreiber zu verhöhnen. Auf der anderen Seite haben Reisende der Firma in Galizien es geschickt verstanden, den semitischen Namen der Chefs bei der jüdischen Kundschaft zu Gunsten des Geschäftes zu fructificiren. Wir haben vor Jahren in der „Oesterreichischen Wochenschrift" dieses interessante Doppelspiel gekennzeichnet. Di tut zeigt es sich, daß auch solche Kunststücke schließlich den Dienst versagen. Wien. (Leiden eines jüdischen A r beit e r »5 Wir erhalten nachfolgende Zuschrift. „Vorigen Samstag wurde ich von dem Stroh- und Fitzhutfabrikanten I. Tomasi, Hundsthurmerstraße 5 t als Geselle ausgenommen und als ich Montag die Arbeit begann, machte mir Herr Tomasi über meine Tüchtigkeit Complimente tiud sagte, er werde mich jahraus und jahrein beschäftigen. Als ich ihm jedoch am nächsten Tage mein Arbeitsbuch brachte und er daraus ersah, daß ich mosaischer Confession sei, bedauerte er, mich nicht länger behalten zu können, da seine F r a u keinen Juden im Geschäfte dulde! Gegen die zahlreichen jüdischen Modistinnen, die sie als Kundschaften hat, hat Frau Tomasi nichts einzuwenden. Hochachteud I. K. Teplitz i. B., 20. Februar. >Mg. Bericht., (Vortrag im Tempel'v ere ine.) Im hiesigen nahezu 350 Mitglieder zählenden, humanitären und sich allseitig der größten Beliebtheit erfreuenden Temp el ve r e i n, der hier in unserer Cultusgemeinde schon so manches schöne Werk begonnen, gestiftet und errichtet hat, (so z. B. die Schenkung einer prächtigen Orgel im Tempel, die Abhaltung von Wohlthätigkeits-Chanukafesten für arme Kinder), hielt am Lountag Abends unser geehrter Rabbiner und weit bekannter Prediger Herr Tr. Adolf Kur rein im Vereiuslocale in Weinberg's Restauration einen Vortrag vor einer zahlreich besuchten, distinguiricu Zuhörerschaft, worunter sich unter Anderen HerrCultusvorstand Tr. Willner, dessen Stellvertreter Herr Ed. R ind s k o ps, Herr Snnagogenvorsteher PH. Spitz, Hr. med. u. jur. Dr. Moritz L ö tut), Hr. Stadtrath, Sanitätsrath Ignaz Hirsch, Ordinarius des israelitischen Badehospitals, Herr Beerdigungsbruderschafts-Borsteher D. Fürth, die Mitglieder der Cültns-Repräsentan.z u. A. befanden. Der tüchtige Obmann des Tempelvereines, Herr Kaufmann Moritz Taußig, der schon viel für den Verein geleistet hat und sich Verdienste erworben, begrüßte die Versammlung, der Freude Ausdruck gebend, daß alle vom Tempelverein veranstalteten Vergnügungen, so auch der heutige Vortrag, so zahlreich besucht seien. Hierauf begann Herr Dr. Kurrein seine „Vorlesung" über das Thema: „Minister und Rabbiner in Spanien." Unser verehrtes kirchliches Oberhaupt in unserer Cultusgemeinde sprach in wohlgegliederter, fünfviertelstündiger, frei aus dem Gedächtniße gehaltener Rede, äußerst fesselnd, das war eine Freude zuzuhören: nicht endenwollender Applaus lohnte dem Redner; er wurde vielfach beglückwünscht, es sollen im Laufe der nächsten Woche weitere Vorträge folgen; jedenfalls verdient Herr Rabbiner Dr. Kur rein gerechten Dank. 8. R. Triest. (A— g.) Im hiesigen „Mattino" finde ich einen höchst bemerkenswerthen Artikel über den Antisemitismus in Deutschland, die Anschlüsse an die im genannten Blatte schon erschienenen Aussätze desselben Inhaltes über den österreichischen, französischen und russischen Antisemitismus. Es wird hervorgehoben, daß in Deutschland und speciell in Preußen die Judenfrage an der Tagesordnung ist und das Thema vieler Reden und Broschüren bildet, welche auch ihren verwerflichen Zweck vollkommen erreichen, da diese schon viele Unrnhen und Scandale hervorgerufen haben. Dem, wie sich das Blatt ausdrückt, „ungemein antipathischen" Ahlwardt ist dieses Verdienst hauptsächlich zuzuschreiben und dieser Mann kann sich trotz aller Anstrengungen von Seiten der Freisinnigen seines Reichstagsmandates erfreuen. Der Correspondent des „Mattino" erzählt ferner von jener unwürdigen Handlungsweise der Antisemiten im Alexanderplatz-Theater gelegentlich der Aufführung des Lustspieles: „Die neuen Teutonen" und bedauert, wie sehr die Jugend verrohe und sich gerne an der Judenhetze beteilige.

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