Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 9 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Seite 158 Vesterrrichifche Wochenschrift Brünn geschickt. Beide jedoch wurden aufgefangen, mißhandelt und kamen unverrichteter Sache zurück. In dieser Bedrängnis blieb ihnm kein anderer Ausweg übrig, als sich an die einflußreichen Hofagenten in Wien um ihre vielvermögende Fürsprache bei der Kaiserin Maria Theresia zu wenden; es waren dies der Baron Moses de Aguilar, der Carl VI. wesentliche Staatsdienste geleistet hat, und der Landrabbiner Berusch Eschkeles, der zu angesehenen, der Regierung nahestehenden Personen Beziehung hatte. Auf Wunsch des Letzteren wurden drei von der städtischen Behörde und der Ortsgeistlichkeit bestätigte Atteste mittelst Staffetten noch 'Wien gesandt, daß, nämlich die Juden gleich den an der Contribution betheiligten Christen zwangsweise dem preußischen Heere die geforderten Lebensmittel lieferten, daß es unwahr sei, daß die Juden in Göding zwei Hußaren getödtet hätten und daß die Bekenner der mosaischen Religion in ihrer Liebe und Treue zur Kaiserin und in Anhänglichkeit an's Vaterland Andersgläubigen nicht nachstehen. Den Bemühungen beider gelang es, das drohende Unheil für den Augenblick von ihren Glaubensgenossen abzuwenden, und die Nachsicht von der Zahlung zu erwirken. Die Kaiserin hob in einem Schreiben (21. März) an den Feldherrn in Brünn dessen Befehl auf und erließ folgendes Schutzdecret für alle Gemeinden Mährens*): Von der zu Hungarn und Böhmen k. k. Majestät der gesammten in Hungarn und Mähren befindliche Miliz anzufügen: Allerhöchste Majestät sei von der im Erbkönigreiche Hungarn und der Markgrafschaft Mähren wohnhaftige Judenschaft in aller Unterthänigkeir fürgestellt worden, daß die in beiden Landen befindliche königl. Jeneralen oder andere Officiere durch öffentliche Patenten und Mandate publicirt worden, daß unter dem Vorwände, daß wieder der Allerhöchsten Dienst begangen haben sollenden Meineids, die in Mähren sich aufhaltender Judenschast innerhalb wenig Tagen 50.000 Gulden Rheinisch nach Brünn baar erlegen; die in Ungarn aber ohne dero königliche Jeneral xassexorto weder auf der Strazzen noch außerhalb ihrer Häuser sich betreten lasten sollen. Und in dessen Entstehung die ein wie andere insgesammt geplündert und niedergemacht werden sollen. Dies alles ist ohne Ihre Majestät Borwiffen geschehen und publicirt worden, von derlei Plünderung und Maskremalung sehr mißfällig vernommen habe, so wird auf Allerhöchste Verordnung dies insgesammt für null und nichtig hiemit erklärt, und allergemäßen anbefohlen, derlei Zwangmittel gegen gesammte Judenschaft sich unter scharfer Verantwortung zu enthalten, um nicht die Unschuldigen mit den Schuldigen wider aller Recht und Billigkeit zu vermischen. Majestäts Exkanzlei. Das Patent kam noch an demselben Tage gegen Mitternacht (15 Adar) in Nikolsburg an, von wo aus Abschriften desselben durch Eilboten an alle Gemeinden . Mährens geschickt wurden. Weniger eilig hatten es die Militärbehörden mit der Versendung jenes Edicts, welches die Achterkärung der Juden widerrief. Dieses langte entweder nicht rechtzeitig in die damals belagerte Stadt Kremsier an,, oder vermochte es die schon zu lange entfeffelte, nur aus Furcht vor den Preußen unterdrückte Raublust nicht mehr niederzuhalten. Hatte das Machtwort der Kaiserin bei dem commandirenden Feldherrn in Brünn keine Wirkung, welche Geltung sollte es bei den zuchtlosen, nach Kremsier zum Entsätze gesandten Hußaren haben? Als die Preußen die ungarischen Soldaten in zahlreichen Schaaren am Freitag den 13. April, (19. Nissan, am Rüsttage zum großen Sabbath) Heranrücken sahen, brachen sie ihr Lager ab, verließen die Stadt, gaben jedoch früher den Bürgern alle geraubten Vorräthe mit der Drohung zurück, alle Häuser anzuzünden, falls sie die österreichischen Truppen einlassen würden. Kaum aber waren die Preußen abgezogen, da fielen die zum Raube abgerichteten, mit den blut- und beutegierigen Bauern verbündeten Hußaren zu Hunderten und Tausenden in die Judengasse -ein, zerbrachen eiserne Thüren und Riegel, plünderten Geld sowohl als Waaren und leerten die in der Stadt befindlichen Geschäfte aus. Wie 100 Jahre früher die verthierten Schweden, so bestialisch hausten diese wilden Horden im Judenviertel und schonten weder Greise noch Kinder. Sie erschlugen mehrere Personen, darunter den Lehrer Chajim, das Weib Jitel, Tochter des Wiener Exulanten Simon Lämmels und das Kind Mordechai, Sohn des Jsak Herseh Neustadtel, welche man in dem an den Tempelhof grenzenden Garten begrub, weil man sich nicht aus der Judengasse hinaus wagte. (Fortsetzung folgt.) *) Abr. Trebitsch v'UpN nVYlp S. 30. Wien. (Zur Candidatur Professor Pommers in T r o p p ä u.) In den Händen Schönerer's befindet sich folgendes, in gegenwärtiger Zeit besonders interessant gewordenes Schriftstück: „Da ich dem Programme und dem Wahlaufrufe der durch den Abgeordneten Schönerer vertretenen deutschnationalen Partei aus Ueberzeugung zustimme, verpflichte ich mich hiermit ehrenwörtlich, im Abgeordnetenhause nur jenem Parteiverbande bleibend beizutreten, den Abgeordneter Schönerer bilven oder dem er selbst beitreten wird. Wien, 16: Mai 1885. Prof. Dr. Pommer. Wien. (Die Antisemiten mo bilisiren.) Der in Prag herausgegebenen „Montags-Revue" zufolge scheinen die Antisemiten in nächster Zeit eine Auflösung des Abgeordnetenhauses zu erwarten, wenigstens machen sie schon für diesen Fall mobil. In der nächsten Wahlcampagne soll auch eine czechische Antisemitenpartei in die Arena des Kampfes eintreten. Aus diesem Anlasse weilten vor Kurzem zwei antisemitische Reichsrathsabgeordnete nicht nur in Prag, sondern auch in Kolin, um mit den Localhäuptlingen der Antisemiten eingehende Berathungen zu pflegen und die entsprechenden Ordres zu ertheilen. Wien. (Heiteres.) Der Berliner „Kladderadatsch" persiflirt die Briefkastenweisheit eines antisemitischen Volksblattes in folgender ergötzlicher Weise: Dr. A. in Weimar: Ihre Entdeckung, daß Mephistopheles-ein Jude ist, hat uns mehr erbaut als überrascht. Schon die Endung des Namens ist uns von jeher verdächtig gewesen. (Vgl. Tinkeles, Schmeicheles, Jeiteles, Beigeles; auch der Gleichklang von „Nathan" und „Satan" ist gewiß kein zufälliger.) Entscheidend für uns aber ist die Art, wie Mephistopheles mit Faust seinen Handel abschließt: Um Lebens oder Sterbens willen Bitt' ich mir ein paar Zeilen aus. Also ein Wechselchen! Und hiebei die Worte: Dazu hast du noch eine lange Frist. Das ist echt jüdisch. — Jronicus in Ch.: Wir sind Ihnen sehr dankbar, daß Sie uns auf einen sogenannten „Dichter" Lessing aufmerksam gemacht haben, der heutzutage noch philosemitische Dramen zu schreiben wagt; dieser „Nathan" ist ja ein wahrer Schandfleck der neuesten Literatur. Wir werden aber ein scharfes Auge auf den sanberen Patron behalten. Vielleicht ist der Name „Lessing" auch nur ein Pseudonym für den berüchtigten Panama-Gründer und Judengenossen Lesseps — von dem bezeichnenden Vornamen „Ephraim" gar nicht zu reden. Wien, 22. Februar 1893 (Wiener deutschnationäle Studenten gegen Heine.) Man theilt uns mit, daß zu Beginn der heutigen Vorlesung des Anatomie-Professors Toldt deutschnationale Studenten unter ihren Gesinnungsgenossen im Hörsaale selbst eine Dankadresse an das Düsseldorfer Stadtkollegium circuliren ließen, worin dieser Körperschaft der Dank dafür ausgedrückt wird, daß es die Aufstellung eines Heine- Denkmals nicht gestattet hat. Das in Form und Inhalt gänzlich mißlungene Schriftstück, das uns vorliegt, das wir aber aus Mitleid für die Autoren und Unterzeichner nicht zum Abdruck bringen, enthält eine Reihe von Schmähungen gegen den todten Dichter Heinrich ,Heine. Selbstverständlich schaden dieselben Heine's Andenken nicht, da der Dichter keineswegs auf die Anerkennung der Wiener jungen Leute ansteht, die sich deutschnationale Studenten nennen. Wenn aber solche, gewiß nicht mit dem Studium der Medizin in Zusammenhang stehende Schriftstücke in den Hörsälen unbeanständet circuliren können, so muß man sich ftagen, ob denn die Herren Professoren gar nicht wissen, was innerhalb der Studentenschaft vorgeht und ob sie denn gar keinen maßgebenden Einfluß auf die jungen Leute haben, die sich zu derartigen, gelinde gesagt, unüberlegten Manifestationen verleiten lassen? In dem beregten Falle soll, wie man uns mittheilt, gar der Sohn des Professors Toldt selbst der erste Unterzeichner gewesen sein. Ist das aber glaublich? Wien. Prinz Liechtenstein, der seine beschränkten aber ehrlichen Hartberger Bauern den unehrlichen Wiener Antisemiten geopfert hat, soll für seine Häutung einen glänzenden Lohn bekommen. Bei der Abschiedsfeier zu Ehren des versetzten Hetz-