Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 9 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mrmun-i n i iTiffff 1 ■1 11*1—1 Seite 154 Orsterreichische Wochenschrift Nr. 9 Ueberdies hätten sie das clericale Fahrwasser, in welchem sie sich befinden, nur in die Hochquellenleitung einzufi'chren gebraucht — und das Schwarza-Wasser wäre sofort übertrumpft worden. Auch sehe ich persönlich gar nicht ein, wozu man Wasser überhaupt braucht, wo man doch allerlei Biere, heimische Cognäke, Scheidewasser, Limonade gazeuse, Champagner de Gratz Cafe — Johannes, eine Schale braun, mit — - und ähnliche Spülichte in Fülle besitzt. Ich trinke nicht einen Tropfen des judenliberalen Wienertrankels, das in den Röhren der Wasserleitung rieselt. Bewahr' mich Teut davor, derlei hinter meine arische Binde zu gießen. Pindar sagt zwar: Das Beste ist Wasser. Ich halte das aber für eine semitische Fälschung des Urtextes, der da lauten soll: Das Beste ist Bier. Irgend ein Semitlein hat sich da gewiß intereffant machen wollen und den großen Hellenen in zweiter, verwässerter Auflage herausgegeben. Ich für meinen Theil hasse das Wafier, hasse die Juden und einen Juden besonders — den Sueß. D, das ist einer. Professor sein, Jude sein — er stammt in gerader Linie von seinem Großvater ab, wie mir versichert wurde, welcher der von W. Hauff verfaßte Jud Süß war, der für 10 Kreuzer bei Reclam erschienen ist — also Jude und Professor was wohl genug wäre — aber noch die Unverschämtheit haben und Wasser nach Wien einleiten, das übersteigt doch wahrlich alle Grenzen des Unerlaubten. Nach dieser Einleitung hätte ich genug und keine Lust mehr mich mit dem Manne zu beschäftigen. Ihn hasse ich am gründlichsten von der ganzen Judensippe. Er war gewiß auch — wetten wollt ich und schwören — auf dem nicht abgehaltenen Rabbinertage in Krakau, den Montefiore nie einberief. Ich würde ihn in den Mittelpunkt der Erde verwünschen, den Sueß, wenn ich nicht dächte, daß ihm gerade damit der größte Gefallen und Liebesdienst geschähe — er würde ja gleich seine geologischen Forschungen anstellen — — doch wohin bin ich geraten?! Von der Abstinenz der antiliberalen Lüga („Schreibfehler?" Anfrage des Setzers) bis ins Centrum der Erde! Aber um auf besagte Hammel zurückzukommev, jetzt werden wohl die judenliberälsten Politiker zugeben, daß unsere Partei durchaus aus fähigen Männern bestehe. Aus Männern die — sei's gerade heraus gesagt — zu Allem fähig sind. Der Prix hat die Opposition schlecht behandelt, er ist rücksichtslos vorgegangen. Er soll weiße Handschuhe anziel en, wenn er künftig die Präsidentenglocke handhabt. Er ioll den Gregorig, der doch unstreitig einer der begabtesten Zwischenrufer unseres Gemeinderathes ist, nicht so rüde zur Ordnung weisen, sondern fein zart und lieblich flöten: „Hochverehrter Herr von Gregorig! Ich ertheile Ihnen hiemit den Zwischenruf." Das gehört sich. So spricht ein wohlgesitteter, fein erzogener Bürgermeister. Aber der Johann Nepomuk ist weit davon entfernt. Mit ihm werden wir uns nie vertragen. Darum abstinenzeln wir stramm und verlangen nur, daß man den Schmerz, die Antisemiten zu entbehren, mannhafter ertrage, als es bisher geschehen. Was sehnen sich die Herren denn gar so, uns drinnen zu haben? Die Stimmen brauchen sic fteilich. Wenn sie dann unsere Stimmen in echt germanischer Eintracht — nicht wie die Semiten in der Judenschule, beileibe nicht — zusammen erklingen hören, ist es auch wieder nicht recht. Mir scheint, die Liberalen wissen selbst nicht recht, was sie wollen. Unsere Ziele hingegen sind klar. Wir wollen — jeder was Anders, aber jeder was. Lueger die goldene Bürgermeisterkette, Lichtenstein die confessionslose Schule stürzen, Hauck die Steuerfteiheit der Häuser, aber blos für den X. Bezirk, Schönerer, der an heraldischer Farbenblindheit laborirt und schwarzgelb für schwarzweiß sieht, die Amputation eines Adlerkopfes, da zwei offenbarer Luxus sind; Schneider aber, dieser Erzmechanicus will alle Juden mittelst einer von ihm construirten Höllenmaschine vom Erdboden hinwegstampigliren und' verlangt nur pro Mann ein kleines ^tratruikgeld in entsprechender Höhe; Gregorig, die edle Seele will nur, daß der Franenerwerb- Berein bei ihm für die freiwillige Rettungsgesellschaft schnorren kommen solle — kurz! Jeder will was. Ja! Wir wiffen was wir wollen. Und bis wir's nicht kriegen, so lange schmollen wir. Und in die Schul' geh'n thun wir justament nicht! und ein Fleißzettel wollen wir doch!! — Aber Männer sind wir alle! Deutsche Mannen, keine Buben nicht — allweg strammdeutsch-nationale Recken. Wenn ich jemals das lebhafteste Bedauern empfunden habe, nicht zu der ehrsamen und großen Theils auserwählten Zunft der gelernten Hausherren zu gehören, so war es jetzt. Leider gestatteten mir meine Fonds nicht einmal aus dem kleinsten Häuschen zu gerathen über diesen Doctor Prix. Er hat es sich jetzt mit den Hausbesitzern ganz verdorben — zur Hauszinssteuer der Wahrheit muß dies constatirt werden. Wir, die wir uns sogar mit den H a u s m e i st e r n vertragen, begreifen diese Unklugheit gar nicht. Uns ist übrigens ein kräfttger Hausbesorger als Parteigenosse höchst erwünscht. Bei Wählerversammlungen, wo wir bekanntlich gar nicht wählerisch sind, weder in den Ausdrücken noch in den Gästen, dienen sie uns als wichtiges Beförderungsmittel. Mit welcher Promptheit sie arbeiten, ist erstaunlich und die dabei entwickelte Fluggeschwindigkeit spottet jeder Berechnung. Der Prix muß sich über die Cinwürfe der Hausherren giften — wir erfreuen uns über die Hinauswürfe ihrer Meister. Das ist der Unterschied. Johannes, sogenannter Geldeinnehmer, Sie Friedel mit der leeren Tasche auf dem unteren Ende des Rückens — ich möchte Ihnen dringlichst empfehlen, sich bessere Witze anzuschaffen. - Im heiligen Interesse Ihrer Ihnen so werthen Gesundheit warne ich Sie vor Uebergriffen in mein Ressort. Und schütteln sie sich gefälligst nicht gar so gewaltsam über das klägliche Product Ihrer scherzhaften Laune. „Ich hätte mich der Deputation, die zum Johann Nepomuk wallfahrtere nur getrost als — Kaffeehaus-Herr anschließen sollen?" Ich finde die Kunstproducte Ihres Humors so weit sie, wie diesmal mich betreffen, etwas gewaltsamer Natur und würde sofort mein entschiedenstes „Markör' zahlen!!" rufen, wenn ich zufällig gerade bei Kasse wäre. Da aber die gegenwärtige Hausse sich leider noch nicht bis auf meine Papiere erstreckt hat — ich bitte Sie Johannes, nicht so beleidigend laut zu lachen. Das macht mich wirklich nervös. Sehen Sie lieber Mila an, das treffliche Sitzmädchen an der Kasse — lächeln müssen Sie, holdselig — Sie bleiben ein ungeschickter Mensch. Was grinsen Sie mich so an, wenn ich von meinen Papieren spreche. Wenn Sie mir gütigst erlauben wollten, den höhnischen Zug um ihre Mundwinkel auszuradirei:, dann würde ich Ihnen sogleich meine Werthpapiere vorweisen, die ich zufälligerweise bei mir habe, damit sie doch sehen, daß es mit mir Strammallwegdeutschnationalen noch lange nicht schlecht bestellt ist. Sie zweifeln, auch Sie Mila lassen ungläubig Ihre lieblichen Stirnlöckchen unter dem Haarnetz tanzen? Das ist arg. Ich setze den schön frisirten Kopf des Dr. Jacques gegen eine beliebige Nummer des Deutschen Volksblattes (— einerlei welche, da in jeder dasselbe steht —) daß ich an der Berkehrsbank stark betheiligt bin. Wollen Sie die Antheilscheine sehen, die Prioritäten jüngster Emission? Hier sind sie. Ein sicheres, zinstragendes Papier kenne ich nicht. Absolut sicheres, zinstragendes, meine Pupillen sitzen nicht sicherer in meinem Kopfe, pupillarsicher, ich schlafe ganz ruhig auch bei Tag. Und bedenken Sie das Erträgniß — fast 12 Procent pro anno. Das ist erstaunlich bei der heutigen Zeit. Und die Hauptsache, das Pfandrecht gewahrt. — — Ja was soll denn das heißen!? Auch Sie lachen mich aus, geliebte Mila, und zwar so gründlich, daß ich die tadellose Vollendung, fast hätte ich gesagt, die künstlerische, Ihres Gebisses bis zum letzten Weisheitszahu bewundern kann. Be r satzzettel seien keine Werthpa- Piere? Sind Sie so schlecht! Das ist eine grundfalsche, national-öconomische Ansicht. Das hat noch seinen Werth. Ich kenne einen edlen Arier, dem ich sie versetzen werde. Das ist mein System der Zettelbanken. Johannes, jetzt aber schauen Sie, daß Sie gleich Ortsveränderung der göttlichen Thätigkeit, frei nach Professor Schlesinger machen. Hinaus mit Ihnen, der Ton Ihres Gewiehers nimmt eine sehr verletzende Klangfarbe an. Und Sie, Mila, können, nachdem ich Ihnen Einblick in meinen Effectenbaarbestand gewährt, sich nunmehr um so eher entschließen, ob Sie meine-Na, jetzt fangen Sie auch noch an, geistreich zu werden? Zahlen! Ja so, —nein, nicht zahlen, im Gegentheile — Deutsches Bolksblatt! In der Hand? Nicht möglich? Doch so? Dann wird es sogleich frei werden. Du wünschest zu wissen, liebwerther Pumpo, welche abweisende Antwort die holdreizende Cassierin des Sitzes meiner ernster gewordenen Bewerbung zu Theil werden ließ? Niederschreiben soll ich noch das Donnerwort, das die Blume meines Daseins grausam knickte. Sei's d'rum! Mila sagte .— o ich kann nicht, sogar die Feder sttäubt sich und spreizt sich wie sie — die mir lächelnd zur Antwort gab: „Herr von Teutobold! Ihre Liebe zu mir bleibt — unerhör t." ‘