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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-24 · 8 (24.2.1893) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
8 (24.2.1893)
Date
1893-02-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 8 Orfierreichische Wochenschrifi Seite 145 Wien, 20. Februar. Heute Vormittags hat unter zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängnis der Frau Fanny Bruch, Mutter der Hof. und Gerichtsadvocaten Dr. Hermann und Dr. Immanuel Brüch, welche am 18. d. M. nach längerem Leiden verschieden ist, stattgefunden. Baden. Samstag den 25. Februar 1893, findet in M. Ransnitz's Hotel „Fuchs" Baden, Annagasfe Nr. 18, ein Wohlthätigkeits-Kränzchen statt. Das Reinerttägniß ist dem Badener Frauen-Wohlthätigkeits-Berein gewidmet. Olmütz. (Beförderung im Justizdienste.) Wir berichtigen hiemit, daß Herr Dr. Alois Feigel. bisher k. k. Rathssecretär ad honores, zum wirklichen k. k. Rathssecretär beim Olmützer Kreisgerichte ernannt worden ist. Kojetein. Am 13. Februar verschied zu Kojetein die allgemein geachtete, bescheidene Frau Babette Hochberg im zweiundachtzigsten Lebensjahre. Die Verblichene war die Schwiegermutter des Herrn Rabbiners Dr. I. Tauber in Prerau und die Großtante des Herrn Professor Dr. David Kaufmann, des Herrn Dr. I. H. Oppenheimer und des Herrn Rabbiners Dr. F. Rosenthal in Breslau. Ihre Ersparnisse widmet sie wohlthätigen Stiftungen. Friede sei mit ihr! Statutengemäß fand am 19. hier die Generalversammlung der Chewra-Kadischa statt. Herr Dr. Frankl aus Kremsier hielt eine sehr beifällig aufgenommene Rede, in welcher er die Pflichten der Mitglieder des heiligen Vereines betonte. Bei der vorgenommenen Wahl wurde der verdienstvolle VorsteherHerr S. Rosenfeld einstimmig wiedergewählt welcher für dieses ihm entgegengebrachte Vertrauen dankte. Herr Dr. Frankl inspicirte auch den von Herrn Oberlehrer Kornfeld geleiteten hebräischen Unterricht und sprachseine Befriedigung darüber aus, daß in der Heimatsgemeinde des Prof. Kaufmann die Erreichung des von demselben in diesen Blättern für die religiöse Erziehung der Mädchen gesetzten Zieles angestrebt wird. Nachmittags hielt Herr Dr.Frankl in der'zur Herrschaft des Herrn Ritter von Guttmann gehörigen Gemeinde Tobitschau eine Rede, bei welcher das gesammte Beamtenpersonal anwesend war. Nach Beendigung derselben b.gab sich Herr Dr. Frankl in Begleitung 'fast der ganzen Gemeinde in die Schule und nahm dort während zwei Stunden die Prüfungen vor. Proßnitz.'(T o d e sfall.) Am 17. d. M. starb hier nach langem schweren geduldig ertragenen Leiden Frau Johanna Zweig, Schwägerin des hochverehrten Bürgermeisters der hiesigen israel. Gemeinde, im 51. Lebensjahre. Die Verstorbene war eine durch Herzensgüte und Wohlthätigkeitssinn bestbekannte und beliebte Frau und suchte durch eine Reihe von Jahren Gelegenheit, diese edlen Gesinnungen der Nächstenliebe als Mitglied der Leitung des isr. Frauenwohltbätigkeits Vereines zu betätigen. Bon diesem Wirken her steht Frau Johanna Zweig in bester Erinnerung und darum trauern an ihrer Bahre nebst dem gebeugten Gatten, der treuen Tochter und zahlreichen Freunden und Verwandten auch die Armen und Unglücklichen dieser Stadt, denen der Tod mit ihr eine stets hilfsbereite Trösterin entrissen hat. Stuhllveitzenburg. Ueber das Leichenbegängniß des entschlafenen Herrn Jacques Hahn schreibt uns Se. Ehrwürden, der dortige Ortsrabbiner: „Unter vielen Honoratioren unserer Stadt, welche dem wackeren Manne die letzten Ehren erwiesen, befand sich auch der Chef des Comitates, Baron Fiala. An seinem Sarge sprach der Gefertigte Worte der Trauer und Anerkennung, den Verlust schildernd, den die Berufsgenossen, .die Armen und Leidenden, die jüdische Gemeinde und die trauernde Familie erlitten. Der Entschlafene erreichte ein Alter von achtundachtzig Jahren und hinterließ eine ihres Hochsinnes wegen hochachtbare Frau und drei Kinder." Dr. Steinherz, Rabbiner. Czernowitz, 14. Februar 1893. Für den gesetzlich bestimmten Ternovorschlag wurden vom hiesigen Cultusvorstande die drei Rabbinen: Dr. Eisler aus Klausenburg, Dr. Rosenfeld aus Oveshaza (Ungarn) und Dr. Wolf aus Klattan ^Böhmen) ausersehen. Im Ganzen waren sechs Probepredigten gehalten worden. Mit den im Ternovorschlage Nominirten ist man nun im allgemeinen einverstanden und die Wahl ist um so schwieriger zu treffen, da sie fast gleiche Würdigkeit besitzen. Der hiesige Cultusvorstand ist jedoch in einer von ihm einberufenen Wählerversammlung trotz der ihm. gebotenen Reserve für einen Candidaten besonders warm eingetreten. Abgesehen hievon, daß sich die hiesige jüdische Intelligenz in ihrem Rechte der freien Wahl geschmälert sieht, waren auch viele Stimmen gegen den vom Vorstande anempfohlenen Candidaten. Es trat deshalb gleich am nächsten Tage eine Anzahl jüdischer Männer, an ihrer Spitze der hiesige Bankdirector Mayer, zu einem Comite zusammen, um über die Angelegenheit zu berathen. Am 12. d. hätte die Wahl stattfinden sollen, und für den 11. d. wurde in dem Rathhaussaal eine Versammlung der Intelligenz einberufen. Gegen 400 bis 500 Wähler erschienen und einigten sich einstimmig dahin, daß man den Cultusvorstand, der gleichzeitig Sitzung hielt, um Verschiebung der Wahl ersuche. Der Cultusrath gab dem Ansuchen Folge und so wurde die Wahl bis auf weiteres sistirt. Es werden jetzt vom Comitate die eifrigsten Erkundigungen über die drei Candidaten eingezogen und wenn nicht alle Anzeichen trügen, so scheint der Rabbiner Dr. Wolf, dessen Probeprediqt am nachhaltigsten wirkte, die meisten Chancen zu besitzen. Die Agitation von Seite des Vorstandes ist eine sehr rege, doch sind nun in diesem selbst dem Vernehmen nach die Meinungen sehr getheilt. Focsani. Mittwoch am 22. Februar findet hier die Trauung des Herrn Maurice Leibowitz mit Fräulein Annette Vogel statt. Leipzig, 18. Februar. (Ein antisemitischer Redacteur.) Der Redacteur der „Antisemitischen Correspondenz", Dr. Tesdors, wurde wegen Beleidigung des Pfarrers Graebener zu zwei Monaten und acht Tagen Gefängniß verurtheilt. Das Ur theil bezeichnet die beleidigen Artikel als widerlich und gemein und als eine Schande. Berlin. 20. Februar. Die Familie Bleichröder empfing eine herzliche Depesche Bismarck's, welcher das Dahinscheiden „seines treuen, hochgeschätzten Freundes" beklagt. Zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Corps, wie auch des auswärtigen Amts condolirten. Endlos sind die Beileidskundgebungen der hiesigen wie auch der übrigen europäischen Finanzwelt. Die Nachrufe der Blätter, auch der conservativen, wie der „Post" und der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", rühmen die Thatkraft, Redlichkeit, Bescheidenheit und das allzeit hilfbereite Wohlwollen des Verstorbenen. Berlin, 20. Februar. Der bekannte Antisemit Ingenieur Carl Paasch wurde gestern wegen Beleidigung des Staatsministeriums durch die Brochüre „Eine Protesteingabe", welche den Jnstizminister angriff, und durch eine Erklärung, die an das Parlament gesandt wurde, im Westend-Hotel hier verhaftet. Die Erklärung beleidigte den Reichskanzler. Da Paasch in derselben um seine Verhaftung ersuchte, um gewisse Dinge öffentlich zur Sprache bringen zu können, dürfte sich ein neuer Sensationsproceß entwickeln. Der aus dem Ahlwardt-Processe bekannte Rechtsanwalt Hertwig übernahm die Vertheidigung. Berlin. Der bekannte Componist Moriz Moszkowski ist zum ordentlichen Mitglied der Königl. Academie der Künste ernannt worden. — Der Verein deutscher Studenten hatte kürzlich den anttsemitischen Professor Dr. Brecher zu seinem Ehrenmitgliede ernannt, der derzeitige Rector der Universität hat jedoch, wie das „Volk" meldet, die Bestätigung versagt. In der letzten Sitzung des Thorner conservativen Vereins ersuchte ein Mitglied um Auskunft über die Stellung des Vereins zur Judenfrage. Dem Interpellanten wurde vom Landrath erwiedert, oaß diese Angelegenheit den Berlin nichts anginge, es werde ihm anheim gestellt, sich anderen Vereinen anzuschließen. Der Fabrikant Herr Carl Helft in Bleicherode, welcher bereits 20 Jahre als Stadtverordneter fungirt, wurde in der letzten Stadtverordnetensitzung einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Trier, 12. Februar. Unsere Stadtbibliothek fft eine seltene Fundgrnbe alter werthvoller Handschriften. Bon dem Bibliothekar Keuffer aufmerksam gemacht, fand Herr Oberrabbiner Dr. Baßsreund auf den Deckeln einer großen Zahl von Jncunabeln, welche alle aus Everhardt's Klause herrühren, die theilweise noch sehr gut erhaltenen Bruchstücke von hebräischen Pergament Handschriften. Der größte Theil dieser aufgeklebten Fragmente gehört dem als Handschrift äußerst seltenen talmudischen Ritualwerke „Hatteruma" von Baruch ben Isaak aus Worms (um 1200 n. Chr.) sowie einem Machsor (Zusammenstellung der Festgebete), höchst wahrscheinlich nach dem französischen Ritus, an. Die übrigen Bruchstücke sind Theile zweierverschiedenen Handschriften des babylonischen Talmuds. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die schon jetzt sehr werthvollen Funde noch bedeutend ergänzt werden, da bisher nur ein geringer Theil der Jncunabeln vacauf hin untersucht worden sind. Dr. Baßfreund beabsichtigt, die Handschriften zu bearbeiten und durch Drucklegung zu veröffentlichen.

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