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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-24 · 8 (24.2.1893) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
8 (24.2.1893)
Date
1893-02-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 144 OLstrrrLktziptzr Worhenschrist Nr. 8 keine Juden leben. Nachdem Mr. Labouchere noch betont hatte, daß die Frage keine religiöse, sondern eine soziale sei, wurde zur Abstimmung geschritten, deren Ergebniß die Ablehnung des Antrages war. Magnesia. Zu Anfang des Schuljahres 1892—93 hat das Central-Comite der „Alliance Jsraelite Uniberselle" in Paris auch in Magnesia eine neue Schule eröffnet. Der Director Herr Mitraui, hat dem Comite interessante Mittheilungen über diese Gemeinde zukommen lassen. Anbei einige Auszüge daraus: Die israelitische Gemeinde zählt ungefähr 350 Familien. Wie fast allenthalben in der Türkei sind es die Israeliten, die die ärmere Bevölkerung der Stadt bilden. Sie sind auf den äußeren Theil der Stadt, die Anhöhe, beschränkt. Die meisten ihrer Häuser sind alte Bauten, die aneinander gelehnt, sowohl der Sonne wie allem Unwetter Einlaß gewähren. Fast alle wohlhabenden Israeliten sind die Besitzer der von ihnen bewohnten Häuser; sie haben sie den Christen abgekaust, die sich in den neueren Stadttheilen niedergelassen haben. Man findet daher in diesem Stadtlheil alle Juden von Magnesia. Sie haben da, in der Mitte, ihre vier Synagogen, und ganz in der Nähe erhebt sich unsere Schule. Die meisten Israeliten ernähren sich nothdürftig von der Hand in den Mund, sei cs durch Hausiren, oder durch die locale Industrie. Es gibt auch einige kleine Händler, die ihre Maaren aus Smyrna beziehen und in einem gewissen Wohlstände leben, aber nicht einen Juden gibt es, der ein kleines Vermögen besäße, wie dies anderwärts der Fall ist. Mit einem Worte, die Juden sind hier im Allgemeinen arm. Dennoch sieht man in den Straßen kaum einen einzigen jüdischen Bettler. Es gibt hier vielleicht mehr Elend wie anderswo, doch würde der Arme hier lieber Hungers sterben, als daß er die Hand ausstrecken möchte. Er will sein Brod durch eigene Arbeit erwerben, und wenn ihm aus irgend einem Grunde die Kräfte versagen und er das Nöthigsie nicht aufbringt, wendet er sich wohl an die Mildthätigkeit, aber nicht an die öffentliche, sondern an irgend eine edle Seele, die für ihn — ohne ihn zu nennen — etwas zusammenbringt. Diese Würde, dieser Stolz im Elend haben mich tief gerührt, und es wird das Central-Comite intereffiren, diesen Charakterzug zu kennen. Salouichi. Herr Salomon Allatini, gestorben zu Paris am 18. August 1892, hat den Wohlthätigkeits- und Unterrichtsanstalten Salonichis namhafte Summen vermocht. Im Einklänge mit den großmüthigen Traditionen der Familie Allatini hat der Verstorbene seine Großmuth nicht nur auf die Schulen der „Alliance" und die israelitischen Anstalten zu Salonichl beschränkt sondern auch die türkischen, griechischen, katholischen, bulgarischen und protestantischen Schulen bedacht. Die Gesammt-. summe dieses Vermächtnisses beträgt 20.000 Frs. Eine gleiche Summe ist von Herrn Allatini an verschiedene Wohlthätigkeitsanstalteu von Marseille vermacht worden. Vermislcktes. Wien. (Israelitischer Wähler-Verein.) Samstag den 25. Februar d.J. präcise halb 8 Uhr Abends pndet in Khuner's Restaurant, I., Schottenring 19, Plenarversammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Discuffionen über „Die Zwecke und Ziele des Vereines", eingeleitet von dem Vereinsmitgliede, Architecten und Stadtbaumeister Herrn Wilhelm Fränkel. Damen und Gäste willkommen! Der Schriftführer: Der Präsident: M. Baum. Arnold Marek. Wien. (Feierliche Grundsteinlegung.) Wie wir seinerzeit zu berichten in der Lage waren, hat das Comite für den Bau eines Tenlpels für den polnisch-jüdischen Ritus in der Leopoldsgaffe Nr. 29 einen entsprechenden Baugrund angekauft. Das auf demselben stehende alte Gebäude ist bereits demolirt und mit Eintritt der besseren Witterung wird mit dem Bau begonnen werden, so daß zu den hohen Feiertagen der Tempel seiner Bestimmung übergeben werden wird. Wie wir hören, findet Sonntag den5.März die feierliche Grundsteinlegung statt, zu welcher das Comite Einladungen versendet. Wien. (Trauungen.) Sonntag am 26. Februar findet im Israel. Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Carl Vandor mit Frl. Rosa Westphal-Conn und des Herrn Dr. Adolf Lipa mit Frl. Helene Fürst statt. Wien. Am 20. d. hielt das Präsidium der Baron Hirsch- Stiftung unter dem Vorsitz des Präsidenten Herrn David R. v. Gutmann eine Sitzung, welche,die Herren Alexander Schorr aus Drohobycz und Fabrikant Herr Sigmund Weiser aus Sassow zugezogen waren. Wien. Herr Dr. Taglicht, Rabbiner in Ungar.-Ostrau ist zum Prediger am Tempel im 6. und 7. Bezirke Wiens gewählt worden. Die Wahl ist eine sehr glückliche, da Herr Dr. Taglicht,charaktervoll, friedliebend, bescheiden ist, eine vortreffliche Eignung zu seinem Amte besitzt und ein sehr sympathischer Redner ist, der den Ansprüchen des aus gebildeten Elementen bestehenden Tempelvereines vollkommen entsprechen wird. Wien. Seit kurzer Zeit ist am Breslauer Stadttheater eine junge Wienerin Frl. Henriette Dima (D im and), Schülerin der Frau Professor Niklas-Kempner engagirt. Frl. Dima, in Breslau im ersten Engagement, trat bisher als Agathe („Freischütz") und als Santuzza mit ausgesprochenem Erfolge auf. Am 2. Februar hatte sie als Margarethe (Faust) wieder einem vollen Erfolg zu verzeichnen. Die Breslauer Journale sind des Lobes über die junge Künstlerin voll. So schreibt die „Breslauer Zeitung": „Hervorragende, musikalische und gesangliche Eigenschaften vereinen sich bei dieser jungen Dame in seltener Wcise mit bedeutender schauspielerischer Veranlagung". Die „Schlesische Leitung" sagt: „Jedenfalls hat Frl. Dima ihre Befähigung für die Darstellung erster jugendlich-dramatischer Partien nachgewiesen". Die „Morgenzeitung" spricht von einem echten, regelrechten Erfolg, tadelloser Leistung, stark entwickelten, musikalischen Temperament und instinktiver Sicherheit des Vortrages." Wien. Herr Albert S. Fischer, Director der israel. Kinderbewahranstalt und der ersten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien hat von der National Educational Association in Washington die Einladung erhalten, an dem im Juli d. I. in Chicago abzuhaltenden Weltcongreß für Erziehung als Ehren-Vi ceprä sid en t theilzuneh m en. Wien. Der „israel. Frauenverein in Wien" versendet den Bericht für das Jahr 1892. Derselbe gedenkt wehmüthig der Heimgegangenen, edlen Menschenfreundin Bettina Freifrau von Rothschild, welche durch 15 Jahre dem Vereinsvorstande angehörte und widmet ihrem Namen warnie Worte. Der Bericht spricht sein Bedauern aus, daß die Einnahmen nicht die Summen der vergangenen Jahre erreichen, während die Anzahl der Ünterstützungswerberinnen für diese, Agende unserer Wirksamkeit von Jahr zu Jahr steigt. Als besondere Spenden wurden dem Vereine gewidmet: In Baarem: Bon Herrn Albert Freiherr v. Rothschild aus dem Nachlasse seiner Gattin der seligen Frau Bettina Freifrau v. Rothschild fl. 10.000, durch die Cultusgemeinde als Antheil der Spenden des Herrn Albert Freiherr von Rothschild aus Anlaß des Ablebens seiner seligen Gattin zur sofortigen Vertheilung fl. 1000, von Frau Sofie Freifrau von Todesco am Sterbetage ihres seligen Sohnes fl. 200, von Frau Charlotte Freifrau von Königswarter aus Anlaß der Geburt eines Enkelkindes fl. 100, Herr Hofrath Josef M. Ritter von Pfeiffer aus Anlaß seines 70. Geburtstages fl. 100, Frau Antonie Passauer aus Anlaß des Ablebens ihres Onkels des seligen Herrn Ignaz Leidesdorf fl. 100, Frau Clementine Wiener aus Anlaß des Ablebens ihrer Mutter, der seligen Frau Ernestine Cohn fl. 100, von Herrn Adolf Porges fl. 100. In Effecten: fl. 200 42/,g Papierrente von Frau Katharina Schlesinger zum Andenken an ihren Gatten, des seligen Herrn Moritz S. Schlesinger, fl. 200 42/m Papierrente von Frau Emma Weiß zum Andenken an ihrem Vater, dem seligen Herrn Moritz S. Schlesinger. Wien. Samstag, den 18. d. M. feierte der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" in Hatschek's Restaurant den ersten Familicnabend des zweiten Vereinsjahres. Nachdem Präsidentin Frl. Bertha Schalit in warmer, von lautem Beifall unterbrochener Rede die Aufgabe und Geschichte des Vereines auseinandergesetzt hatte, sprach Bicepräsidentin Frl. Natalie Pollak von der Existenzberechtigung eines jüdischen Mädchenvereines zur Pflege der wunderbaren jüdischen Geschichte und Literatur. Es folgte hierauf eine gelungene Deklamation Anastasius Gri'm's Gedichtes : „Ein Jude ist ein Ast vom Wunderstamme, Gefällt, zerschmettert längst, doch nicht verdorrt, Des Markes Kern versenkt von Blitzesflamnie Des Wipfels Zweige grünen fort und fort." von Frl. Jda Werner, dann einige Gesangsproductionen, zum Schluffe ein Tanzkränzchen, bis der anbrechende Morgen die lustige Gesellschaft auseinandertrieb. Wien. Der Kranken-Unterstützungs-Berein „Liwias Chen" hielt Sonntag am 26. Februar in der Restauration Hatschek, II., Praterstraße 11, seine diesjährige (sechste) General-Versammlung ab.

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