Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 8 (24.2.1893)
- Date
- 1893-02-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 142 Oesterreichische Wochenfchrifl JKv. 8 Zahl zu den Gästen, welche hierher kommen; doch ist dieß nicht bloß hier allein der Fall, sondern auch in den übrigen Curorten: Carlsbad, Teplitz, Franzensbad sind während des Sommers nahezu 40% der Gäste jüdischer Confession, ja die unbedeutendste Sommerfrische muß mit einer solchen Ziffer ihre Bilanz machen, sonst findet sie ihre Rechnung nicht. Unter solchen Verhältnissen ist man wohl berechtigt zu verlangen, daß den Juden die Verwaltung und Unterstützung ihrer Anstalten überlassen werde und daß ihnen überhaupt der confessionelle Friede gewahrt bleibe. Das ist wohl ein berechtigtes Verlangen, gegen welches Niemand etwas einwenden darf. Aber da gibt es in unserer Nähe einen neu aufstrebenden Curort. wo zwei- bis dreihundert Personen alljährlich zur Cur sich einfinden. Es ist dieß ein' minder bedeutender Curort namens K ö n i g s w a r t. Ehedem war dieses kleine Städtchen von einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung bewohnt, welche mit ihren christlichen Mitbürgern in gutem Einvernehmen lebte. Es herrschte dort stets e-ne Harmonie zwischen den verschiedenen Confeffionen, wie selten an einem anderen Orte.' Das währte so lange, bis Schönerer nach Eger und Königswart kam. Damit war die Seuche eingebürgert, so daß nach kurzer Zeit nur noch wenige jüdische Familien dort zurückblieben; die übrigen verließen die Stätte des schändlichsten Antisemitismus. Selbst der dortige städtische Arzt Dr. Kindl, welcher gegenwärtig Pächter des Curhauses ist, bekennt sich ungenirt zu den Jüngern des Zwettler Herrn. Indem wir nun dieß zur allgemeinen Kennttnß bringen, möchten wir unsere Glaubensgenossen davor warnen, sich nach Königswart zum Sommeraufenthalt zu begeben. Als Curort ist es ja ohnehin geringwerthig und als Sommerfrische dürfte die neue Ansiedlung ober der Marienbader Waldguelle, genannt „W a l d g u e l l z eile" mindestens einen ebenso angenehmen wie wohlthuenden Aufenthalt bieten, wobei man alle Annehmlichkeiten eines großen Curortes genießen kann, ohne von einer wilden Schaar von Antisemiten umgeben zu sein, wie dieß in Königswart der Fall ist. Es sollte als Ehrensache angesehen werden, solche von der Pest des Antisemitismus angefressene Ortschaften zu meiden, um nicht dazu beizutragen, daß solche menschliche Ungeheuer durch jüdisches Geld zu Wohlstand gelangen. Alle jüdischen Zeitschriften sollten diesen Artikel reprodüciren, um davor zu warnen, diesen Ort zu besuchen. Während der nächsten Saison wollen wir ein Verzeichniß der Curgäste anlegen und den daselbst anwesenden Juden es nahelegen, daß sie in Zukunft einen Curort meiden, dessen Bewohnerschaft zu der ordinärsten Rotte der Antisemiten gehört. Llpbi. Troppau. (Ein Nothcandidat.) Die Troppauer Antisemiten haben bei verschiedenen Persönlichkeiten vergebens angeklopft, allein keine hat sich dazu hergeben wollen, als deren Reichsrathscandidat bloßgestellt zu werden. In dieser Nothlage nahmen sie das an, was sie ursprünglich verschmähten, nämlich die Candidatur des Wiener Mittelschullehrers Pommer. Ein Mann von Selbstbewußtsein hätte unter solchen Umständen auf eine Mandatsbewerbung verzichtet; Pommer aber scheint sich darüber zu fteuen, daß man doch zu ihm Zuflucht nehmen mußte. Die deutsch-nationale „Ostdeutsche Rundschau" bringt nachstehende Erklärung: Die Parteileitung weiß nichts von der Candidatur des Herrn Professor Dr. Pommer und hätte davon gewiß auch nichts wissen wollen; der genannte Herr mag überallhin eher paffen, als in die Politik. Oder genügt es vielleicht schon völlig zur Qualification für's Abgeordnetenhaus, wenn man Professor am Mariahilfer Gymnasium ist? Vor allem fehlt Herrn Professor Pommer die Gabe' der freien Rede und die für einen schneidigen Debatter nöthige Schlagfertigkeit. Seine jüngst in der „Deutschen Wehr" abgedruckte Rede war gewiß kein Beweis großer geistiger Selbstständigkeit. U. d. G. Wolf. Przemysl. Galizien hat lange, gegen das Eindringen des Antisemitismus Stand gehalten und es war das. immer das triftigste Argument gegen denselben, daß er gerade in dem Lande, welches die größte Anzahl Juden hat, keinen Boden gewinnen kann. Die unsichtbaren Leiter dieser fluchwürdigen Bewegung, welche durchaus eine internationale zu werden strebt, mußten daher alle ihre Kräfte anspannen, um auch Galizien zu erobern. Und sie sind leider auf dem Wege dazu. Der Antisemitismus hat hier zu Lande schon an allen wichtigen Punkten Stationen errichtet, in Przemysl eine Hauptstation. Noch vor Kurzem war unsere Stadt ein Musterbild der Eintracht zwischen den verschiedenen Confeffionen. Nur Einzelne, wie es deren auch in den gesündesten Zeiten gab, waren es, die aus persönlichem Interesse Judenhaß hegten, aus diesen wurden aber die Cadres gebildet, bis die Antisemiten zu einer Partei beranwuchsen, die groß genug war, zu dem gefährlichsten Agitatiousmittel aus der Rüstkammer der Neuzeit zu greifen, ein Blatt herauszugeben. Und so entstand die Anfangs einmal, spater zweimal in der Woche erscheinende „Gazeta Przemyska". Wie wir Juden schon vertrauensselig sind, haben wir selbst zu dem Gründungsfond dieses Blattes beigetragen, ließen uns durch seine scheinbar liberale Richtung täuschen und halfen zu einer Verbreitung mit. Als es sich aber stark genug fühlte, warf es die Maske ab und wurde unter seinem gegenwärtigen Redacteur Waclar W. Reger das judenfeindlichste Blatt, das nur denkbar, welches alle die haßgeschwellten Artikel des „Deutschen Volksblattes", mit dem es im Tausche steht, übersetzt und eigene Lügen erdichtet, welche wieder sein Wiener-Meister benützt. Wie maßlos diese „Gazeta Przemyska" die Judenhetze treibt, beweist der Umstand, daß die Preßbehörde bei aller Nachsicht gegen ihr Treiben doch nicht umhin konnte, im vergangenen Monate allein vier Nummern derselben zu consisciren. In einer der letzten Nummern rühmte es sich hoher Connexionen, in einer anderen Nummer wieder läßt es sich aus Wien schreiben, „die Gazeta Przemyska ist in Wien bestens bekannt". „Vor einigen Tagen hat sich der Abgeordnete Lueger zu dem Dr. Bloch geäußert, „Galizien sei noch nicht ganz verjudet, weil es dort wenigstens eine Zeitschrift gibt (natürliche die Gazeta Przemyska), welche den Kampf gegen das Judenthum offen ausgenommen hat." Natürlich lauter Lügen, aber bei den Massen zieht das und sie schwören heute auf dieses Blatt. So ist die Idee zur Gründung eines zweiten Blattes bereits aufgetaucht und hat sich sogar schon ein Comite, dem auch mehrere nichtjüdische Capacitäten angehören, zur Realisirung dieser Idee gebildet; aber gerade die paarjüdischen Capitalskräfte, auf deren Unterstützung zuvörderst gerechnet werden muß, sind noch zu lau. Wollen sie zusehen, bis keine Rettung mehr möglich ist.? Budapest, 17. Feber. Heut? wurde hier unter großer Theil« nähme und von Vielen betrauert, ein Mann zur ewigen Ruhe bestattet, dessen verdienstvolles Wirken und Schaffen wohl nicht über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausreichte, der aber als Jude, Pädagoge und Patriot doch einen Anspruch darauf hatte, daß wir seiner auch in diesen der Ehr und Wehr des Judenthums dienenden Blättern gedenken. Mag daraus abermals ersichtlicb sein, daß es hier in dem freiheitlichen Ungarlande stets Männer gegeben, die unbeirrt vom Rassenhaß ihre Religion mit dem Beruf und der Vaterlandsliebe in schönstem Einklang zu bringen wußten und in dieser schonen und hehren Dreieinigkeit Beveutendes und, Bleibendes zu leisten vermochten. Ein solcher Mann war der vorgestern verblich"ne Eleasar S z ä ii 16, Director der isr. Knabenschule in der Pfeifergasse und Präses des israelitischen Landes-Lehrervereines. Im 64. Lebensjahre raffte ihn der Tod nach kurzer schwerer Krankheit dahin, nachdem er nahezu 46 Jahre auf dem Gebiete des Unterrichtes und der Erziehung erfolgreich thätig war und der Knabenschule der isr. Religionsgemeinde seit dem Jahre 1869 als Director vorstand. Was und wie er als Lehrer in den Gemeinden Fünfkirchen, Stuhlweißenburg und Szegedin noch zur Zeit, als das Bach'sche Regime hier herrschte, gewirkt hatte, das gehört in den engeren Geschichtsrahmen des ungarischen Schulwesens, gleich wie seine Thätigkeit als Schuldirector dahier mit der Geschichte dieses unter seiner Leitung sich so sehr entwickelten Institutes eng verflochten ist. Zur Charakterisirung seines pädagogischen Wirkens müssen wir aber immerhin doch erwähnen, daß er sich anfangs der Fünfziger Jahre als Anhänger und Verbreiter der nationalen Idee und Sprache unter der israel. Jugend eine mehrmonatliche politische Kerkerstrafe zuzog und daß er die hiesige Gemeindeschule, die er bald nach seinem Eintritt in dieselbe zu eineni Musterinstitute schuf, das heute 600 Schüler und 14 Lehrkräfte zählt. llnter seiner Schulleitung wurden die jüdischen Schüler so sehr magyarisirt, daß die zumeist aus deutschen und slavischen Gegenden sich hier niedergelassenen Eltern ihre eigenen Kinder nicht mehr verstanden und der Präses der jüdischen Schulsection als Directionsmitglird einer hiesigen Handelsschule in einer Sitzung interpellirt wurde, warum denn die aus der Gemeindeschule hervorgegangenen Mittelschüler, die sonst ein vorzügliches Schülerconßngent stellen, gerade in der deutschen Sprache so schwache Noten bekommen. So entschieden und erfolgreich wirkte er für die Magyarisirung der jüdischen Kinder der Hauptstadt, allein dieser energische und kluge Mann hatte auch für seine Collegen Herz und Sinn und machte sich auch die Stabilisirung seiner jüdischen Lehrercollegen und die Hebung ihres geistigen und wissenschaftlichen Niveaus zur Lebensaufgabe. Wer da weiß, was es in dieser Hinsicht noch vor 20 Jahren, als Eleusar Szäntö an die Spitze des ungar. jüdischen Lehrervereines berufen wurde, zu thun gab, der wird ermessen können, welche unsterbliche Verdienste sich der Verklärte als Präses dieser Körperschaft erworben hat, denn vornehmlich seinem Einflüsse ist es gelungen, die Fixirung der jüdischen Lehrer, die bis dahin der Spielball der Gemeindewillkühr waren, durchzuführen und das unter seiner Redaction erscheinende