Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 8 (24.2.1893)
- Date
- 1893-02-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Rr. 8 Oesterreichische Wocherljrlrritt Seite 141 Hören Sie mir auf! — Unserem jetzigen Geschlecht fehlt in seiner großen Mehrheit überhaupt jeder sittliche und moralische Halt. Man wird als.Narr oder Lügner betrachtet, wenn man sagt, daß man ohne materiellen Lohn für eine große Idee kämpft. Wir brauchen eine gewaltige Revolution für das deutsche Seelenleben, für die deutsche Lebensanschauuug. U. d. Gr. J. — „Hans L., Währing. Hat das „Deutsche Volksblatt" auf unsere sachlichen Angriffe jemals anders als mit gemeinen pöbelhaften Schimpfwo'-ten geantwortet?! Dieses „christliche" Blatt bedient sich derselben gemeinen Ausdrücke wie die Judenpresse: „An Größenwahn leidender Millionär"; „großmäulige Diener"; „Unverschämte deutsche Worte"; „Unsinn der von Rosenau kommt"; „Troß des reichen Schönerer"; „unverfälschte Querköpfe"; „infame Kampfesweise einiger Krakehler" u. s. w. (Enthalten in einem „Eingesendet"' eines Währing er „anständigen", „selbstständigen", Deutschnationaleu oder Christlich-socialen— wie er sich nennt.)" — „Mürzzuschlag. Uns sagt dieser Herr, daß er das „D. Bolksblatt" aukgibt; fragen Sie doch selbst bei ihm nach, ob er dieses Blatt, das die Gesinnungsgenossen des Herrn in der gemeinsten Weise beschimpft, noch incmer in seinem Hause duldet. U. d. Gr." — „Fritz Sp." Der blinde Dühring sah den „stehlenden Fenilletonisten" eben nicht von Angesicht zu Angesicht. Hätte Dühring in das „treue deutsche Auge" dieses Gauklers sehen können, er würde bald a>.E die Thüre gezeigt haben. U. d. Gr. Herr Bergan! antwortet darauf mit nachstehenden Schmähungen: „Die Unverschämten Worte" werden immer köstlicher; sie bestehen zum Theile aus leeren Seiten, auf denen fett gedruckt „Beschlagnahmt" zu lesen ist und zum Theile aus „sachlichen" Schimpfereien gegen das „Deutsche Volksblatt". Da muß man wahrlich viel Geld geerbt haben, um sich den Luxus zu gönnen, ein derartiges Leibblatt zu halten. — Ostmark. Wie es mit diesem „Unverfälschten Creditinstitut" steht, müssen Sie bei Schönerer anfragen. Er und seine engeren Gesinnungsgenossen sind ja die .Gründer dieses Darlehensvereines. — Wir haben uns nie darum bekümmert. — Geschäftsantiseinitische Blüthenlcse ans den „Unverschämten". „Sch. besucht nur Vereine, die sich mit aller Entschiedenheit gegen das „Deutsche Volksblatt" ausgesprochen haben." „Selbstverständlich sollen cs die Mitglieder des Deutschen Volksvereines als ihre Pflicht betrachten, die „U. D. W." zu beziehen und für deren Verbreitung eifrigst Sorge zu tragen. Unverfälscht deutschen Gruß. Schönerer". „Es geschieht aber auch viel zu wenig für die Verbreitung des „Deutschnatioualen Kalenders". Wer soll für die Kosten aufkommen, wenn die Drucklegung durch den Absatz nicht bezahlt wird. Unverfälscht deutschen Gruß. Jro." „Bericht einer Versammlung: Wolf erklärte, daß das „Deutsche Bolksblatt" kein Blatt sei, das sich die hehre Aufgabe gestellt, hat, einzig und allein für die nationale Idee einzutreten — sondern ein Geschäftsunternehmen der gewöhnlichsten Sorte u. s. w. (Rufe: Geschäftsantisemit!) — Max H. Sie fragen, ob die Briefkastennotiz der „Unverschämten", welche sich in Nr. 4 mit Dr. Shlvester befaßt, eine Schmeichelei oder eine Beleidigung sein soll? Fragen Sie bei Dr. Sylvester nach, wie er selbe auffaßt. — Wähler in T. Professor P. ist eben ein selbstständiger Deuffchnationaler und läßt sich nur von dem Gedanken, dem deutschen Volke zu nützen, „führen". Falls Sie aber einen Candidaten nur dann als national gelten lassen, sobald er ein unselbstständiger, willenloser Knecht eines närrischen Millionärs ist, dann wählen Sie meinetwegen den Gollatschcnbäcken oder irgend ein anderes verdächtiges Individuum." Wien, 20. Februar. (Die Juden in Rußland.) Den Juden in Rußland steht in der Reihe der von der Regierung gegen sie ergriffenen Maßregeln eine neue Grausamkeit bevor. Bekanntlich wurde im Jahre 1888 durch den damaligen Minister des Innern, Makow, den auch ohne besondere Bewilligung außerhalb des sogenannten Ansiedlungs-Rayons wohnenden Juden unter der Bedingung, daß sie ihre Unbescholtenheit und eine ständige Beschäftigung Nachweisen, der fernere Aufenthalt in ihren Wohnorten gestattet. Diese Erlaubniß wurde von dem Minister des Innern, Grafen Tolstoi, durch einen Erlaß vom 21. Juni 1892 erneuert, Nunmehr aber sollen auch diese Juden aus ihren Wohnsitzen vertrieben werden. Wie uns aus Petersburg berichtet wird, ist im Januar dieses Jahres der folgende Erlaß des gegenwärtigen Munsters des Innern an die Gouverneure ergangen: Am 3. April 1880 sub Nr. 30 beauftragte das Ministeriuin des Innern die Herren Gouverneure, bis auf weitere Verordnung im Ausweisen derjenigen Juden einzuhalten, die, ohne die dazu erforderlichen Wohnrechte, zu besitzen, in ihren Gouvernements ansässig wären. Am 21. Juni 1892, 8ud Nr. 1656 ivürde diese Verordnung bestätigt, . wobei den Gouverneuren ausgetragen wurde, Maßregeln zn treffen, daß in Zukunft die Vorschriften betreffs des Wohnrechtes der Juden außerhalb des Rayons genau befolgt werden. Indem ich den Zeitpunkt für gekommen erachte, besagte Rundschreiben meiner Vorgang-r aufzuheben, bitte ich Eure Excellenz, ohne eine allgemeine Controle der Wohnrechte der Juden vorzunehmen, dafür Sorge zn tragen, daß solche Juden, die das Wohnrecht außerhalb des Rayons nicht besitzen, in die Gouvernements zurück übersiedeln, die ihnen als Wohnort zugewiesen sind. Um eine allmählige Vollstreckung dieser Vorschrift zu ermöglichen und zur Vermeidung des Ruins der anszuweisenden Inden, wollen Sie sofort den in Ihrem Gouvernement unrechtmäßig w.chnenden Juden von ihrer Ausweisung Mittheilung machen, und wollen Sie Jedem einen Termin von nicht weniger als vier Monaten bestimmen, nach dessen Ablauf sie das Gouvernement zu verlassen haben. Die eben erwähnte viermonatliche Frist kann nach Ihrem Dafürhalten verlängert werden, jedoch nicht länger als bis zum l. November d. I. Solchen Juden aoer, die ein Geschäft betreiben, Immobilien besitzen, einer bestimmten Beschäftigung nachgehen, mit einer zahlreichen Familie belastet sind k. nur unter der Bedingung, daß zum Beginne des Winters die Auswanderung beendet ist und daß in ihrem Gouvernement nur solche Juden wohnen bleiben, denen das Gesetz es gestattet. Diese Maßregel hat selbstverständlich keinen Bezug auf solche Juden, die vor Ablauf der ihnen bewilligten Frist sich Documente verschafft haben werden, die ihnen, gemäß dem Gesetze, das Wohnrecht außerhalb des Rayons gewähren. Wollen Sie mir über die von Ihnen in dieser Sache ergriffenen Maßregeln genauen Bericht erstatten mit Angabe der Zahl der auszuweisenden Juden und der ihnen bewilligten Termine. Wie uns berichtet wird, schätzt man die Zahl der Juden, welche in Folge dieses Erlasses nach Ablauf einer vier- bis achtmonatlichen Frist nach dem Ansiedlungs-Rayon getrieben werden sollen, aus mehr als 50.000, in Cur- und Lievland allein auf ungefähr 5000. Da ihnen in diesem Rayon der Aufenthalt nur in den Städten und Marktflecken gestattet ist, die ohnehin überfüllt sind, wo die massenhaft schon ansäßigen Juden jetzt schon einen furchtbaren-Kampf ums Dasein zu führen haben, so ist das Elend, dem die Masse obdachloser, zumeist aller Mittel entblößter Geschöpfe entgegengeht, kaum zu ermessen. Wien. (Die Rückseite der Medaille.) Die Deutschenhetze, welche von den ruffischen Blättern gleichzeitig und wie ans ein gegebenes Signal begonnen wurde, scheint immer größere Dimensionen annehmen zu wollen. In ihrer beute eingetroffenen Nummer bringt die „Nowoje Wremja" gleich zwei Artikel, welche gegen die deutschen Colonisten im Innern des Reichs gerichtet sind. Es wird gegen dieselben darin in gehässigstem Tone die Anklage erhoben, daß sie sich absichtlich von der russischen Bevölkerung abschließen und hartnäckig allen Assimilationstendenzen Widerstand leisten. Ja, das Petersburger Blatt geht io weit, zu behaupten, daß die deutschen Colonisten in solchen Ortschaften, wo ihre Zahl eine größere ist, die russische Bevölkerung bedrücken und ruft zu deren Schutz die Regierung an. — Die practische Tendenz dieser Angriffe zeigt sich zum Schluffe in den Forderungen, daß der deutsche Privat- und Schulunterricht in den Colonien aufs strengste ausgeschlossen und die deutschen Colonisten überall, wo sie noch Privilegien (ans der Zeit Peters des Großen und Katharina II) besitzen, derselben beraubt werden, „da diese Vorrechte und nationalen Eigenthümlichkeiten für den Fall eines Krieges mit Deutschland die Russen der Gefahr aussetzen, im Innern ihres Reiches Feinde zn finden." Der „Sin Otetschestwa" äußert sich zu der Umbenennung der Städte Dorpat und Dünaburg in „Jurjew" und „Dwinsk" wie folgt: „Jurjew und Dwinsk sind zwei alle slavische Städte, welche in ihrer historischen Vergangenheit den Kampf Rußlands um seine Selbstständigkeit ertragen haben und eine zeitlang unter das Joch der deutschen Ritter gelangten, während deren Bevölkerung, Neberlieferungen und Sprache. Dank der groben Gewalt des Ordens, der endgiltigen Vergessenheit anheimgegeben wurden. Ein solches Los des alten Jurjew und Dwinsk ist deßhalb besonders bedauerlich, als die Deutschen aus denselben eine Citadelle ihrer Hoffnungen und Bestrebungen gemacht haben und das in Dorpat verwandelte Jurjew und das zu Dünaburg gewordene Dwinsk Bollwerke des Germanismus geworden waren. Im letzten Decennium aber wurde beschlossen, die Annäherung der Grenzgegeuden mit dem Centrum mit eiserner Consequenz durchzusühren. In Verfolgung einer solchen Ausgabe erscheint die llniverjität als geistiges Centrum, mit Vorlesungen in russischer Sprache und in der russischen Stadt Jurjeiv und nicht in dem deutschen Dorpat, als bester Schild für eine erleuchtende und versöhnliche (!) Politik, die vom Centrum ausgeht. .Darin liegt die große und sogar politische Bedeutung der neueil, soeben veröffentlichten Maßregel." Marienbad, Ende Feber. Wenn die erste Frühlingssonne über die noch schneebedeckten Gefilde sich niedersenkt und dieLerche ibr Loblied zum Himmel trillert, der sie auf richtiger Fährte den Weg finden ließ, wohin sie ziehen sollte, wird es auch in den Curorten und Sommerfrischen rührig und lebendig. Mit der Natur zugleich erwacht auch die Menschheit allerorten zu neuem Liberi, um die nöthigen Vorkehrungen zu treffen für die nächste Zukunft. Auch hier und in den übrigen böhmischen Bädern geht man an die Arbeit, um mit dem Beginne der officiellen Saison vollkommen gerüstet zu sein, zum Empfange der neu ankommenden Gäste. Wie ich in meinem letzten Berichte von hier bereits mitgetheilt habe, liefern die Juden eine unverhältnismäßig große