Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 8 (24.2.1893)
- Date
- 1893-02-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 140 Oesterreichische Wochenschrift Nr. 8 Sohn frommer jüdischer Eltern, sein Vater. Möbelfabrikant, ließ seinem Sohne die beste Erziehung angedeihen. . Man darf Cllstätter das Zeugniß ausstellen, daß er das Finanzministerium, das er unter den schwierigsten Verhältnissen übernahm, durch alle Klippen der politischen Bewegungen und Volkswirthschaftlichen Strömungen geleitet hat, daß er durch Einführung der directen Einkommensteuer bestrebt war, einen wirthschaftlichen Ausgleich zu finden, und daß er andererseits mit Energie den Sondergelüsten aus dem Gebiete der Eisenbahnwünsche cntgegentrar. Für eine gerechte Sparsamkeit hat er stets in den verschiedenen Communiqucs zn den Finanzgesetzen seine warnende Stimme erhoben, und war auch mit Erfolg bemüht, die Finanzen im Gleichgewicht zu halten. Heute sind die Finanzen Badens die besten. Staatsschulden existiren nicht. Dem letzten Landtag konnte eine bedeutende Steuerermäßigung vorgeschlagen werden, die von der Kammer auch gntgeheißen wurde. Der Finanzpolitik Ellstätter's wird große Anerkennung gezollt, auch von Seiten des Landessürsten wurden ihm wiederholt Auszeichnungen zu Theil. Wien. (Mä d ch e n h and e l.) Herr Ferdinand H o f sm ann, Pächter des Vereins-Hotels in Mähr.-Weißkirchen sendet uns in Bezug aus unsere Correspondenz Wien in unserer letzten Nummer unter der gleichen Ueberschrift ein Schreiben, in welchem .derselbe mittheilt, daß das Vereins-Hotel unter seiner Verwaltung, also seit 6 Jahren von den, gerügten Uebelständen bereits frei ist. Wir nehmen dies mit Befriedigung zur Kenntmß. Die erwähnte Correspondenz ist uns vor. einem Mitgliede des Vereines „Reisender Kaufleute" zugekommen und der Einsender mag vielleicht sti Bezug aus das eine Hotel in Jrrthum gewesen sein. Allein das wird Herr Ferdinand H osfmann selber zugeben, daß es nicht gerecht ist, einen einzigen jüdischen Hotelier Herauszugreisen und an den Pranger zu stellen und die arischen Erwerbsgenossen gleichen Schlages zn verschweigen. Es wäre sonst uns gar nicht beigefallen eine Projcriptionsliste zu publiciren. Das sind die Folgen der antisemitischen Hetzereien des Ernst Berganiw. «Der Erzlügner Berganiw) brachte weiters unter der Spitzmarke „Mädchenhandel" am 8. Februar die Mittheiluug,' daß die Polizei in Jägerndorf mehreren Mädchenhändlern, sämmtlich Inden, auf die Spur gekommen, welche ihre „Waare" über die preußische Grenze nach Berlin verkauft. Am 22. d. mußte Herr Berganiw selber nachstehende characteristische Berichtigung publiciren. . „Die am Mittwoch, den 8. d. M.,. erschienene Nummer 1474 des „Deutschen Volksblattes" erzählt unter der Spitzmarke „Mädchenhandel", daß es der Polizei in Jägerndorf in Schlesien gelungen ist, mehreren Mädchenhändlern aus die Spur zu kommen und das; auch in diesem Falle die Mädchenhändler s ä m m t l i ch I u d e n sein sollen. Ich ersuche nun unter Berufung aus ß. 19 des Preßgcsetzes vom 17. December 1862, R. G. Bl. Nr. 6, diese Notiz dahin zu berichtigen, daß indem angeführten Falle keine einzige Person israelitischer Confessio» betheiligt ist. Jägerndorf, am 18. Februar 1893. Hochachtungsvoll Dr. Hiri ch, Bürgermeister." Dieser Brandmarkung gegenüber erklärt Herr Berganiw: „Wir geben dieser Berichtigung gerne Raum in unserem Blatte, besonders, da wir ' wissen, daß der Herr Bürgermeister von. Jägerndorf selbst kein Jude ist." „Wie uns aber geschrieben wird, lvar die Mittelsperson, tvelche in Preußen die bedauernswerthen Mädchen übernahm und sie in andere Städte, meistens nach Berlin, sendete, wo sie der Schande zugeführt wurden, „jüdischer Confession". Gegenüber dieser neuerlichen Lüge wird uns mitgetheiltj daß die saubere Dame jenseits der Grenze eigentlich aus Galizien stammt und Bergani wohlvertraut sein muß, d a sie die Schwestertochter seiner Mutter, seine leibliche Cousine ist. Die Rasse verleugnet sich nicht. Wien. (Antisemitenhäuptling.) Der antisemitische Arinenrath Dostalek, der vor Kurzem wegen Diebshehlerei zu einer Kerkerstrase verurtheilt wurde, steht in den antisemitischen ' Annalen nicht vereinzelt da. Ihm folgt nun der gleichfalls antisemitische Bezirksausschuß Johann Kurz, welcher zwar nicht . unter die Diebshehler gegangen, wohl aber nach Verkauf seines Porzellairgeschäftes unter falschen Angaben und Zurücklassung von Schulden aus Wien verschwunden ist. Angeblich ging die Reise, aus der den verheirateten Bezirksausschuß eine Dame seiner Bekanntschaft begleitet haben soll, zu Geschäftszwecken nach Karlsbad. Bon dort sollte in zwei Tagen eine Mittheilung in Wien eintreffen; seine Frau wartete auf dieselbe, jedoch vergebens. Donnerstag den 16. Februar erstattete nun Dr. Kulka als Vertreter von zwei Wiener Firmen, denen der flüchtige Bezirksausschuß die Summe von 1400 fl. schuldet, gegen Kurz die Strafanzeige. Seine Gattin äußerte zu unserem Berichterstatter: „Ich sage Ihnen, an dem Ganzen ist nur der Antisemitismus schuld, ich bin die doppelt Betrogene: die Frucht fünfzehnjähriger Thätigkeit ist für mich Elend und Roth. Nur die antisemitischen Agitationen meines Mannes liaben mich ruinirt. Oft und oft habe ich deshalb mit meinem Manne Auf-. tritt? gehabt und gesagt: „Ein Geschäftsmann darf nicht. Antisemit sein. Der Antisemitismus ist unser Ruin." Eine bessere Kritik über die Partei der „Bolksretter" und ein besseres Beispiel für die Moral dieser Gesellschaft braucht man nicht. Die Fälle Dostalek und Kurz — „sprechen Bände". Wien. (Die Provisionen der Christl i ch -So z i alen.) Im Ausschüsse der Genossenschaft de.- Gemischtwaarenverschleißer spielte sich eine Afsaire ab, in welche zwei antisemitische Agitatoren, die Stützen der christlich-socialen Partei im VII. Bezirke, verwickelt sind. In der letzten Sitzung des Ausschusses der Krankenkasse wurden der Obmann Heinrich Wild und dessen Stellvertreter Josef Ihm ans Grund der wider ihr Gebahren erhobenen Beschuldigungen seitens der Mitglieder der Krankenkasse zur Verantwortung gezogen. Die Ausschüsse Anton Buxbaum, Florian Rieder und Ferdinand Nissel forderten Rechenschaft darüber, wieso die beiden genannten Funktionäre sich das Recht anmaßen konnten, drei Rechnungen über gelieferte Drncksorten, auf den Betrag von 277 fl. lautend, eigenmächtig um fünfunddreißig Gulden zu erhöhen, welchen Betrag die beiden Leiter der Kasse für-sich verwendeten. Gegen'dieses uncorrecte Gebühren müsse Protest eingelegt werden, da durch dasselbe das mit großen Opfern von der fortschrittlichen Genossenschaftsvorstehung gegründete humanitäre Institut geschädigt werde. Auf die Verantwortung des Obmannes^ daß sie den in Rede stehenden Betrag als Provision betrachteten, gab der Buchdrucker, von dem die betreffenden Drucksorten geliefert worden waren, die Erklärung ab, daß er über Auftrag des Obmannes und seines Stellvertreters die Rechnungen um sünfunddreißig Gulden höher angesetzt habe; eine vierte Rechnung wurde gleichfalls um vier Gulden höher gestellt, nachträglich jedoch über Verlangen der Auftraggeber rectifizirt. Von der antisemitischen Mehrheit des Ausschusses versuchte es nur ein Mitglied, die -angegriffenen Vertrauensmänner in Schutz zu nehmen, die übrigen, darunter auch Herr Hollaus, verhielten sich ruhig bis auf Herrn Buxbaum,' der sehr scharf die Handlungsweise Wild's und Jhm's verurtheilte. Nach sehr stürmischer Debatte erklärte der Obmann, die 35 fl. im Laufe der nächsten vierundzwanzig Stunden zurückzuerstatten, damit auch der polizeilich eingeleiteten Untersuchung jede Handhabe entzogen werde. Die drei Opponenten erklärten jedoch, daß sie den Vorgang nicht dulden können und aus diesem Grunde auch ihre Demission geben müssen. Daraufhin legten auch die übrigen Ausschüsse ihre Mandate zurück, worauf Wild und Ihm gleichfalls resignirten. Die Versammlung beschloß jedoch, im Interesse der weiteren Thsitigkeit der Kasse provisorisch die Ausschüsse noch in ihren Functionen zu belasten und bestellte Herrn Wenzel Reimer bis zum Zeitpunkte der vollzogenen Neuwahlen zum Leiter der Kasse. Wien. (Schönerer und Bergani.) Die jüngste Nummer der „U. D. W." bringen eine Sammlung zahlreicher Kundgebungen der Verurtheilung, Verachtung und' Geringschätzung gegen das „Deutsche Volksblatt" und Herrn Bergani. Ferner nachstehende Sentenzen im Briefkasten. Das „Deutsche Vvlksblatt" schrieb kürzlich, daß alle. die be- - stochenen französischen Deputirten noch als Ehrenmänner herum laufen würden, wenn als Beweis nicht die photographirte Checkliste vorliegen würde. Da die Liste der Summen, die Bergani von einzelnen anti-- semitischeu Abgeordneten erhalten soll, damit er deren Reden in seinem Blatte abdruckt., bis heute noch nicht photvgraphirt wurde, kann Ber» gcuti ganz kühn einen Lugner schimpfen, der ihm vorwirft, daß er sich für den Abdruck antisemitischer Reden in seinem Blatte bezahlen, läßr. Herr Stepnitz hat übrigens andere Namen und andere Summen genannt. Herr Stepnitz klagt nicht, weil ihn Bergani nicht beleidigen kann." — A. F. Diese Stelle in dem Währinge'r „Eingesendet" des „Deutschen Volksblattes"' vom 3. Februar lautet allerdings: „Wir hoffen, daß bei ihm bald die bessere Einsicht wiederkehrt und er sich . (Abg. Baumann), schleunigst von Leuten freimacht, die seine Taschen leeren, aber nie füllen." — Erinnert sich denn der Herausgeber des „Deutschen Volksblattes" nicht mehr an die Taschen der Herren Schönerer, Hauck, Gagstatter, Schnitze u. v. A. Die Taschen "dieser Herren hat Bergani anständig geleert, bis heute aber nur mit gemeinem Schimpf wieder gefüllt. Das Geld der „unverfälschten Qnerköpfe" I hat Ehren-Bergani ruhig behalten. N. d. Gr. J. — Franz M.