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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-24 · 8 (24.2.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
8 (24.2.1893)
Date
1893-02-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 138 Nr. 8 Orsterreichische Wochenschrift Herr David Ritter von Gutmann, den Vorsitz übernehmend, bedauert, in der letzten Sitzung, in welcher er mit Acclamation zum Vorsitzenden gewählt wurde, wegen eines Unwohlseins nicht anwesend gewesen zu sein und dankt nachträglich für diese Wahl, die er als einen Act großen Vertrauens zu würdigen wisse. Er sei sich der Pflichten und Verantwortung bewußt, welche mit der Uebernahme dieses Ehrenamtes verbunden. Er müsse hiebei des unvergeßlichen Mannes gedenken, der als erster Präsident der Stiftung mit außerordentlichem Fleiße und großer Hingebung die Interessen der Stiftung zu fördern bemüht war, bis ihn der unerbittliche Tod seinem Wirkungskreis entriß. Ein Programm könne man von ihm nicht erwarten, die Wege, welche die Stiftung zu wandeln habe, seien ja vorgezeichnet und er hoffe zuversichtlich, auf diesem Wege der wohlwollenden Unterstützung der Regierung und der Landesbehörden zu begegnen, rechne auf die' thatkräftige Mitwirkung des Curatoriums und insbesondere der Herren im Präsidium, welche sich bislang mit der Führung der Geschäfte befaßt haben, zähle auf das freundliche Entgegenkommen der Executiv- und Local-Comites, überzeugt, daß sie alles aufbieten werden, die Ziele der Stiftung zu erreichen und die Stiftungsangelegenheiten in objectiver, rein sachlicher Weise zu behandeln und dem Curatorium eine klare Vorstellung der Sachlage zu ermöglichen. Er erwarte selbstverständlich von den Lehrern, denen die hochwichtige Aufgabe der Jugenderziehung anvertraut ist, daß sie diese ihre Aufgabe mit heiligem Ernst erfüllen werden. Wenn nun alle zur Mitwirkung an dem großen Stiftungswerke Berufenen das eine Ziel: die Stiftung im Sinne des Stifters zu leiten, verfolgen werden, dann sei nicht zu zweifeln, daß das Werk gelingen werde. „Ich kann diese Gelegenheit" — so fährt der Redner fort — „nicht vorübergehen lassen, ohne eines Mannes in unserer Mitte dankend zu gedenken, der zu allen Zeiten eifrig bemüht war, unseren armen vielfach angefeindeten Glaubensgenossen in Galizien beizustehen und den verläumderischen Angriffen im Parlamente offen mit wahrheitsgetreuen Schilderungen ihrer wirklichen Lage entgegenzutreten. In der heutigen Zeit, wo entgegen unserer heiligen Aufgabe: Werkstätten der ehrlichen Arbeit zu errichten, offene und geheime Werkstätten etablirt werden, um lügenhafte und verläumderische Berichte gegen uns zu schmieden, ist es ümso größeres Herzensbedürfnis, jenen Männern offen zu danken, welche mit unerschrockenem Muth die Fahne der Wahrheit entfalten und den Verfolgten und Bedrängten beistehen. Ich brauche Ihnen diesen Kämpfer für Recht und Wahrheit nicht zu nennen, es ist Herr Sections-Chef Ritrer von Gniewosz, ich danke ihm in meinem Namen und im Namen meiner Glaubensgenossen, obgleich ich kein Mandat hiezu habe." (LauteZustimmung.) . Der Redner schließt mit der Bitte um Nachsicht für seine Thätigkeit und um freundliches Entgegenkommen und versichert, daß er seinerseits mit der größten Offenheit und freundlichstem Entgegenkommen die Geschäfte leiten werde. (Allgemeiner lauter Beifall.) Der hierauf von Herrn Thorsch gestellte Antrag, die Wahl des Herrn von Gniewosz zum Präsidenten-Stellvertreter durch Acclamation vorzunehmen, findet allgemeinen Anklang; jedoch wird auf eindringliches Verlangen des Herrn von Gniewosz, welcher erklärt, daß die bei dem Präsidenten erfolgte Wahl per acclamationem nur in besonderer Würdigung des Wunsches des menschenfreundlichen Stifters und zur Hebung der Autorität des Präsidenten am Platze war, also als ein Act besonderer Ausnahme zu betrachten sei, er bitte daher dringend von der üblichen Regel nicht abzugehen, und seine Wahl durch Stimmzettel vorzunehmen. Herr v. Gniewosz hierauf mit überwältigender Majorität zum Präsidenten-Stellvertreter gewählt, dankt für das ihm geschenkte Vertrauen, in welchem er eine Anerkennung für die getreue und rückhaltlose Erfüllung seiner Pflichten im Dienste der Stiftung, im Sinne des Stifters sehe. Die Dankesworte des Vorsitzenden, so sehr er sich durch dieselben in seinem Innern gehoben fühle, müsse er ablehnen, was er gethan und weiter thue, sei nichts anderes als der natürliche Ausfluß des Gefühles der allgemeinen Menschenachtung und Menschenliebe, das sei kein besonderes Verdienst. da es ihm in seiner ftühesten Kindheit schon gleichsam eingeimpst worden sei, und es sei eine heilige Pflicht, sich der Verlassenen anzunehmen und die Verfolgten zu beschützen. Was die Stiftung anbelange, so erkläre er offen, daß es ihm zur großen Genugthuung gereicht habe, zur Mitwirkung an derselben berufen worden zu sein, da er in dieser Stiftung eine ganz außerordentliche Wohlthat für das Land erblickt habe, zu mal die Tendenz dieser Stiftung dahinging, nicht nur die ca. 800.000 Seelen zählende jüd. Bevölkerung, welche jedenfalls im Lande bleibe, in einer dem Lande nur frommenden Weise, allmälig der Cultur zuzuführen, sondern auch ihre Wohlthaten der christlichen Bevölkerung zum Mitgenusse zugänglich zu machen. Die Stiftung, ihren Zielen entsprechend-verwaltet, sei an und für sich.schon als solche segensreich für das Land und bedürfe keiner weiteren Unterstützung durch Verfolgung politischer und nationaler Zwecke, durch derartige Nebenströmungen würde sie vielmehr nur verlieren, weshalb die besonderen Bestimmungen, daß sie von Männern ohne politisch-nationale Sonderbestrebungen, Männern, welche solchen Einwirkungen und Ausnützungen vollständig entgegengesetzt und unzugänglich, verwaltet werden müsse, daß also der Sitz dieser Verwaltung in Wien bleiben müsse. Als er aber die immer stärker hervortretenden Bestrebungen, diese Hauptbedingungen des Stifters illusorisch zu machen, wahrnahm, habe er sein Mandat als Präsident-Stellvertreter niedergelegt. Nachdem der Redner eine Reihe von in der allernächsten Zeit zu verwirklichenden Anregungen gegeben, schließt er mit der Versicherung, daß er nach wie vor offen und unentwegt gegen alle, gegen den Willen des Stifters gerichteten Aspirationen ankämpfen und immer darüber wachen werde, daß nicht auf Umwegen dem Curatorium abgerungen werde, was zum Schaden der Stiftung ausschlogen müsse, daß künftighin keine Uebergriffe, welche das Curatorium auf die Seite zu schieben geeignet wären, sich geltend machen können. (Laute Zustimmung.) __ Erklärungd-rAabbinerDeutschlands. Im Vertrauen auf den Beistand Gottes erklären wir, die Rabbiner jüdischer Gemeinden Deutschlands, zur Steuer der Wahrheit gegenüber falschen Vorstellungen, die über das Schriftthum und die Sittenlehre des Judenthums verbreitet werden, was folgt: Die heilige Schrift, welche Gemeingut der ganzen gesitteten Welt geworden ist, bildet die Grundlage für die Lehre des Judenthums. Außer der heiligen Schrift, welche die „schriftliche Lehre" heißt, besitzt das Judenthum noch eine Religionsquelle, den Talmud, der, weil er ursprünglich nicht niedergeschrieben wurde, die „mündliche Lehre" genannt wird. Eine andere religionsgesetzliche mündliche Lehre giebt es für das Judenthum nicht. Der Talmud baut seinen Lehriuhalt auf Grund des biblischen Wortes auf und giebt Allem Raum, was den menschlichen Geist und das menschliche Gemüth beschäftigt. Neben dem Religionsgesetze und der Ethik, welche seine beiden Hauptgebiete sind, haben in ihm Fragen der Weltweisheit, der Naturkunde, der Medicin, der Geschichte, sowie Erzählungen, Gleichnisse, Sentenzen und Aehnliches Aufnahme gefunden. Seiner Form nach ist der Talmud mit der Auszeichnung der Verhandlungen einer gesetzgebenden Körperschaft, in welcher eine Vorlage mit ihren Motiven zur Discussion steht, insofern zu vergleichen, als er die von mehr als 2000 namhaft gemachten Gesetzeslehrern während vieler Jahrhunderte in den Lehrhäusern gepflogenen Verhandlungen ausgezeichnet, die verschiedenen, oft widerstreitenden Meinungen neben einander stellt, jede Ansicht, die zu Worte kam, jede Auffassung, die geäußert wurde, in der ganzen Lebendigkeit der Discussion wiedergiebt, und zwar ohne dabei immer zu einer endgiltigen Entscheidung zu gelangen. Der Talmud enthält somit überaus zahlreiche Aussprüche, welche als die Meinungen Einzelner niemals eine bindende Kraft erlangt haben. Seiner ganzen Anlage nach ist daher der Talmud als die Quellenschrift für die Auffassung des biblischen Wortes und für die Kenntniß, die Geschichte und die Begründung des überlieferten Religionsgesetzes zu betrachten. Als eine solche Quellenschrift ist der Talmud zu allcn Zeiten von den jüdischen Forschern behandelt worden . Die Sittenlehre des Talmuds beruht auf der Bibel und erblickt in folgenden Aussprüchen der heiligen Schrift: „Im Ebenbilde Gottes hat er den Menschen geschaffen" (Genesis 1,27) „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Leviticus 19,18) „Liebet den Fremdling" — „Liebe ihn wie dich selbst" (Deuteron 10,19 — Leviticus 19,34) das Gebot der allgemeinsten, auf alle ' Menschen, Juden und Nichtjuden, sich erstreckenden Nächstenliebe.

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