Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 7 (17.2.1893)
- Date
- 1893-02-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 126 Oestrrreichifche Wochenschrift Nr. 7 Stampfens folgte, deren Annalen in die Zeit des Rabbi Jonathan Eibenschütz zurückreichen. P. Budapest. Am 30. Januar, Vormittags 11 Uhr, fand in der festlich beleuchteten Synagoge der Landesrabbinerschule die feierliche Entlassung der Rabbiner Dr. Julius Diamant, Dr. Leopold Goldschmidt und Dr. Anton Rudolfer statt. Außer den Professoren der Anstalt, dem Präsidenten der Pester Gemeinde Sigmund Kohner, dem Trencsiner Oberrabbiner Dr. M. Diamant, waren noch zahlreiche Gäste und Zuhörer erschienen. Nach einem einleitenden Gesang hielt der Vorsitzende der Prüfungs-Commission Dr. Alexander Rosenberg, Oberrabbiner von Arad, eine Rede, in welcher derselbe die Pflichten eines jüdischen Seelsorgers im Allgemeinen und eines Rabbiners im freien und freiheitsliebenden Ungarn im Besonderen auseinandersetzte. Hierauf richtete im Namen der zu Entlassenden Herr Dr. Goldschmidt Worte des Dankes und der Anerkennung an den Professorenkörper für den genossenen Unterricht, worauf der Seminardirecior Rab. Moses Bloch an die jungen Rabbiner eine hebräische Ansprache hielt und den Promovirten den Segen ertheilte. Stuhlweistenburg. Die hiesige Judenschaft ist in schwere Trauer versetzt. Einer ihrer besten Männer, Herr Jaques Hahn ist nack langem Leiden im 59. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Heimgegangene war ein Mann von hohen Gaben, von ungewöhnlichen Kenntnissen und mit großen Vorzügen des Geistes und Herzens ausgestattet. Er intereffirte sich für alle Erscheinungen des literarischen und öffentlichen Lebens und als treuer Sohn seines Volkes nahm er den herz, lichsten Antheil an den Kämpfen des Judenthums unserer Tage. Auch die „Oesterr. Wochenschrift" und ihr Herausgeber beklagen in dem Tode des Herrn Jaques Hahn den Verlust eines treuen aufrichtigen Freundes. Berlin, 8. Februar. Eine Trauerkunde, von welcher die rveitestcn Kreise mit tiefer Wehmuth Kenntnis nehmen werden, müssen wir heute unseren Lesern bringen. Der treu bewährte Sigismund Simmel ist todt. Seit Wochen von einer schnurzhaften Krankheit heimgesucht, ertrug der Verblichene sein Leiden in bewundernswürdiger Demuth und Ergebung in den allmächtigen Willen Gottes. Wir sahen die rapiden Fortschritte des am Lebensmark nagenden Siechthums und mußten Zeuge sein eines langsam erlöschenden Lebenslichtes, voll Bangen harrten wir des Ausspruches der Aerzte, die leider kein Mittel fanden, um dem nahenden Tode abzuwehren. Was der ftlige Simmel für das russische Hilfswerk geleistet, bedarf einer eingehenden Würdigung. Es ist hier Erstaunliches zu verzeichnen und dürste der Nachwelt nicht vorentholten bleiben. Hand und Herz waren thätig, um das Elend der Mitbürgerzu lindern, in Wort und Schrift eiferte er an, damit die harten Schläge gemildert, die blutigen Wunden geheilt werden. — Bon den Schöpfungen des Verstorbenen, welche den hiesigen Bewohnern zu Gute kommen, wollen wir nur des Miethe-Hilfsvereins gedenken, der viel Segen stiftet und so manche hart bedrängte Familie vom drohenden Untergange errettete. — Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Simmel seine Mitgliedschaft bei andern Verein-m, wieBeth- Hamidrasch, Talmud-Berein u. A. sehr ernst nahm und bei der Generalversammlung durch seinen viel erprobten Rath und seinen Tact trübende Wolken zu verscheuchen, die brausenden Wogen zu besänftigen verstand. Mannheim. Die Königliche Großbritannische Regierung hat den bisherigen Viceconsul F. Ladenburg dahier zu ihrem Consul ernannt. Worms. Für das Studienjahr 1892—93 hat Herr Ludwig Josef Pfnngst von hier der Technischen Hochschule zu Darmstadt neuerdings eine Schenkung im Betrage von 1000 M. zugewendet; diese Summe wird dem Wunsche des Stifters entsprechend im Einvernehmen mit der Direction der Technischen Hochschule zu namhaften Stipendien an einige Studirende verwendet. Für das folgende Studienjahr hat Herr Pfungst in dankenswerther Weise eine gleiche Schenkung in Aussicht gestellt. Wir fügen hinzu, daß dem Stifter sehr erwünscht wäre, wenn auch Bewerber jüdischer Confcssion sich einfinden würden. Baden. Nachdem der königl. Großbritannische Generalconsul Oppenheimer in Frankfurt a. M. vor kurzer Zeit von der Königin von England und dem Großherzoge von Hessen mit einem hohen Orden decorirt worden ist, hat nunmehr auch der Großherzog von Baden demselben das Commandeurkreuz 2. Classe des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Stuttgart. In Crailsheim starb dieser Tage der in den weitesten Kreisen b-kaunte Pension. Oberlehrer Alexander Elsässer, früher in Laupheim. Derselbe war ein wissenschaftlich und talmudisch gebildeter Herr mit außerordentlicher pädagogischer Begabung. Er war in früheren Jahren schriftstellerisch sehr thätig und für seine bedeutenden pädagogischen Leistungen von der Oberschulbehörde öfters belobt worden. Posen, 7. Februar. Der in Berlin wohnhafte Rentier Moritz Rohr, ein geborener Posener, schenkte 600.000 Mark zum Bau und Unterhalt eines jüdischen Krankenhauses in unserer Stadt. Riesa. Ein antisemitischer Hauptagitator, der erste Assistent im hies. städtischen Bauamt, Baumeister Schuster, ist wegen grober Unregelmäßigkeiten, die er sich hat zu Schulden kommen lassen, Knall und Fall entfernt worden. Ueber deren Natur sind bisher nur Gerüchte in die Oeffentlichkeit gedrungen. (Schuster war einer der eifrigsten Schürer der Judenhetze in Riesa, Begründer und zweiter Vorsitzender des dortigen „Deutschen Reformvereines"). Rom, 4 Februar. Heute (Sonnabend) Früh kam es im Römischen Judenquartier zu Tumulten. Die abergläubische jüdische Menge zwang sämmtliche reicheren Glaubensgenossen, ihre Geschäfte zu schließen, in dem Wahne, Gott hätte im Zorne das Feuer in die Synagoge geschickt, weil die Juden am Sabbath ihre Geschäfte offen ließen. Gendarmerie und Militär stellte die Ordnung wieder her. (B. Tgbl.) Paris, 2. Februar. I. B. Gerin, gewesener Herausgeber des National, zuletzt Herausgeber des Finanzblattes La Semaine Financiere und finanzieller Gründer des Antisemiten-Blattes Libre Parole, wurde wegen Betruges und Veruntreuung verhaftet. Der französische Antisemit Gerin hatte großartige Bureaux, in denen die Semaine Financiere redigirt und zugleich Börsengeschäfte vermittelt wurden. Seine Verhaftung erfolgte auf Anzeige mehrerer Personen, die ihm bedeutende Summen anvertraut haben, damit er für sie Börsenpapiere kaufe. Ein Client verliert zweihunderttausend Francs. Gerin pflegte den Leuten, die ihm Geld schickten, Actien seines Blattes, oder Werthpapiere zu liefern, die an der Börse gar nicht cotirt wurden. Die Verhaftung erregt großes Aufsehen. Paris. Professor Hartwig Dercnburg ist zum Präsidenten der Zneiete desEtudes Juives ernannt worden. Ein posthumes Werk von Isidor Loeb La Literature des. Panvres daus la Bible ist soeben erschienen. Lieutenant Pierre Levy-Bing, ist zum Commandanten eines Torpedo-Schiffes ernannt worden. Amsterdam. Professor med. Dr. B. I. Stockris, ist zum Repräsentanten der Regierung bei den im September abzuhaltenden internationalen medicinischen Congreß ernannt. Petersburg. (Bernrtheilung des Fürsten Meschschersky.) Nach einer Meldung aus St. Petersburg ist der Herausgeber des „Graschdanin", Fürst Meschtschersky, wegen beleidigender Angriffe seines Blattes gegen das militär-ärztliche Corps Rußlands zu einer sechswöchentlichen Arreststrafe verurtheilt worden. Das Einschreiten gegen den Fürsten Meschtschersky erfolgte auf Verlangen des Kriegsministers. London. Sir Julian Goldsmith hat in der Synagoge in Berkeley Street letzten Sonnabend gepredigt einen veritablen Seruor — eine Laienpredigt; er wünscht daß endlich das Judenthum sich reformirt. Eingehendes Studium des Hebräischen, aber mehr Gebete in englischer Sprache, das schrille unmusikalische Schofer durch eine harmonisch gestimmte Trompete ersetzt, die Schechita nicht aufgehoben, aber in einer Weise ersetzt werde das es endlich möglib wird, daß Christ und Jude ohne Scrupel an einem Tisch speisen können u. dgl. Man ist auf die Antwort unseres gelehrten und geistreichen Chief Rabbi gespannt. Lord Rothschild präsidirte der Jahresversammlung der vereinigten Synagogen, deren Abrechnung einen Ausfall von 1000 Lire gegen voriges Jahr ausweist. Rev. Singer hielt eine Predigt in Cambridge wo er in allen Ehren empfangen wurde und namentlich von den jüdischen Universitäts-Hörern gefeiert wurde. Jerusalem. Der Rabbiner des Guadalla Colleges Rabbi Jacob Saul Eliaschar ist zum Chacham Baschi ernannt worden, die Ernennung kam nicht überrascht, da Rabbi Jacob das Baschalik schon bei Lebzeiten seines greisen Vorgängers verwaltete. Rabbi Jacob ist gleich seinen verewigten Vorgänger von maurischer Abkunft, Verfasser von Responsen, ein großer Talmudist. an den von den weitesten Gegenden des Ostens, Jemen, Indiens rc. Anfragen gerichtet werden, ein Mann von Tact, Weltklugheit und Sprachkenntnissen. .