Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 7 (17.2.1893)
- Date
- 1893-02-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 7 Vesterreichifche Wochenschrift «Seite 125 und war stets hocherfreut, wenn dieselbe irgend einen Erfolg auszuweisen hatte, oder wenn derselben die Würdigung und die Anerkennung der Behörde zu Theil ward. Um die Bekleidung der armen Schuljugend war sie durch volle 38 Jahre des Bestandes der Anstalt bemüht: sie spendete, sammelte in ihrem reichbegüterten Familienkreise und bemühte sich liebevoll um die Beschaffung der nöthigen Kleider wie eine treue Mutter. Den unter ihrem Protectorate stehenden Frauenverein verwaltete sie mit seltener Hingebung und Sorgfalt. Ihre Beschäftigung war, die Sabbate und Festtage ausgenommen, der Mildthätigkeit geweiht. Heute trauerten an ihrem Sarge, begleiteten ihre sterblichen Ueberreste Tausende und abermals Tausende. Ihre eigenen Kinder hätten nicht schmerzlicher empfinden und nicht aufrichtiger ihrer Trauer Ausdruck geben können, als dies die unübersehbare Menge der der Bahre folgenden Bürgerschaft gethan. In allen Gassen, durch welche sich der Leichenzug bewegte, wurden die Kaufläden spontan geschlossen und ruhte factisch alle Geschäftsthätigkeit, während der einige Stunden währenden Leichenfeier. Trotz der ungünstigen Witterung lauschte eine zahlreiche Zuhörerschaft den beredten Worten des Rabbinatsassessors Vr ojde, der aus Lemberg hierhergekommen war, um der theueren Verwandten ehrende und erhebende Worte des Nachrufes 511 spenden. An der Leichenfeier betheiligten sich auch der gesammte Lehrkörper der israelitischen Volksschule mit einem großen Theile der Schuljugend, die Zöglinge der Talmud-Thora und die Waisenkinder. Der Verlust dieser hochachtbaren Frau ist für unsere Stadt ein tiefschmerzlicher und um so beklagenswertster, als leider mit derselben die letzten Ueberreste ans einer ehemals glanzvollen und segensreichen Zeit zu Grabe getragen wurden. Der letzte Rest aus der weithin gekannten und hochverehrten Familie Mayer von Kallir — Frau Amalie Nierenstein, Tochter des seligen Mayer von Kallir, domicilirt in Wien — ist ans unserer Stadt geschwunden und es ist leider keine wie immer geartete Hoffnung und Erwartung, daß uns irgend welcher Ersatz für die unersetzlichen Verluste geboten werden würde. Dr.H. Bielitz. Am 5. Februar d. I. feierte die hiesige Chewra Kadischa die 25. Jahreswende ihres Bestandes durch ein in dem schönen geräumigen Prüfungssaale des isr. Schulgebäudes veranstaltetes Festbanquet, bei welchem von den nahezu 200 Mitgliedern 110 anwesend waren, die Elite dieser Cultus-Gemeinde. Der hochverdiente Gemeinde- und Cultusrath Herr Salomon Pollak begrüßte als Vereinspräses die Anwesenden, besprach die rasche Entwicklung der hiesigen Cultusgemeinde die sich von kleinen Anfängen bis zur größten Cultus-Gemeinde Oesterreichisch Schlesiens emporrang und erwähnte eine interessante Episode aus der Leidensgeschichte der österreichischeir Juden und die Wandlungen ihres Geschickes bis zur glorreichen Regierung um seres allergnädigsten Kaisers Franz Josef, dem er mit patriotischer Begeisterung und unter hundertstimmiger Begleitung ein dreifaches „Hoch" ausbrachte. Alle Anwesenden sangen hieraus stehend die Bolkshymne. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Horowitz sprach mit gewohnter Eloquenz und betonte, daß nebst der Wohlthätigkeit, welche hier mit seltener Munificenz geübt wird auch noch andere jüdische Tugenden cultivirt werden müssen, soll anders die hiesige Gemeinde ihren Ruf als Mustergemeinde erhalten. Der Gemeinde- und Cultusrath jur. Dr. Münz erörterte in schwungvoller Rede, warum unter allen Verbänden und Vereinen, an welchen das jüdische Gemeindeleben altersher so reich ist, einzig und allein der Chewra Kadischa das Attribut der Heiligkeit zuerkannt und beigelegt wird. Nach dem Tafellied trug der Ober-Cantor Herr Goldmann mit seiner schönen sonoren Barytonstimme ein Solo „Belsatzar", Ballade von Heine, Musik von R. Schumann, voc und' als Zugabe „Die Uhr". Musik von C. Loewe, welche Gesänge enthusiastischen Applaus hervorriefen. Der hochverehrte greise Präses Herr Ad. Brüll toastirte auf den Fortschritt und die Prosperität der Cultus-Gemeinde. Ferner svrach Herr Gemeinderath Dr. Marcusfeld einen mit liebenswürdigem Humor gewürzten Toast. Herr Architekt C. Korn brachte dem hiesigen Schuldirector und dem Lehrkörper in Würdigung ihrer ersprießlichen Leistungen ein Hoch aus. _ In mehreren Reden wurden auch wichtige Tagesfragen berührt und besprochen. L . . . r Teschen. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Herr Kreisrabbiner Simon Fried mann ist nach langem, qualvollem Leiden und nach schmerzvollem Todeskampfe am 8. Februar l. I. 2 Uhr Nachmittags in ein besseres Jenseits entschlummert. Der Heimgegangene war ebenso berühmt als Kanzelredner, wie als Mann der'Wissenschaft, er genoß als solcher in Kreisen der Fachgenossen ein hohes Ansehen und die Gemeinde Teschen verliert in ihm einen Seelsorger, auf den stolz zu sein sie volle Ursache hatte. Er war im Jahre 1826 zu Berbo in Ungarn geboren, in Prag besuchte und absolvirte er das Gynrnasium und frequentirte die philosophische Facultät. Seine Rabbinatsstudien machte er bei den berühmten Talmudisten Rabbiner Kornfeld in Jenikau (Böhmen.) Das Rabbinatsamt verwaltete er mehrere Jahre als Rabbiner in Libofchowitz in Böhmen. Im Mai 1858 wurde ihm das Kreisrabbinat Teschen übergeben und seit jener Zeit wirkte er hier ununterbrochen bis zu seiner Erkrankung inr Sommer 1891. Am 15. Mai 1883 feierte er fein 25jähriges Jubiläum. Er war ein humaner und toleranter Priester, seinerzeit mit dem unvergeßlichen Pater Prutek auf's Innigste befreundet. Das Leichenbegängnis des vorgestern verstorbenen Kreisrabbiners Simon Friedmann gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, an welcher sich alle Kreise der Bevölkerung betheiligten. Vor dem Sterbehause widmete der Rabbiner Dr. Zimmels aus M. Ostrau dem Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf. Dem Leichenzng voran schritt der Beteranen-Berein mit der Fahne. Dem Leichenwagen folgte die isr. Geistlichkeit, die trarrernde Familie, der Cultusvorstand, die Vertreter der Geistlichkeit anderer Confessionen, (darunter Superintendent Dr. Haase und f. b. Kanzler Msgr. Sikora). die Gemeindevertretung, die Spitzen der Behörden, die Lehrerschaft, Vertreter des Officierscorps, Deputationen von Vereinen und benachbarten Cultusgemeinden sowie eine zahlreiche Menschenmenge aller Confessionen. Die Schuljugend bildete auf dem Demelplatz Spalier, Vor dem Tempel würdigte der Rabbiner Dr. Berger in einer längeren Trauerrede die persönlichen Vorzüge des Verblichenen und seine Verdienste uni die isr. Cultusgemeinde. Auf dem isr. Friedhofe gaben oie Herren Rabbiner Dr. Horowitz aus Bielitz und Dr. Glaser aus Biala-Lipnik der Trauer um den Verblichenen in sehr beredten Worten Ausdruck. Der leidtragenden Familie und dem Cultusvorstand sind zahlreiche Beileidskundgedungen von Nah und Fern zugekommen. Aus Wien erhielt der Cultusvorstand gestern folgendes Telegramm: „In dem Kreisrabbiner Herrn Friedmann ist seiner Familie der beste Vater, seiner Gemeinde ein treuer Seelsorger, der Menschheit ein urrermüdlicher Kämpfer für Recht, Wahrsten. und Humanität, mir ein edler Freund gestorben. Wir werden ihm ein dankbares ehrenvolles Andenken allzeit bewahren. Um ihm die letzte Ehre zu erweisen werde ich morgen früh in Teschen eintreffen. Super^ intendant Dr. Haase". Dem Rabbiner Friedmanu widmete seiner Zeit Pater Prutek die Broschüre: „Die rationelle Kirche Christi" welche große Sensation erregte. Stampfe», 10. Februar. (Leichenbegängniß). Rabbiner Lazar Winter, der hier nach 42jähriger segensreicher Thätigkeit im 82. Lebensjahre verschieden ist, wurde gestern zu Grabe getragen. Die Hochachtung und Liebe, die er in Form seiner hoyen Gelehrsamkeit, seines sanften, ftiedliebenden und meuschensrenndlichen Wesens allgemein genoß, manifestirte sich auch bei seinem Leichenbegängnisse, denn dasselbe gestaltete sich infolge der zahlreichen Trauergäste, unter welchen sich die katholische Ortsgeistlichkeit, alle Honoratioren der Gemeinde, der Bürgermeister, die Beamten, der Lehrkörper der katholischen Schule, die Vertretungen der umliegenden Cultusgemeinden, der Obercantor Adolf Lazarus aus Budapest befanden, wahrhaft imposant. Die Trauerreden, gehalten vom Ma aczkaer greisen Rabbiner Dr. Pißko, dem hiesigen Rabbinatsverweser Samuel Gestettner, dem Preßburger Rabbinatsverweser Donath, dem Herrn Jacob Soß, Friedmann sen. und jun., Brezowa und Marienstein, Moriz Arnstein, sowie das vom Obercantor Adolf Lazarus recitirte Trauergebet waren von tief ergreifender und tief erschütternder Wirkung. Rabbiner Lazar Winter, in Holics geboren, war ein Schüler des Chatam Sofer, bei dem er 10 Jahre lang, als einer der ersten, scharfsinnigsten, fleißigsten Jünger schon früh die Aufmerksamkeit der Zeitgenoffen auf sich lenkte. Mit 20 Jahren hatte er bereits die Hathara. Er war ein Schwiegersohn des berühmten seligen Oberrabbiners Lazar Straßer, in Wag-Neustadtl an den er vom Rabbiner R. Moses Sofer empfohlen worden war. Sein erstes Rabbinat war Rajetz, von wo er nach 12jähriger, segensreicher Thätigkeit dem Rufe