Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 7 (17.2.1893)
- Date
- 1893-02-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 124 Vesterreichische Wochenfchrist Nr. 7 auch in Zukunft fördernd zur Seite stehen, denn die Arbeit auf dem Felde der Wohlthätigkeit ist groß. Wien. Der Leopoldstädter Krauken-Unterstützungs-Verein ^Nächstenliebe'' in Wien, hält Donnerstag den 23. Februar 1893 präcise 7 Uhr Abends in den Saal-Localitäten „zum goldenen Widder" II., Taborstraße 36, die zwölfte ordentliche Generalversammlung ab. Wien. (Oberinspector Sachsel). Am 1. d. ist einer der bekanntesten und hervorragendsten Beamten der Nordbahn, der Oberinspector Herr K. Sachsel nach 45jähriger Dienstzeit in den Ruhestand getreten. Oberinspector Sachsel hat sich wegen seines vortrefflichen Charactcrs, seines urbanen Wesens und seiner Herzensgüte weit über den Kreis der Nordbahn hinaus bei Allen, mit denen er dienstlich oder gesellschaftlich in Verkehr getreten, stets der größten Sympathie und Werthschätzung erfreut. Seinen Untergebenen war Oberinspector Sachsel allzeit ein ebenso wohlwollender, wie fürsorglicher Chef und er hinlerläßt daher bei der Nordbahn dos Andenken eines Ehrenmannes und guten, wackeren Menschen. Wien. Das wagen dem Judenthume auch seine ärgsten Feinde nicht abzusprechen, daß seine Wohlthätigkeitsinstitute mustergiltig sind. Eines der anerkanntesten, auf dem Gebiete der Pädagogik einen Weltruf genießend, ist das israelitische T a u b st u m m e n -I n st i t u t in Wien. Während, wegen der harten Behandlung der unglücklichen Zöglinge an mehreren Taubstummen-Ansta'ten Deutschlands, in den dortigen maßgebenden Kreisen die Frage ventilirt wird, ob nicht der Unterricht der Lautsprache für Taubstumme ganz abgeschafft werden solle, weil sie die größte Schwierigkeit bie.et und wirklich eine engelhafte Geduld des Lehrers erfordert: ist für das Wiener israel. Taubstummen-Jnstitut diese Frage ganz gegenstandslos, denn trotzdem an demselben die Lautsprache besondere Pflege genießt und überraschende Resultate erzielt, werden die Kinder dabei nicht malträtirt. Beweis dessen, daß dieselben mit inniger Liebe ihren Lehrern zugethan sind, wovon der Uinstand zeugt, daß die in der weiten Welt zerstreuten Schüler des einer. Direktors und gegenwärtigen Vorstandsmitgliedes, kaiserl. Rathes Joel Deutsch, zu dessen 70jährigem Jubiläum ül-errascheude Ovationen vorbereiten. Aus dem uns vorliegenden Bericht dieses Institutes vom Jahre 1892 ist für den Menschenfreund erhebend zu ersehen, welcher Wohlthäiigkeitssinn und Op-ermuth diesem Institute von Seite des Publikums zugcwendet wird. Wie immer leuchtet von den Spendern in diesem Jahre Albert Baron von Rothschild hervor. Es soll die Erwähnung dieser Thatsache ein Sporn für andere Wohlthäter sein, daß cs diesem Institute möglich werde, einer größeren Auzatzl von taubstummen Kinder die Aufnahme gewähren zu können. Im verflossenen Schuljahre befanden sich im Institute 95 Zöglinge und zwar 61 Knaben und 34 Mädchen. Wie viele solche unglückliche Kinder können aber an den Segnungen dieses Institutes nicht theil haben! Wieu. Der seit seiner Thätigkeit am Preßburger Stadttheater noch im besten Andenken stehende junge Baritonist S. Szeugery (Sohn unseres Obercantors Singer), feiert, in Temesvar wahrhafte Triumphe. Nach seinem Auftreten als Luna, Germont und Carlos (Hernani) sprechen die dortigen Blätter „Temesvarcr Zeitung" und „Südnngarische Reform" in geradezu dithyrambischer Weise von seiner phänomenalen Stimme und der glänzenden Darstellungsweise und erklären den jungen Künstler schon jetzt als den Liebling des Publikums. Floridsdorf. Der israelitische Frauenverein veranstaltet Samstag, den 25. Februar 1893 in Bartsch's Sallocalitäten ein Wohlthätigkeitskränzchen mit Ballmusik der Capelle des k. u. k. Infanterie-Regimentes Alexander I. von Rußland Nr. 2. Karten im Vorverkauf bei den Herren I. Woditzka, A. Blumeuthal und A. Redlich, Floridsdorf, Hauptstraße. * Baden. (Anti seiniti scher Journalist.) Der Hauptmacher des hiesigen antisemitischen Hetzorganes, der Doktorand ad iufmitum Herz o g „Bote aus dem Wien erwa lde" stand am II. d. M. hier vor Gericht, angeklagt wegen einer Rohheit, wie sie nur von einem Antisemiten denkbar und möglich ist. Herzog attaquirtc nämlich den Redacteur des „Badener Bezirksblattes,, Herrn Pvtuczek im Locole des Letzteren nach der Art Schmierers, und wurde in Anbetracht der bereits erlittenen Vorstrafen -zu dreiwöchentlichem, mit Fasten verschärften Arrest verurtheilt. Ischl. Unseren Glaubensgenossen, welche das beliebte Ischl alljährlich besuchen, dürfte die Mittheiluug willkommen sein, daß der wohlrenomirte Restaurateur S. Sonnenschein seit dem 2. Oct. v. I. das H o t e l Au str i a an der Esplanade übernommen hat. Das Hotel, eines der schönsten in Ischl, war durch 45 Jahre Wohnhaus Sr. kaiserl. Hoheit Erzherzog Franz Karl und der Durchlauchtigsten Erzherzogin Sophie sammt Familie, in der schönsten, besten Lage au der Sophienesplanade, vis ä vis dein Musikpavillon, hat 65 prachtvoll eingerichtete Passagierzimmer, Salons, großen Speisesaal, großen schattigen'Garten. Das Hotel, das ganze Jahr geöffnet, unterhält Fahrgelegenheit zu jedem Zuge am Bahnhofe. Reisende Kaufleute genießen in den Preisen besondere Begünstigungen; sie zahlen für das Zimmer inclusive Beleuchltiug und Service sowohl im Sommer wie im Winter 80 Kreuzer per Tag. Die gebotenen Speisen und Getränke sind bester Qualität, und es bedarf zweifellos blos dieses Hinweises, daß unsere Glaubensgenossen, welche Ischl besuchen, dieses Unternehmen durch ihren Besuch fördern. E. B. Qlmiitz. (Befördern« g.) Wie jüngst gemeldet, wurde der Gerichtsadjunct Alois Feigel, hier zum Rathssecretär ad honores ernannt. Dr. Feigel hat eine nahezu fünfundzivanzigjährige richterliche Thätigkeit hinter sich, in richterlichen und juristischen Kreisen ist er als tüchtiger und befähigter Beamter bekannt. Krakau, 13. Februar. Wie mir von eingeweihter Seite mitgetheilt wurde, hat die Baron Hirsch-Stiftung beschlossen, einen Schulinspector für die galizischen Stistungsschulen, mit weiten Befuginssen ausgestattet, anzustellen. Ein bekannter Lemberger Pädagoge und Schriftsteller wurde für diesen Posten ansersehen. Krakau. Donnerstag am 16. Februar fand hier die Trauung des Herrn Lazar Hirschberg mit Fräulein Julia Presse! statt. Graz. Auch in der hiesigen jüdischen Gesellschaft hat man sich endlich anfgerafft, um einen geselligen Vereinigungspunkt zu schaffen. Ein Comite an dessen Spitze Herr Isidor Reumann steht, veranstaltet am 2. März l. I. in den Annensälen einen Unterhaltungsabend, dessen Reinerträgnis zur Förderung des Chorgesanges im Grazer israel. Tempel verwendet werden soll. Die Hoffnung ist nicht ausgeschlossen, daß dieses Comite mit dem Unterhaltungsabend allein seine Aufgabe nicht als beendet erachten, sondern das Ziel ins Auge fassen wird, den in unserer Zeit so nothwendigen geselligen Mittelpunkt für die jüdischen Bewohner zu schaffen. Prag, 12. Februar. Bei dem allgemeinen großen Interesse, welches überall an der Gründung der isr. Feriencolonie an den Tag gelegt wird, dürfte es interessiren, zu erfahren, daß die Genehmigung der Vereinsstatuten von der h. Statthalterei bereits herabgelangt ist. Generalversammlung und definitive Constituirung des Comites findet am 16. d. M. Abends 6'Uhr im Landesjudenschaftsgebäude statt. Im vorigen Jahre hat der Verein 70 Kinder, in diesem Jahre 128 Kinder in frischer Luft untergebracht und versorgt. Die unermüdliche Frau Betti Lasch hat sich um die unglücklichen Kinder große Verdienste erworben und es steht zu hoffen, daß der Verein, nachdem er für seine Wirksamkeit eine gesetzliche Grundlage erlangt hat, seine segensreiche Thätigkeit weiter ausdehnt. Svetla, 14. Februar. Bei der am Sonntag den 12. d. stattgefundenen Neuwahl wurde mit Stimmeneinheit der gegenwärtige Vorsteher Herr Ludwig Müller wieder gewählt. Als neugewählt erscheinen: Herr Adolf Herrmann als Cassier, Herr Philipp Stein als Tempel-Vorstand, die Herren Moriz Herrmann, Philipp Popper und Gustav Müller als Vorstands Mitglieder (Ausschuß). Brody, 8. Februar?,893. Am 8. Februar, genau 7 Jahre nach dem Ableben des unvergeßlichen Abgeordneten Nathan Ritter von Kallir, starb hier dessen Gattin und treue Lebensgefährtin Betti von Kallir nach kurzem Krankenlager, im Alter von 72 Jahren. Eine ausgezeichnete Frau, uni die Brody trauert; Arme und Wohlhabende, Jung und Alt! Neben einem gesunden, ausgezeichneten Verstände, besaß sie ein biederes Herz und dazu eine offene, nimmermüde wohlthätige Hand. Das Herz der Dahingeschiedenen war empfänglich für alles Gute und Edle, und wenn fremdes Leid ihr gegenüber sich aussprach, so war niemals ein kaltes, theilnahmsloses ..nebieü" die formale Abfertigung, sondern sie „sandte" ihre Hand zu den Hilfesuchenden, soweit es eben ihre Verhältnisse und ihre Mittel gestalteten! Die Religiosität dieser biederen Frau hatte nichts mit jener lärmenden, in die Augen fallenden äußerlichen Pietisterei gemein, sie war wahrhaft fromm in des Wortes bestem Sinne und hatte aber dabei das rechte Verständnis für den Wert der Bildung und des Fortschrittes, niemals intolerant gegen andere Denkungsart. Für unsere Schule, die ihr Entstehen und Gedeihen zum großen Theile den Bemühungen und der aufrichtigen Hingebung ihres gottseligen Mannes verdankt, hatte sie ein stets theilnahmsvolles Herz, mit lebhaftem Interesse verfolgte sie die Phasen der allmäligen Entwicklung und Ausbreitung ihres Wirkungskreises