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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-17 · 7 (17.2.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
7 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 123 des militärischen Dienstes mit den vielfach religiösen Vorschriften vereinigen? Wie konnte man die Pflichten des Soldaten erfüllen, ohne diese frommen Vorschriften zu vernachlässigen, an welche man durch die mächtigsten Bande gebunden war, welche in der Vergangenheit so viele Opfer gekostet hatten, um das Recht auf Ehrfurcht zu erlangen. Ein schmerzlicher Conflict, meine Brüder, zwischen diesen gleich theuren und heiligen Pflichten, ein tragischer Kampf, welcher wohl geeignet war, die Gewissen zu trüben und die Seelen zu foltern. Dem großen Sanhedrin, welches fast im Morgenrothe unserer modernen Geschichte erschien, schulden wir eine ewige Dankbarkeit dafür, daß es die Gewissenszweifel schweigen gemacht und diese Widersprüche entschieden hat. Mit einer bewunderungswürdigen Geistesstärke und einem großen Verständniß für die neuen Anforderungen erklärte es unter anderen doctrinären Bestimmungen, welche die Hauptregeln für unsere Lebensführung geworden sind, daß alles dem französischen Israeliten die Anhänglichkeit und Treue an sein Vaterland vorschreibt, daß alles ihn verpflichtet, weder sein Interesse von den öffentlichen Interessen, noch sein Schicksal oder das seiner Familie von dem Schicksale der großen Familie des Staates abzusondern, daß er über ihr Ungemach sich betrüben, über ihre Triumphe sich freuen und mit allen seinen Fähigkeiten zu dem Glücke seiner Mitbürger beitragen soll. „Als unmittelbare Folge dieses Principes erklärte das Sanhedrin, daß jeder zunmilitärischen Dienste berufene Israelit während der Dauer dieses Dienstes durch das Gesetz von allen religiösen Vorschriften dispensirt ist, welche sich nicht mit demselben vereinigen lassen." Diese Sprache war so klar bestimmt als möglich. Von da an konnten wir die erste der bürgerlichen Pflichten ohne Vorwürfe und Gewissensscrupel erfüllen." Rom. (Zum Synagogenbrand in Rom.) lieber den kürzlich gemeldeten Synagogenbrand in Rom werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Der aus der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts stammende, seitdem öfter erneuerte Bau, einer der wenigen Reste des seit zehn Jahren niedergelegten Ghetto, enthielt außer den eigentlichen Tempelräumen auch die verschiedenen jüdischen Schulen, eine werthvolle Bibliothek und Schatzkammer der Gemeinde, dazu die Wohnungen von Hausdienern. Das Feuer brach in einem Saale des ersten Stockes aus, wie es scheint, durch Unvorsichtigkeit eines Dieners. Die mit kostbaren Teppichen bedeckten Wände boten dem Feuer reichliche Nahrung, und im Laufe weniger Stunden war ein Werth von etwa ^00.000 Lire durch die Flammen verzehrt. Alte Bibelhandschriften und Miniaturen, kunstvolle Gewebe, Gold- und Silberstickereien sind zerstört worden, unter Anderem ein berühmter Brocatvorhang aus dem sechzehnten Jahrhundert, der durch seinen künstlerischen Werth zur Zeit seiner Stiftung sogar die Aufmerksamkeit des damaligen Papstes auf sich zog, so daß derselbe ihn zu besichtigen verlangte. Die Hauptschätze der Gemeinde in heiligen Schriften, Gesetzrollen, Gold- und Silbergeräthen sowie die Bibliothek selbst, sind glücklich gerettet worden, aber der Verlust der in den ausgebrannten Räumen befindlichen Gegenstände ist schon schmerzlich genug, weil zum großen Theile des künstlerischen Werthes wegen unersetzlich. Bezüglich der mangelhaften Rettungsarbeit verdient bemerkt zu werden, daß man zur Aufstellung der Dampfspritze keine andere Wasseröffnuug finden konnte als die fast einen Kilometer entfernte am Teatro Argentino. Der persönliche Eifer der Feuerwehr konnte natürlich bei so mangelhaften Zuständen der Wasserversorgung nichts helfen. Palermo, 26. Januar. Vor einiger Zeit hat das hiesige Cynservatorium einen Concurs zur Besetzung der Stelle einer Lehrerin für's Clavierspiel ausgeschrieben und meldeten sich daraufhin zweiunddreißig Candidatinnen, darunter auch Fräul. Alice Z iffer, Tochter eines jüdischen Geschäftmannes in Triest. Letztere, als die tüchtigste, erhielt auch die Stelle. Darob großes Geschrei in unseren ultramontauen Blättern, daß man überall die Juden vorziehe, daß die Alliance Jsraelite ihre Hand dabei im Spiele hätte u. s. w. Die Regierung erklärte daher die Er nennung > von Fräul. Ziffer zur Clavierlehrerin am Conservatorium für ungiltig und setzte auch ein neues Comite ein, das einen neuen Concurs ausschreiben mußte. Die Folge davon war, daß nun Fräul. Alice Ziffer zum zweiten Male die erledigte Stelle einer Clavierlehrerin erhielt. London, 14 December. Dr. Robert Spence Watson der bekannte Politiker und Freund des Premierministers Gladstone, bespricht in der soeben erschienenen Nummer des „Speaker" das unlängst veröffentlichte Buch des Amerikaners Harold Frederick über Rußland, das unter dem Titel „Th« New Exodus : A Study of Israel in Eussia:i zur Ausgabe gelangt ist und viel gelesen wird. 225.000 menschliche Wesen zum mindesten, sagt der Verfasser, sind im Jahre 1802 (nnr bis zum October gerechnet) aus ihrem Heim und ihrer Heimat vertrieben worden Dr. Watson bemerkt, daß die unmenschliche Behandlung, welche die russischen Ju)en erfahren, in der Geschichte des Hauses Romanoff als eine besonders schwarze That hervorsteche. Die große Majorität des jüdischen Volkes in Rußland ist mäßig, fleißig, geduldig, arbeitsam und — verglichen mit den Russen in ihrer Stellung — gebildet und den Wissenschaften ergeben, und — es ist kaum glaublich — loyal bis zu den Grenzen absoluter Dummheit, setzt er hinzu. Dasselbe meint der Kritiker, kann man von den Juden in den anderen Theilen Europas sagen. ^Dr. Watson empfiehlt das Buch allen, die sich über die Verbrechen, welche gegen de Juden in Rußland während des Jahres des Heiles 1892 begangen worden, unterrichten wollen. Das Unheil, welches durch die skandalösen Mai-Gesetze Jgnatieff's angerichtet worden, ist viel größer als all das Unglück, das zur Zeit des großen amerikanischen Krieges irgend ehe der kriegführenden Parteien zu erleiden hatte. Der Verfasser des Buches stellt fest und erhärtet seine Behauptungen mit unwiderleglichen statistischen Beweisen, daß, wo die Juden an Zc.yl überwiegen, dort die russischen Bauern, am wohlhabendsten sind. Wo das Land im Besitz eines Juden ist, da ist es besser bebaut und wird werthvoller. NmnijscliteZ. Wien. (Oesterr. Israelit. Union.) Samstag den 18. Februar 1893 Abends 7 \/2 Uhr findet im Restaurant Khuner, I., Schottenring 19 eine Bereinsverfammlnng statt. Tagesordnung: 1. Mittheilvngen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Adolf Schmidt, Rabbiner: „Zur Entstehungsgeschichte der allerersten Chewra-Kadischa". 3. Vortrag des Herrn Dr. Jaques Fischer, Bertheidiger in Strafsachen: über „Die Ehre nach jüdischem Rechte." 4. Anträge und Interpellationen. Wien. (T r a u u n g e n.) Sonntag den 12. Februar 1893 wurden getraut: Herr Bernhard Hirsch mit Frl. Mathilde Kaufmann. — Herr Leopold Kührer mit Frl. Leopoldine Kampflicek. — Herr Felix Gärber pnit Frl. Emilie Mendl. — Dienstag den 14. Februar 1898: Herr Richard Richards mit Frl. Karvline Back v. Begarüc. — Sonntag am 19. Februar findet im isr. Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Lscar Kühnreich aus Olmütz mit Frl. Amelie Rauch aus Wien statt. Wien. (Schüler-Kränzchen.) Am 23. d. M. findet in den Blumensälen der k. k. Gartenbaugesellschaft das diesjährige Schüler- und Familienkränzchen des Tanzinstituts-Jnhabers I Heimann, Mitglied der k. k. Hofoper statt. Dieses Kränzchen, welches seinen Besuchern stets Ueberraschendes bietet, bringt heuer als Novität eine neue Menuett-Quadrille, getanzt von 32 Paaren, zur Aufführung. Der bisherige Kartenverkauf läßt heute schon auf besonders rege Theilnahme schließen. Die Ballmusik besorgt die Deutschmeister-Capelle unter Ziehrer's persönlicher Leitung. Wien. Der israel. Humanitäts-Verein für den X. Gemeindebezirk Wien's veranstaltet wie alljährlich einen Woylthätigkeits-Ball, aus dessen Reinerträgnis wahrhaft arme, im X. Bezirk wohnende Familien bethei t werden sollen. Aus Anbetracht des Humanitären Zweckes, sowie der großen Nothlage der isr. Armen jenes Bezirkes ist dem löblichen Unternehmen ein guter Erfolg zu wünschen. Für das Ball-Eomite: Für die Vereinsleilung: S. Rosenthal D. Weis X., Laxenburgerstmße 34. X., Wielandgasse!<:. Wien. Der letzte Jahresbericht des Israel. Frauen- Wohl thäti gkeits-Vereines für Wieden und Margarethen gibt ein anschauliches Bild von dem Aufschwünge dieses Vereines, welcher der werkthätigen Theilnahme seiner Mitglieder, an der Förderung seiner humanen Intentionen zu verdanken ist. Der Bericht weist unter den Einnahmen in dem abgelaufenen Vereinsjahr fl. 898 an Beiträgen von Mitgliedern und fl. 445 an Spenden von Gönnern aus, und unter den Ausgaben fl. 1009'80 auf Unterstützungen an Hilfsbedürftige und fl. 594 78 auf Bekleidungen ArMr. Die letzteren zwei Posten können jeden Menschenfreund mit ^Befriedigung erfüllen Und müssen ein Sporn für die Mitglieder und Gönner des Vereines sein, demselben

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