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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-17 · 7 (17.2.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
7 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 122 Oesterreichrschr Wochrnfchrist Nr. 7 lebt und außer seinem Hange zur Wohlthätigkeit keine kostspieligen Neigungen kennt. Berlin. (Antisemitismus bei einer BataillonsfeierzuKaisers Geburtstag.) Der „Freit.-.Ztg." wird das Original eines Festprogramms des 2. Bataillons des 2. Hanseatischen Infanterieregiments Nr. 76 zur Feier von Kaisers Geburtstag aus Hamburg zugesandt. In diesem Programm ist u. a. als Nr. 10 ein Singspiel und Charakterstudie aus der Gegenwart angekündigt unter der Ueberschrift „Jüdische Rekruten". In diesem Stück ruft der Sergeant süchtig den drei jüdischen „Rekrüten" zu: „Ihr Juden seid der Abschaum des Militärs!" Solches wurde in Gegenwart des Generals Grafen Waldersee aufgeführt. Aus Nordamerika ist an den Abgeordneten Dr. Böckel eine Einladung zu einer Anzahl von Vorträgen ergangen. Da von den Deutschen in den vereinigten Staaten eine namhafte Unterstützung der Partei in Aussicht steht, ist es, wie der „Reichsherold" meint, nicht unmöglich, daß Dr. Böckel im Herbst die Bereinigten Staaten von Nordamerika besuchen und dort ca. 12 Vorträge halten wird. Magdeburg, 4. Februar. Die hiesige „Bolksstimme" schreibt: „Scene aus Cafe Westend, Sudenburg, am Sonntag den 29. Januar d. I. Ruhig in der Ecke sitzt ein Landwirth mit einem bekannten Kaufmann, am Nebentisch sitzen zwei academisch gebildete Herren und unterhalten sich über Antisemitismus. Die Unterhaltung entlockt einem der in der Ecke sitzenden Herren ein Lächeln, worauf einer der Academiker, Herr Ingenieur K., nach dem Ecktisch hin die Frage richtet, ob die Herren wohl auch Antisemiten seien. Die Antwort veranlaßte Herrn Ingenieur K. beim Kellner 4 „Antisemitenschnäpse" zu bestellen, von denen er 2 Glas nach dem Ecktisch schickte. Der eine Herr — der Kaufmann — verweigerte das ihm. angebotene Glas mit dem Bemerken, daß er seine Zeche selbst bezahlen könne. Darauf große Erregtheit bei dem Herrn Ingenieur, die sich in den Worten Luft macht: „Sie sind wohl auch ein Judenbengel?" „Sie dummer Junge" und was das antisemitische Wörterbuch dergleichen Kraftwörter mehr bietet, „Sie sind mir überhaupt nicht satisfactionsfähig" nicht zu" vergessen. Es stellte sich schließlich heraus, daß der Angegriffene einer hochachtbaren evangelischen Pastorenfamilie entstammt. Der Herr Ingenieur „beruhigte" sich infolge dessen (besonders da ein großer Theil der Umgebung „unruhig" zu werden begann) und schrieb an den beleidigten Herrn zwei Tage darauf mit bekannter antisemitischer Tapferkeit den löblichen Entschuldigungsbrief, natürlich erst, nachdem er eine Vorladung zum Schiedsrichter erhalten hatte". München. („Preußen wie die Juden".) Dr. Sigl vom Bayrischen „Vaterland" ist ein Preußen- und Judenfresser zugleich. Und so schreibt er denn in seinem Kraftstil: „Der Preuße im Allgemeinen, als Vertreter des Borufsenthums gilt dem schlichten Altbayer mit seinem wenigstens nicht in Schnaps ersäuften Hausverstand nicht als ein St. Michael, lallend die Waage der Gerechtigkeit, nicht als Mann der Treue, nicht als Volksbeglücker, sondern als Einer, der nimmt, was er kriegen kann, der verräth bei rentabler Gelegenheit, der den Unterthan nebst seinen Geldbeutel ausbeutelt, wie der Jud! Breslau. 19. Jänner. Zu dem Sport der Judenfresserei in der Studentenschaft äußerte sich kürzlich Professor Dr. Ofthoff, der bekannte Germanist, in einer in Heidelberg stattgehabten Versammlung, in der Professor Stengel aus Marburg einen Vortrag über den „Antisemitismus und seine Bekämpfung" hielt, in sehr treffender Weise. Wir entnehmen den Ausführungen des Professor Osthoff Folgendes: »Ich glaube, daß die Zeit wiederkehrt, wo die jüngeren deutschen Burschenschafter sich wieder darauf besinnen werden, daß ihre Vorfahren in der Burschenschaft, für die Macht und Größe des Vaterlandes erglühend, nicht nur die Einheit Deutschlands anstrebten, sondern die Einheit nicht ohne die Freiheit und vor allen Dingen die Einheit nicht um den Preis freiheitlicher Institutionen. (Beifall.) Die Herren in der jetzigen Burschenschaft nun haben — das eben war in den „Burschenschaftlichen Blättern" zu lesen — heute sich mit einer neueren Richtung in der Studentenschaft auseinanderzusetzen. Man sagt ihnen von dieser Seite keck ins Angesicht: Ihr mit eurer Burschenschaft seid veraltet, ihr seid nicht mehr die berufenen Träger des deutschnationalen Gedankens in der Burschenschaft; seht uns an, wir sind es, wir schreiben vor allen Dingen den Kampf gegen das Judenthum, den Erbfeind deutscher Ärt und deutschen Wesens, auf unsere Fahne!' Und diese concnrrirende Richtung, das ist die, welche vertreten wird durch die sogen. „Vereine deutscher Studenten". (Bravo!) Gegenüber diesen, die auf dem Kyffhäuser ihre Burschentage feiern, hat die Burschenschaft sich zu wehren. Sie wehrt sich aber in einer Weise, daß der unparteiische Zuschauer urtheilen muß, sie gebe dabei ihre besten Waffen aus der Hand. Man antwortet also von der burschenschaftlichen Seite den Gegnern: Ach, seid doch nur ruhig, wir sind ja im Grunde auch Antisemiten so, gut wie ihr, verkennen den „berechtigten Kern" der antisemitischen Bewegung nicht, wir halten uns ja auch die jüdischen Commilitonen, die etwa bei uns eintreten möchten, möglichst vom Leibe, wir' erachten es nur nicht für opportun, dies so offen zu bekennen, dies als die Hauptsac'e für den dentschgesinnten Studenten in den Vordergrund zu rücken. Da sind die Krasseren und rücksichtsloser Vorgehenden im Vortheil. Gegenwärtig muß man sagen, gilt nicht mehr das als der wahre und würdige nationale Ton, wie ihn die Burschenschaft angiebt und vertritt, sondern heut zu Tage machen jene offen antisemitischen deutschvereinlichen Herren die Melodie auf deutschen Hochschulen in der deutschen Studentenschaft. Da können wir allerdings sonderbare Dinge erleben. Ich will mit dem Harmlosesten anfangen: ein Liebermann v. Sonnenberg oder ein Böckel erscheint auf der Bildfläche in einer Universitätsstadt; da stellt sich ihm studentischerseits eine freiwillige Ehrengarde zur Verfügung, und mit Hurrahschreieu und „Deutschland, Deutschland über Alles" Singen ziehen den judenhetzerischen Aposteln diese jungen Leute in Stadt und Dorf nach und meinen damit eine patriotische That gethan zu haben. Oder, meine Herren, ein anderes Bild: wir erleben es auch wohl, daß ein Student dieser Richtung, der deutschthümlichen, in Wahrheit antideutscher Richtung glaubt, daß es eine wunderwie heldenmäßige Leistung sei, wenner in der Kneipe oder auf dem Trottoir schneidiger Weise einen jüdischen Commilitonen anmauschelt. Das ist dann die würdige Nachfolge des edlen Herrn v. Hammerstein, der bekanntlich im Parlamente zu Berlin das Mauscheln eingeführt hat! Oder, was noch schlimmer ist: solcherlei Sorte von Studententhum schwmgt sich gar zu respectwidrigen Demonstrationen gegen hochverdiente academische Lehrer auf, wie das gegen den neulich verstorbenen Chemiker Hofmann und Rudolf Virchow geschehen ist, und das aus keinem anderen Grunde, als weil diese Männer es wagten, den Antisemitismus so zu beurtheilen und zu behandeln, wie unser Hingeschiedener Kaiser Friedrich ihn gebrandmarkt hat, als eine Schmach des Jahrhunderts! Auch das scheint den demonstrirenden jüngeren Herren eine angemessene Bestätigung ihres studentischen nationalen Deutschthums zu sein. Wenn das auf dieser Bahn so weiter geht, dann kann es bald auch zu Schlimmeren kommen. Ich will es nicht hoffen, daß es bis zu dieser äußersten Grenze kommen wird; aber wir haben in der letzten Zeit ja vieles Unerwartete, Vieles, was uns warnen kann, erlebt, wir könnten es also auch erleben, daß dereinst noch die wissenschaftlichen Judenflinten auf der Universität erfunden würden, daß deutsch-national-antisemitisch gesinnte Studenten ihre Lehrer jüdischer Herkunft oder auch Professoren, denen solche Herkunft angedichtet würde, ankreiden, verleumden, und ihnen Dinge unterschöben, wie die, daß sie ihren Schülern und Zuhörern verkehrte wissenschaftliche Grundsätze aus der Hochschule einprägten, um später dem Staate unnütze Beamte zu liefern. Ich will das schwarze Bild nicht weiter ausmal.u. Einstweilen sind wir, Gott sei Dank, noch nicht so weit gekommen, und mein Vertrauen in die Entwickelung der deutschen Studentenschaft ist, daß uns die geschilderten unerfreulichsten Zustände fern bleiben werden. Aber wir müssen auf Alles gefaßt sein, und darum, meine ich, ergeht der Ruf an uns: Wachet und arbeitet! (Lebhafter Beifall.)" Paris. Aus der pattiotischen Ansprache, welche der Großrabbiner von Frankreich Herr Zadoc Kahn an drei Rabbinats-Candidaten bei Gelegenheit ihres Abgangs zur Armee hielt, ist folgende Stelle von allgemeiner Bedeutung: „Es sind jetzt hundert ' Jahre, meine Brüder, daß die israelitische Jugend durch die Revolution zu der Ehre zugelassen wurde, die französische Uniform zu tragen. Aus dem Munde der Greise, welche durch Ueberlieferung das Andenken an jene große Zeit bewahrt haben, erfahren wir, welche Aufregung welches Aufbrausen damals in unseren Familien herrschte. Man war stolz darauf, sich dem Dienste des Vaterlandes in dieser ausgesprochensten und edelsten Weise widmen zu können; man fühlte sich dadurch zu einer antiken Hingabe erhoben. Aber gleichzeitig beschäftigte die Geister jene furchtbare Frage. Wie konnte man die so ausschließlichen, so gebieterischen Forderungen

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