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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-17 · 7 (17.2.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
7 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Mffi'P.ti'.P« Hl Mi Jliii.’gMWMI -Seite 120 Oesterreich! scho Woäxenschrist iHx. 7 In hebräischer Sprache erscheinen gegenwärtig zwei Tag e sblätter („Hamelitz" in St. Petersburg und „Hazefirah" in Warschau) und fünf Wochenschriften („Haor" und „Hachbazeleth" in Jerusalem, „Hamagid" in Krakau, „Haibri" in New-Aork und „Hapisgali" in Baltimore). Das gediegenste von den besten Schriftstellern bediente und vom intelligenteren Publicum gelesene Blatt ist der soeben in sein 33. Jahr eingetretene „Hamelitz". Sein Begründer und auch noch jetziger Herausgeber ist der durch seine öffentliche Thätigkeit in der russisch-jüdischen Welt vortheilhaft bekannte Herr Alexander Z e d e r b a u m. Derselbe, gegenwärtig fast ein Achtziger, ist von erstaunlicher, körperlicher und geistiger Jugendfrische; er selbst liefert zweimal wöchentlich Leitartikel, die sich zwar nicht durch Eleganz der Sprache und verfeinerten Stil auszeichnen, aber wegen ihrer Sachlichkeit und praktischen Anwendbarkeit immer lestnswerth sind. Das Blatt beschäftigt sich natürlich, wie alle hebräischen Organe hauptsächlich mit den actuellen Fragen und Angelegenheiten des Juden- Ihums, bringt aber außerdem eine Fülle von belletristischen Sachen (Skizzen, Erzählungen, Gedichte re.) aus der Feder der besten Schriftsteller, Bücherrecensionen, anmuthige feuilletonistische Plaudereien, und mitunter populärwissenschaftliche Abhandlungen. Die meisten Mitarbeiter dieses Blattes — darunter viele mit Universitätsbildung — befleißen sich einer eleganten und dennoch kräftigen Schreibart, wodurch sie nicht nur zur Pflege und wün'chensweithen Mooernisirung der alten Sprache, sondern auch zur Läuterung des Geschmacks der miuorum gentium sehr viel beitragen. — Bon einer sogenannten „Tendenz" kann bei diesem Blatte, wie bei der gesammten hebräischen Presse nichts die Rede sein; sie dienen keinen Parteizwecken, sondern den Interessen der gesammten Judenheit. Alle verfolgen das eine Ziel, den Lesern warme Liebe zu ihrer Nation, zu ihrer Religion und zu ihrer Sprache einzuflößen. Das zweite hebräische Tageblatt „Hazefirah" wird redigirt von den Herren M. S. Slouimsky und N. So ko low; (Ersterer ein hoher Achtziger und bekannt als bedeutender Mathematiker; Letzterer, eine jüngere Kraft, vielseitig gebildet und gewandter hebräischer Stilist.) Dieses seit 20 Jahren bestehende Blatt, dessen Leserkreis sich haup'sächlich ans den weniger gebildeten (oder ganz ungebildeten) polnischen Juden recrutirt. ist in literarischer Hinsicht minderwerthig als der „Hamelitz". Werthvolle belletristische Productioucn findet man darin sehr selten, da die besseren Schriftsteller sich diesem Blatte fern halten, dagegen bringt es alltäglich eine ziemlich ausführliche, recht nett stilisirte politische Rundschau, sämmtliche politische Telegramme und noch manches Andere, das für ein Publicum berechnet ist, welches kein a n d e r c s B l a t t zu lesen.versteht. Uebrigens hat das Blatt mehr ein locales Colorit und ist der größte Raum über und u n t e r dem Strich den Interessen der polnisch.n Juden im Allgemeinen und der Warschmcr Gemeinde insonderheit gewidmet, — was durchaus lobenswerth ist. Sind doch die anderthalb Millionen polnische Juden*), von denen der größte Thcil keine europäische Sprache versteht, berechtigt, mehr als ein hebräisches Organ für sich allein zu beanspruchen! Die beiden in Jerusalem erscheinenden Wochenschriften unterscheiden sich wesentlich von einander. Die altere „Hachbazaleth" vertritt mehr die Interessen der orthodoxen Juden Palästinas und ist in literarischer Beziehung von geringem Gehalt. Dagegen ist der jüngere ".Fa?r" ^ork reformistisch angehaucht und wird von seinem jungen, rührigen Redacteur Ben-Jehouda, nach französischem Zuschnitt ausgezeichnet redigirt. Das Blatt enthält auch eine speciellc Rubrik für .Erweiterung und Bereicherung" der hebräischen Sprache und der des Arabischen kundige Redacteur ist ein eifriger „Schv.fer" neuer Wörter und Ausdrücke, die er entweder mit Hilfe des Arabischen — dieser Schwestcrsprache des Hebräischen — erfindet, oder aus dem „großen Meere" des Talmud herausfischt; mehrere seiner Schöpfungen finden bereitwillige Aufnahme bei ben russisch-hebräischen Schriftstellern. — Der Krakauer „Hamagid", ein interessantes, lesenswerthcs Blatt, ist von prononcirter jüdisch-nationaler Richtung; dasselbe gilt auch von der amerikanischen „Hapisgall". Letztere liegt in beständiger Fehde mit dem anderen amerikanisch - hebräischen Organ „Haibri" und die Kampsweise dieser beiden Blätter ist —„cdjt amerikanisch, was den an den Tact und die Noblesse der russisch-hebräischen Presse gewohnten Leser höchst peinlich berührt. Der literarische Werth der letztgenannten drei Organe ist durchaus nicht unbedeutend, da Galizien und Amerika recht viele tüchtige Hebräisten besitzen und auch russische Schriftsteller an denselbcn milarbcilcn. 29. Jänner I. Tanjew. 10. Februar lb9d' Riga, dftfrmpntem. Wien. (M äd chenhand el.) Herr Vecgani hat. im „Deutschen Volksblatt" vom 5. Februar neuerdings eitlen Artikel „Moderner Mädchenhandel" publicirt, in welchem es wörtlich heißt: „Es handelt sich um die eigenthümliche Hvteltvirthschaft, die in einem Theile Böhmens um sich gegriffen hat und nun noch größere Ausbreitung zu gewinnen scheint. In Cz - - - - u, einem Städtchen Böhmens, das auch den Wienern sehr bekatint ist und meist dann genannt wird, wenn man die Heimat eines Sohnes Libussa's des Genaueren bezeichnen will, herrscht seit Jahren eine ganz sonderbare Gepflogenheit. In den dortigen Hotels ist es gebräuchlich, daß nicht der Hotelier den Hotelstubenmädchcn und sonstigem weiblichen Dienstpersonale, sondern diese dem Hotelier, also ihren Dienstgebern, Honorare zahlen müssen. Eines der bernchtigsten „Hotels", unter welchem Namen die Besitzer derartiger Lupanarien ihr Schandgeschäst betreiben, ist das des Juden Ignaz Lölvh. Das in diesem „Geschäfte" bedieustete Stubenmädchen muß dem „Hotelier" für die Bewilligung, ihm gratis dienen zu dürfen, täglich 1 fl. 50 kc. zahlen, so daß sie schon des- Morgens dafür sorgen muß. für ihren Dienstgebcr den. S-handlohn auszubringeu. Dabei muß sie für die Zimmerrcchnnng und die Wäsche aufkommen, dafür bekommt sic eine elende Kost und eine brutale — Behandlung". Demgegenüber ist vor Allem zu bemerken, daß der Verein reisender Kaufleute Oesterreich-Ungarns in Wien längst in dieser Beziehung intervenirte, damit die löblichen Behörden diesem Unfuge abhelfen. Allein Herr Vergani verschweigt, daß in derselben Stadt ein Hotel zum „Kronprinzen", in Ungarisch Hradisch (Mähren) ein Hotel zum „grünen Baum" und zum „Bären", in Mährisch Weißkirchen (Mähren) ein Hotel „Zur alten Post" und „Vereins- Hotel", in Jägerudorf (Schlesien) ein Hotel zur „Krone" und zum „Reichsadler", in Pardubitz (Böhmen) ein Hotel zum „Löwen", in Pisek (Böhmen) ein Hotel zum „Goldenen Rath", in Troppau (Schlesien) ein Hotel zum „römischen Kaiser" und zur „goldenen Bärin", in Jaromir (Böhmen) ein Hotel zu den „2 Hirschen" und noch viele andere Hotels existiren, ausgestattet und eingerichtet mit ähnlichen „Damen" zur Bedienung, wo aber die Herren Hoteliers keine Juden sind. Ja es ist wahr, „daß nicht nur im fernen Osten, in den Lupanarien Egyptens, der Türkei und Indiens, sondern in unserem Staate selbst, der die Freiheit des Einzelnen durch strenge Gesetze schützt, der Mädchenhandel in der schwunghaftesten Weise betrieben wird, daß Hunderte und Tausende von Töchtern anständiger braver Bürger, wie das liebe Stück Vieh am Markte verhandelt und verschachert werden. Nur die Form dieses Handels, die Art und Weise, wie der in Oesterreich lebende Händler mit der jungfräulichen Ehre unserer Milschwestern seinen' fluchwürdigen Handel betreibt, ist eine andere, der Erfolg des Menschenschachers ist aber derselbe, er gipfelt stets in dem physischen und moralischen Ruine von Hunderttausenden unserer Mädchen." Allein die Herren Anti-, semiten und Christlich-Socialen schweigen — um ein arisches Gewerbe nicht zu schädigen. Wien, 9. Februar 1893. Schottenring 11, 2. Stock, Thür 56: Kanzlei für Vereinsangelegenheiten wird voraussichtlich viel Arbeit bekommen. Nicht weniger als zwei große Vereine auf einmal werden gegründet. Ein „Lese- und Redeverein deutscher Hochschüler in Wien Germania" und ein „Germanenbund deutscher Hochschüler in Wien." Die Gründer, lauter „berühmte" Namen, fordern die „Deutschen Stammesgenossen" aus, in beide Vereine einzutreten. Die Germanenbündler genießen gewisse Vortheile, wenn sie zugleich der „Germania" angehören. Und das hat seinen guten Grund. Die „Germania" will eine Agitation in antisemitischem Sinne und großem Style eiuleiteu, wenn es zu den Wahlen in die verschiedenen humanitären Vereine der Universität kommt. Man weiß, welches Spektakel die Wahlen des „Vereins zur Pflege kranker Studirender", des „medicinischen Unterstützungsvereines" u. s. w. im vergangenen Jahre boten. Es läßt sich denken, daß dies heuer Dank der neuen Netzvereine in noch viel stärkerem Maße der Fall sein wird. Daraufhin wird wahrscheinlich oder vielleicht der „Lese- und Redeverein Germania" aufgelöst werden. Nun wird aber neben diesem der aus denselben Mitgliedern, demselben Ausschüsse bestehende, mit denselben Statuten ausgestattete „Germanenbund" bestehen. Niemand kann es diesem erwehren, neuerdings einen „Reserveverein" zu gründen. So hat die Behörde nichts, erreicht. Daß aber nicht beide Vereine in Trümmer gehen, dafür werden die wackeren Arier sorgen, die im Ausschüsse sitzen. Sie werden eben nur in einer Gestalt, z. B. als „Germania" die Wahlen beeinflußen, während der (identische) „Germanenbund" ruhig zuwartet. Die Herren verrathen einen „Geschäftsgeist", der kaum übertroffen werden kann. Man darf großes — Kneipen vön den: beiden jungdeutschen Neuschöpfungen erwarten. F. A. Wien. Wenn der Antisemit die Woche hindurch in dem verjudeten Wien von Galle verzehrt wurde und sich in seinem Stammlokal mit Hetzreden heiser geschrieen hat, sucht er an *) 2u Warschau allein wohnen gegenwärtig ca. 200.000 Juden..

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