Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 6 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3020960--02138-3026212- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 6 Oeflerreichische Wochrnfchrifi Seite 11L des Landmannes vernichtet hat, manchen Heller zu verdienen. Freilich, es kommt auch vor, daß er von Ort zu Ort spaziert, ohne auch nur ein Stück Maare abzusetzen. Dann läßt er den Kopf hängen und wandert betrübten Herzens heim zu Frau und Kindern. Der Herr hat seine Ehe mit einer Tochter und zwei Söhnen gesegnet — lauter wohlgerathenen Sprossen. Der Gedanke, daß die Kinder so gut gediehen sind, tröstet ihn, wenn er, beladen, wie er in einen Ort eingezogen, wieder von dort abziehen muß. Namentlich der Ort, auf einem Plateau jenseits der Beczwa gelegen, war das Hauptabsatzgebiet für Mott's kaufmännische Bethätigung. Erst in der Dämmerung pflegte erden Rückweg von-dort nach seinem Städtchen anzutreteu und da führte es ihn stets durch einen lieblichen Kirschenhain. Er war keineswegs furchtsam, aber manchmal bildete er die Zielscheibe roher Späße von Leuten, die eine stärkere Faust hatten, als er, der zartbesaitete Musikant. Auch auf diesen Gängen zogen ihm heilige „Melodien Judas" durch die Seele. Oft kam er erst in später Nacht zuhause im Städtchen an. Die Gattin schlief schon und er klopfte am Fenster und rief ihr ins Gemach hinein: „Thue mir auf, meine Taube, meine Fromme, denn mein Haupt ist voll Thaues und meine Locke voll Nachttropfen." Und sie that ihm auf und führte ihn in das niedrige Gelaß, kochte ihm einen Thee, koste ihn und sprach biblisch wie er: „Siehe, mein Freund, Du bist schön und lieblich. Unser Bette grünet. Unserer Häuser Balken sind Cedern, unsere Latten sind Cypresseu." Der Winter war eine harte Jahreszeit für Mott. Wenn er aufs Dorf ging, so wickelte er sich in seinen grauen Burnus. Aber der Erlös seines Geschäftes war klein, und so mußte die Musik nachhelfen. Um die Zeit der Tempelweihe ging er mit seinem Freunde Samuel, dem Harfner von Haus zu Haus. Es tanzt der aus Blei gegossene Kreisel über den Tisch und die Jugend vergnügt sich an dem Spiel — da erbebt von draußen Mott's Violine. Geigend erscheint er an der Thür, und er sieht rvie ein Verzückter drein. Wie legt sich dieses wehmnthsvolle Lied von Zion an die Seele! Und Samuel's |jcirfe, die ihn begleitet, erscheint wie eine Schwester jener Harfen, die einst an den Weiden bei den Wässern Israels hingen und seit so lange stumm geblieben sind. Mott und sein Begleiter Samuel waren aber nicht die einzigen Musiker im Orte. Jonas Vymazal und dessen Leute wachten jenen nicht geringe Concurrenz. Mott's Musik verhielt sich zu der Vymazal's, des Meisters der Stadtcapelle, wie die Bach's zu der Osfenbach's. Vymazal's Musik war Prosa:,-, lasciv und herausfordernd, während Mott seine Melodien aus dem Schachte der Religion Israels emporzog. Es waren nur heilige Lieder, die ihm aus der Seele und aus der Fiedel flössen. Draußen jenseits der Beczwa im „Badehause", einer Vergnügungsstätte von etwas zweideutigem Rufe, spielte Vymazal an Sonntag-Abenden den Mägden und den Burschen der Stadt aus seiner gelben Trompete auf, und es ging dabei wild her. Das Bier floß in Strömen, und sogar dem Schnaps ward tüchtig zugesprochen. Wenn die Orgie den Höhepunkt erreichte, da schlang wohl manchmal ein Bursche seinen Arm um eine Maid und verlor sich mit ihr draußen in dem Garten, wo der Flieder blühte. Oder er irrte gar mit ihr in die Nacht hinaus bis zu den Weidenbüschen an der Beczwa, und wenn sie so längs des Wassers dahinspazierteu und tolle Einfälle, ja sogar unlautere Gedanken mit einander austauschten, da begleiteten die Wellen des Flusses das Treiben des Liebespaares mit ihrem nächtlichen Rauschen. Noch lärmender ging es draußen in Venedig her. Das ist nicht das Venedig der Lagunen, nicht die Königin der Adria; aus Zuckerrübenfeldern steigt dieses Venedig als einsames, ärmliches Gehöft auf. Wilde Rosen blühen rings herum und im Herbste reifen da die Hagebutten und die Jugend des Ghettos geht sie pflücken und reiht sie zu Perlenschnüren aneinander. Dieses Venedig war nicht selten der Musentempel, wo Vymazal's Kunst ihren Höhepunkt erreichte. Vymazal i lebt noch und waltet, wenn er auch heute ein Greis ist, mit jugendlicher Kraft seines Amtes. Seine Kunst hat sich seither geklärt. Mott aber und sein Freund Samuel sind längst todt. Auf Mott's Leichenstein ist nur zu lesen: „Gestorben 9. November 1877." Mit keinem Worte jedoch ist der Musik gedacht, die er getrieben hat. Nachtigallen haben ihn zu Grabe geleitet und ihm ein Lied geweiht. Samuel hingegen, der nicht weit von ihm ruht, wird auf dem Denkstein, der an seinem Grabe steht, als Meister des Psalters und der Harfe gepriesen . . . (Pester Lloyd.) Wochenkalender. Schewar-Adar 5653. — Feber 1393. Freitag 24 10 E. d. A. 5>> 51 6»> Samstag '2-'> 1: U SabbarH Schekalim Sonntag 26 ( j; 12 Montag 27! 13 Dienstag :2S jj 14 Mittwoch i 29) ' 15 Donnerstag i30,| l trx“ ij 16 1 No sch chodcsch Freitag | 1 i| 2 i;; j 17 r " " ii Briefkasten. I. M. H. Lemberg & L. Bachner, Bielik: Wir bedauern, Ihnen eine befriedigende Antwort nicht ertheilen zu können. P. Czernowitz: Tie Korrespondenz in Nr. 4 ist ein gedruckter Ausschnitt aus einem Bnkowinaer Blatte, welcher uns von befreundeter Seite zur Pnblication zugesendet worden. Meran: Nr. 38.311 hat nichts gewonnen. Niederösterreichische Escompte-stjesetlschaft. Am 25. d. M. findet die 40. ordentliche Generalversammlung der niederösterreichischen Escomptc-Gesellschaft statt. Tie Bilanz pro 1693 weist eine Totaleinnahme von 1,862.841» fl. ans igegen 1,973.001 fl. im Vorjahre). Tie Totalausgaben betragen 1,129.889 fl., Reineitragniß 732.956 fl. Als Dividende verblieben 627.055 (gegen 643.487 fl. im Vorjahre). Davon sind Pro 1. Semester 1892 bereits vertheilt 2 Percent per Actie. d. i. 10 fl. gleich 196.000 fl., pro 2. Semester 1892 noch zu vertheilen 4 Percent per Actie, d. i 20 fl. gleich 392.000 st., verbleiben 14.96D fl. Die Generalversammlung findet am 25. d. M. statt. Auf der Tages ordnuug derselben befindet sich außer den üblichen Verhandlungsgegenständen auch ein Antrag ans Statutenänderung. An die geehrten Glaubensgenossen! Ein von allen Juden, denen das Wohl und Gedeihen unserer Glaubensgenossenschaft am Herzen liegt, lange gehegter und heiss ersehnter Wunsch geht durch die bevorstehende Activirung des Rabbinerseminars in Wien in Erfüllung. Dank der Opferwilligkeit hervorragender Männer ist es möglich geworden, die erwähnte Anstalt in's Leben zu rufen und triftt in kürzester Zeit der für dieses segensreiche Institut ernannte Director Se. Ehrwurden Herr Dr. Schwarz aus Karlsruhe zur Uebernahme des ihm übertragenen Amtes ein. Es ist überflüssig, auseinanderzusetzen, dass die Schäftung einer umfangreichen hebräisch talmudischen Bibliothek ein untrennbares Bedürfniss eines Semminars bildet, ja dass eine gedeihliche Entwicklung hievon geradezu bedingt ist. Dieses grosse Werk kann unmöglich durch Einzelne vollbracht werden, dasselbe kann vielmehr nur durch die regste Betheiligung Aller gelingen. Die am 3. d. M. stattgehabte Plenarversammlung der österr. isr. Union hat nun auf Antrag eines gesinnungstüchtigen Mitgliedes den Beschluss gefasst, eine Sammelstelle zur Entgegennahme 'on Bücherspenden zu eröffnen. Es ergeht nun Seitens der Vereinsleitung an die hochgeehrten Glaubensgenossen die dringende Bitte, dieses heilige Unternehmen thatkräftigst zu unterstützen. Insbesondere richtet sich diese unsere ergebene Bitte an jene Glaubensbrüder, welche wie ihre Väter solche, auf die hebrä;sch talmudische Literatur bezughabende Bücher ererbt. Eure Väter haben in diesen Büchern emsig gearbeitet und geforscht und in oft schwerer Zeit Trost und Belehrung geschöpft. Diese Bücher liegen jedoch bei Vielen vermöge ihrer Lebensstellung brach und unbenützt. Führwahr, Ihr könnt das Andenken Eurer Eltern nicht besser und würdiger ehren als wenn ihr dieselben der zu creirenden Bibliothek weihet und würdet ihr gewiss in dieser Weise den Intentionen Eurer Ahnen am vollkommensten entsprechen. Jede Spende wird willkommen sein und jeder Spender wird, sei die Gabe noch so klein, sich um das Ganze