Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 6 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 108 Orsterreichifche Wochrnfchrist Nr. 6 Bon dem Abends stattgefundenen Banquette kann ich leider nur vom Hörensagen berichten. Das aufliegende für Einzeichnung von Spenden bestimmte goldene Buch erzielte ein nahe an fl. 2000 reichendes Resultat. k. Rosenberg, 31. Jänner. (Ein Wohlthäter.) Die Rosenberger isr. Cultusgemeinde erhält mit großem Kostenaufwände eine Volksschule und einen Kindergarten. Diese beiden Anstalten sind jedoch in Räumlichkeiten untergebracht, die den modernen hygienischen Anforderungen nicht entsprechen. Die Gemeinde beschloß demnach, ein neues geeignetes Schulhaus aufzuführen; der Bau soll noch im Laufe des Jahres in Angriff genommen werden. Es sind zu diesem Zwecke namhafte Beiträge gezeichnet und gespendet worden. Herr Max Haaß aus Marmaros-Sziget weilte dieser Tage in unserer Stadt und hat zu Bauzwecken die Summe von 200 fl. flüssig gemacht. Eine unter Führung des Herrn Dr. Bernhard Policzer exmittirte Deputation hat ihm für die mnnificente Spende schriftlichen Dank übermittelt. Der edle Spender ließ auch gleichzeitig unseren Armen 50 fl. zukommen. Butschowitz. Vergangene Woche starb hier Herr Herman Krampflitschek in seinem 87. Lebensjahre nach einem schmerzvollen Krankenlager. Derselbe war früher durch 42 Jahre ununterbrochen als Vorbeter in der Cultusgemeinde Austerlitz angestellt und lebte durch 14 Jahre bei seiner Tochter Frau Fani Popper. Wie sehr sich Genannter sowohl hier als auch im Orte seiner früheren Wirksamkeit allgemeiner Beliebtheit und Werthschätzung erfreute, bewies die ungemein zahlreiche Betheiligung bei dem hier und in Austerlitz stattgefunoenen Leichenbegängnisse. Zuerst wurde der Verblichene vor dem hiesigen Tempel aufgebahrt, die entsprechenden Trauergesänge angestimmt, worauf Herr Schulleiter Gansel das Wort zum letzten Nachrufe und Scheidegruß ergriff, welchen sich auch Herr Cantor und Religionslehrer Landau anschloß. Hierauf wurde der Verblichene auf einem Leichenwagen nach Austerlitz überführt und war die Begleitung dahin eme sehr zahlreiche. In Austerlitz hielt Herr Oberlehrer Diamant Idem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Die Cultusgemeinde daselbst war bemüht, dem Scheidenden die wohlverdiente letzte Ehre in pietätvollster Weise an den Tag zu legen. Damboritz. 6. Feber. Gestern fand in Damboritz (Mähren) unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung von Trauere ästen das Leichenbegängniß des Herrn Leopold Fleisch mann, Vater des Redacteurs unseres Blattes, Moriz Fleischmann, statt, das von Seiten der Gemeindevorstehung in besonders feierlicher Weise für ihren verdienstvollen Beamten veranstaltet worden war. Der Prediger Dr. Hahn und der Sohn des Verblichenen, Professor Dr. Heinrich Fleischmanu, widmeten de.,, Verblichenen, der durch 32 Jahre in der Gemeinde gewirkt hatte, ergreifende Nachrufe und rühmten die Verdienste und hervorragenden Eigenschaften desselben. Der Verstorbene hinterläßt ein ehrenvolles Andenken. Kandrens. Bei der am 31. Jänner a. c. stattgefundenen IV. ordentlichen Generalversammlung des isr. Lese- und Kranken- Unterstützungsvereines „Montefiore" wurden die Herren Jakob M. Drukmann zum Obmann, Aba Drukmaun zum Obmann- Stellvertreter, Samuel I. Pecht zum Cassier, M. Lequorink zum Schriftführer und Jakob A. Drukmann, Benjamin Nachgeher, Feiwel Goldschlager zu Ausschußmitgliedern gewählt. Treucsen Baan. Am 26. Jänner verschied hier plötzlich der in den weitesten Kreisen bekannte, hochgeachtete Großgrundbesitzer, Herr Samuel Pollak, langjähriger, pflichteifriger Präses der Chewra Kadischa, Gründer und Directionsrath der hiesigen Sparkaffe, Leiter und Förderer anderer wohlthätiger Vereine, im Alter von 73 Jahren, tiefbetrauert von seiner würdigen Gattm, die ihm 48 Jahre zur Seite gestanden, seiner einzigen Tochter, dreien hohe Achtung genießenden Söhnen, Schwiegerkindern und Enkeln. An seinem Leichenbegängnisse gab sich die allgemeine, tiefe Trauer und herzliche Theilnahme in imposanter Weise kund, welcher Herr Rabbiner Moritz Reich in schönergreifeuden Worten Ausdruck gab. Hierauf verabschiedete ihn der greise und gelehrte Rabbiner Herr F. Schlesinger aus Groß- Tapolcsan in würdiger Weise, an die Zurückgebliebenen Worte des Trostes und der Ermahnung richtend. Es folgte dann die meisterhafte Trauerreoe, des aus Wien-Floridsdorf berufenen Herrn Bezirks- Rabbiners Heinrich L. Reich, der seine schlichte Frömmigkeit, seinen Patriotismus, seine Friedensliebe und seine hervorragenden Bürgertugenden rühmte, des ersten Vorstehers der Chewra Kadischa, Herrn Jg. Donat, der in schönen Worten seine Verdienste um diesen Verein und die höchste Ehrung die ihm in dieser ergreifenden Weise zu Theil wurde, hervorhob und endlich des Herrn Rabbiner M. Reumann aus Nagy-Zsambokret, welcher erst als Letzter sprechen wollte und in . kurzer doch sehr schön gehaltener Rede, herzliche Worte des Abschiedes sprach. Die königlichen Behörden und die der Stadt-Anstalten und Vereine und alle Schichten der Gesellschaft waren nahezu voll vertreten. Möge der Allmächtige die schwere Wunde heilen und ihm dem edlen Hingeschiedenen die Erde leicht sein lassen. Düsseldorf, 30. Jänner. Der Cassirer des hiesigen antisemitischen Vereins, Kaufmann H., wurde von der Strafkammer Hierselbst wegen Unterschlagung zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. H. hatte sich fortgesetzt an der ihm anvertrauien Bereinscasse vergriffen. Wieder Einer! Neapel, 15. Jänner. Der Studenten-Berein an der hiesigen Universität (Associatione Uuiversitaria napoletana), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Collegialität und Brüderlichkeit unter den Studenten zu fördern, hat den jüdischen Universitätshörer Arturo Carji zu seinem General-Secretär gewählt. Rom. (Ein geäste rte Synagoge n.) Eine entsetzliche Feuersbrunst zerstörte das Gebäude des israelitischen Tempels in der letzten Nacht. Das Feuer brach im dritten Stocke aus und hatte in wenigen Minuten das Dach erfaßt; trotz sofortiger Hilfeleistung brannte das Haus total nieder. Die im Parterre befindlichen drei Synagogen wurden zerstört, ebenso die Tempelbibliothek, eine der kostbarsten in Europa, welche große Kunstschätze und Antiquitäten enthielt. Der Schaden ist unberechenbar. Der Tempel war für 4 Millionen Lire versichert. Das Feuer hatte auch das Nebenhaus ergriffen, aus welchem 200 Personen mühsam gerettet wurden. Braila, 22. Februar 1893. Das Comite der hiesigen jüdisch-rumänischen Schwarzmännischen Knabenschule nnter dem Vorsitz des geehrten Herrn Mayr Wechsler, veranstaltete am 9. u. 21. Jänner einen Ball im Saal Rally, der fortwährend zum Erhalt dieses Lehrinstitutes dient und der Reingewinn war 6200 Fr. Die Schule birgt 370 Kinder, meistens verwaiste und solche armer Eltern. Dieselben werden jährlich mit nöthigen Kleidern versehen. Die jährlichen Spesen der Schule belaufen sich auf 18000 Fr. Trotzdem derselben keine einzige Subvention von irgend einem unserer reichen Glaubensgenossen. gewährt wird, weiß doch das Comite durch unermüdliche Thätigkeit und eigene Spenden die erwähnte Summe aufzutreiben. Im Comite sitzen: Präsident Mayr Wechsler, erster Vice-Präsident Dr. Silberstcin, zweiterBice-PräsidentGeorgeRosenzweig, Cassier M Thenen, Controlor B. Weintraub, erster -Secretär A. Sommer, zweiter. Secretär L. Halpern, Comitemitglieder, Jsak Agent, S. Holpern, A. Bercowitz, Ignatz Herdan und Julius Jtzkowitz. Aber auch die Herren Ignatz Wechsler, Joses Brocener, S. Solomiane und I. Schwarzmann, haben sich nach dieser Richtung hohe Verdienste erworben. J. P. London. Der Professor am Wiener Conservatorium Mr. Theodor Plowitz (Pianist), veranstaltete hier in Gemeinschaft mit seiner als Sängerin sehr geschätzten Gattin mehrere Concerte, in welchen vornehmlich Kammermusik zur Aufführung gelangte. Die „Plovitz-Concerte" erfreuen sich großer Beliebtheit und wetteifert die° Kritik in Anerkennung der hervorragenden künstlerischen Leistungen, welche das EhepaarPlowitz dem Publikum bietet. London. Ein äußerst seltener Fall ereignete sich letzten. Montag bei einer Verhandlung vor dem Polizeigerichte in Worship Streat. Dem Polizeirichter Mr. Rose lag eine Rechtssache vor, bei welcher alle Parteien Juden waren. Mr. Karamelli informirte den Richter, daß ein ans drei Rabbinern zusammengesetztes Tribunal bestehe, welches über solche Fälle, wie der vorliegende, verhandle. Hierauf bemerkte Mr. Rose daß dieses viel geeigneter sei, die Sache zu schlichten, als er selbst und da beide Theile einverstanden waren, so ordnete derselbe an, daß das weitere Verhör der Parteien vor dem Beth- Diu durchzuführen sei. Philadelphia. Die hier erscheinende Wochenschrift „The Jewish Exponent" publicirt in ihrer Nummer vom 13. Jänner eine wörtliche Uebersetzung der Rede, welche Abgeordneter Dr. Bloch am 25. November v. I. im österreichischen Parlament gehalten hat. Feuilleton. Figuren ans einem mährischen Ghetto. Von Sigmund Münz. (Mit Bewilligung des Bcrfassers nachgedruckt.) Jonas Puber war einer von den Patriziern des Ghetto's, aber wenig populär. Er hatte jahrelang das Amt eines Bürgermeisters der Judengemeinde versehen, sich als. solcher jedoch mißliebig gemacht. Denn er hatte die Parole ausgegeben: