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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-10 · 6 (10.2.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
6 (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6 Oellerreichifche Wochenfürrist Seite 107 der Börsekammer, den Herren Beamten derselben, dem Giro- und Cassenverein, sowie allen Gönnern und Freunden des Vereines den Dank ausgesprochen hatte. Nach Verlesung des Revisionsberichtes wurde dem Vorstände einstimmig das Absolutorium ertheilt. Die durch das Los zum Austritte bestimmten Vorstandsmitglieder, die Herren Joseph L. Neuseld, D. Pindo und Julius Stern, wurden wiedergewählt und zu Revisoren die Herren Karl Kunitzer, Isidor L. Schornstein und Börsenroth Gustav Sobotka bestimmt. Der Vorsitzende macht noch die Mittheilung, daß das Vorstandsmitglied Herr Salo Kohn, anläßlich seines Rücktrittes ins Privatleben dem Vereine die namhafte Spende von 2000 fl. übergeben hat, sich aber gleichzeitig bereit erklärt habe, dem Vorstande fernerhin seine ersprießliche Thätigkeit wie bisher zu widmen. Die General-Versammlung nahm beide Mittheilungen mit ungetheiltem Beifalle entgegen. Das Vermögen des Vereines bestand am 31. December 1892 aus Effecten im Nominalwerthe von 137.200 fl., ferner aus einer separat verwalteten Stiftung des verstorbenen Sensals Gottlieb Frankl von 12.000 fl. Notenrente. An Unterstützungen wurden im verflossenen Jahre 4988 fl. an 38 wirkliche Mitglieder und 1785 fl. an 22 Witwen und Waisen vertheilt. Wien. In politischen und parlamentarischen Kreisen hat es besondere Aufmerksamkeit erweckt, die gnädige Art, in welcher Sr. Majestät der Kaiser, auf dem Jndustriellen-Ball den Llbg. Dr. Rosenstock durch eine längere Ansprache auszeichnete. Der Monarch, indem er ihnk^die Hand reichte, fragte: „Sie sind schon lange im Reichsrath, Sie vertreten die Handelskammer in Brody? Welchem Berufe gehören Sie an? Dr. Rosenstock erwiderte, daß rr Oeconom sei. Der Kaiser erkundigte sich eingehend nach dem Stande der Verhandlungen mit der Stadt Brody und sagte, daß ihm die traurigen Verhältnisse der Stadt bekannt seien, worauf Dr. Rosenstock erwiderte, die Stadt könne sich seit der Aufhebung als Freistadt nicht erholen, trotzdem zahlreiche Auswanderungen stattfinden. Dr. Rosenstock sprach dem Monarchen den Dank für die Huld und Fürsorge aus und für den Beweis der allerhöchsten Gnade, welcher in der Sanctionirung betreffs Gewährung eines unverzinslichen Darlehens aus Staatsmitteln liege. Wien. Sonntag den 5. d. M. fand der angekündigte literarische Nachmittag des Literarischen Geselligkeits-Vereines jüdischer Mädchen „Moria" statt. Nachdem die neugewählte Präsidenten Frl. Bertha Schallt die zahlreich erschienen-» Gäste herzlichst begrüßte, uuirbe der Nachmittag nütdem beifällig aufgenommenen Vortrage des Frl- Frieda Rand „Worin liegt Juda's Rettung" eröffnet. Nach ihm folgte der äußerst gelungene Vortrag des Frl. Laura Götzl „Culturbildcr aus Palästina", au welchem sich dann ein mit Gefühl und Kraft vorgetragenes jüdisches Gedicht des Frl. Jda Werner anschloß. — Der nückjste literarische Nachmittag findet Sonntag den 26. d. M. statt. — Gäste (nur Damen) herzlich willkommen. R. Prosinitz. In der am 13. v. M. erschienenen Numnier 2 der „Oesterreichischen Wochenschrift" findet sich eine mit E. B. gezeichnete Eorrespondenz aus Proßnitz, in welcher behauptet wird, daß „die Judenhetze auch an der deutschen Landes-Oberrealschule in Proßnitz Eingang gefunden habe." Mit Bezug hierauf schreibt uns Herr Director Franz Scheller ans Proßnitz: Eine unter Zuziehung des mos. Religionslehrers Rabb. Dr. Emil Hoff angestellte strenge Untersuchung, deren Protokoll die Direction unaufgefordert dem h. k. k. mähr. Landesschulrathe vorgelegt hat, hat dievölligeGrundlosigkeit dieser gegen die Lehranstalt erhobenen Beschuldigung ergeben. Pilsen. Freitag, den 3. Februar l. I. verschied in Pilsen Frau Rosa Lederer, geborne Gostorffer im 86. Lebensjahre. Die Verblichene ist die Mutter der in Prag wohnhaften Engrvs-Kausleute Herren Josef und Adolf Lederer, sowie des kaiserlichen Rathes Herrn Jacob Lederer. Frau Rosa Lederer war nicht nur wegen ihrer hohen Frömmigkeit, sondern auch wegen ihrer Wvhlthüttgkeit allgemein geliebt und hochgeehrt. Ihr Name und ihr Wvhltätigkeitssinn war sin ganzen westlichen Böhmen bekannt, sie hatte stets open Hand und Herz für alle Arme und Nothleidenden ohne Unterschied der Confessio». Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Posnianski zeichnete in einer meisterhaften Rede die Tugenden dieser ehrwürdigen Frau. Die Entschlummerte war die Urenkelin des berühmten Samson Wertheimber, der als kaiserlicher Hoffactor sich um den Staat und um seine Glanbensgenossen besondere Verdienste erwarb. Der Weitheimber'schen Familie angehörig sino die Barone Königswarter und die Edlen von Wertheimstein. Budapest, 1. Februar. (Eine Entführung.) Aus Bacs- Földvar wird folgende Familien-Tragödie gemeldet: Der dortige jüdische Branntweinschänker Adolph Groß hat eine schöne 17jährige Tochter, in welche sich der Polizei-Postenführer Emerich Kosztics verliebte. Er hielt bei den Eltern um die Hand des Mädchens an, dieselben wollten ihm jedoch als Christen ihre Tochter nicht geben. Als gestern Abend Groß sich im Tempel befand, entfiihrte Kosztics das Mädchen. Zu Hause angelangt, ahnte der Vater nichts Gutes und fand bald das Versteck der beiden Liebenden. In seiner Verzweiflung brach er die Thür ein und bat weinend, ihm seine Tochter wiederzugeben. Kosztics zog seinen Säbel und stieß ihn dem unglücklichen Vater so heftig in die Brust, daß derselbe blutüberströmt zusammenstürzte. Kosztics wurde von der Gendarmerie verhaftet. Budapest,31.Januar. fDerUngarische Israelitische Handwerks- und Acker bauverein) hielt gestern unter dem Vorsitze seines Präsidenten Dr. Armin Neumann eine Ausschußsitzung. Zwölf Zöglinge des Verenis — darunter ein Taubstummer — wurden freigesprochen. Der Tischler Fabian Brunner sprach der Bereinsleitung seinen Dank aus. Der Vorsitzende meldet den Beitritt von 18 neuen Mitgliedern an, unter denen wir blos den Architecten Josef Pucher, Dr. Ladislaus Gorove und die Neuhäusler israelitische Gemeinde namentlich anführen wollen. Dr. Neumann berichtet, daß der Stiftungsbrief über die große, 70.000 fl. betragende Pollak'sche Stiftung zur Unterstützung angehender Meister bereits unterfertigt sei. Derselbe erliegt derzeit im Ministerium. Raab. In unserer Provinzstadt sind 40 Vereine, und ein jeder reussirt und florirt. Der meisten Mitglieder erfreut sich der Musik-und Gesangsverein. Präses desselben ist der Claviermusikpiecen-Componist Stadthauptman Dr Armand Angyal. Unter den Mitgliedern befinden sich zahlreiche hervorragende weltliche und geistliche Professoren, ferner viele Doctoren, Advocaten und Kaufleute. Dieser Verein arrangirte ein komisches Faschingsconcert in den großartig decorirten Räumen des Raaber Lloyd. Die Säle und Gallerten waren zum Erdrücken voll mit Gästen, wie es nur zur Zeit vorkam. als noch Frau Fanny Lederer mit Hilfe Wiener und Budapester Künstler und Kimstlerinnen Raab in denselben Räumen überraschte. Eine Auszeichnung, einen silbernen Pokal, erhielt Herr Dr. Philipp Pfeiffer, Präses der hiesigen isr. Cultusgemeinde, welcher als Arzt — beliebt, als Mensch und Jude — eine treuer Wächter der Cultusgemeinde, durch sein von Picke auf erworbenes Vermögen — Birilist geworden, endlich durch sein Singtalent, sich auch hier die Liebe und Achtung in dem Maße erworben, daß ihm der Verein mit dieser Aufmerksamkeit überraschte, als er sein Debüt als Neapoliter Sänger mit herzerfreuendein Erfolge beendete. Groß-Kanischa. 5. Februar. Ein sehr erhebendes Fest feierte am heutigen Tage der hiesige Frauen-Berein. Das Fest seines 50-jährigeu Bestandes. Schon vor Monaten ließ die Präsidentin FrauHedwig Vidor, geb. Gutmann de Gelse, das Gemeinde-Archiv durchstöbern, um Daten für dieses Fest zu sammeln, aber leider fanden sich über die Gründung nur sehr schwache Spuren und obwohl die Gemeinde hier seit dem Jahre 1793 vollständig geregelte Protokolle über ihre Verwaltung besitzt, verliert sich dennoch nur sagenhaft die Entstehung des Frauen-Bereines in eine ferne Zeit. Der Verein taucht in den Protokollen vom Jahre 1846 mit Einem Male als schon bestehend auf. Wer die Urgründer waren, hat uns die Zeit nicht überliefert. In der sicheren Voraussetzung aber, daß dieser mindestens 50 Jahre besteht, wurde sein Jubiläumsfest in solenner Weise nach folgender Festordnung gefeiert. Um 10 Uhr versammelten sich die Mitglieder im Sitzungssaale der Gemeinde und erschienen in corpore um halb 11 Uhr in dem mit Blumen decorirten, voll beleuchteten und von jüdischen und christlichen Honvrationen voll besetzten Tempel. Hier begann die Feier mit einem ungarischen Liede, worauf der Predidiger Dr. Neumaun die Kanzel betrat und in schwungvoller Rede über Sanftmuth und Liebe der Frauen, die segensreiche Wirksamkeit des Vereines verdienstvoll würdigte. Nach dem Gottesdienste versammelten sich die Anwesenden wieder im Sitzungssaale Frau Präsidentin begrüßte m herzlichen Worten die erschienenen Mitglieder und Gäste und ließ den vom Secretär Rosenfeld abgefaßten Bericht verlesen. Diesem entnehmen wir, daß bereits dieMutter der jetzigen Präsidentin, weiland Frau Nanette Gutmann de Gelse diesen Verein 25 Jahre als Präsidentin geleitet, daß der Verein außer seiner zwecklichen Tendeuz der Armenunterstützung, einen Heirats-Ausstattungsfond aus den Sammlungen bei Trauungen verwaltet und eine sehr frequentirte Volksküche erhält — beides Errungenschaften der heutigen Präsidentin. Weiters wurden nebst Gratulationen seitens der isr. Ortsgemeinde, Chewra Kadisch, des Lehrkörpers, des städtischen christlichen Frauenvereines, der Franenvereine Budapest, Ofen, Arad, Szegedin, Z. Egerszeg, Steinamanger u. s. w. die Philantropen Sir Moses Montefiores und Baron Hirsch, die den Verein mit namhaften Gaben bedachten, in dankbarer Anerkennung erwähnt. Das Vermögen, des Vereines beträgt heute nahe an' fl. 8000. :l--; J i

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