Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 6 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 106 Destrrreiitzisrtze WochLnschrist Nr. 6 vertheidigen. So lange der Freund des Kaisers Ludwig, der Abt Benedictus von Aniane lebte, war derselbe gnt und gerecht gegen alle seine Unterthanen. — Trotz der späten Abendsümde, in die sich der Vortrag hinzoa, folgten die Zuhörer mit Spannung den Worten des trefflichen Redners. Südamerika. Ueber das künftige Verwaltungssystem der neben den bereits bestehenden, noch in nächster Zeit zu gründenden Baron Hirsch'schen Colonien in Argentinien werden die nachstehenden, uns von kompetenter Seite zugehenden Mittheilungen von allgemeinem Interesse sein. Den Colonien soll eine vollständige Autonomie gewährt werden. Niemand aus dem Personal der Colonisations-Gescllschaft darf sich in die inneren Angelegenheiten der Mederlassung einmischen. Die Delegirten, welche jetzt von jeder Auswanderergruppe behufs Besichtigung der zukünftigen Ansiedelungsplätze zur Errichtung der Colonien, bis zur Anbinft der Ansiedler gewählt werden, sollen später als Dorfälteste in den betreffenden Colonien fungiren, an der Spitze der Dörfer jedoch soll ein sogenannter Dorfausschuß fungiren, dem die wirthschastliche Geschäftsleitung, wie auch die Verwaltung des polizeilichen, sanitären und unterrichtlichen Ressorts obliegen wird. Je 5 oder 10 Colonien bilden eine Gemeinde, die vom Gemeindechef oder Jnspector verwaltet wird, der seinerseits unbedingt einer höheren agronomischen Ausbildung theilhaftig sein muß. Seine Hauptaufgabe ist, über die rationelle Führung der Wirthschast in der ihm anvertrauten Gemeinde zu wachen. Er hat auch die Oberaufsicht über das Polizei- und Gerichtswesen zu üben, dergestalt die höhere Instanz bildend. In jeder Gemeinde (von 250 oder 500 Familien) wird ein Gemeindearzt, sowie eine Apotheke und eine Hebamme sich befinden, desgleichen außerdem in jeder Colonie ein Chirurg und eine kleine Apotheke. Die Hauptverwaltung aller Colonien wird sich in der argentinischen Residenz Buenos-Ayres befinden und die höchste Instanz ausmachen. Die Hauptverwaltung wird einige Abtheilungen besitzen, welche jede ihr Reffort zu leiten haben wird. Die eine Abtheilung hat die Leitung des wirthschaftlichen Theils in Händen, die Ausgabe von Geldern zur Bestreitung der Coloniebedürfnisse, sowie den Empfang der einlaufenden Summen zur Deckung der von den Colonisten gemachten Schulden. Die zweite Abtheilung befaßt sich mit dem gerichtlichen Theil, und entscheidet die internen Angelegenheiten einzelner Personen, und Colonien inappellabel. Allgemeine Verbrechen crimineller Natur werden selbstverständlich der Entscheidung der Regierungsjustiz- Jnstitutionen unterbreitet. Die dritte, technische Abtheilung, an deren Spitze Fachmänner von Beruf stehen, wird das Bau- und Communicationswesen verwalten. Die vierte, sanitär-medizinische Abtheilung, fimctionirt unter der Oberleitung des Hauptarztes aller Colonien. Die fünfte Abtheilnng wird den religiösen und unterrichtlichen Theil inspiciren, und die sechste endlich das Polizeiwesen und die Militärbedürfniffe überwachen. Alle Personen, welche die Administration ausmachen, werden unbedingt aus den jüdischen Auswanderern Rußlands gewählt werden, und ist gegenwärtig der Bevollmächtigte des Baron Hirsch, ein Herr Fainberg, in den südlichen und westlichen Gouvernements Rußlands dahin thätig, die für die Colonien in's Auge gefaßten Elemente einer sorgfältigen Prüfung und Auswahl zu unterwerfen. Als Grundlage der Selbstverwaltung der Colonien ist das Princip der solidarischen Garantieleistung und Verantwortung genommen worden. Wien. (O esterreichisch-isra e litische Union.) Unter dem Vorsitze des Präsidenten, Cultusvorsteher Dr. Grünfeld hielt dieser Verein Samstag, den 4. d. M. eine äußerst zahlreich besuchte Vereinsversammlung ab, zu welcher sich u. a. die Herren Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch, Landtags-Abgeordneter Noske, Stadtrath Theodor Ritter von Goldschmidt, die Gemeinderäthe Dr. Friedjung, Koch. Lang, Da. Alfred Stern und Baurath Stiaßny, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, ferner die Cultusvorsteher Salo Cohn, Karpeles, Leinkanf, Pollak, Taußig, die Ortsschulräthe S. Beer, S. Heit und Ferdinand Kleb in der, und Kammer- Rath Vogel eingefunden hatten. Die Abgeordneten Dr. Jaques, und Dehm, sowie die Gemeinderäthe Frauenberger und Kareis hatten ihr Fernbleiben schriftlich entschuldigt. Bon der Versammlung mit großer Acelamation begrüßt, hielt Herr Bicebürgermeister Dr. Raim. G rü b l seinen Vortrag über „Wiener Verhältnisse". Dr. Grübl kam bei Besprechung der Wiener Berkehrsanlagen auf die Abstinenz-Politik der Antisemiten zu sprechen, welche diesen Schritt nur thaten, weil sie die Unmöglichkeit einsahen, jetzt — wo auch sie Gelegenheit hätten, für die Bevölkerung etwas zu thun — die maßlosen Versprechungen, die sie ihren Wählern seinerzeit gegeben hatten, zu erfüllen. Das sei ein so unbegreifliches und unverständliches Vorgehen, daß, wenn irgend eine andere Partei, bei der noch mit Logik zu rechnen ist, sich diesen Schritt erlaubt haben würde, sie sich ganz unmöglich gemacht hätte. (Sehr richtig!) Einen Bortheil hat diese Abstinenz-Politik doch. Wir lesen nun nicht mehr nach jeder Gemeinderathssitzung in den öffentlichen Blättern von den Ausschreitungen aller Art und von den Schimpfereien, die in den Sitzungen vorfallen. Es ist dadurch eine Gesundung der öffentlichen Stimmung und des öffentlichen Geistes eingetreten. Diese zu erhalten ist unsere Pflicht. Leider — fuhr Dr. Grübl fort — gibt es aber eine Gruppe von Juden, welche sagen: „Wir sind mit den Liberalen nicht zufrieden, sie sind zu wenig energisch." Ich würde bedauern, wenn diese Erscheinung noch mehr Fleisch und Blut bekommen würde. In der Politik gilt die Macht. 9tur durch enges Aneinanderschließen bekommt man die Macht,, seine Ideen durchzusetzen. Jeder muß sich daher dem Interesse der Gesammtheit unterordnen, wenn er anch einige specielle Wünsche nicht erfüllt sieht. Jene Leute, ich meine die radicalen Elemente in der Judenschaft, haben keine Berechtigung zu besonderer Gereiztheit; diese Gegenströmung schwächt die Partei. Einigkeit und Anschluß aller Juden Wiens an die liberale Partei ist speciell heute dringend geboten. An den Bortrag knüpfte sich eine lebhafte Debatte, in welcher die Herren Strauß und Sigmund Mayer vor einer radicalen Strömung innerhalb der jüdischen Wählerschaft warnten. Die Ausführungen des Herrn Redacteur Fleischer, welcher in dem neuen Regierungs-Programme die Auslieferung der freien Schule an die Clericalen erblickte, wurden von den Herren Dr. Mittler, Landtags - Abgeordneter Noske, Gemeinderath Dr. Fried jung, Gemeinderath Dr. Stern und Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch auf das Entschiedenste zurückgewiesen. Ein Antrag des Herrn B. K a n i tz, auf Einsetzung eines Comites, welches sich mit der Beschaffung von Büchern für die Bibliothek des Rabbiner-Seminars zu befassen habe, wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung schloß lange nach Mitternacht. Wien. (Trauungen.) Sonntag den 5. Februar 1893 murden getraut: Herr Salomon Lewald mit Frl. Fanni Biach; Herr Berthold Mittler mit Frl. Emma Oppenheim; Herr Hugo Urbach mit Frl., Friederike Weiubcrger; Herr Dr. Sigmund Gerlei mit Frl. Alice Fischhoff; Herr Dr. Heinrich Lößl mit Frl. Helga Deffauer. Dienstag, den 7. Februar 1893 wurden getraut: Herr Hermann Platschet mit Frl. Sophie Schönaug. Mittwoch den 8. Februar 1893 wurden getraut: Herr Wilhelm Mayer mit Frau Eugenie Hayne; Herr Dr. Ludwig Herz mit Frl. Valerie Fischer. Donnerstag den 2 d. M. fand im israelitischen Tempel 2. Bez., Große Schiffgasse die Trauung des Herrn Dr. Heinrich Pollak mit Frl. Emma Singer statt. Den Trauungsact vollzog der Vater des Bräutigams Herr Rabbiner M. Pollak und wohnte demselben ein ebenso zahlreiches, als auch distinguirtes Publikum bei. Wir bemerkten unter Anderem: Vom Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde die Herren Präses Gustav Simon, Gemeiuderath Dr. Stern, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn. Bankier Salo Chon und Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Markus Spitzer, mehrere Vorsteher der Schiff-Synagoge und des Tempels im 9. Bezirke, ferner Die Henen Emanuel Bau mg arten, Bankier Schloß, Rabbiner Fleissig, u. a. M. uni) gibt die zahlreiche Betheiligung Zeugniß von der allgemeinen Beliebtheit und Werthschätzung des Bräutigams, die derselbe sich sowohl als Redner, wie als Lehrer zu erwerben wußic. (Verlobung.) Herr Max Keller, öffentlicher Gesellschafter der Firma Brüder Keller in Mateszalka (Ungarn), Sohn des sich allgemeiner Achtung erfreuenden Präsidenten der isr. Cultusgemeinde zu Mateszalka, Herrn Adolf Keller, verlobte sich am 29. Jänner a. c. mit Fräulein Paula, Tochter des allgemein geachteten Kaufmannes und ersten Bicepräsidenten der oberwähnten Gemeinde; des Herrn Herrmann Rottenstein daselbst. Wien. (Verein von Börsenbesuchern zur Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder.) Dieser Verein hielt am 29. Januar seine 32. ordentliche General-Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr' Philipp Löwy, verlas den Rechenschaftsbericht für das verflossene Vereinsjahr 1892, nachdem er äasäs