Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 6 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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mv. 6 Oesterreichischr WortzenschrM Seite 105 zuq eröffneten die Mitglieder des nahezu vollständig ausgerückten Grünzeugpflanzen.Vereines mit seinem Obmann Hrn. Ritter von Schwarzenfeld. Der israelitische Friedhof konnte die Menge nicht fassen, weshalb viele dort zürückblieben. Bor dem offenen Grabe hielt der Rabbiner Herr Dr. Stern eine ergreifende Ansprache. Den Hinterbliebenen sind anläßlich des schweren Verlustes, den fie erlitten, auch von auswärts zahlreiche briefliche und telegraphische Beileidskundgebungen zugekommen, so insbesondere von dem Führer der Deutschen in Böhmen, Herrn Doctor Schmeykal, von dem Obmann des deutschen Schulvereines, Herrn Dr. Weitlof, von der Centrale des deutschen Schulvereines, von dem Obmann-Stellvertreter des deutschen Schulvereines Herrn Professor Dr. Ritter von Krauß, von dem Brüxer Bürgermeister Herrn Karl von Pohnert, von Herrn Dr. Zdenko Schücker aus Eger, von der Leitung des deutschen Böhmerwaldbundes, von den Gemeinden Michelob und Kaunowa, von dem Gesangverein in Postelberg, von dem Reichsraths-Abgeordneten Krepek. von dem Landtags-Abgeordneten Tattermusch, von zahlreichen Schulvereins-Ortsgruppen u. s. w. I. L. Kohn verlangte ein einfaches jüdisches Begräbniß alter Sitte gemäß und verbat sich Kranzspenden. Statt Kranzspenden für Herrn I. L. Kohn sind Baarspenden gezeichnet worden, die zur Hälfte dem deutschen Schulvereine und zur anderen Hälfte dem Vereine gegen Armennoth und Bettelei zngewendet werden. An solchen Spenden sind i s jetzt 348 fl. ausgewiesen. J. Humpoletz, 2. Februar. Die hiesige isr. Beerdigungs- Bruderschaft, ein Verein, der über 100 Jahre besteht, hat "am 1. d. M. das statutenmäßige Brudermahl abgehalten, zu welchem sich sämmtliche Mitglieder, auch auswärtige, eingefunden hatten und das in animirter Weise verlief. In der vorher abgehaltenen General-Versammlung wurde der Rechenschafts- und der Caffabericht erstattet und über Antrag des Herrn Adolph Brock eine Statutenrevision angenommen. Ueber Antrag des Herrn Moriz Bondi erhielt der Gesangsverein „Schir Zion" einen namhaften alljährlichen Unterstützungsbeitrag, desgleichen wurde der Antrag des Herrn Moriz Weil, den Ankauf einer neuen Thorarolle zu ermöglichen, angenommen und wurden hiezu von der General- Versammlung 150 fl. bewilligt. In den Vorstand wurden gewählt. die Herren: Abraham Bondi zum Vorsteher, Adolph Bauer zu dessen Stellvertreter und als Beiräthe: Dr. Alexander Frank, Ignaz Neumann, Jacob Brock, Adalbert.Kraus, Emanuel Mandler, Emanuel Zelenka, Jacob Klein und als Ersatzmänner: Hermann Schneider und Sigmund Seidler. Berlin. Aus dem Wahlkreise A h l w a r d t's wird der „Frankfurter Oderzeitung" berichtet: Bei dem jüdischen Kaufmann E. in Arnswalde sind seit kurzer Zeit mehrfache Sachbeschädigungen in roher Weise zur Ausführung gekommen. Zuerst wurde ihm spät Abends eine große Spiegelscheibe des Schaufensters zertrümmert, dann wurde ihm Nachts das Haus mit einer Flasche Tinte beworfen und zuletzt in der Nacht die Jalousie quer durchschnitten und die bloßgelegte Spiegelscheibe eingedrückt. In Friedeberg hielt kürzlich im neubegründeten Verein „Jung-Deutschland" ein Herr Max Scholz aus Berlin einen Vortrag über die Ziele der antisemitischen Jugendbewegung. Derselbe enthält, wie wir einem Referate des dortigen Kreisblattes entnehmen, lediglich die bekannten antisemitischen Phrasen, die uns zu keiner Besprechung Veranlassung geben. Es ist traurig genug, daß schon in den jugendlichen Gemüthern die antisemitische Gesinnung systematisch gepflegt wird. Berlin. (Antisemitische Demonstrationen.) Im Alexandra-Theater kam es schon Freitag Abends bei der ersten Aufführung eines Schauspiels unter dem Titel „Moderne Teutonen" zu wilden Scenen, die durch gewisse, den Antisemiten unangenehme Stellen des Stückes hervorgerufen wurden. Im Verlaufe des Sonntags wurden Karten an die antisemitischen Gesinnungsgenossen versendet, worin für die zweite Aufführung der „Modernen Teutonen" folgende Ordre ausgegeben wurde: „Wir haben beschlossen, heute Abends Mann für Mann anzutreten und an diesem jüdischen Machwerk unsere Kritik zu üben; deßhalb, Gesinnungsgenossen, tretet Alle an und bringt eure Freunde mit! Man bittet, darauf zu achten, daß mindestens vier Genössen ihre Plätze bei einander haben." Darunter standen noch die Worte: „Man wolle diese Karte nur an bewährte Gesinnungsgenossen befördern." Die Vorstellung nahm einen sehr aufgeregten Verlauf. Fortwährend wurde die Darstellung durch anzügliche Bemerkungen gestört, die hauptsächlich aus den Hinteren, dicht besetzten Bänken erschollen und stets einen Höllenlärm entfesselten. Aus dem Schlußacte wurde die Scene, welche den Sturm des Pöbels auf das Haus eines Juden zum Gegenstände hat, fortgelassen. Man gab nur die letzte Scene des vierten Actes, aber auch über diese senkte sich vorzeitig der eiserne Vorhang. Ein mitten in das Spiel hinein ausgebrachtes Hoch aui Ahlwardt fand ein kreischendes Echo und das Lied „Deutschland, Deutschland über Alles" wurde von ein paar Dutzend Schreiern mißbraucht, um den Schluß der Vorstellung — gegen V» 10 Uhr — zu erzwingen. Die Direktion wird das Stück nicht mehr zur Aufführung bringen. Fürth. (Bayern.) 28. Jänner. Der vor einigen Jahren in Meran verstorbene Ehrenbürger der hiesigen Stadt, Doctor Wilhelm Königswarter, hinterließ sein Vermögen von nahezu 90.000 Mark der Stadt zu einem von ihr zu bestimmenden Humanitären Zwecke. Ueber die Verwendung konnte man sich bisher nicht einigen. Nun schreibt die Nummer 24 der „Fürther Bürgerztg? von heute: „Die Königswarterstiftung soll nun endlich Verwendung finden. Wie Herr Bürgermeistee Langhaus in der letzten Magistratssitzung mittheilte, hat der Armenpflegschaftsrath den Vorschlag gemacht, den Fond zur Errichtung eines Knabenwaisenhauses zu verwenden. Diesen Standpunkt haben wir von allem Anfang an vertreten und dürfte diese Verwendung auch den Intentionen des Stifters entsprechen. Es mag ja beschämend sein für unsere Frommen, wenn ein christliches Waisenhaus mit jüdischem Gelde erbaut wird, aber unsere Christen halten eben die Hand so fest auf den Geldbeutel, daß zu wirklich humanen, dem Christenthum in erster Linie obliegenden Einrichtungen die Juden herangezogen werden müssen. Deswegen sind unsere Frommen aber doch — Antisemiten." Die „nationalen" Antisemiten. Der „Reichsherold" des Dr. Böckel schreibt in seiner Nummer vom 31. Jänner: Ein bürgerliches Gesetzbuch für ganz Deutschland ist unserer Meinung nach ein Unsinn. Die Verschiedenheit der deutschen Stämme ist so groß, die Rechtsanschauung ist so verschieden, daß man getrost die Commission zur Berathung dieses Unglücksbuches auflösen und das ganze Material ins Feuer werfen könnte." Hamburg, im Januar. Ueber: „Ludwig der Fromme und die Juden" sprach Herr Seminar - Director Dr. Kroner- Hannover am 16. d. Mts. im Saale der „Vereinigten Logen" vor den Mitgliedern des „Hamburger Vereins für jüdische Geschichte und Literatur". Auf Grund alter, sicherer Documente sei zu beweisen, daß schon die Juden des alten deutschen Reiches ihre Vaterlandsliebe stets bewiesen. Karl der Große hat die, geistige und sociale Erhebung der Juden gefördert. Dieser Kaiser war es, der berühmte jüdische Gelehrte in das deutsche Reich zog, wie: Kalonymos, Machir u. A. Unter seinem Nachfolger Ludwig dem Frommen, standen nach allen Schilderungen, die uns aus jener Zeit über ihn vorliegen und die durch einen neueren Geschichtsschreiber, Simson (Sohn des früheren Reichsberichts-Präsidenten) in seiner „Geschichte der Frankenkönige" und durch die „Regesten" (Aronius) bestätigt werden, die von ihm als treu befundenen und in der Vaterlandsliebe seinen übrigen Unterthanen ebenbürtigen Juden unter besonderen Schutz und duldete er keinerlei Unbill gegen sie. Es war ein besonderer Beamter, der magrer juaaeorum (Judenmeister) ernannt, der über ihre Sicherheit zu wachen hatte. Da fand sich ein Judenfeind, der Bischof Agobard von Lyon. Als er bemerkte, daß Christen jüdische Gotteshäuser besuchten und an den dort gehörten Predigten Gefallen fanden, (woraus hervorgeht, daß damals schon gute Predigten in deutscher Sprache)gehalten worden sind), richtete er eine Eingabe an den Kaiser, in der er sich über die Juden beschwerte. Als den wichtigsten Punkt seiner Beschwerde bezeichnete er den Umstand, daß es ein Unrecht gegen die Kirche sei, den Juden zu gestatten, Sclaven zu halten, die von ihnen nicht entlassen würden, wenn sie auch Christen werden wollten. Die Juden wandten sich durch den „Judenmeister" an den Kaiser und der Bischof erhielt auf seine Eingabe den Bescheid: „Er sei entlassen". Agobard hetzte weiter gegen die Fuden und auf eine weitere Bitte des Rabbi Domatus und seines Neffen Samuel um Schutz gegen die ungerechten Angriffe des Bischofs befiehlt der Kaiser; „Niemand dürfe es wagen, die Juden zu belästigen und wer einen Juden tödtet, hat 10 Pfund Gold als Strafe zu zahlen". Der Bischof aber erklärt diesen mit dem kaiserlichen Siegel versehenen Befehl des Kaisers für falsch und hetzt weiter. Nunmehr schickt der Kaiser seine miss! (Sendboten) an den Bischof; diese treffen ihn aber nicht an, er ist „zufällig" außerhalb feines Sprengels. In einer besonderen Schrift: „De insolentia Jadaeorum“ (Ueber die Frechheit der Juden), sucht er seine Anschuldigungen zu