Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 6 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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N>. 6 Oefterreiüftfttze Wochenschrift Seite 103 ehrten sein Andenken durch Erheben von ihren Sitzen. Dem Jahresbericht entnehmen wir nachfolgende Daten. Der Verein zählt 230 Mitglieder. Im Tempel fanden während des letzten Jahres 34 Trauungen und 55 Confirmationen von Knaben statt. Die vom Vereine erhaltene Bibelschule besuchten 22 Kinder und es wurden 32 (22 Knaben, 10 Mädchen) vollständig bekleidet. Vereins-Einnahmen: Spenden zu Bereinszwecken . . . . ca. ft. 4300 Spenden für außerordentliche Humanitäts-Anstalten ....... „ „ 300 Miethe der Tempelsitze.„ „ 6100 Mitgliederbeiträge.„ „ 950 Trauungstaxen.„ „ 1300 Darlehen der Cultusgemeinde .... „ „ 5000 Subvention der Cultusgemeinde ... „ „ 600 Das Gebahrungsresultat ergibt nichts destoweniger einen! Fehlbetrag von fl. 1500. | Nach Verlesung des Protocolles der letzten Generalver- : sammlung durch den Schriftfiihrer Herrn D. Bloch, ergreift j das Wort der — durch Mandatsablanf — zur dleuwahl ge-! langende Obmann-Stellvertreter Herr Gottlieb Bettelheim.! Er bemerkte, daß die Devise des Vereines „Ihr sollt mir ein! Heiligthum bereiten, auf daß ich throne unter Euch" noch! heute aktuell, und mit dessen Erbauung der Tempel immer nicht j „bereitet" sei, sondern erst durch entsprechende Ausgestaltung der i gottesdienstlichen Einrichtungen seinen Abschluß fände. Es werde! seine Aufgabe sein, bei allmähliger Anbahnung zeitgemäßer! fortschrittlicher Aenderungen, Schwankungen in den Einrich- \ hingen zu vermeiden. i In Bezug auf die Kosten der Tempelerhaltung sei es un-! billig, die ganze Last derselben auf jene zu wälzen, welche gej rade an hohen Feiertagen das Gotteshaus besuchen, während doch dasselbe das ganze Jahr hindurch bei den verschiedensten! Anlässen von der ganzen Gemeinde benützt wird. Es sei daher j ein Gebot der Gerechtigkeit, die ganze Gemeinde zu den Leistungen j heran zu ziehen. In diesem Gesichtspunkte sei die Cultusgemeinde, abgesehen von der gesetzlichen Bestimmung, in erster Reihe für die Tempelerhaltung berufen. Info lange aber andere Umstände und Verhältnisse diesem Ziele im Wege stehen, müsse man trachten, möglichst viele Mitglieder heranzuziehen, wie auch die indireeten Einnahmen zu vermehren. Bereiusmitglied Herr Ludwig Rvsenzweig bemerkte, daß der Cultusgemeinde für ihre Unterstützung kein Zoll des Dankes gebühre, da es ihre Pflicht sei, den Tempel zu erhalten. Der Vorsitzende entgegnete, daß der Cultusgemeinde die Anerkennung gezollt werden müsse, da sie jederzeit dem Verein materielle und moralische Unterstützung nach Kräften bereitwilligst gewähre. Er beantragt dem Cultusvorstande hicsür den Tank durch Erheben von den Sitzen auszudrücken. (Geschieht.) : Bezirksausschuß Herr Dr. Moritz Sch nepp besprach in , eloquenter wärmster Weise die Verdienste des Vorstandes,; der durch Schaffung culturetler und humanitärer In-! stitutionen, durch wirksamste Förderung der Bestrebungen j des Fortschrittes um so mehr Anerkennung verdiene, als die-! selben weitaus den Rahmen ihres directen Wirkungskreises über-! schreiten. Hiedurch sei der Bethausverein zum Kristallisationsj punkte der Judenschaft des IX. Bezirkes geworden und werde i es ihm zur Ehre gereichen, in den Vorstand dieses Vereines ge- > wählt zu werden. | Herr Carl Straffer interpellirte Namens mehrerer Vereins-! Mitglieder über den Stand der Predigerfrage. Der Vorsitzende verj spricht, dieselbe nach Thunlich'keit einer baldigen Erledigung zu-; zuführen. , I Bei den vorgenommenen Wahlen wurden in den Vorstand! für eine dreijährige Function, die Herren: Gottlieb Bettelheim,! S. L. Bruckner und Moritz Freund, für eine zweijährige i Mandatsdauer Herr Bezirksausschuß Dr. Moritz Sch nepp I gewählt. In den Ausschuß: die Herren Sigm. Frankl, Jgn. Groß mann sen., Leop. Kann, Julius K o p st e i n, Commercialrath Sigm. Neustadtl, Wilh. Pappenheim, Joses Quittner und Jsid. Trebitsch. Nachdem der Wahlgang beendet war, dankte Cultusvorsteher Fleischer für die der Gemeinde bekundete Anerkennung und gedachte in bewegten Worten des Heimgegangenen Obmannes Leop. Quittner, worauf der Vorsitzende die 26. Generalversammlung schloß. Wien. (Eine unang en ehme „Verwechslung").lieber eine „unangenehme Verwechslung" findet sich in einer Wiesbadener Correspondenz der „Barmer Ztg." eine interessante Erzählung. Danach habe ans einer nassauischen Eisenbahnstation „einer der obersten deutschen Staatsbeamten" das Zusammenreisen mit einem Herrn, den er für einen Juden ansah, in lebhafter Weise verweigert, weil sein „Natioualgefühl" das nicht znlasse. Hinterher aber stellte sich heraus, das der angebliche „Jude" „einer der höchsten evangelisch-kirchlichen Würdenhäger" war. Und dieser soll sich auch durch die Entschuldigungen des Staatsbeamten nicht haben abhalten lassen, weitere Schritte in dieser Sache zu thuu. Die „Barm. Ztg." bemerkt dazu nicht unzutreffend: „Man wundert sich beutzutage vielfach über den großen Umsaug, welchen die antisemitische Bewegung bereits angenommen hat. Sieht man aber so offen unsere ersten Staatsbeamten „an der Arbeit", so ist es heute nicht mehr als natürlich, daß der ganze Troß derer mitarbeitet, die sich nun einmal daran gewöhnt haben, dort die Parole zu empfangen, für ihr ganzes politisches Fühlen und Denken. Wo soll das hinaus? Ein gleiches Malheur ist Herrn Georg Schönerer mit einigen seiner getreuesten Teutonen passirt, deren Ernennung zu Reserveosficieren der Großpascha von Zwettl als Beweis der völligen Berjudung der Armee angeftihrt hat. Das geschah in Nr. 2 der „U. D. W.",. so daß u* in der darauffolgenden Nummer mit Bedauern coustatiren mußte, „daß in dem Verzeichnisse der neuernanuten jüdischen Reserve-Ossiciere auch einige Arier, darunter sogar gut deutschnationale Studenten als Juden erscheinen. Es freut uns mittheilen zu können, daß u. a. die Herren: Fritz Bauereiß, Oscar Grundfest, Fritz Ehrbar, Max Gall, A. Fernau, E. Fernau, Max Kulisch, K. Adler, Paul Hopfner, O. Roth, Alfred von Blumfeld, Botkowsky, Wilhelm Felsenstein, Rudolf Felsenstein, Oscar Orosel, Alfred Schluet keine Juden sind". Also selbst Herr Schönerer ist sich über die Abstammung seiner Getreuen nicht klar. Baden bei Wien. In voriger Woche wurde hier der Bezirkskraukencaffen-Arzt namens Dr. Gropper — ein noch sehr junger Mann und einer der hiesigen Autisemitenhäuvtlinge, ein echter Urgermane, wie sich die Antisemistliuge hier 'gerne nennen — in Folge Pflichtvergessenen Borgehens gegenüber den Kranken seiner Stellung als Bezirkskrankencassen-Arzt enthoben und an seiner Statt Herr Dr. Reitler bestellt. Welchen wüsten Lärm und welche Rohheiten hätten die Herren Antisemiten in ihrem hiesigen Schmutzblatte losgelassen, wenn sich ein jüdischer Arzt eine ähnliche Pfl-ichtvergesseuheit zu Schulden hätte kommen lassen und mit welchem Behagen wäre jeder einzelne Fall des Laugen und Breiten den Lesern desselben aufgetischt worden? Natürlich erwähnt dasselbe mit keiner Silbe dieses Vorkommnis ■ — nach dem berüchtigten Wiener Muster. — Rzeszow, im Feber 1893. (Baron Hirsch' S tiftung.) Nach vieler und anstrengender Mühe ist es dem hiesigen Localcomite der Baron Hirsch'schen Stiftung gelungen,' zu erwirken, daß das Curatorium dieser Stiftung sich entschlossen hat, in der hiesigen Stadt eine Gewerbeschule für Kunstschlosserei, in welcher 12 Zöglinge, welche die vierte Normalclasse beendigt haben, Ausnahme finden und mit monatlichen Stipendien betheilt werden, wie auch eine Abendschule zum Unterrichte der nöthigen Elementarkenntnisse, welche in einen höheren und niederen Lehrcurs getheilt ist, zu creiren. Ter Cultusobmann Herr Jsac Holzer, welcher zugleich die Function des Obmannes des Localcomites bekleidet, hat sich veranlaßt gesunden, die Eröffnung dieses Institutes feierlich zu begehen, und wurden zu dieser Feierlichkeit sowohl der Cultusrath, das Rabbinah als auch andere Notablen eiugeladen. Am 29. v. M. um 11 Uhr Vormittags hat sich in den Localitäten der Werkstätte, welche die hiesige israelitische Gemeinde in ihrem Hause dem Curatorium gratis zur Verfügung stellte, wo bereits die Zöglinge in blauen kleidsamen Arbeiterblousen adjustirt, vollzählig waren, ein zahlreiches Publicum eingefunden. Religionsweiser Herr Osias Wallerstein, Herr DierzinZki, k. k. Professor am hiesigen Lehrerseminarium und Director der Abendschule, hielten erhebende Ansprachen, in welchen sie den edelherzigen Stifter priesen. Mit Absinguug der Volkshymne schloß die erhebende Feier. Prag. (V e r e i n s b er ich t.) Im Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums hielt am 21. Jänner Herr Rabbiner Dr. Nathan Grün einen Vortrag „Zur Ent-