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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-10 · 6 (10.2.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
6 (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 102 Oesterreichifche Worlrenschrifi Nr. 6 —*ktwecken; an Nahrung wird es nicht fehlen. Nicht nur durch die Verödung, die sie in den Herzender Empfangenden bewirkt, versündigt sich die Gleichgültigkeit und der Kaltsinn in einem Volke, sondern mehr noch durch die Verheerungen, die sie unter den Spendenden anrichtet, durch die Blüthen, die sie mordet, die Keime, die sie erstickt, die Quellen, die sie versiegen läßt Ein neuer Frühling wird neue Sänger wecken, jeder Erhebung der ausnehmenden Kraft in einem Geschlechte folgt eine Erhebung der schaffenden, der schöpferischen Fähigkeiten in seiner Mitte. Vollends aber lohnt jeder Aufschwung des Frauenherzens in einer Gemeinschaft sich tausendfältig; wenn eine Zeit klein und verfallen erscheint, so müssen ihre Frauen verarmt und gesunken sein; auf dem Hochsinn seiner Mütter ruht Zukunft und Dauer eines Volkes. Die Hebung des religiösen Sinnes unter Israels Mädchen und Frauen sichert den Fortbestand und eine neue Blüthe des Judenthums. Wer Mittel und Wege weiß, sie herbeizuführen, halte nicht zurück; er hilft den Acker unserer Zukunft bestellen. Budapest, 15. September 1892. CsrreZMNlienLm. Wien. (Das Erdbeben auf Zante.) Am 2. Februar, 5 Uhr 45 Minuten Nachmittags, fand auf der Insel Zante ein neuerliches Erdbeben statt, welches weitere Katastrophen im Gefolge hatte. Regengüsse und Hagel gestalten die Lage noch trostloser. 26.000 Menschen sind obdachlos. Es wurden eiligst entsprechende Maßnahmen getroffen, um der Bevölkerung zu Hilfe zu kommen. Der Minister des Innern ist nach Zante abgereist. Gelegentlich der Blutbeschuldigung in Ccrfu fanden in Zante bösartigeJudenverfolgungen statt. Die Juden haben dortselbst schwere Tage erlebt und einzelne Flüchtlinge, welche in Wien weilten, erzählten Schauerliches von der Umnenschlichkeit der dortigen Bevölkerung. Die Ortschasterrauf Zante' gleichencheüte Rainen vierzigtausend Menschen sind obdachlos und dem größten Elend preisgegeben. Trotz der Lebensmittel-Sendungen aus Athen und Malta herrscht Hungersnoth; zahlreiche Personen sterben vor Hunger. Mehr als 200 Häuser sind zerstört, zahlreiche Personen unter den Trünnnern begraben. Die Zahl der Todten und Verwundeten kann noch nicht annähernd sestgestellt werden, doch ist dieselbe erschreckend hoch. Die Stadt Zante ist zu drei Biertheileu ein Trümmerhaufen. Das Spital ist eingestürzt; ein Theil der Kranken konnte im bischöflichen Palais untergebracht tverden. Ein Telegramm des Triester Piccolo aus Zante von Mittwoch Abends meldet, daß die Erdstöße fortdauern. Die Panique und der Schaden sind ungeheuer. Die Ortschaften sind vollkommen leer: etwa 30.000 Menschen campiren im Freien. Es . herrscht großer Mangel an Lebensmitteln. An 800 Häuser sind ein gestürzt; auch zahlreiche Menschen sind umgekommen. Wien. (Ein „christlicher" Arzt.) Am 23. Jänner Abends, beim Nachhausekommen aus dem Geschäfte, fühlte sich der in Rudolfsheim wohnhafte Commis der Firma Brüder Hirsch, Moriz Grünbergcr, unwohl und klagte namentlich über heftige Schmerzen in den Beinen. Er schickte daher, da er Mitglied der „Grem ial-Krankenkassa der Wiener Kaufmannschaft" ist, um den zunächst wohnenden Krankenkaffenarzt, Dr. Franz Jezek. Dieser erschien gegen 10 Uhr Nachts in der bescheidenen, von der alten Mutter und ihrem Sohne bewohnten, Behausung und kaum hatte er das Zimmer betreten, als er auch schon, ohne vorerst den vor Schmerz stöhnenden Patienten zu untersuchen, sich in heftigen Vorwürfen erging und mit lauter Stimme, so daß es am Gange von den Hausleuten gehört wurde, schrie: „Sie Schwindler, Sie wollen nur schwindeln, mich werden Sie nicht beschwindeln" u. dgl. Vergeblich bat die besorgte, alte Mutter unter Thränen, der Arzt solle doch nur ihren Sohn, der unter großen Schmerzen leide, untersuchen. Dr. Jezek setzte seine lauten Beschimpfungen immer fort und, als der Patient hierauf erklärte, daß er nunmehr überhaupt auf die ärztliche Hilfe des humanen Krankenkassenarztes verzichte, sich einen selbst gewählten Arzt holen, das Gebühren des Dr. Jezek aber sowohl der Oeffentlichkeit übergeben, als auch der Krankenkassenleitung zur Anzeige bringen werde, schrie ihm Jezek zu: „Dieß können Sie thnn, sagen Sie aber gleich dabei, daß ich ein christlicher Arzt bin! Noch am selben Tage nahm der jüdische Arzt, Herr Dr. H. Friedländer den Patienten in seine Behandlung. Am 3. Februar d. I. aber stand der „christliche" Arzt Dr. Jezek, vor denr Straftichter des 15. Bezirkes, Adjuncten Dr. G anglbauer, unter der Anklage der Ehrenbeleidigung, deren Substrat die oben geschilderten Szenen und Beschimpfungen bildeten. Der Privatkläger, Moriz Grünberger, war durch den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Leo Ehren theil, vertreten. Der Angeklagte leugnete jede Beschimpfung ab, er habe blos im Interesse der Krankenkasse ans ein „subjectives Krankheitsgefühl" nichts geben wollen. Bon allen Angaben der Klage sei nur diejenige wahr, daß er wiederholt betont habe, er sei ein christlicher Arzt. Die Zeugen, von denen namentlich die alte Mutter durch ihre unter tiefer Bewegung abgegebenen Aussagen großen Eindruck hervorbrachte, und die Hausbesorgerin, welche dcponirte, daß der Arzt so laut geschrien und geschimpft habe, daß sie aus dem Schlafe geweckt wurde und ihren Mann aus dem nahen Gasthause holte, bestätigten jedoch vollauf den ganzen Inhalt der Anklage. Der Vertreter des Klägers, Dr. Ehren theil, unterzog in seinem Plaidoyer das unchristliche Verhalten des „christlichen" Arztes einer scharfen Kritik, worauf Dr. Franz Jezek, — (dessen genaue Wohnungsadresse wir zum Besten der leidenden Menschheit hier angeben: Rudolfsheim, Henriettenplatz 5) — zu einer Geldstrafe von 15 fl., eventuell drei Tagen Arrest verurtheilt wurde. Wien. (Antisemitische Practiken.) Die „Presse" lieferte am verflossenen Sonntag unter der Rubrik „Börsenwoche" folgendes, für die antisemitische Geschäftspraxis sehr bezeichnendes Characterbild: „Zu den Wiener Specialitäten," schreibt die „Presse", „zählt bekanntlich ein kleines Büchlein, das Verzeichniß jener Geschäftsleute, in deren Laden man eintreten kann, ohne Gefahr zu laufen, darin einem Sprößlinge des Stammes Israel zu begegnen. In besagter Liste befindet sich auch eine Wechselstube, welche trotz der tiefgehenden Abneigung, die von antisemitischer Seite gegen Alles empfunden wird, was' mit dem' angeblich jüdischen Großkapital zu thun hat, den Gesinnungsgenossen ihre hilfteichen Dienste bei der Anlage von Ersparnissen anbietet. So weit wäre Alles recht, und wir hätten schließlich auch nichts dagegen einzuwenden, daß gerade diese Wechselstube es ist, welche seit einer Reihe von Jahren die Wiener Armenlotterie finanzirt, obgleich, wenn letzteres von Seite einer minder unverfälscht arischen Firma der Fall wäre, darüber im Gemeinderathe sich schon die lebhaftesten Debatten und peinlichsten Recriminationen ergeben hätten. Allein was wir besagter Firma, deren geschäftliche Gebahrungsweise uns im Uebrigeil völlig unbekannt ist, zum Vorwurfe machen müssen, ist das Inserat, welches von derselben ggenwärtig in Betreff der großen Conversionen noch dazu in einem officietleu Blatte veröffentlicht wird. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir hier lasen: „Die k. k. österreichische Staatsverwaltung kündet auf Grund des Gesetzes vom 2. August 1892 zur baaren Einlösung die 5percentige österreichische Notenrente rc. und emittirt dagegen 4percentige österreichische Kronenwerthe" u. s. w. Und wenige Zeilen weiter heißt es ebenso: „Das königlich ungarische Finanzministerium kündet ferner zur baaren Einlösung die 5percentige ungarische Papierente rc. und emittirt dagegen 4percentige Kronenrente" u. s. w. Das ist eine factische Unwahrheit, die, wenn sich derselben zufälligerweise eine Wechselstube schuldig gemacht hätte, die nicht den Freibrief genießt, von antisemitischer Seite unbehelligt zu bleiben, sicherlich zum Gegenstände der weitläufigsten Erörterungen gemacht und als Beweis für die Kunstgriffe hingestellt worden wäre, deren sich jüdische Geschäftsleute im Verkehre mit dem Publicum bedienen. Wien. Am 31. Jänner d. I. wurde in Robicsek's Restaurations-Saal die Generalversammlung des Bethäus-Vereines „B eth-H a tfil ah" im IX. Bezirke abgehalten. Den Vorsitz der gut besuchten Versammlung führte Obmann-Stellvertreter Herr Gottlieb Bettelheim. In Vertretung der Cultusgemeinde erschien der Erbauer des schönen Gotteshauses im IX. Bezirk, Herr Architect Max Fleischer. Die Generalversammlung stand noch unter dem Eindrücke wehmutsvoller Erinnerung an den Hintritt ihres Obmannes Leopold Quittner, dessen Name mit dem Tempelbaue, der Entwicklung des Vereines unzertrennlich verknüpft ist. Der Vorsitzende zeichnete seine hohen Verdienste und die Anwesenden

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