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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-10 · 6 (10.2.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
6 (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 100 Oestrrreichlfchr Wochenschrift Nr. 6 nommen werden kann, obwohl mancher Mische Jüngling, aus Noch, auch zu dieser „Stätte der Wissenschaft" hinpilgert); wenn man bedenkt, daß in diesen acht Universitäten zusammen sich alljährlich kaum mehr als tausend Nichtjuden immatriculiren lassen — so kann man sich leicht vorstellen, welche schöne Aussichten die „decimirten" und „quinttrten" jüdischen Jünglinge nach Absolvirung des Gymnasiums haben . . . Noch mehr, die m e i st frequentirten russischen Universitäten (Petersburg und Moskau) nehmen überhaupt nur 3 Percent Juden auf. Es ist nicht der Zweck dieses Artikels, der in einem jüdischen Blatte erscheint, die Frage zu erörtern, warum das russische Volk so bildungsscheu ist, und welche Folgen diese Antipathie für das Land hat. Uebrigens ist's ja auch natürlich, daß ein Volk, welches erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, Lurch den humanen Alexander H., aus der tiefsten Barbarei herausgeriffen wurde, um nach einigen Decennien wieder in dieselbe zurückgedrängt zu werden, — daß dieses Volk von den Früchten der Zivilisation noch blutwenig genossen hat. Und vielleicht ist's gar richtig, daß dem vorzugsweise Ackerbau betreibenden Rassenvolke, Bildung so wenig als möglich verzapft werden soll. Fordert doch der Fürst Meschtschersky (Redacteur des, in den höheren Sphären beliebten Blattes „Grashdanin") von Zeit zu Zeit die Regierung auf, die Leibeigenschaft wieder einzuführen — wer lacht da? — und die Volksschulen ganz und die mittleren Lehranstalten theilweise abzuschaffen, denn nur dadurch, meint er, kann Rußlands „Entwicklungsproceß" ungestörten Verlauf nehmen; und der edle Fürst muß es doch wissen. Aber, wie gesagt, dieser Artikel soll sich mit russischen Culturfragen nicht beschäftigen. Er sollte nur beweisen, daß für die russischen Juden, die Kraft der bestehenden Gesetze sich mit Ackerbau nicht beschäftigen dürfen und nur auf Handel und Gewerbe und die liberalen Professionen angewiesen sind, — jed e Einschränkung ihrer Ausbildung die grausamste und unmottvirteste Maßregel ist. Denn die Bildung (hauptsächlich die mittlere) die, nach russischer Ansicht, einem ackerbauenden Volke nur schaden kann, ist für die russischen Juden unter den eben genannten Umständen von der größten moralischen und materiellen Nothwendigkeit. Wenn also die Regierung den Juden jede Ausbildung'verbietet (und das „Procentgesetz" bedeutet, wie oben bewiesen, nichts anderes) so muß jeder o bjective Beurtheiler annehmen, daß sie ihre jüdischen Unterthanen vollständig entmenschen, verrohen und gewaltsam zu gern ei nenSpitzb üben machen will. Wenn dieser Anschlag auf die Menschenwürde der russischen Juden nicht von Erfolg gekrönt war, so ist's wahrlich nicht die Schuld der russischen Regierung. Aber davon im nächsten Arttkel. Intrepidns. Etw as verspätet, bemerken die Berliner Mittheilungeu des Abwehr-Vereins, kommen verschiedene russische Regierungs - organe und hohe Würdenträger des Reiches mit dem officiellen Ausdruck ihrer Dankbarkeit für die ausgezeichneten Dienste, welche Juden im Allgemeinen und jüdische Aerzte im Besondern während der jüngsten Choleraepidemie geleistet haben. So weiß die „Rußkaja Schiza" vom 23. d. M. den Wortlaut des Briefes mitzutheilen, welchen der Generalgouverneur von Kijew, Z. P. Tomara seiner Zeit an den Verwaltungsrath des jüdischen Krankenhauses in der Stadt Kijew gerichtet hat. Der Gouverneur erkennt gerne an, daß besagter Verwaltungsrath rechtzeitig dafür gesorgt hat. eine besondere Abtheilung für Cholerakranke einzurichten, wobei alle nöthigen Vorsichtsmaßregeln gettoffen wurden, um das Hauptgebäude und seine Insassen von der Ansteckung vollkommen zu schützen. Er fährt alsdann wie folgt fort: „Bei einem Besuche des jüdischen Krankenhauses am 30. August (v. I.) habe ich der Abtheilung für Cholerakranke meine besondere Aufmerksamkeit geschenkt und habe dabei gefunden, daß diese durchaus zweckentsprechend eingerichtet ist und in bester Ordnung unterhalten wird. Vom 18. August bis zum 1. November (v. I.) fanden sich in der Cholera-Abtheilung des jüdischen Krankenhauses 182 Kranke, von denen 81 Christen waren. Dieser bedeutende Procentsatz beweist, wie ich hiermit zu meiner großen Genugthuung öffentlich constatire, daß die Christen sich mit Vorliebe dem jüdischen Krankenhause anvertrauten in der zweifellosen Gewißheit, dort dieselbe sorgfältige Behandlung und liebevolle Pstege zu finden, wie die Juden selbst. Auch haben die sachkundigen Jnspectoren einstimmig berichtet, daß die behandelnden Aerzte in der Cholera-Abtheilung des jüdischen Krankenhauses nicht müde würden, mit mustergültiger Gewissenhaftigkeit ihre schweren Pflichten zu erfüllen! Ich muß es daher ebenfalls für meine heiligste Pflicht erachten, dem geehrten Verwaltungsrath des jüdischen Krankenhauses in der Stadt Kijew meine aufrichtigste Anerkennung der von ihm der Gesammtheit geleisteten Dienste auszusprechen und ihn außerdem ergebenst zu ersuchen, dem Oberarzt des jüdischen Krankenhauses, W. W: Ferliw, sowie den unter seiner Anleitung thättgen Aerzten meinen tief empfundenen Dank zu übermitteln." Aus der im „Kijewskoje Slowo" vom 22. d. M. publicirten Liste von 14 Aerzten, welche specielle und eigenhändig Unterzeichnete Dankschreiben vom Generalgouverneur erhalten haben, geht übrigens klar genug hervor, daß drei derselben: die Herren Minasewitsch, Sperling und Sokolowsky Juden sind. Der Brief an den zuletzt genannten Arzt hat folgenden Wortlaut: „Geehrter Herr, Nachim Awramowitsch! Sie waren einer von den Aerzten, welche die Regierung nach der Stadt Belaja- Zerkow conynandirt hat, um die dort wüthende Cholera zu bekänipfen. Es freut mich, sagen zu können, daß Sie die Ihnen auferlegten Pflichten mit tadelloser Gewsssenhaftigkeit, sowie mit nachahmungswerthem Eifer erfüllt haben und keine Gefahren scheuten, um die nöthigen Maßnahmen persönlich durchzuführen. Ihre fruchtbare und erfolgreiche Thätigkeit zur Zeit der allgemeinen schweren Noth hochschätzend, bin ich glücklich, Ihnen, geehrter Herr, meinen besonderen Dank für die von Ihnen den: Reiche erwiesenen Dienste hiermit auszusprechen. Empfangen Sie die Versicherung meiner besonderen Hochachtung Z. P. Tomara. Kijew, am 5. Januar 1893. Nr. 76093. q- * Die Wochenchronik des „Woßchod" vom 22. v. reproducirt den unten folgenden Tagesbefehl des Commandirenden des Kaukasischen Armeecorps vom 12. September v. I., unter Nr. 154 erlassen: „Aus dem Bericht des Befehlshabers der Kaukasischen Grenadier-Brigade ersehe ich, daß unter den Mitgliedern der Sanitäts-Commission, welche mit Rücksicht aus das Erscheinen der Cholera in Gombory, im Juni dieses Jahres eingesetzt wurde, auch der jüdische Brigadearzt, Hofrath Ostrowsky sich befand, welcher durch seine rastlose und energische Thätigkeit sich auszeichnete und durch' geschickte Anwendung von rationellen Maßnahmen das Meiste zur Lokalisirung der Epidemie beigetragen hat. Namentlich hat er es, wie gar kein anderer Arzt, verstanden, alle der schnellen Ausbreitung der Epidemie günstigen Bedingungen wegzuräumen. Der Arzt Ostrowsky erfüllte nicht nur mustergültig seine directen Pflichten gegenüber den Gemeinen der Brigade, sondern er eilte bereitwillig Jedermann in Gombory zu Hilfe und er verstand es, der einheimischen Bevölkerung einen früher unbekannten Grad von Zutrauen einzuflößen, indem er ihr anschaulich zeigte, was unbeugsame Pflichttreue und aufopfernde Selbstlosigkeit im Verein mit gediegenen Kenntnissen und glücklichem Geschick zu leisten vermögen. Indem ich die hohen Verdienste des Hofraths Ostrowsky dem mir anvertrauten Armeecorps kund gebe, erachte ich es zugleich für eine mir persönlich höchst angenehme Pflicht, dem Braven für seinen mustergültigen Diensteifer meinen aufrichtigen Dank auszusprechen. Der Commandirende des Kaukasischen Armeecorps, Generallieutenant Parzewsky. Wir heben wir den religiösen Sinn unterer Mädchen und Frauen? Eine Antwort an Herrn Wilhelm von Gutmann von Professor Dr. David Kaufmann. IV. Bolkslitteratur. Wissenschaftliche, religiöse, schöne Litteratur. Nach diesen selbstverständlichen Forderungen, die nur das traurige Bedürfnis erst auch noch auszusprechen zwingt, kann »ich zu den eigentlichen Wünschen für eine jüdische Volkslitteratur von ästhetisch erfreuender Gestatt und religiös erziehender Wirksamkeit übergehen. Ich zweifle keinen Augenblick, daß die Kräfte zu solchen Leistungen, wenn erst eine wirkliche, von ehrlichem Wollen getragene Bewegung breite Schichten unseres Volkes durchdringen wird, in überraschender Fülle sich einstellen werden. Männer aus ryrserem Stamme haben, vom Beifall der Zeitgenossen getragen und erhobeü, sich in bcn

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