Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 5 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Oesterrrichische Wochenschrift ^eite 89 machtlos zu sein und Herr Hiller ist gezwungen, sich durch eine bewaffnete Leibwache in seinem Hause schützen zu lassen. Auf dem Lande werden die farbigen Arbeiter nächtlicher Weise von den Weißkappenbanden von allen den Juden gehörigen Plantagen vertrieben Keine Nacht vergeht mehr, ohne neue Gräuelthat, Brandstiftung, Austreibung von Negern u. s. w. Die Juden werden in Folge dessen, sobald sie ihre Geschäfte abwickeln können, nach ihren früheren Wohnorten New Orleans oder New-Iork zurückkehren. Ihre bisherigen pekuniären Verluste betragen weit über 100.000 Pfund Sterling, wovon auf Herrn Hiller etwa 50.000 Pfund Sterling entfallen. Wien. (Oester. Israel. Union.) Samstag den 4. Feber 1893 Abends 7*/a llhr, findet im Restaurant Khuner eine Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Bicebürgermeisters Dr. Raimund Grübl: „Ueber Wiener Verhältnisse." 3. Anträge und Interpellationen. Wien. (Synagogenbau-Lotterie.) Die nicht behobenen Gewinnstgegenstände der Gold-, Silber- und Essecten- Lotterie zu Gunsten der Erbauung einer Synagoge nach polnischjüdischem Ritus in Wien, welche laut Spielplan dem Synagogenbaufonde zufallen, gelangen am 6. und 7. Februar d. M. zwischen 3—6 Uhr Nachmittags in der Lotterie-Kanzlei 2. Bez., Antonsgasse 3, zur öffentlichen Feilbietung. Es sind darunter viele werthvolle Gold-, Silber-, Porcellan- und Bijouterie- Gegenstände. Da der von einem k. k. gerichtlich beeideten Schätz meister und Sachverständigen angesetzte Preis ein sehr geringer ist, so bietet sich die Gelegenheit, diese Gegenstände, welche werthvolle Andenken sind, zu billigen Preisen zu erwerben. Wir hoffen, daß sich unsere Glaubensgenossen bei dieser Feilbietung, deren Erlös dem Synagogenbaufonde zufällt, rege betheiligen werden. Das Synagogenban-Lotterie-Comite. Wien. (Trauungen.) Sonntag den 29. Jänner 1893 wurden getraut: Herr Max Mittler mit Frl. Rosa Fasset; Herr David Lob Spitzer mit Frl. Irene Buchbinder; Herr Siegfried Beck mit Frl. 'Alice Artner; Herr Heinrich Lederer mit Frl. Netti Ltttner; Herr Gustav Spitzer mit Frl. Eugenie Neumann. Donnerstag den 2. Februar 1893: Herr Heinrich Kohn mit Frl. Leonore Mahler; Herr Dr. Siegfried Ornstein lmit Frl. Martha Schlesinger; Herr Dr. Heinrich Pollak mit Frl. Emma Singer. (Verlobung.) Frl. Sabine M a r g u li es, Tochter des Herrn Heinrich Margulies aus Antwerpen, verlobte sich mit Herrn med. Dr. Isidor Braun, dem Sohne des Herrn I. M. Braun, Obmann-Stellvertreter des Bethausvereines „Llecbis Jeschuah“ in Wien. Wien. 28. Jänner. (Duell). Vorgestern hat in der Equitation ein ernstes Säbelduell zwischen einem Husaren-Oberlieutenant W. und Dragoner-Lieutenant in der Reserve B., Sohn einer in der jüdischen Gemeinde sehr verehrten Dame, stattgefunden. Der Oberlieutenant erhielt so starke Verletzungen, daß er in das Garnisonsspital gebracht werden mußte, während der Reservelieutenant B. unverwundet blieb. Ursache des Confliktes war ein Wortwechsel, bei welchem der Oberlieutenant kränkende Bemerkungen über die Consession des Lieutenants gemacht haben soll. Wien. Der Krankenunterstützungsverein „Livias Chen" erhielt nachstehendes Schreiben: „Se. kais. und königl. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Carl Ludwig geruhten, die von: geehrten Vereine anläßlich der Vermählung Ihrer kais. Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Margaretha Sophie mit Sr. königl. Hoheit dem Herzog Albrecht von Württemberg dargebrachten Glück- und Segenswünsche gnädigst entgegenzunehmen und lassen hiefür bestens danken. Im höchsten Aufträge: Wien, 26. Jänner 1893. Dr. Catharin m. p. Wien. (Der academische Verein „Kadimah") veranstaltet Samstag am 4. Februar d. I. in Hatscheks Restaurant 2. Bez, Praterstraße 11 einen Herrenabend, bei welchem der „alte Herr" des Vereines, Herr Dr. M. T. Schnierer, über „die Lösung der Judenfrage" sprechen wird. Beginn 8 Uhr Abends. Gäste herzlich willkommen. Wien. Am 12. Februar 1893 feiert ein Landsmann von uns Herr Selles aus Prag, ein Schwager des bekannten Theatermannes F. Schulhof, in New-Aork seinen 70. Geburtstag. Derselbe ist im Jahre 1845 nach New-Aork ausgewandert und seit dieser Zeit daselbst cmsäßig. Derselbe ist seit 30 Jahren jüdischer Religiouslehrer daselbst und erfreut sich in New-Uork großer Beliebtheit, sowohl von Seite seiner Glaubensgenossen, als auch von seinen zahlreichen Schülern, unter welchen sich bereits einige Notabilitäten New-Porks. wie Stadtabgeordnete u. s. >v. befinden. S. Sekles hat sich auch in der jüdischen Gelehrtenwelt einen Namen geschaffen durch sein Werk in englischer Sprache „Die Poesie des Talmud (koetrx ot Talmud)". Anläßlich seines 70. Geburtstages sind zahlreiche Ovationen seiner Anhänger und Schüler geplant. Wien. (Ein abnormer Fall.) Aus Cassel theilt man der „Frkf. Ztg." Folgendes mit Dr. H., ein sehr bekannter Thierarzt, vermielhete jüngst ein möblirtes Zimmer an einen jungen Referendar. Nach einigen Tagen erhält Dr. H. von seinem Miether einen Brief, worin ihm der junge Herr eröffnet, daß er bei einem Juden nicht wohnen könne und bittet, man möge ihn doch auf der Stelle ansziehen lassen, er wolle den Betrag der Miethe für den laufenden Monat vergüten. Dr. H. erwiderte wörtlich: „Im Besitze Ihrer Zeilen, gestatte ich Ihnen sofort auszuziehen; Sie brauchen mir nichts zu vergüten. Ich lvill jedoch nicht verfehlen, Ihnen zu bemerken, daß mir derartiges Benehmen in meiner Praxis noch nicht vorgekommeu. Ergebenst Dr. H., Thierarzt." Wien. Am 15. Dezember 1892 hat der Verein zur Bekleidung armer Schulkinder im III. Bezirke, dem sehr viele Juden als beitragende und ordentliche Mitglieder angehören, 176 arme Schulkinder mit neuen Winterkleidern versorgt. Obwohl mehr als 70 arme israelitische Kinder angemeldet und warm empfohlen waren, so konnten, da nur die ärmsten unter den Armen berücksichtigt wurden, nur 30 derselben dieser Wohlthat theilhaftig wurden, und doch hätte jedes derselben ein warmes Kleid, einen ganzen Schuh dringend benöthigt. Herr Aron Schnürmacher, welcher seit 10 Jahren als Religionslehrer im in. Bezirke segens- und erfolgreich wirkt, nahm sich der armen nicht mit Kleidern bedachten Kinder an, und hat beim Jugenddimste von der Pflicht der Wohlchätigkeit gesprochen. Noch an demselben Tage haben wohlwollende Eltern Bündel mit Kleidern, Wäsche und Schuhe an Herrn Schnürmacher gesendet, damit er dieselben vertheile. Bis heute sind zwanzig arme Kinder mit zwar alten, aber noch ganz brauchbaren Kleidern und Schuhen versorgt worden. Welche Wohlthat hier ausgeübt wurde, kann nur der ermessen, der früher die schlecht bekleideten und beschuhten Kinder den weiten Weg von der Paulus- oder Schulgasse zur Salmgasse bei dieser grimmigen Kälte hat machen gesehen. IL. V. Wien. (Die Schwurgerichts-Verhandlungen im Februar) weisen Fälle auf von Betrug, Mißbrauch der Amtsgewalt, Nothzucht, Veruntreuung, Diebstahl u. s. w., bei welchen wie in den Vormonaten, erfreulicher Weise kein Jude als Angeklagter erscheint. Vöslau bei Wien. In aller Stille hat sich hier ein Act abgespielt, welcher verdient, der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten zu werden. Bei dem durch seine Rechtschaffenheit und Biederkeit in Geschäftskreisen bekannten Kaufmanne Simon Padowetz in Wien war ein Mädchen christlicher Confession lanoe Jahre hindurch bedienstet. Mit der Zeit gestaltete sich das Verhältniß zwischen Herrn Padowetz und seiner wackeren Gattin einerseits und dem christlichen Dienstmädchen andererseits so in Eins, daß letzteres nicht als Dienstbote, vielmehr als Familiengenossin quasi als Ziehkind betrachtet und demgemäß behandelt wurde. Herr und Frau Padowetz beeilten sich daher, als sich Gelegenheit bot, durch eine eheliche Verbindung die Selbstständigkeit ihres als Familien- und Hausgenossin betrachteten und behandelten Dienstmädchens zu begründen, fördernd einzugreifen. Sie trugen zur Ausstattung bei, halfen materiell die Errichtung eines Gewerbes nach Möglichkeit, um die Existenz ihres Lieblings zu sichern. Dieser Tage wurde nun die Trauung dieses Dienstmädchens in Böslau mit einen ehrenhaften Manne vollzogen unter Assistenz des Ehepaares P a dowetz. Der hochwürdige copulirende Herr Geistliche hob in seiner Ansprache an das Brautpaar die Verdienste des Herrn und Frau Padowetz in sehr lobender Weise hervor. Prag, 28, Jänner. Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus hat hicr in einem Saale allwöchentliche Borträge ü»er jüdische Religionsphilosophie eröffnet, zu welchen außer den Rabbinatscandidaten auch das Publikum Zutritt hat. Budapest. (Pester isr. Frauenv erein.) In der unter Vorsitz der Präsidentin Frau Johanna Bischitz jüngst stattgehabten Sitzung des Pest er isr. Frauen Vereins gelangte der Bericht über die in den verflossenen drei Monaten: October, November und December v. I. entfaltete Thätigkeit