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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-03 · 5 (3.2.1893) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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<Seite 88 Oesterreichische Wochenschrift Nr. 5~ Staatsbehörde, sondern auf Antrag des Amtsgerichtes zu Xanten und zwar aus dem Grunde, weil er seine Familie, mehrere unmündige Kinder, hilflos verlassen hat, verhaftet worden. Wir können nun noch Folgendes als der Wahrheit entsprechend verbürgen. Ganz und gar unabhängig von den vorstehenden Mittheilungen. welche cursiren, hat die Staatsanwaltschaft des hiesigen Landgerichtes die Untersuchung nicht allein gegen Wesendrup. sondern auch noch gegen eine zweite Person wegen Verdachtes, den Knabenmord in Xanten begangen zu haben, eingeleitct. Die Zeugenvernehmungen, welche neuerdings in erheblicher Zahl stattgefunden haben, stehen hiermit in Beziehung. Ob die Nachricht der „Osnabrücker Zeitung", wonach es heißt, W. sei bei seiner Verhaftung äußerst erschrocken gewesen, seine sonst sehr blühende Gesichtsfarbe sei einer fahlen Leichenblässe gewichen und eine auffallende Aengstlichkeit habe Platz gegriffen, zutreffend ist, muffen wir dem Berichterstatter anheim geben. Jedenfalls erscheint es unglaubwürdig, daß W. mehrfach einem Verhör unterzogen worden ist und daß er sich in Widersprüche verwickelt habe, die auf werthvolle Enthüllungen in Bezug auf den Knabenmord schließen lassen. Denn ein Antrag hierzu lag weder von dem Amtsgericht in Xanten, noch seitens der hiesigen Staatsanwaltschaft vor. Wohl ein Jeder, der diese Zeilen liest, ist mit uns von dem Wunsche beseelt, daß es der Untersuchungsbehördc gelingen möge, Licht in das noch immer bestehende Dunkel zu bringen und den oder die Thäter zur Rechenschaft ziehen zu können. Wir schreiben aber im Sinne der Untersuchungsbehörde, wenn wir die Zeitungen ersuchen, mit der Veröffentlichung weiterer unverbürgter Nachrichten vorsichtig zu sein, zumal die Untersuchung durch Verbreitung unwahrer Mittheilungen nur erschwert wird." Moskau. Der Temps vom 4. December 1892 bringt folgenden Bericht: Die Handelskammer zu Moskau hat beschlossen, biejeuigeit israelitischen Händler, welche zu Anfang des beginnenden Jahres ihre Handelssteuer nicht erlegt haben würden, von der Zahl der städtischen Kaufleute auszuscheiden. Diejenigen, welche dennoch wünschen sollten, in Moskau zu bleiben und zum Handelsstande zu gehören, werden gezwungen sein, zum orthodoxen Glauben überzugehen und sich provisorisch in dem Dorfe Tcherkizova, acht Kilometer von Moskau, niederzulassen. Die Geistlichkeit jenes Ortes wird orei Jahre hindurch ihr Verhalten beaufsichtigen, nnd die übergelretenen Juden, welche nach Ablauf dieser Zeit von der parochial Geisilichkeit ein Attest erlangt hwen werden mit der Bescheinigung, daß sie pünktlich ihren religiösen Pflichten als orthodoxe Christen nachgekommen, dürfen nach Moskau zurückkehren und dort Handel treiben. Wilna. (Das Elend der Iuden.) Unter den russischen antisemitischen Blättern steht an erster Stelle das Journal de Wilno. Wenn die Localbehörden zu Zeiten müde werden, „den Juden wegzujagen", so erhebt sich jene Zeitung, um den Haß zu schüren und die schlimmsten Instinkte der Menge aufzureizeu. Wenn man daher in diesem Blatte eine Beschreibung des Elends unter den Israeliten liest, darf man annehmen, daß das SSitö nicht zu stark ausgetragen ist, und dennoch könnte kein Me: sch von Gemüth folgende hn Woschod wiedergegebene Beschreibung ohne Rührung lesen. Die Armuth unter den jüdischen Handwerkern und Arbeitern hat ungeheure Dimensionen erlangt. Ein jüdischer Schuster ernährte sich viele Wochen hindurch lediglich von rohen Kartoffeln; er wurde schwer krank. Ein anderer, Weber seines Standes, siel todt von Schwäche neben seinem Webstnhl. Das Herz bricht, wenn ich an all' das Elend dieser weißen Neger, denke. Einige unter ihnen arbeiten 18 Stunden hindurch, pch nur 3 Stunden Schlaf gönnend, und können sich doch nur auf das kümmerlichste ernähren. Sie wohnen in schmutzigen, schlecht gelüfteten, alten Buden, überall Schmutz, innen wie außen; in denselben wohnen 3—4, 5 bis zu 6 Familien, und eine jede von ihnen zählt eine Menge kleiner Kinder. Man denke sich hinzu, daß diese Hütten weder Betten, Tische, Stühle, noch sonst was anfweisen, daß alles auf dem schmutzigen und feuchten Boden hockt, und Sie werden sich annähernd ein Bild machen können von der verzweifelten Lage dieser Unglücklichen. Wenige Handwerker können sich rühmen, daß sie das tägliche Brod zur Ernährung ihrer Familie verdienen; niemals, selbst nicht am Sonnabend, bekommen sie Fleisch zu kosten; heute Wasser und Brot, morgen Brot und Wasser u. s. w. Um sich einen genauen Begriff von dem Elend dieser Beklagenswertsten zu machen, die das Schicksal furchtbaren - Leiden geweiht hat, genügt es, die Sterblichkeitszahl bei den Juden mit der übrigen Bevölkerung zu"vergleichen. Die Juden starben hier wie die Fliegen! Selbst wenn die Geschäfte besser gehen, wenn der Lohn sich etwas bessert, wenn es nicht an Bestellungen fehlt, können sich die jüdischen Handwerker niemals satt essen; daraus allein können Sie sich eine Vorstellung machen von ihrem jetzigen Elend, wo es an Arbeit fehlt und die Geschäfte-brach liegen. ' London. Die Predigt, welche Oberrabbiner Dr. .Adler in jüdisch-deutschem Dialect vor den russischen Einwanderern hielt und den Zweck verfolgte, dieselben zum schleunigen Erlernen der englischen Sprache anzueifern, ist nunmehr mit hebräischen Lettern gedruckt im Buchhandel erschienen. „Die Landessprache" enthält einen kräftigen Appell, welcher seine Wirkung — bei gehöriger Verbreitung der Schrift — gewiß nicht verfehlen wird. Die Predigt enthielt Stoff genug für ein halbes Dutzend gewöhnlicher Predigten und gibt Zeugniß von dem gesunden Humor unseres Oberrabbiners, welcher die Bemerkung des letztwöchentlichen „Punsch", Dr. Adler sei ein „Jew d'esprit" vollkommen rechtfertigt. Dr. Adlers Vorlesung über „Jüdischen Witz und Humor" wird demnächst veröffentlicht werden und voraussichtlich einen großen Leserkreis finden. Malta. Ein hier stationirter jüdischer Marinesoldat aus England richtet an die „Jewish Chronicle" einen Brief, d"iü wir Folgendes entnehmen: „Ich bin ein guter Jude,« stolz auf meine Religion und ich mache durchaus kein Hehl aus derselben. In der Kaserne ist man in dieser Hinsicht sehr aufmerksam gegen mich und der Oberst fordert mich immer auf, die jüdischen Festtage zu halten; am Bord bin ich der einzige Soldat, der während des Gottesdienstes am Sonntag machen kann, was er will. Meine Kameraden haben die größte Achtung vor meinem Glauben und wenn Schweinefleisch auf dem Küchenzettel ist, bereitet man mir eine besondere Mahlzeit. Nie hat es Jemand gewagt, Proselytismus mir gegenüber zu machen, obwohl ich der einzige Israelit in dem Marinecorps hier bin. ‘ Auf dem letzten Schiffe wurde ich vom Capitäu zum Lehrer der Schiffsjungen unter vielen Kandidaten bestimmt und in dieser Stellung hatte ich viel Unterredungen über meine Religion mit dem sehr ehrenwerthen und würdigen Geistlichen des Schiffes." New-Aork den 12. Januar 1893. Der Schulrath der Stadt New-Aork hielt-am 11. Jänner seine erste Sitzung im neuen Jahre ab, und sein erstes Geschäft war die Wahl eines neuen Präsidenten. Nominirt waren die Schulkommissäre Robert Marlay und Adolf L. Sänger. Von den 21 Stimmen, die abgegeben wurden, erhielt der Erstere 5, der Letztere 16. Somit wurde Herr A. L. Sänger Präsident der New-Iorker Schulcommission welcher selbst ein Zögling der New-Porker Volksschule und des New-Iorker College gewesen. Er ist von Beruf Advocat, nimmt auch unter seinen Collegen vom Barrean und unter den Hiesigen Israeliten eine hervorragende Stellung ein; Herr Sänger wurde 1842 geboren ist also etwas über 50 Jahre alt, erscheint aber jünger. Er ist mit dem Rechtsanwalt Metzer S. Jsaacs (Exoberrichter) associirt. Er wurde 1870 zum vowmissioner; of the Y. S. Deposit find ernannt. 1885 zum Präsidenten des New- Iorker Stadtrathes gewählt, als welcher er den Mayor Grace, bei dessen Abwesenheit, häufig vertreten mußte. Mayor Stewitt ernannte Herrn Sänger 1877 zum Schulcommissär, und als solcher wurde er wieder 1889 vom Mayor Grant und letzten Herbst zum dritten Male ernannt. St. Louis, 12. Jänner. . Privatnachrichien hiesiger Geschäftsleute melden den Ausbruch einer Judenhetze in Dike County im südlichen Theile vom Missisippi. In Summit der romantisch gelegenen Hauptstadt jenes County's hat sich eine Anzahl reicher Juden niedergelassen, welche eine Menge Häuser dort gebaut, Farmen cultivirt unb auch viel zum Gedeihen des Stäbchens beigetragen.haben. Seit letzterer Zeit sind diese Leute systematischen Verfolgungen, durch eine Bande Weitzkappen ansgesetzt, welche die Behörden Augenscheinlich entweder nicht entdecken können, oder nicht entdecken wollen. Herr Herrmann Hiller, einer der Verfolgten hat seither 27 Miethshäuser durch Feuer in Folge von Brandlegung verloren und viele andere, den Juden gehörige Häuser werden von den Miethern geräumt, weil diesen von den Weißkappen mit Dynamit gedroht wird. Infolge dieser Zustände liegen Handel und Wandel in Dike County vollständig darnieder, die Behörden scheinen un-

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