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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-03 · 5 (3.2.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 5 Oesterreirtziptze Wochenschrift toeitc 87 tinismus? Eine ernstere Auseinandersetzung über den von Unwissenheit strotzenden Schächter-Leitartikel des „Grazer Tagblatt" halten wir für überflüssig; nur das sei bemerkt, daß das Won: „Sabbath" gerade beim Opfern angewendet wird. So beispielsweise in dem Vers: -Sie opferten den Teufeln, den Ungethieren." Das thut auch das „GrazerTagblatt"; es opfert dem Teufel des Antisemitismus und aus diesem Grunde sucht es die Schlachthäuser auf und scheint sich in dieser Atmosphäre wohl zu fühlen. Wie wäre es, wenn man den Redacteur des „Grazer Tagblatt" selber als Schächter anstellen würde; vielleicht wäre er wenigstens diesem Berufe gewachsen. E- B. Wien. (Vergani der Herausgeber des antisemitischen Hetzorganes „Deutsches Volksblatt" in national-antisemitischer Beleuchtung.) Die Antisemitische Rundschau, Organ der deutsch-nationalen Antisemiten, bringt in der jüngsten Nummer nachstehendes: Wie ein Feuilleton entsteht. Die Frage, wie ein Lied, wie ein Gedicht entsteht, hat schon mancher Dichter gar sinnig beantwortet: ihm unbewußt sprießen die Gedanken, wie im Mai die duftigen Blüten am Baume, und die Form findet sich, ohne sein Zuthun, ohne Klügeln und Zwang. Wie ein Feuilleton entsteht, das ist eigentlich wohl bisher noch nicht in dieser Weise beantwortet, worden; aber es dürfte doch die Meinung ziemlich allgemein' verbreitet sein, daß man hierzu eigener Gedanken und der Fähigkeit bedürfe, sie in gutem Stil zum Ausdruck zu bringen. Der große Schriftsteller, dessen Production wir uns heute ein wenig anschauen wollen, macht das anders, und die wahrhaft geniale Art seines Schaffe,s sei hier an einem besonderen Falle nachgewiesen. Wir sprechen von dem großen Literaten und Journalisten Ernst Vergani, einem Manne, der sich auch schon durch andere Qualitäten, wie Tapferkeit, Anstand und Edelmuth in der Welt einen großen Namen gemacht hat, von dem berühmten Verfasser der nach Baedecker und anderen Mustern geschaffenen „Reise nach Constanlinopel" rc. Am 12. d. M. feierte der Verfasser der „Judenfrage", Eugen Dühring, seinen 60. Geburtstag, und Vergani benützte die Gelegenheit zu einer neuen Probe seiner ganz außerordentlichen schriftstellerischen Begabung. Vor einiger Zeit hatte nämlich Vergani eine Reise nach Berlin unternommen^ um den.Eindruck seiper „zaubergewaltigen Erscheinung" auf die'dortigen Antisemiten zu erproben, und hatke sich dort an verschiedene Führer und Träger der antisemitischen Bewegung herangemacht, welche durch die Pflichten der Gastfreundschaft gehindert waren, ihm diejenige Behandlung zu Theil werden zu lassen, die Jedermann ihm gegenüber als die einzig richtige erkennen muß, wenn er ihm in die scheu blinzelnden Aeuglein geschaut und die merkwürdige Mischung von Dreistigkeit und Kriecherei im Wesen dieses Mannes zu beobachten Gelegenheit hatte. Nach einer Gegenüberstellung von Döll's Expectorationen über Dühring zu dem Plagiaten Vergani's gegeben sagt die „Ostdeutsche Rundschau" über Vergani weiter: U. s. w., u. s. w. Aus den vorliegenden Proben dürsten unsere Leser wohl schon hinlänglich erkannt haben, daß wir mit vollster Berechtigung Ernst Vergani der frechen literarischen Freibeuterei, des Diebstahls von geistigem Eigenthum beschuldigen können. Uebrigens dient diese Entlarvung nur dazu, das Charakterbild Vergani's, wie es bei verschiedenen Gerichtsverhandlungen sich bereits enthüllte, zu vervollständigen. K. H. Wolf. Marienbad. Ende Jänner. Der Winter ist hier, die Zeit der Saison morte in jeder Beziehung; man pflegt da gewöhnlich einen Rückblick auf die letztvergangene Badesaison zu werfen oder einen freilich ganz unsicheren Blick in die Zukunft schweifen zu lassen. Unsere Curstadt wird während des Sommers von einer großen Zahl jüdischer Curgäste besucht, so daß unter den 16.000 Personen, welche im letzten Sommer hier waren,! circa 4 bis 5000 Juden gezählt werden konnten. Was nun die socialen Verhältnisse anbelangt, so findet hier der wahnbefangene Antisemitismus keinen fruchtbaren Boden, obwohl so mancher Jünger Schönerers einen Anlauf nahm, um hieher die böse Saat dieser giftigen Pflanze einzubürgeru. Es blieb immer beim Versuch und wir haben vorläufig bekanntermaßen nur zwei Personen zu verzeichnen, welche sich offen zu den Antisemiten bekennen. Der eine ist der Besitzer des Hauses „Borussia", der andere ist ein Töpfer namens Breiter. Merkwürdig genug ist's, daß diese beiden Judenfeinde jederzeit bereit sind, an. Juden ihre Zimmer zu vermiethen oder ihre Maaren zu verkaufen, andererseits jedoch sich feindselig zu zeigen. Im abgclaufenen Sommer fiel es einem Herrn W. Meyer aus New-Iork, der im Hause „Borussia" wohnte, auf, daß zu ihm in die Wohnung Collectanten für Institute der verschiedensten Arte kamen und zwar für das Spital der Barmherzigen Brüder in Prag, für das christliche Curhospital in Marienbad, für protestantische Kirchenzwecke rc. rc. nur nicht für irgend eine Anstalt, welche einen konfessionell jüdischen Character hätte. Auf dem Spaziergange zur „Waldquelle" begegnete er eines Tages dem Collectanten für das hiesige israelitische Curhospital, den er von früher her kannte, er stellte ihn darüber zur Rede, daß er ihn nicht besuchte. Wie erstaunte er, als er erfuhr, daß in das Haus Borussia kein Jude Zutritt habe. „Aber ich bin ja auch Jude und bekenne mich mit Stolz zu meinem Glauben, obwohl ich freisinnig und durchaus nicht engherzig bin. Ueberdies wohnen noch andere Juden in diesem Hause. Hierüber will ich nähere Erkundigung einholen." Er that dies und erfuhr, daß Herr Schneider — ominöser Name! — Juden in seinem Hause aufnimmt, ihnen die Wohnung nach Möglichkeit theuer vermiethet, aber ein Collectant für das jüdische Hospital darf nicht in's Haus kommen. Gut wird es jedenfalls sein, wenn derartige Namen in den verschiedenen jüdischen Zeitschriften veröffentlicht werden, nach und nach geht der Ruf eines solchen Mannes von Mund zu Mund, so daß die Juden es vermeiden, in derartigen Häusern Wohnung zu nehmen. Ad vocem israelit. Hospital sei hier noch bemerkt, daß diese Anstalt von jüdischen Curgästen vor mehr als dreißig Jahre» hier erbaut wurde und dazu dient, armen Curgästen israel. Confession unentgeltliche Aufnahme und Verpflegung für die Dauer des Curgebrauches zu gewähren. Das fast einzige Einkommen dieses Instituts sind die Spenden jüdischer Curgäste, welche während des Sommers hier die Cur gebrauchen. Personen, welche Aufnahme in's hiesige israel. Curhospital anstreben, mögen ihre Gesuche, belegt, mit einem Zeugnisse der Mittellosigkeit und einem ärztlichen Atteste bis Ende März l. I. senden: An die Direction des Marienbader israelitischen Hospitals in Prag. Es dürfte nicht überflüssig sein, 1-.:er noch die Bemerkung anzuführen, daß der Schreiber djeer Ze en gerne bereit ist, jede Auskunft über alle Verhältnisse Ma^enbads unentgeltlich zu ertheilen, wenn demselben entweder direct oder durch die Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift" eine Anfrage zugehen sollte. Bei der gegenwärtigen Zeitst^ömung ist in jeder Hinsicht Vorsicht geboten; auch der Besucy eines Curortes soll mit der nöthigen Vorbereitung geschehen. Man wird sich dadurch manche Unannehmlichkeit ersparen. Alphl. Oedenburg, 24. Jänner. Mini st erial-Er laß in Cultussteuer-Angelegenheit. Ein Ministerial-Erlaß des Grafen Cs a ky ist in Angelegenheit der Cultussteuer an den Comitats-Verwaltungs-Ausschuß herabgelangt. Gegen Wilhelm Spitzer, der nach Eisenstadt zuständig ist und gegenwärtig in Wien domizilirt, hat die Eisenstädter isr. Cultusgemeinde einen Steuerbetrag ausgeworfen, dessen Bezahlung Spitzer mit dem Hinweise auf sein neues Domicil verweigerte. Der Comitats-Verwaltungs- Ausschuß bestätigte auf Grund des 8 50 des Gemeinde-Statuts das Erkenntniß der Gemeinde. Der Cultusminister hob diesen Beschluß auf und wies die Gemeinde mit ihrem Begehren ab, weil jeder Israelit nur zu den Lasten jener Cultusgemeinde beizusteuern verpflichtet ist, auf deren Gebiet er wohnhaft ist. Xanten. In Anlaß des „Falles Wesendrup" brachte das amtliche „Clever Kreisblatt" folgenden Artikel: „Cleve, 27. December. (Zum Xanten er Knabenmord.) Seit einiger Zeit haben die Zeitungen wiederholt verschiedene Nachrichten gebracht, welche sich auf den Xantener Knabenmord beziehen. Wir haben bisher von diesen Zeitungs- Nachrichten keine Notiz genommen, erstens weil uns mancherlei Nachrichten unwahrscheinlich und vage erschienen und zweitens weil wir glaubten, auch im Allgemeinen besser informirt zu sein. Wir haben nun an maßgebender Stelle Erkundigungen eingezogen und sind in der Lage, als authentisch Folgendes mittheilen zu können. Es bestätigt sich, daß Wesendrup sich sowohl in Calcar, wie auch andersloo als Thäter des an dem Knaben Heqemann verübten Mordes bezichtigt und außerdem durch weitere Redensarten den Verdacht der Täterschaft im Publicum auf sich gelenkt hat. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob die Zeitungs-Angaben, Wesendrup wl ein Schwätzer, der häufig nicht wisse, was er sage, W. befinde sich im Zustande des Deliriums, oder W. habe seine Aeußerungen in der Trunken - - heit gethan, zutreffend sind. W. stand seit einiger Zeit in Osnabrück in Arbeit. Daselbst ist er, nicht auf Antrag der hiesigen.

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