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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-03 · 5 (3.2.1893) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 86 Oesterreirtzifche Wochrnschriy Rr. 5 barsten Funde gerade hier gewürdigt worden, soll dem Werke zu statten kommen. Zuverlässig und lesbar, Dunkelheiten und Leute noch Unlösbares nicht verschweigend oder gar vertuschend, soll die Uebersetzung den Vollertmg der Forschung, gleichsam Las Ernteergebniß von dem vollen Acker der biblischen Studien Larstellen. Knaben und Mädchen, Männer und Frauen sollen m dem Buche heimisch werden, im Gottcshause daraus vor Ler versammelten Gemeinde der Vorlesung der Wochenabschnitte folgen, selbstständig,den Prophetenabscknitt des Sabbaths oder des Festtags darin aussuchen können und die Bücher oder Rollen lesen, die der Verherrlichung unserer Feste, der Weihe unserer geschichtlichen Gedenktage darin von der Synagoge zutzetheilt sind. Es sollen die Psalmen darin wieder Eigenthum unserer Gemeinschaft, b. h. dem Eigenthümer zurückgegeben «erden, die Propheten nicht umsonst geweissagt haben und der Duell alles Segens wieder das Herz des Volkes laben und läutern, beleben und begeistern, aus dem er eistst hervorgegesprungen. Dem Aermsten muß die Erwerbung dieses Buches möglich gemacht werden. Die Schmach muß ein Ende nehmen, daß wir uns die Bibel haben aus den Händen nehmen lassen, daß Bibelgesellschaft Alles eher bedeutet als einen Verein zur Verbreitung des Judenthums. Jedem Kinde, das zur Schule geht, im letzten Dorfe, im fernsten Winkel, müßte dieses Buch m die Hand gegeben werden, ein Geleitbuch fürs Leben, ein Schirm und eine Zuflucht für gute und böse Tage. Dann wird die Verheißung, daß dieses Buch nicht weichen werde von unseren Nachkommen, wahr geworden sein und aufgehört haben, ein frommes Gebet und eine Selbsttäuschung zu scheinen. Dieselbe Forderung erhebe ich für das Gebetbuch. Auch hier sollte dem Zufall und dem Geschäftsbetrieb das Handwerk beschränkt werden. Nicht durch elenderes Papier und erbärmlicheren Druck, nicht durch die Unholde der Verschleuderung und Verschlechterung sollte die Verwohlseilung erstrebt werden, vielmehr wäre es Sache gewissenhafter und zielbewußter Vereinigung, nach dem Prinzipe, daß in Sachen der Erziehung und der idealen Güter das Beste nur eben gut genug ist, die Herstellung geeigneter und den Anforderungen der Wissenschaft und des Bedürfnisses gleich sehr genügender Gebetbücher in die Hand zu nehmen. Wie in England eine edle Frau allein durch ihre hochsinnige Opferwilligkeit der Gemeinde ein hebräisches Gebetbuch geschaffen hat, das für unglaublich geringen Preis Handlichkeit und Schönheit, Gediegenheit und Dauerhaftigkeit, erschöpfenden Inhalt und gewinnende Form, sorgfältigen Text und zuverlässige Uebersetzung vereinigt, so müßte es in allen Landessprachen, in denen Juden beten oder ihrer Gebete inne werden wollen, hebräische Gebetbücher geben, billiges Brjod für's Volk, zu dem in Sachen Gottes Alle gehören, die Vornehmen oft mehr noch als die Niederen, . die Reich en fast eher als die Armen. Statt unsere Kraft zu zersplittern und jeder Gemeinde eine besondere Steuer in einem besonderen, oft nur durch seine Theuerung bemerkenswerthen Gebetbuche aufzuerlegen, in dem irgend ein Doctor sich herausnimmt, am Rivrs herumzudoctern und die Ueberlieferung der Jahrtausende nach der eigenen Geschmacklosigkeit zu modeln, wäre es wahrlich an der Zeit, für ein billiges und Allen genügendes Gebetbuch zu sorgen, an dem Auge und Herz sich erfteuen, Aufklärung und Erbauung gleich sehr ihre Rechnung finden. _ (Schluß folgt.) E. B. Wien. (Antisemitisch -clericale Unbotmäßigkeit.) Der von Herrn Dr. Ludwig Psenner redigirte „Oesterreichische Volksfreund" bringt in seiner letzten Nummer nachstehenden Aufruf: Gesinnungsgenoffen! Suchen Sie insbesondere die liberalen Gegner bei jeder Gelegenheit von der furchtbaren, den Christen durch die , jüdische Uebermacht drohenden Gefahr zu überzeugen! Wo soll es mit den Christen hinkommen, wenn Jude, und Jndenabkömmlinge, wie wir erst jetzt wieder sehen überall, sogar in die höchsten Stellen und Würden, eindringen und dadurch natürlich immer mehr zu maßgebenden wirthschafrlichen, kirchlichen und politischen Einflüsse gelangen. Bemerkenswerth ist der Umstand, daß gleichzeitig der neugewählte Fürsterzbischof Dr. Theodor Ko hn den Homagialeid Seiner Majestät dem Kaisers geleistet hat. Ein Commentar zur Niedertracht der Gesinnung, welche rn der Manifestation des clerical-antisemitischen Organes des Dr. Psenner zum Ausdrucke gelangt ist wohl überflüssig. Wien. (Academie der Wissenschaften.) In den letzten Sitzungen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Claffen in welcher Her Intendant Hofrath Ritter v. Hauer als Alterspräsident den Vorsitz führte, wurden folgende Manuscripte für die akademischen Schriften vorgelegt: Bon dem wirklichen Mitglieds Professor Sigmund Exner eine Arbeit von Dr. L. Ret h i in Wien, betitelt: „Der perifere Verlauf der motorischen Rachen- und Gaumennerven"; von dem wirklichen Mitglieds Profeffor Ad. Lieben eine Arbeit von A. Beill; von dem wirklichen Mitgliede Hoftath Director Hann eine Abhandlung des Dr. Max Margules, betitelt: „Luftbewegungen einer rotirenden Sphäroidschale" (II); schließlich „Ueber symmetrische Functionen der Wurzeln einer algebraischen Gleichung" von dem Privad- Docenten Dr. Gustav Kohn in Wien. Wien. (Abberufung eines Bezirksausschusses.) Der Bürgermeister hat zum erstenmale von seinem Rechte, ein Mitglied des Bezirksausschusses abzuberufen, Gebrauch gemacht, indem er den Bezirksausschuß im Bezirke Landstraße, ehemaligen Gemeinderath und Bezirksvorstand (der antisemitischen Partei angehörig) Franz Schallaböck unter Hinweis auf § 88 des Gemeindestatuts seines Amtes enthoben hat. § 88 lautet in Alinea 2. Absatz 2 „Dem Bürgermeister steht überdies das Recht zu, einzelne Mitglieder des Bezirksausschusses, insbesondere den Bezirksvorsteher, ihres Amtes zu entheben, wenn dieselben die Erfüllung ihrer Pflicht beharrlich vernachlässigen. Herr Schallaböck ist nun dort angelangt wohin er Ursprünglich gehört hat. Er ist „Luft" und nichts, wozu er auch prädestinirt erscheint. Herrn Schallaböck hat das Schicksal erreicht, dem Keiner der antisemitischen Größen früber oder später entgehen wird. Wien.(Der Steirer beim Ta lmudstudium.) Was ist eine Jeschiba? Eine Talmud-Hochschule. Was ist eine breite Haube? Eine mittelalterliche runde Mütze, mit breitem steifen Dache, welche in Deutschland die jüdischen Bachurim (Talmudstudenten) zusammen mit dem Schülermantel am längsten getragen haben. Setzt sich der Redacteur des „Grazer Tagblatt" eine solche breite Haube auf den Kopf, wirft den kurzen Schülermantel über die Schultern und geht auf die Jeschiba, um Talmud zu lernen. Ein guter Bachur, ein feiner Bachur, ein Haserbachur, (Repetent). Auf der „Jeschiba" hören sie zum ersten Mal, wie man steirisch Talmud lernt und sie hören einen steirischen Pilpul (Disputation.) Der steirische Dialect ist jedoch im Schulchan Aruch nicht verboten und wenn auch hebräischer und chaldäischer Wortklang nicht gut mit dem Steirischen harmoniren,. so denkt der Rabbi der Jeschiba, es könne auch solche Juden geben und der Redacteur des „Grazer Tagblatt" wird für einen ächten Juden, für einen richtigen Bachur gehalten. Nun wird er ausgelacht und nun steht er vor dem Talmud wie die- Kuh vor einem neuen Stadtthor. Die Bibel ist ihm auch ein Geheimniß, er hat sie nicht einmal deutsch gelesen; endlich prüft man ihn aus dem Alphabeth. Als ihn auch da seür Wissen im Stiche läßt, wird dem steirischen Bachur der Rath ertheilt, zuerst ins Cheder (Elementarschule) zu gehen und dann auf die Jeschiba. Der anttsemittsche Jude und Bachur vom „Grazer Tagblatt" antwortet stolz, er verstehe etwas vom „Schächten" und er könne beweisen, daß Schächten in derThorcr nicht vorgeschrieben ist und daß die Rabbiner die Thora falschgedeutet haben. Darüber hat das „Grazer Tagblatt" einen. Leitartikel geschrieben und am Morgen des 25. Jänner haben alle nationaldeutschen Abonnenten des hochberühmten „Grazer Tagblatt" eine Seite Talmud gelesen, wie das orthodoxe Juden sonst beim Fkühstück zu thun pflegten. Der Kampf gegen den Schächter hat geradezu etwas komisches. Und wenn heute der Schächter verschwindet, gibt es deswegen einen einzigen Trottel weniger in Steiermark? Warum beschäftigt sich das „Grazxr Tagblatt" nicht mit der.ihm so naheliegenden Frage des Cvk-

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