Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 5 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 82 Vesterreichische Wochenfijxeist Nr. 5 keil meiner Ansicht zugeben. .Der Berliner Berichterstatter der ^Times" hat in einem Werk über die Erlebnisse in Berlin ausgeführt, es gebe keine deutsche Literatur mehr, sondern nur eine jüdische Literatur in deutscher Sprache. Bedenklich nähern wir uns diesem Zustande, es ist heiligste Pflicht der Christen, dagegen aufzutreten. Wenn Sie drüben das Gegenthei! behaupten, so wissen Sie eben gar nicht, was christlich ist, sonst würden Sie wissen, was in dcr Bibel schon über das Judenthum und seine Anmaßung gesagt ist. Wir haben die Pflicht, und es ist durchaus edel, diesen Einfluß von uns abzuschütteln. Es besteht darin, daß das Judenthum auf die beiden Hauvtadern, ich möchte sagen auf Venen und Arterien unseres Volkslebens, die Goldader und die Preßader, die Hand gelegt hat; Sie wissen das ja besser als ich, weil Sie mit den Leuten mehr zusammenkommen. Wenn Herr Hobreckt von dem Fanatismus auf unserer Seite spricht, auf der Seite der Juden ist er noch größer. Alles, was für Geld zu haben ist. wird auf die Seite der Juden gezogen; und hilft das nicht, so kommen sie mit der Presse und unterdrücken den selbstständigen Bolksgeist. Sie (nach links) mögen das gar nicht mehr empfinden. Wir wollen die Schicksale Frankreichs und Oesterreichs nicht iheilen. Ich erinnere Sie nur an den Bestechungsprozeß, der die höchsten Kreise mit hioeingezogen hat, und an den ausgedehnten Menschenhandel, welcher von 26 Juden betrieben worden ist. Nicht ein kroatischer Rattenfänger macht so etwas. Herrn Rickert und Herrn Hobrecht gebe ich zu, daß Ahlwardt vielfach unbesonnen vorgegangeu ist, der Mann ist eben den Aufgaben des öffentlichen Lebens nicht gewachsen. Er kann nicht untersuchen, nicht prüfen, was richtig ist. Aber woher kommt es denn, daß ein Mann wie Ahlwardt eine der populärsten Persönlichkeiten geworden ist! (Lachen links.l Ja trotz aller seiner Fehler ist er populär, weil er mit Darangabe seines Lebens, seiner Stellung und Freiheit für das eingetteten ist, was er für das Vaterland für nothwendig hielt. Das Gericht hat ihn besser genommen, als Ihre Presse, es hat ihn blos wegen Beleidigung verurtheilt. Da wurde von dem gelesensten Blatt der Patteitag in einen Vergleich mit dem Ehepaar Heinze gebracht und das Berliner Tageblatt entblödete sich nicht, unsere Patte!, eine Partei der Zuhälter zu nennen. Wir müßten aber kein Ehrgefühl haben, wenn wir uns dagegen nicht auflehnen. Den Herrn Ministerpräsidenten möchte ich fragen: Wenn es sich bei einer Stichwahl darum handelt, das kleinere oder größere Uebel zu wählen, soll man da nicht einen Conservatioen bevorzugen, gegenüber dem Angehörigen einer Partei, welche umstiirzlerische Ideen in sich trägt? Daran möchte ich den Ministerpräsidenten doch ettnnern. Ich will die Regierung aufmerksam machen, daß sie dieser so tief gehenden nationalen Belvegung die größte Beachtung zu schenken hat, denn unsere Regierung soll nicht nur die Geschäfte führen, sie soll auch den deutschen Geist leiten, und soll unser Volk durch die Klippen führen, welche ihm sich entgegenstellen. Ja, Herr Hobrecht, es ist e->el, deutsch und christlich, was wir verfolgen. (Lebhaftes Zischen links, Beifall rechts.) SSObg. Dr. Metzer (Berlin, dfr.): Der-Abg. Stöcker hat die eine Frage in den Vordergrund gestellt, die nach meiner Ueberzeugung bei der ganzen Materie allein in Bettacht kommt, das ist die Frage: Ist cs jemals erlaubt, die Fehler eines Einzelnen oder Einzelner einem Collettivum zur Last zu legen, ist es erlaubt, für Fehler, die ein oder hundett Juden begangen haben, das Judenthuni verantwortlich zu machen, ist es erlaucht, um Fehler willen, welche vielleicht eine große Zahl begangen hat, auszusprechen, wir müssen dieses Collectivum bekämpfen, wir müssen auch diejenigen bekämpfen, die an diesen Fehlern nicht den geringsten Antheil haben. Das ist es eben, was wir bestteiten, das ist der Puntt, der allein von Interesse ist: ist es erlaubt, weil ein Jude oder hundett fehlten, kündigten, Verbrechen begingen, zu sagen, wir kämpfen gegen das Judcnthum überhaupt, wir müssen diese Macht brechen? Ich bestreite das vom christlichen Standpunkt aus, ich bestreite es aber auch vom Standpunkt der christlichen Sittenlehre aus. Nach meiner Ansicht ist durch das Evangelium ein für alle Mal ausgesprochen, daß man nicht irgend einen einzelnen Menschen verantwottlich machen dürfe für die Fehler und Sünden, die seinem Sramm, seinen Vorfahren zur Last fallen. Die christliche Sittenlehre beruht auf dem obersten Grundsätze, daß vor dem höchsten Richter der Welt alle Menschen gleich sind, daß man den Einzelnen richten darf nach demjenigen, was er begangen hat, aber daß man ihm nicht die Fehler, die Sünden seines Geschlechtes nachttagen und ihn auf Grund derselben verwerfen darf; das ist die oberste Sittenlehre, die bei der Entscheidung der ganzen Judenfrage in Betracht kommt. Es kommt nun in zweiter Linie hinzu, ob es mit dem modernen Staate überhaupt vereinbar ist, Jemanden in seinem Rechte zu kränken, um seiner Abstammung, um feines Bekenntnisses willen, ohne daß man ihm aber irgend etwas vorwerfen kann, wodurch er sich gegen die Gleichberechtigung vergangen hat. Es kann Nie? mandem entgangen sein, daß der gebildete und hochstehende Theil der Bevölkerung, die dem Judenthum entsprossen ist, das Bestreben gehabt hat, sich ganz und gar dem deutschen Volke zu assimiliren, dieses Bestteben war Jahrhunderte lang, war Jahrtausende lang unmöglich gemacht. Man behandelte eben die Juden als einen eingedrungenen Stamm, der nicht den gleichen Anspruch wie andere aus Geltung im Staate habe. Ich stehe keinen Augenblick an, anzuerkennen, daß von den Juden, die in.unserer Mitte leben, ein großer Theil noch die Striemen und Narben zur Schau trägt, die er in langjähriger Knechtschaft davongetragen hat. Aber ein billiger Sinn wird es niemals verkennen, daß das Streben der hochgesinnten Juden dahin gegangen ist, ganz und gar Deutsche zu werden, und das ist der Fall jetzt seit mehr als einem Jahrhundert, seit der Zeit, wo Moses Mendelssohn in Deutschland zuerst und mit großem Erfolge sich bestrebt hat, seine Rassengenosseu einzuführen in die Thettnahme an dem deutschen Volksleben. Es widerspricht den Grundsätzen des Christenthums, es widerspricht den Grundsätzen der Sittlichkeit, die abgesehen von einer positiven Offenbarung sich gebildet haben, diesen Leuten zu sagen: Ihr gehört nicht in unsere Mitte, wir wünschen Euch hinaus, weil Ihr Juden seid. Herr Stöcker beruft sich auf den Ausspruch des Tacitus, daß die Juden ein oämm generis humani sind. Er vergißt dabei, daß Tacitus kein Christ gewesen ist, daß er auf dem ethischen Standpunkt gestanden hat, der nur den Stammesgenossen die Gleichberechtigung lassen wollte. Sowie der ethische Standpunkt verlassen ist, und wir uns auf den Standpunkt stellen, daß wir an die Gnade Gottes gleiche Ansprüche haben, hat kein sterblicher Mensch das Recht, die Angehörigen einer Rasse von der Erfüllung dieser Ansprüche zurückzuhalten. (Sehr wahr! links) Herr Stöcker behauptet, die Juden im Allgemeinen, ohne Ausnahme, fühlten sich als eine Gemeinschaft, sie widerstrebten der Culturgemeinschaft des Staates. Wenn dieses Urtheil irgendwie begründet wäre, könnte man ja mit dem Abgeordneten Stöcker in eine Discussion darüber eintteten, ob sein Verlangen, die Juden von der Gleichberechtigung auszuschließen, nicht ein begründetes sei, ich bestreite das aber in vollem Maße und auf Grund . der ausgedehnten Bekanntschaft, die ich in der jüdischen Bevölkerung habe. Ich behaupte, die gebildeten, wohlmeinenden Juden, die in unserer Mitte leben, sagen: Wir wollen Deutsche sein,nichts als Deutsche, wir wollen vollständig dieselben Interessen, dieselben Ziele haben, wie jeder andere Deutsche, nur das behalten wir uns vor, wir halten fest an unserer Religion,, an unserem Bekenntniß, können Sie darin ein Unrecht erblicken? Können Sie behaupten, es liege in der jüdischen Religion irgend ein Satz verborgen, der den Ansprüchen unserer modernen Cultur, unserer Sittlichkeit widerspricht? Ich behaupte, das ist unmöglich. . Es gibt nur zwei Völker der alten Zeit, deren geistige Thaten fortgewirkt haben bis auf den heutigen Tag, es sind die Griechen, die uns erfüllt haben mit ihren Anschauungen von Wissenschaft tlnd Kunst,, es sind die Juden, die uns erfüllt haben mit unseren Anschauungen über Sittlichkeit, welche Giltigkeit behalten haben bis aui den heutigen Tag, und noch heute von den Kanzeln perlesen werden alsein unübertroffener - Kodex menschlicher Sittlichkeit für alle Zeiten. Der Abgeordnete Stöcker beruft sich auf den Talmud. Es gibt sehr Wenige, die den Talmud von Grund aus kennen und ich gehöre zu den Wenigen nicht. Mir ist gesagt worden, und ich verlasse mich da auf Urtheile, die mir von zuverlässigen Leuten zugelnacht sind, es befinde sich im Talmud manches Verwerfliche, aber auch Manches, was für alle Zeiten m.:stergiltig sei. Ich darf vollständig dahingestellt sein lassen, ob dieses Urtheil ein begründetes ist oder nicht. Ich bestreite Jedermann die Berechtigung, das heutige Judenthum zu beurtheilen auf Grund der Anschauungen, die im Talmud niedergelegt sind. (Sehr wahr! links.) Der Talmud ist ein literarisches Sammelwerk, dessen neuester Theil jetzt wohl über 800 Jahre alt ist, und für Niemand mehr eine Gewissensverbindlichkeit besitzt. Ich habe es von jeher für ein unerlaubtes Kampfesmittel gehalten^ wenn inan den heutigen Katholizismus beurtheilt nach den Niederschriften von Schriftstellern, die nur 200 Jahre alt ftnb, nur 200 Jahre und doch veraltet. Ich halte es .für ein um so größeres Unrecht, wenn inan das heutige Judenthum beurtheilt nach Niederschriften, die vor über acht Jahrhunderten gemacht worden ssnd, und über deren dogmatische Unverbindlichkeit in den berufenen Kreisen kttn Zweifel besteht. Der Abg. Stöcker hat es bestritten, daß aus jüdischem Geiste eiir großer wellergreifender Gedanke hervorgegongen ist. Ich verweise da auf das Beispiel des großen Spinoza, den ein christlicher Theologe einen „großen Heiligen" genannt hat. Herr Stöcker hat gesagt, daß im Judcnthum der Trieb des Erwerbes sich geltend macht, der dazu führt, daß die christliche Bevölkerung nicht zu ihrem Rechte und ihrer Geltung kommen könne. Das ist ein wegwerfendes Urtheil über die germanische Bevölkerung, die auch im Kampfe um die materiellen Güter mit dem Judenthum nicht allein gleichberechtigt, gleichmäßig ist, sondern demselben in vielen Dingen voraiigegangen ist. Die bedeutendsten Thaten der Weltgeschichte, auch auf wirthschaftlichem Gebiete, sind nicht ausgegangen von Juden, sondern ausgegangen von Christen, und die Juden folgten den Bahnen, welche andere ihnen vorgezeichnet haben. Sind sie von Zeit zu Zeit und hie und da darin glücklicher, so sind sie es doch nicht immer und nicht überall. Eine Zeit lang lebte ich in einem Orte,wo es den Juden weniger gut ging; da fragte ich, woher das käme, darauf erwiderten die Christen mir, weil wir .klüger sind. Das ist ein Beispiel, das man nachahmen sollte. Man soll im redlichen Kampfe um den Erwerb zeigen, daß die germanische Nation nicht hinter anderen zurücksteht, und ich halte es in keiner Weise für zutreffend, wenn Dinge, die einfach von dem Schöffengericht und der Strafkammer zu erledigen, in diese hohe Versammlung hinein- . getragen werden.