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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-02-03 · 5 (3.2.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 L>eite 81 Oesterrerchifchr Mmtzenfitzrist ein pvlitisch-wirthschaftlichcr Verein ist, der Königstreue und Standesehre verbreiten will. Wir wollen den Frieden zwischen großem und kleinem Grundbesitz, der durch den Freisinn gestört wird. Wir wollen den Bauern durch Bildung anfhelfen, und deshalb schicken wir unsere Wanderlehrer. Ich würde mich sehr frenen, wenn auch Herr Rickert einen Vortrag halten würde. Ich schlage ihm vor das Thema: Die Kunst, Zuckerrüben auf Sandboden zu bauen. (Große Heiterkeit rechts.) Ich habe mich sehr gefreut, als der Abgeordnete Ricken sagte, daß er die Ausschreitungen, welche von freisinniger Seite gemacht worden sind, mißbillige. Aber sehen Sie sich doch das Reichsblatt an, das ja Ihnen sehr nahe steht, Herr Rickert. Da ist von A bis Z nichts weiter als Hetze des kleinen gegen den großen Grundbesitzer. Wenn wir ins Land gehen, um die Kreise für uns zu organisiren, wie wir sagen, wie wollen wir das machen?. Etwa wie der eommis voM^eur? Wir müssen vorher an die Gemeindevorsteher Berichte von Berlin aus senden. (Hört! hört! links.) Ja. an wem sollen wir sie schicken, an den Nachtwächter doch nicht? (Heiterkeit rechts, Nus: Aha! Amtsvorsteher, .Landrath.) Wir schicken es doch nicht an ihn in seiner Eigenschaft als Amtsvorstcher. Wir melden uns nicht nur dem Amtsvorsteher an, sondern auch der Landrath bekommt eine Liste von sämmtlichen Versammlungen, die wir abzuhalten gedenken, und das ist ja gesetzlich. Jede politische Versammlung muß angemeldet werden, damit der Landrath, wenn er will, einen Gendarmen hinschicken kann. (Lachen links.) Ja, wenn einzelne Landräthe und Amtsvorsteher das begünstigen, warum sollen sie das nicht einem Verein gegenüber thnn, der auf königstreuer Grundlage ruht und das Wohl der Landwirthschaft will? Wenn Herr Rickert uns Reden anführt, so sollen wir sie glauben, wenn Herr v. Waldow es aber thut, so wird man gefragt, ist das Stenogramm? Ich glaube, die Wahrheit wird bei beiden in der Mitte liegen, es ist. vielleicht beides nicht ganz richtig. (Heiterkeit rechts.) . Wir haben gegenwärtig acht oder zehn Wanderlehrer. Es kommt ja vor, daß die Wanderlehrer einmal von den Juden sprechen, aber vielleicht unter zehn Fällen in einem. Wir sind blos gegen die Schädigungen, die sich namentlich im Westen unseres Vaterlandes, in Hessen, kund gegeben haben, wo die Bauern durch den Wucher ruinirt sind. Soweit erkennt man den Antisemitismus an. Der Bauernbund wird in seiner Agitation und Organisation fortschreiteu, so lange ich an seiner Spitze bleibe. Ich werde glauben, auf falscher Bahn zu , sein, wenn ich das Lob des Freisinns einmal ernten sollte. (Beifall rechts.) Abg. Rickert (dsr.): Der Herr Minister weiß jetzt ganz genau, worum es sich handelt. Der Herr Abg. v. Ploetz hat zugegeben, daß der Bauernverein ein politischer Verein ist. Der Bauernbund hat das antisemitische Programm, das der Parteitag aufgestellt hat, ausdrücklich acceptul.Herr v. Ploetz hat es ebenfalls acceptirt als Vorsitzender des Vereins, und zwar mit Bezugnahme auf den Antrag Klasing. Ich würde es dem Herrn Minister empfehlen, die Rede des Herrn Klasing zu lesen. Er hat ferner aceeptirt, daß an die Behörden die Aufforderung gerichtet wird, die Vorbereitungen zu den Versammlungen zu treffen. Sie erklären hier, Sie hrben amtliche Organe in Anspruch genommen. Ich werde fiir mich niemals das Recht in Anspruch nehmen, die Gemeindevrgane für mich zu benutzen. Er lud mich ein, einen Vortrag darüber zu halten, wie am besten Zuckerrüben auf Sandboden gebaut werden, indem er auf meine neuliche Rede Bezug nimmt. Ich habe von solchem Unsinn kein Wort gesagt, von Zuckerrüben überhaupt nicht gesprochen. Sic spielen sich immer so auf, als ob Sie die geborenen Vertreter der Landtvirthschaft wären. Wir haben auch Bauern — und das rechnen wir uns zur Ehre an — in der Mitte unserer Partei. Was würdenSie sagen, wenn ich Sie verantwortlich machen wollte für dcrs „Volk" und die „Antisemitische Cvrrespvndenz?" Noch werden die Männer außerhalb des Hauses Gelegenheit haben, die vorgebrachten Angelegenheiten zu untersuchen, und es wird sich dann zeigen, w.as an dem ist, was Herr Buchholz berichtet. Nun sagen Sie mir, die Inden seien Diejenigen, welche die armen Leute auspreffen. (Sehr richtig! rechts) In Arnswalde stand im Kreisblatt, als ich hinreiste, ich hätte mich auf dem Bahnhof von alle» Juden empfangen lassen, und sie hätten mir 700 Mark gegeben (Große Heiterkeit). Es waren zwei oder drei Leute, die mich empfangen haben und ich habe Alles, was es gekostet hat, aus meiner Tasche bezahlt (Heiterkeit). Wv haben Sie denn Ihre Mittel für Ihre Agitation her? Wissen Sie nicht, daß Herr v. Bleichröder auch einnral l 0.000 Mark gegeben hat, zu einem bestimmten Zweck? Fragen Sie doch, einmal, ob Sie auch sonst nichts von den Juden bekommen haben. Die reichsten Juden haben ja immer auf Ihrer Seite gestanden. Weiter haben Sie davon gesprochen, daß wir gegen das Wohl des Vaterlandes seien und dabei auf das Septennat hingewiesen, dem wir opponirten. Ja, wir hatten die kleberzeugung, daß Sie damit blos vperirten, als Sie günstige Wahlen erzielen wollten. Sie hätten alte Ursache, die Erwähnung dieser Thatsachen zu vermeiden, denn im Jahre 1877 erklärte Bismarck, daß das Septennat nöthig sei; nachdem die Wahl ihren Dienst' geleistet und die letzte Majorität aus dem Hause entfernt war, sagte der Nachfolger, das Septennat sei für die uiilitärische Sicherheit überflüssig. Das war der Standpunkt des Patriotismus, daß wir uns nicht ins Bockshorn jagen ließen, wir kannten den Zweck, den Sie mit Ihrem Eintreten für das Septennat verfolgten. Wir werden uns trotz Herrn v. Ploetz und trotz des Bauernbundes nicht davon zurückhalten lassen, in diejenigen Kreise zu gehen, in welche wir Lust haben, und wenn Sie uns Hindernisse in den Weg legen, so werden Sie dadurch nur den Eifer verstärken, mit dem wir für unsere Sache eiutreten. (Ruf rechts: Schade! Heiterkeit.) Herrn von Minuigerode, der mir immer der werthvollste Redner der Conservativen gewesen ist (Lachen rechts', will ich auf seine Worte erwidern, ich habe die Polizei nicht gerufen. Er hat dann weiter davon gesprochen, seine Partei verlange, daß die Obrigkeit in christlichen Händen liege. Was verstehen Sie unter Obrigkeit? haben wir ihn gefragt, da sagte er: jede Obrigkeit, und wer jede Obrigkeit ist, kann Niemand zweifeln. Jeder Schulze, jeder Landrath, jeder Regierungspräsident» jeder Oberpräsident, jeder Minister und jeder Richter muß Christ sein. (Sehr richtig! und Bravo! rechts), das ist also Ihre Meinung lRufe rechts: ja. ja). Ja, meine Herren, das wollte ich nur heraushaben. Sie sollten es klar und deutlich sagen. Damit haben ivir erlebt, daß die Zeiten sich umgekehrt haben, seit Stahl, Ihr geistiges Oberhaupt, gelebt hat, Stahl, das Ihr Oberhaupt noch sein wird nach Jahrhunderten, und die conservative Partei wird niemals einen solchen bedeutenden Mann an ihrer Spitze haben, ivie Stahl. Das schließt aber dabei nicht aus, daß Sie leider nicht im Stande sino, Stahl zu begreifen. Er hat sich der Verfassung gefügt, Sie wollen Bestimmungen derselben Umstürzen, dazu müssen Sie sich aber eine Majorität im Reichstage schaffen, und dort eine zu erlangen, wird viel schwieriger sein, als hier. Hier hat einmal eine Verhandlung stattgefnnden, darüber, ob ein Jude Levy, der Schulze in Westpreußen war, Schulze bleiben dürfe, und da war der Minister derjenige, der gegen eine winzige Zahl von Abgeordneten, die verlangten, daß ein Jude nicht Schulze werden dürfe, dafür eintrat, und das Haus hat dem Minister mit großer Majorität zugestimmt. Mil Zustimmung seiner Mitbürger ist der Mann auch Jude geblieben, und jetzt wird es ja heiter werden. Wir kommen wieder dazu, daß auch nicht einmal im Kreistage die Inden ihre virilen Stimmen werden abgeben können. Die Krellzzeitnng hatte einen ärgerlichen Artikel darüber gebracht, daß die Juden im Kamps nms Dasein mehr erreichen als die Andern. Wenn Sie den Inden nicht gleichen an Intelligenz, Fleiß und «Sparsamkeit, dann werden Sie nichts ausrichten; mit diesen umstürzlerischen Absichten auf oie Verfassung kommen Sie keinen Schritt weiter. Insofern bin ich Herrn Hobrecht dankbar, daß er die Frage angeschnitten hat. Wir haben heute die Erklärung gehört, daß die Herren in keiner Obrigkeit eilten Juden sehen wollen, weder als Schulze, noch, ivie ich auch annehmen muß, als Gendarmen. (Heiterkeit rechts.) Aber es wicd Ihnen niemals gelingen, unsere deutsche Nation so heruiiterznbrillgeil. daß sie die Inden ihrer staatsbürgerlichen Rechte beraubt. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Stöcker (cons.): Wenn der Abg. Rickert über conservative Männer reden will, so bitte ich ihn, seine Vorstudien zu vertiefen. Er scheint nicht zu wissen, daß Stahl sowohl jüdische Lehrer an christlichen Schulen, wie jüdische Richter durchaus verworfen hat. Siah! war ein Jude, der durch eine ehrliche Taufe in die deutsche Volksgemeinschaft und Anschauungen anfgenvmmeil ivar. Gegen solche ehrlich getaufte Inden wird ans unserer Seite nirgends etwas eingewendet werden. Wir können, wenn sie tüchtige Leute sind, uns nur freuen, wenn sie durch eine ehrliche Taufe zu uns übergehen. Ich mache Herrn Rickert darauf aufmerksam, daß die bürgerliche Gleichstellung der Juden ihre vollen Consegnenzen damals noch nicht gezogen hat. Wir stehen erst jetzt vor der Erkenntniß. was die Emaneipativn der Juden für die christlichen Volker in der ganzen Welt bedeutet. Die Jndenfrage ist von fundamentaler Bedeutung für unser Volksleben. lSehr wahr! rechts.) Soweit es den Juden nützt, schließen sie sich uns an, da haben sie den Wunsch, ins deutsche Volksleben einzudringen, aber wo es ihnen nichts nützt, bleiben sie jüdisch. Die thron- und altaruntergrabende Tbütigkeit wird mit jüdischem Gelde genährt. Das Judenthum ist eine zersetzende Macht. Ich erinnere an den jüdischen Wucher in Elsaß-Lothringen. Die antisemitische Bewegung ist eine nationale, die Völker fühlen ihre nationale Kraft, und diejenigen, welche in diesem Kamps ans Seiten der Juden stehen, spielen eine wenig beneidenswerthe Rolle. Ich habe die Jndenfrage aus dem literarischen Gebiet in die prartische Politik übergeführt. Ich bedaure. das nicht, denn die liberale Presse sucht jede Erörterung dieser Lebensfrage^ unserer Nation todt zu schweigen. Es war nöthig, die Sache in die Oeffeiitlichkeit zu bringen. 'Woher kommt es, daß'wenige Jahre nach der wunderbaren Erhebung unser Volk in Unzufriedenheit und Zersetzung verfallen ist'? Nach' dem Kriege ist eine schamlose Unredlichkeit des Gründerthmns hervorgebrochen, an der die Juden mit neun Zehnteln hetheiligt waren. Schon in der Römerzeit waren die Jichen ein ostinm Zkneri-c Imwrmi. Wir müßten Schlafmützen sein, ivenn wir uns das Ueberwuchern des Judenthllms gefallen lassen ivvlllen. Professor Delitsch, der Freund des Friedens, hat in einer Schrift über den Talmud zweierlei festgestellt, daß durch den Talmud hindurchzieht eine Meinung, daß andere Völker mit den Juden nicht gleichwerthig seien. Der Talmud leugnet also die Fundamente der Cultur, das gleiche Wesen aller Völker. Und das zweite von dem ilnheilsvotten Einfluß der Judenpresse glaubt auch er selbst aussprecken zu müssen, wenn er ein Freund der Juden sei. Herr Rickert sprach von den Vorzügen der Inden vor den anderen Völkern. Die Inden haben einen Vorzug, das gebe ich zu, aber eer beruht nur auf den niedrigeren Berstandsfunctionen-, Witzlinge giebt es unter ihnen und sie haben eine Art von Geist, welche dem Scheidewaffer gleicht, das Alles zersetzt. Wenn sie sich fragen, ob je ein Jude in der Literatur bahnbrechend gewesen ist, in der Kunst Hervorragendes geschaffen hat, oder in der Wisse,ischaft, so werden Sie mir die Richtig-

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