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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-27 · 4 (27.1.1893) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
4 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 4 Oeflerreichische Wochenschrift Seite 69 speciell vom ehrwürdigen Rabbinate erhielt der gefeierte Gelehrte in Nikolsburg Glückwünsche und Adressen. Bodenbach. In Bezug auf Ihre Meldung in Nr. 3 vom 20. d. M. kann ich Ihre Mittheilungen dahin ergänzen, daß. die jederzeit loyalen und liberalen k. k. Hoflieferanten Jordan^Timäus mit dem antisemitischen Treiben der zwei in Ihrem Blatte näher gekennzeichneten Angestellten Namens Franz Jäger und Otto Hörisch sehr unzufrieden waren und diesen beiden Schönerianern gekündigt haben. Budapest. Der hiesige geschätzte Kantor, Herr Josef Fried, verlobte sich mit Fräulein Malvine Schwarz. — Für die Nothwendigkeit der Reception der israelitischen Confessiop spricyt wohl kaum etwas eindringlicher, als der folgende Beweis, worin die Stadtbehörde Zenta das Gesuch des Arader jüdischen Religionslehrers I. S. um Abschreibung seiner Militärtaxschuld verweigert. Z. 77.600/1892. Bescheid. Ihr Gesuch um Abschreibung Jbrer in der Stadt Zenta pro 1888 und 1889 ausgeworfenen Militärtaxe wird abgewiesen, weil der zweite Band der directen Steuergesetze und Bestimmungen im Sinne des Punktes 2 der an den ß 3 geknüpften Bemerkung verfügt, daß von der Entrichtung der Militärtaxe die Geistlichen und geistlichen Candidaten der gesetzlich recipirten Kirchen und Eonfessionen :c. befreit sind. Da jedoch die jüdische Religion bislang nicht zu den gesetzlich recipirten Eonfessionen zählt, folgt selbstverständlich, daß die obige Begünstigung auch aus Geistliche, Candidaten und Seminaristen jüdischer Religion, nicht anwendbar ist. weshalb Gesuchsteller mit seiner Bitte abgewiesen werden mußte u. s. w. Lnbek, 15. Jänner. Das hiesige Amtsblatt brachte in feiner Nummer 4 einen Bericht über den Vortrag, den Herr Prof. Dr. Cruner aus Greifswald zum Besten des evangelischen Bereinshauses hier gehalten hat über das Thema: „Eigenthum und Arbeit nach christlicher Anschauung". Die von dem Vortragenden gethane Aeußerung: „Die ganze Welt hat nicht gewußt, was Arbeit war, ausgenommen das Volk Israel, welches heut«' vielleicht am wenigsten von Arbeit verstehe" — hat den hiesigen Rabbiner Dr. Carlebach veranlaßt, in den „Lübecker Nachrichten" (Beiblatt zur Eisenbahnzeitung) jenen Angriff aus die Juden in höchst geistvoller, gründlicher Weise zurückzuweisen. Der Artikel hat in den Kreisen der hiesigen Bevölkerung einen tiefen Eindruck gemacht. Oldenburg. (Auch ein antisemitischer Führer. Aus Oldenburg wird den „Mittheilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" geschrieben: „Dr. Danneil hielt in Oldenburg einen Vortrag, in welchem er gegen zwei jüdische „Ramscher" loszog. Am nächsten Morgen geht er zu einem dieser Ramscher, erzählt, daß der Landesrabbiner Dr. Mannheimer und Kaufmann Wallheimer ihn vor der Versammlung gebeten hätten, auf beide gehörig loszuziehen. Er erklärte sich bereit, einen zweiten antisemitischen Vortrag zu halten, wenn die Ramscher ihm 50 Mark deponiren würden — was diese auch thaten. Natürlich war das Ganze ein gemeiner Schwindel, um auf diese Art mit antisemitischen Lügen jüdisches Geld zu verdienen. Für die Wahrheit der vorstehenden Mittheilung übernehme ich volle Garantie." Petersburg, 3. Januar. Gestern fand die Schlußsitzung der Sachverständigen-Commission über das jüd. rituelle Schlachten statt. Die aus 8 Professoren und höher» Beamten bestehende Commission entschied in ihrer Majorität, daß die jüd. Schlachtmethode die vorzüglichste und dem Genickstich vorzuziehen sei; selbst die Anhänger der sogen, russischen Schlachtweise erkannten die vielfachen Vorzüge der jüdischen an. Feuilleton. Bekehrt. Rovellrtte von Albert Maiden. Das junge Mädchen war der Stolz, die Freude der ganzen Familie. Nicht allein durch ihre anmuthsvolle Schönheit war sie es geworden — ein gottbegnadetes Wesen schien sie allen, die sie kannten, gottbegnadet durch ihren Geist und durch ihr hohes musikalisches Talent. Daß sie nicht die Laufbahn einer Künstlerin eingeschlagen, wie es der Wunsch ihres Vaters gewesen und wie man es ihr von maßgebender Seite nahegelegt hatte — nach ihrem eigenen Willen war es dabei gegangen. Sie war eine stille sinnige, bescheidene Natur. Von den Nöthen des Lebens hatte sie nie etwas erfahren. Die Wohlhabenheit ihrer Eltern hatte sie davor gehütet und sie sicherte ihr auch fürderhin eine Helle, sorgenfreie. Zukunst. So hätte sie glücklich sein können, wie sie es sonst immer gewesen, wäre sie es auch in dem geworden, was erst voll und ganz das Glück eines jungen schwärmerischen Mädchenherzens ausmacht. Aber sie wußte es: ihre Eltern würden niemals in eine Verbindung mit dem Manne willigen, an den sie ihr Herz heimlich, aber mit all der überschwänglichen Liebe eines achtzehnjährigen Mädchens gehängt hatte. Das war es, was sie in letzter Zeit so schwer- und wehmüthig gemacht hatte. Sie durfte im Elternhause nichts verlauten lassen von ihrem stillen Glück und ach dieses Glück theilt sich doch so gern mit! Sie mußte bangen und fürchten für ihr Glück. Die Wandlung in dem sonst ruhig heiteren Wesen des Mädchens war in dem Hause nicht unbemerkt geblieben. Man machte sich umsomehr Sorge darüber, als man keinen Grund hiefür kannte und das Mädchen allen darauf zielenden Fragen scheu auswich. Da kehrte sie eines Abends vom Besuche einer Freundin und Kunstgefährtin heim. .Sie fand die Mutter allein. Der Vater war, wie dies des öfter» vorkam, in einer Versammlung voll. Gesinnungsgenossen, in einer Versammlung, wo man sich mit rauhen, bierheiseren Stimmen und in haßerfüllten Worten über jenen Volksstamm erging, der unter allen Völkern zuerst die Idee von dem einzigen Weltenherrn über die Erde trug. Ein Schimmer schmerzlicher Traurigkeit flog über das Gesicht des Mädchens, als ihm die Mutter auf die Frage nach dem Vater Antwort gab. Wortlos legte es die Musikmappe auf den Tisch und nahm neben demselben Platz. Die Hände blätterten in dem Hefte einer illustrirten Monatsschrift. Doch dem Auge konnte man es anmerken, es haftete nur gedankenverloren an den Bildern; die Seele weilte wo anders. Und nun hörten auch die Hände des Mädchens auf die Blätter zu wenden. Um den Mund begann jenes Zucken, das dem Ausbruch von mühsam verhaltenen Thränen vorangeht, und wirklich — langsam, langsam, wie untergewaltsam überkommenden, nicht zurückzudämmenden wehmüthigen Gedanken, füllte sich das Auge. Die Mutter hatte vom Sopha aus schon mehrmals einen verstohlenen langen Blick hinüber zu ihrem Kinde geworfen. Jetzt sprang sie bestürzt auf. „Um Gottes Willen, Minna, was hast Du?" Aber das Mädchen schüttelte stumm abwehrend den Kopf. Doch dann, wie von plötzlichem Entschlüsse getrieben, erhob es sich, griff nach der Mappe, die es neben sich hingelegt hatte, und entnahm ihr zwei Blätter. Stumm reichte es eines davon der Mutter. Mit dem Ausdrucke größten Erstaunens sah diese auf das Blatt. „Minna, dein Bild! Herrlich! Prächtig! Ganz mein liebes . . . aber warum . . .? Wer . . .?" Das Mädchen schluchzte laut und heftig aus. Und mit halb abgewändtem Gesicht reichte es der Mutter das zweite Blatt. Es war das gleichfalls in Aquarell gemalte Brustbild eines schönen jungen Mannes. Aus der hohen Stirne, die sich hell von dem darüber zurückfallenden braunen Haar abhob, aus dem großen dunklen Auge und den fein geschnittenen Zügen sprach der Adel des Geistes. Einen langen prüfenden Blick warf die Frau auf das Bild. Dann umspielte ein stilles, verständnißinniges Lächeln ihre Lippen. — „Liebe mengt sich aus Lust und Leid" und „Hangen und Bangen" — so stieg es in ihrer Brust auf. Im nächsten Augenblick schlang sie zärtlich den Arm »m den Nacken ihres Kindes. „Das ist der Maler, Minna? Und Du liebst ihn? Komm, erzähle mir von ihm, von Dir — ohne Scheu. Minna — es ist Deine Mutter, der Du Dich anvertraust." — Und mit sanfter Gewalt zog sie das Mädchen zu sich auf das Sopha. Einige Augenblicke lang blieb es stille in dem Zimmer. Nur leises Schluchzen ließ sich vernehmen. Dann aber fieng das Mädchen zu erzählen an, zuerst stockend und mit klopfendem Herzen. Allmählig aber ging es ihr fließender von den Lippen; ihre Wangen rötheten sich, ihre Augen begannen zu strahlen, da sie an der Hand der Erinnerung nochmals all' die seeligen Stunden durchlebte, in welchen ihre Liebe begonnen. Sie erzählte, wie sie ihn gelegentlich eines Concerts in' dem Conservatorium kennen gelernt hatte. Er und sie hatten darin mitgewirkt, denn

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