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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-27 · 4 (27.1.1893) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
4 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 68 Vesterreichifchr Wochenschrift Nr. 4 Wien. Nachstehendes Schriftchen empfehlen wir unseren Lesern auf das Allerwärmste: Kiuder-Schutz und -Pflege im frühen Lebensalter., Aerztliche Rathschläge für Eltern und Pflegeeltern nebst Anleitung zur Verhütung von Vergiftungen und ansteckenden Krankheiten, gleichwie Anweisung zur ersten Hilfe bei plötzlichen. Erkrankungen und Unglücksfällen von Dr. S. Kohn, k. k. Armenarzt. Wien, 1893. Verlag von Max Merlin. Das Büchlein ist geeignet, ein Stück sociale Frage zu lösen. Es ist geschrieben für arme Familien als Rathgeber in der so schwierigen Aufgabe, die physische Entwickelung ihrer Kinder zu fördern, um der unter ihnen grassirenden Mortalität Einhalt zu thun. Die reinste Humanität leitete den Autor bei Abfaffung dieses Schriftchens. „Nichts in der Welt", sagt er in dem Vorwort, „erschien mir seit jeher bemitleidenswerther als ein krankes und dabei armes, pflegeloses Kind. Nichts in der Welt erscheint mir lohnender, als zum Wohle physisch-kranker oder verkommener Kinder beizutragen." Und der Verfasser hat es verstanden, die in seiner langjährigen Praxis gesammelten Erfahrungen, wo für die armen Mütter eben Belehrung am meisten Noth thut, in aller Kürze und in gemeinverständlicher Weise zusammenzufassen und darzustellen. In wissenschaftlicher Beziehung steht diese Schrift ganz auf dem modernen ärztlichen Standpunkte der physiologischen Kenntniß und der Statistik der Beobachtungen. Es gereicht dem Judenthume.zur Ehre, daß seine Söhne, die sich dem ärztlichen Stande widmen, diesen wissenschaftlichen Standpunkt, den man vorzugsweise die „Wiener Schule" nennt, einnehmen, und nicht in dem Lager jener stehen, welche dem Arzt zum Künstler und Wunderthäter machen wollen. Die „Wunderdoktoren" bis herab zum Pfarrer Kneipp waren Gott sei Dank niemals Juden. Das nach dem Ausspruche des verewigten Kronprinzen Erzherzog Rudolf „das werthvollste Capital ist der Mensch", ein wahrer Hausschatz für die Familien zu werden versprechende Büchlein ist der bekannten Philanthropin Fürstin Marie zu Hohenlohe-Schillingsfürst gewidmet, und es wäre zu wünschen, daß jeder Reiche wenigstens einige Exenrplare desselben kaufe und an Arme verschenke, damit es in den Kreisen Verbreitung finde, für welche es geschrieben ist. Das Büchlein kostet blos zehn Kreuzer und ist dessen Reinerträgnis für die nicht zuständigen Armen des zweiten Wiener Bezirkes bestimmt. Wien. Der literarische Geselligkeits-Bcrcin jüdischer Mädchen „Moria“ tritt in das 2. Jahr seines Bestandes. Der Verein hat sich die Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur zum Ziele gesetzt, von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß es Pflicht jüdischer Mädchen sei, auch die culturellen Errungenschaften des eigenen Volkes wenigstens in dem Maße zu kennen, als die der anderen Völker denen bekannt sein müssen, welche einigen Anspruch aus Bildung erheben wollen. Seiner Ausgabe sucht der Verein dadurch gerecht zu werden, daß er jeden 2. Sonntag-Nachmittag Zusammenkünfte abhält, bei welchen von Mitgliedern und geladenen Gästen literarische und geschichtliche Vorträge gehalten werden. Um auch der Geselligkeit Rechnung zu tragen, veranstaltet der Verein „Moria“ in Zwischenräumen von circa 2 Monaten Familienabendt-, geschlossene Kränzchen u.s. w. Zu den literarischen Nachmittagen haben nur Damen Zutritt u. zw. gegen Vorweisung der Einladungskarte, welche auf Ansuchen bereitwilligst zur Veftügung gestellt wird. Von Seite der Vereinsleitung wird uns mitgetheilt, daß bei der am 22. d. M. stattgehabten Plenar-Versammlung in den Ausschuß gewählt wurden: Fräulein Bertha Schalit. Präsidentin, Frl. Natalie Pollak, Bice-Präsidentin, Frl. Sabine Gruder, 1. Schriftführerin, Frl. Frieda Rand,«2. Schriftführerin, Frl. Jda Werner Cassierin, Frl. Laura Götzl, Ausschußmitglied, Frl. Vilma Sor, Ausschußmitglied. Auskünfte werden gerne ertheilt durch die Präsidentin Frl. Schalit, 9. Bezirk, Rögergasse 3 oder Schriftführerin Frl. Gruder, 2? Bezirk, Taborstraße 49. Der nächste literarische Nachmittag findet Sonntag 5. Februar statt. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe). Dieser aus circa 500 Mitgliedern, zumeist Industriellen und Gewerbetreibenden bestehende Verein veranstaltet am 29. d. M. Abends 9 Uhr in Nonacher's Concert Sälen eine Academic uüt Tanzkränzchen unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte der Wiener Theater, sowie einer vollständigen Militär-Capelle. Das Reinerträgniß ist der Unterstützung Kleingewerbetreibender, sotvie der Gründung eines Fonds für Bildungszwecke der Gewerbetreibenden gewidmet. Die Förderer dieses Vereines bestehend aus den Herren: Professor Dr. Eduard Sachs, Hofrath Dr. W. F. Erner, Dr. F. Kronawetter, Stadtrath Ritter von Goldschmidt, Baurath Stiasny, Gcmeinderuth Lang, Frauenberger und viele andere haben ihr Erscheinen zu diesem Feste bestimmt in Aussicht gestellt. Die Leitung des Festes liegt in den bewährten Händen der Herren Leopold Gutmann, Vorstandsmitglied des Vereines und Heinrich Schwarz. Ingenieur, und die bekannten Leistungen dieser Herren im Arrangement solcher Cercles bieten Gewähr dafür, das; jedem Besucher dieses Festes ein in jeder Beziehung genußreicher Abend bereitet wird. Der Kartenverkauf befindet sich bei den Herren S. Beer, 1. Bezirk. Wipplingerstraße 26, Leopold Gutmann, 1. Bezirk, Bäckerstraße l und Äd. Steiner, 1. Bezirk, Bellariastraße 6. Böhm.-Leipa. Der heutige Tag hat es vollinhaltlich gelehrt, daß es in unserer Stadt keinen Unterschied im Glauben und Nationalität gibt, für Denjenigen, der sich der Liebe und Verehrung der Bevölkerung werth macht. Das Wetter ist furchtbar schlecht, der Schnee liegt meterhoch auf den Straßen, die Cvmmunication istgestört, und dessen ungeachtet schaaren sich die Menschen zu Tausenden, rrm zusammen den Verlust zu beklagen, sie stehen alle geduldig und warten, bis sie dem geliebten Todten den letzten Gruß zuwinken können. Und was ist der Grund der allgemeinen Trauer? Doetor Josef Altschul soll heute in die kühle Erde gebettet werden! Mit ihm scheidet ein Mann, der durch seine hervorragenden Leistungen in 24jähriger Thätigkeit als Arzt, Gerichts- und Bahnarzt gewirkt, nicht minder als Wohlthäter und Menschenfreund weit über die Grenzen unserer Stadt und Bezirkes einen ruhmvollen Namen erworben und sich gesichert hat. ■ Er war ein braver Mann, voller Bescheidenheit, festen Characters, und uneigenützig, er war Mitglied und Förderer aller in unserer Stadt bestehenden Humanitäts- und Wohlthäiigkeitsvereine, an seiner Bahre trauern viele arnre Kranke ohne Unterschied der Religion, die er mit selbstloser Aufopferung unentgeltlich behandelte, aus eigenen Mitteln sie beschenkte. Doctor Josef Allschul war J5 Jahre Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde, es war sein eifrigstes Bestreben, die Interessen der Gemeinde in jeder Beziehung zu fördern. Eine Unzahl Kränze zieren seinen Sarg. Präcise 3 Uhr Nachmittag wurden die irdischen Ueberreste von; Trauerhause in den israelitischen Tempel übertragen, die Leicke wurde vor der Kapelle aufgebahrt und die Todtenfeier abgehalten. Der Tempel konnte die Masse der Andächtigen nicht fassen, weshalb alle Vereine beim Eingänge desselben postirt bleiben mußten. Der Prediger schilderte mit ergreifenden Worten die Verdienste des Verblichenen, die er sich als Vorsteher erworben, seine Hingebung als Arzt und Wohlthäter der Armen und entbot ihm im Flamen der Gemeinde den Dank und letzte Abschiedswnrte. Als der Redner geendet hat, wurde der Sarg aus dem Tempel getragen, in den Leichenwagen gehoben, und es formirre sich der Leichenzng nach dem jüdischen Friedhofe. Voran der Militärveteranenverein, Turnverein, Gesangverein, sämmtlich mit Fahnen, Feuerwehr, Rettungscorps, Bedienstete der Böhm. Nordbahn mit Fackel und Kränze, der Vorstand mit Windlichter. Hinter denr Sarge schritten die Familienangehörigen, eine Deputation des k. k. Schützencorps, sämmtliche Gerichtsimd Bahn- . beamten, sowie zahlreiche Freunde und Verwandte, die von Nah und Fern hieherkamen, um dem Verstorbenen das letzte Geleite zu geben. Auf den ganzen Wegen, die der Zug passirte, brannten die Gaslaternen. Auf dem Friedhofe wurde für den Verstorbenen noch ein Gebet verrichtet und damit endete die Feier. W. A. Trebitsch. Freitag den 13. Jänner wnrde in Trebitsch Herr I. H. Sub ak im Älter von 83 Jahren zur Erde bestattet. Derselbe war der Begründer der sowohl im Inals im Auslande renommirten k. k. priv. Lederfabrik I. H. Subak u. Söhne, welche es zum großen Theil durch die rastlose, umsichtige Thätigkeit des Verstorbenen vom kleinsten Anfang zum jetzigen Umfang gebracht hat. Die Cultusgemeinde Trebitsch, deren höchster Contribuent er stets war, verliert durch seinen Tod ein treues, dem Judenthum innig ergebenes Mitglied, sotvie nicht minder die dortigen Armen, insbesonders seine hilfsbedürftigen Verwandten, welchen er stets hilfreich zur Hand war, wie dies auch der dortige Rabbiner Herr Dr. Pollak bei der Leichenrede ausdrücklich betonte. Bei dem Leichenbegängnisse, woran sich sämmtliche in Trebitsch bestehenden Vereine, alle in den dortigen bestehenden Lederfabriken beschäftigten Arbeiter, der k. k. Bezirks- ' hauptmann Graf Petting, die Stadtvertretung mit dem Bürgermeister und überhaupt Alles was zur dortigen Gesellschaft gezählt werden kann, betheiligten, beweist am besten die Popularität und Achtung, welche der Verstorbene und dessen Familie genießt, was die Betheiligung von circa? 2000 Menschen, welche den weiten Gang zum Friedhof in der riesigen Kälte nicht scheuten, am besten documentirte. Proflnih, 18. Jänner. In einer Vollversammlung der hiesigen politischen Gemeinde wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, den Herrn Dr. Moriz Eisler in Nikolsburg zum Ehrenbürger zu ernennen. Auch von zahlreichen Vereinen, und Privaten,

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