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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-27 · 4 (27.1.1893) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
4 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Vesterreichifche Wochenschrift Seite 65 "dieser Aufgabe ist eine so große, daß es nicht gerechtfertigt ist, sie bei der ersten ernsten Schwierigkeit fallen zu lassen.! Ein Candidat ist hergebrachtermaßen bereit, mit anständigen Gegnern in die Schranken zu treten; seitdem aber durch die Antisemiten wieder einmal das Rowdiesthum in die Politik eingebrochen ist, gehören starke Nerven dazu, damit jener gleichwohl seiner Pflicht genüge, dem die Bevölkerung die Ehre einer Candidatur auf die Schultern gelegt hat. In dem Verhalten der Antisemiten liegt daher Methode; in je roherer Weise sie den Wahlkampf entflammen lassen, um' so eher hoffen sie sensiblere Naturen einzuschüchtern. Daß ihnen das vorübergehend gelingt, hat sich gezeigt; aber freilich kann ein solcher Erfolg eben nur vorübergehende Bedeutung haben. Der politische Kampf hat keine angenehme Spielerei zu sein; sondern er ist eine schwere Aufgabe, und gerade die steigenden Ausschreitungen der Antisemiten, sollten es zu Wege bringen, daß die Zahl der ernsten Männer wächst, welche sich im öffentlichen Interesse für gebunden erachten, mit aller Schärfe und allem Nachdrucke der Partei Stöcker-Ahlwardt-Hammerstein entgegenzutreten. Die Wahlbewegungen, die unter den jetzigen Verhältnissen entbrennen, werden einen milden Charakter daher nicht gerade anfweisen, und so kommt zu den Gefahren, mit denen uns der Antisemitismus bedenkt, auch jene noch, daß er dazu beitragen wird, schwächliche Gemüther in ihrem Widerwillen gegen das allgemeine gleiche und directe Wahlrecht zu bestärken; auch das wäre eine Nebenwirkung, die den Conservativen sehr gelegen käme, denn die Beseitigung des heutigen Wahlrechtes ist ja ein alter, sehnlicher Wunsch der Reaction. So zeigt sich in jeder Beziehung, wie diese sogenannte antisemitische „Volksbewegung", die sich hin und wieder rühmt, nicht reactionär und nicht conservcuiv zn sein, ganz ausschließlich die Geschäfte der äußersten Rechten macht, um dann freilich auch diesen Bundesgenossen in den gefahrvollen, demagogischen Strudel kopfüber mit hineinzuziehen. Bei dem antisemitischen Ansturm ist somit der Einsatz nicht gering, und das bischen Judenfrage ist bei Weitem nicht der wichtigste Bestandtheil des geschriebenen und ungeschriebenen Allianz-Programms der Stöcker und Hammerstein hier, der Ahlwardt und Gefolgschaft dort. Es ist klar, in Liegnitz steht eine ernste Entscheidung bevor, ernst auch darum, weil jeder neue Erfolg der Antisemiten ihnen, für neue Siege das Feld bereitet; die Zuversicht, die jedes Vollbringen gibt, wäre jenen für die Zukunft ein ausgezeichneter Bundesgenosse. Mit Festigkeit uud mit Kraft werden daher unsere Parteigenossen im Wahlkreise den Kampf wieder aufzunehmen haben; sie müssen zeigen, daß ihr politisches Pflichtgefühl sich vor keinem demagogischen Terrorismus beugt, und daß in der deutschen Wählermasse Kräfte stecken, die der Aufgabe gewachsen sind, im offenen Ringen mit den culturfeindlichen Mächten fertig zn werden; denn Heilung kann nur der offene Kampf bringen. Was in Liegnitz vertheidigt wird, ist somit mehr als nur ein Reichstagssitz. Glücklicherweise birgt der Liegnitzer Wahlkreis in hinreichender Anzahl treffliche Parteigenossen, die ihren schwerwiegenden Pflichten gewiß mit Aufopferung sich widmen werden. Uns außerhalb des Wahlkreises aber liegt es ob, den Freunden dort jede Hilfe zu gewähren, deren sie bedürfen; und das wird auch geschehen. Berlin, 19. Jänner. (Zur Abwehr des Antisemitismus). Der nachfolgende Aufruf, der voraussichtlich sich eines bedeutenden Erfolges erfreuen wird, kommt in den nächsten Tagen zur Versendung an die Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde: Berlin, Jänner 1893. Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, in welcher gewissenlosen Weise der Antisemitismus weiteren Volksschichten einzuimpfen versucht wird. Nicht vieler Worte bedarf es, um die Gefahren zu schildern, die sich hieraus ergeben. Mit außerordentlicher Rührigkeit und unterstützt von sehr großen Geldmitteln betreiben schon seit Jahren die Antisemiten ihre Agitation; uns fehlen die entsprechenden materiellen Mittel, um in umfassender Wirksamkeit den ausgestreuten Verleumdungen und Verdächtigungen entgegenzutreten, die immer gefährlicher werden muffen, wenn ihnen nicht nachdrücklich die Wahrheit , gegenübergestellt wird. Um für diesen Zweck Mittel zu beschaffen, sind die Unterzeichneten zusammengetreten; sie wollen insbesondere durch Flugblätter, durch Broschüren, durch Wanderredner jene falschen Behauptungen bekämpfen, welche antisemitische Flugblätter, antisemitische Broschüren, antisemitische Wanderredner mit der Absicht ausstreuen, allmählich die staatsbürgerliche und sociale Stellung der Juden zu untergraben. Es handelt sich nicht darum, schlechte Elemente, die es in unserer, wie in jeder Gemeinschaft gicbt, in irgend einer Weife zu schützen, sondern es gilt allein und ganz ausschließlich, die Rechtsgleichheit mit allen gesetzlichen Mitteln zu vertheidigen. Wir sind überzeugt, daß unsere Glaubensgenossen zu ernsten Opfern für diesen ernsten Kampf bereit sind; wir führen diesen Kampf nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder. In unserer gefährdeten Lage haben wir das beruhigende Bewußtsein, daß unser eigenes Interesse mit dem unseres deutschen Vaterlandes auf das Engste verknüpft ist. Die antisemitische Verleumdung, die uns bedroht, macht auch vor Christen nicht Halt und züngelt bereits durch das ganze Staatsgebäude. Indem wir uns vertheidigen, treten wir somit Elementen entgegen, die die Festigkeit unserer öffentlichen Institutionen auf die Dauer untergraben müssen. Die zufließenden Beiträge werden nach den hier angedeuteten Gesichtspunkten zur Verwendung gelangen Geh. Sanitätsrath Dr. A. Abraham. — H. Arnheim, Schlossermeister. — Professor Dr. Herrmann Aron. — Professor Dr. Ad. Baginsky, Director des Kaiser Friedrich-Krankenhauses. — Oskar Berlin, Kaufmann. — Sanitätsrath Doctor I. Blumenthal. — Geh. Sanitätsrath Dr. I. Boas. — Jul. Bodenstein, Landschaftsmaler. — R. Voll, Buchdruckereibesitzer. — Alexander Breslauer, Kaufmann. — Dr. David Cassel, Docent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums. — Rechtsanwalt O. H. Cassel, Stadtverordneter. — Karl Cohn, Kaufmann. — Julius Cohn, Rentier.—Rechtsanwalt Dr. Heinrich Meyer Cohn. — Leopold Dorn I., Rechtsanwalt und Notar. — Sanitätsrath Dr. K. Edel, Stadtrath. — Pros. Dr. P. Ehrlich. — Dr. Julius Elias. — Prof. Dr. A. Fränkel, Director im städtischen Krankenhause am Urban. — Josef Fränkel, Maurermeister. — Rechtsanwalt Tr. Edm. Friedemann, Stadtverordneter. —Julius Friedemann, Kaufmann. — Professor Dr. Ludwia Geiger. — Adolf Ginsberg, Fabrikbesitzer. — Dr. I. Ginsberg, Fabrikbesitzer. — Rechtsanwalt Dr. I. Goldschmidt. — Geh. Sanitätsrath Dr. S. Guttmann. — W. Hagelberg, Fabrikbesitzer. — Josef Hehmann, Kaufmann. — Dr. H. Hildesheimer. — Julius Hirschfeld, Kaufmann. — Rechtsanwalt P. Jonas. — Doctor James Israel, dirigirender Arzt am jüdischen Kraukenhause. — Moriz Israel, Kaufmann. — Dr. M. Jutrosinski, Director des Reichenheim'schen Waisenhauses. — Sanitätsrath Dr. A. Kalischer. — Heinrich Kraft, Fabrikant. — Geheimer Sanitätsrath Dr. S. Kristeller. — Eugen Landau, königl. spanischer Gcneralconsul. — Dr. Leopold Landau. — Rechtsanwalt Dr. Felix Landau. — Herrmann Lehmann, Kaufmann. — Justizrath Meyer Levy. — Albert Lev in, Rentier. — Dr. M. Lev in, Prediger der jüdischen Reformgemeinde — Professor Dr. M. Litten. — Alfred Loewenberg, Bankier. — Willibald Loewenthal, Kaufmann. — Rudolf Magnus, Fabrikant. — Hugo Mankiewicz, Bankier. — Geh. SanitätSrath Dr. M. Marcuse. — Prof. Dr. Mendel. — Rechtsanwalt Dr. M. Meschelsohn. — Ferdinand Meyer, Rentier. — W. S. Meyer, Rentier. — Syndicus Dr. Minden. — Karl Mirauer, Maurermeister. — Albert Müller, Fabrikant. — Dr. P. Nathan. — Moriz Neufeld, Rentier. — Sanitätsrath Dr. S. Neumann, Stadtverordneter. — Dr. A. Oliven. — Prof. Dr. Martin Philippson. — Sigmund Pincus, Bankier. — Adolf Pinkussohn, Stadtverordneter. — .Dr. Hugo Preuß. Privatdocent an der Universität. — Oscar Rathenau, Rentier. — Dr. Max Ring, Schriftsteller. — Ludwig Ruß, Bankier. — Gustav Sachs, Kaufmann. — Rechtsanwalt Hugo Sachs, Stadtverordneter. — Louis Sachs, Fabrikbesitzer. — Adolf Salomon, Rentier. — Medicinalrath Dr. W. Sander, Director der städtischen Irrenanstalt in Dalldorf — Georg Schönfließ, Stadtverordneter. — Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Senator. — James Simon, Kaufmann. — Martin Simon, Bankier. — Pros. Dr. H. Steinthal. — Director Max Steinthal. — Herrmann Stern, Rechtsanwalt und Notar. — Dr. A. Strelitz, Director des Auerbachschen Waisenhauses. — Commercienrath S. Weigert. — Doctor Max Weigert, Stadtrath. — I. Weinberg, Fabrikbesitzer. — Baumeister G. Wohlgemuth, Stadtverordneter. — Prof Doctor Julius Wolfs— Simon Zadeck, Architekt. Die Unterzeichneten gehören sämmtlich der jüdischen Confession an. Die Zeitschrift „Die Nation" schreibt darüber: Ein Aufruf, der zu Geldsammlungen behufs Bekämpfung des Antisemitismus auffordert und von angesehenen Juden Berlins unterzeichnet ist gelangte in diesen Tagen zur Versendung. Dieses Vorgehen ist durchaus berechtigt, und es ist nur zu be-

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