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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-27 · 4 (27.1.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
4 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Vesterrerchische Wochenschrift Leite 63 Mann" zu zeigen, ehe ihm die Bewegung über den Kopf schlägt und ihn selbst verschlingt. Befremden darf es ferner, . daß keiner der jüdischen Gemeinderäthe es werth erachtet hat, dieser Mauscheliaden wegen zu interpelliren. Wien. (Ritter Georg über Pan Berganew.) Die U. D. W. bringen im Briefkasten vom 15. Jänner 1893 nachstehende „Volksblatt-Zeichnung „Grunzt Dich ein Schwein vermessen an, Laß grunzen nur das Vieh: Anständige Menschen kümmern sich Um eine S . . doch nie! — Besten Dank für die Volksblatt-Zeichnung. U. D. W. Ferner heißt es im selben Briefkastel: Das „Volksblatt" vom 20. December 1892 schreibt u. A. wörtlich folgendes: „Wer das Leben der Völker und Staaten, wie Religion, Moral und Sitten als „ä Geschäft" auffaßt, wer die höchste Bewunderung demjenigen zollt, der die größten Gaunereien zu Stande bringt und in der Characterlofigkeit der Menschen das Ideal sieht, der hat Recht." — Ja wohl, Volksblatt, es gibt viele, die in der Characterlofigkeit der Menschen das höchste Ideal sehen! An wen wir wohl dabei z u n ü ch st denkenmögen!? Die schwarzgelbe Fahne wird mit folgendem Verslern traktirt: „Heran du schwarze Brut! Heran du gelber Neid! Und gilt's auch unser Blut Der Fürst ist uns gefeit!" — Wien, 21. Januar. (Die Staatsgrundgefetze in den beiden Reichshälften.) In Kuhners's Restaurant auf dem Schottenring fand heute Abend eine überaus zahlreich besuchte Plenarversammlung des Israelitischen Wählervereines in Wien statt, für welche ein Vortrag des Reichsraths-Abgeordneten Dr. Ferdinand Kronawetter „lieber die Staatsgrundgesetze in Oesterreich und Ungarn" angekündigt war. Es hatten sich die Abgeordneten Luzatto und Dr. Bloch, zahlreiche Bezirksausschüsse:c. eingefunden. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden, Assecuranz-Director Marek, ergriff Abg. Dr. Kronawetter, von den Anwesenden mit stürmischem Beifalle begrüßt, das Wort zu seinem Vortrage. „Ungarn und Oesterreich," sagte der Redner, „unterscheiden sich bezüglich ihrer Verfassung in einer Weise, wie sie kaum für möglich gehalten werden könnte. Ungarn, welches unter allen Ländern des Continents die älteste geschriebene Berfaßung besitzt, hat sich, mit äußerster Zähigkeit dieselbe zu erhalten gewußt. Alle freiheitlichen Gesetze Ungarns sind in Landtagsartikel zusammengedrängt, aber an einer systematischen Zusammenstellung derselben fehlt es in Ungarn gerade so wie in England. Ein Vereins- und Berlammlungsrecht existirt in keinem dieser Länder. Die schönste Codification der Gesetze gewährt keinen Schutz, wenn die durchführenden Organe von dem Geiste derselben nicht durchdrungen sind. ... In Ungarn gibt es kein objectives Verfahren, keine präventive Beschlagnahme, keine Sistirung der Schwurgerichte und keinen Ersatz derselben durch Delegirung von Ausnahmsgerichten. Dort gelte der Grundsatz, daß Niemand seinem ordentlichen Richter entzogen werden dürfe. Der Redner besprach sodann den nur bei uns bestehenden Zeitungsstempel und bemerkte, daß in der Türkei, welche doch finanziell viel schlechter stehe als Oesterreich, eine solche Steuer nicht existire. Der Zeitungsstempel stehe mit dem Staatsgrundgesetze: „Die Wissenschaft ist frei und jeder Staatsbürger hat das Recht der freien Meinungsäußerung" nicht im Einklänge." Dr. Kronawetter wies darauf hin, daß der Adel überraschend stark im österreichischen Verwaltungsdienste vertreten sei, daß das clericale Element sich in die Justizverwaltung zu drängen suche, daß heute nur selten eine unbesoldete Auscultanten-Stelle einem Juden zufalle. Selbst liberale Beamte geben jüdischen Bewerbern um solche Stellen den Rath, sich taufen zu lassen oder auf den Justizdienst Verzicht zu leisten... Der Redner ging hierauf zur Besprechung der konfessionellen Gesetze in Oesterreich und Ungarn über und gab diesbezüglich den österreichischen Gesetzen den Vorzug. In Ungarn seien die Juden heute nur tolerirt, nicht reeipirt, während bei uns die Gleichberechtigung aller Confessionen Staatsgrundgesetz sei. Confessionslos dürfe nach ungarischem Gesetze Niemand werden, Heiraten zwischen recipirten und tolerirten Confessionen seien nicht erlaubt. Jetzt erst gehe man in Ungarn an die Reform des Ehe-Rechtes durch Einführung der Civil-Ehe, welche so böses Blut bei den ungarischen Clericalen mache. Man könne hier die Jnteressen-Solidarität der clericalen Elemente in beiden Reichshälften beobachten. Man fürchtet im reactionären Lager Oesterreichs jeden Erfolg auf forffchrittlichem Gebiete, der in Ungarn erzielt werde. Pflicht aller liberalen und fortschrittlich gesinnten Bürger sei es daher, mit Nachdruck den fortgesetzten Schmähungen der Clericalen gegen die Ungarn entgegenzutreten: eine Niederlage in dieser Sache wäre von unberechenbaren Folgen begleitet. Stürmischer, langanhaltender Beifall lohnte die interessanten Ausführungen des Redners. Olmütz. Auf eine Anfrage beim Fürsterzbischof von Olmütz Dr. Theodor Kohn unter Beilage eines Zeitungsausschnittes — es handelte sich um eine Behauptung der „Germania", abgedruckt in der Kreuzzeitung, wonach Dr. Kohn als Professor sich sehr antisemitisch geäußert haben sollte — kam nachfolgende Antwort: „Euer Wohlgeboren! Auf das geschätzte Schreiben ddto. 31. December 1892 beehre ich mich die ergebenste Bitte vorzutragen: Hochdieselben wollen die Handlungen der in Dero geschätztem Schreiben bezeichneten Persönlichkeit, bis selbe thatfächlich wird die Leitung übernommen haben, beurtheilen und auf uncontrolierbare Zeitungsberichte, sowie es die oben berührte Persönlichkeit immer rhut, gütigst nicht achten." Olmütz, am 2. Jänner. 8. Prostnitz, am 22. Jänner 1893. In dieser dnftern Zeit des abscheulichen Rassenhasses, in wecher die Antisemiten selbst die geringste Schwäche, die einem einzelnen Juden, da er doch nur Mensch ist, anhaften kann, als Cardinalfehler des ganzen jüdischen Volkes in die Welt Hinausposaunen, die unzähligen Stammeslugendel<dcr Juden aber sorgfältig verschwelgen, freut es uns mitzutheilen, daß in den wahrhaft gebildeten, hohen Kreisen auch die Verdienste der Juden volle und dankbare Anerkennung finden. So hat unser hochachtbares Gemeindemitglied Herr Joachim Pollak, Kleiderfabrikant, der bei einer jeglichen sich darbietenden Veranlassung sein echt jüdisches Herz und seine Begeisterung für die Ehre des Judenthums bekundet, vorn löblichen k. k. Bezirksschulrathein Römerftadt folgendes Dankschreiben erhalten für seine wohlthütige Schulfreundlichkeit, die er, wie gegen alle hiesigen, so auch gegen auswärtige Schulen, auch wenu gar keine israelitischen Zöglinge in deren Räumen sich befinden, zu wiederholten Malen bethätigt hat. — Dieses amtliche Dankschreiben lautet wörtlich: Ar. 3. V. S. Euer Hochwohlgeboren! Durch die Güte des hochgeehrten Herrn k. k. Landesschulinspe tors Tr. Carl Schober wurden für arme Schüler des Römerstädter Bezirkes zahlreiche Spenden an Kleidungsstücken, Schuhen, Papier rc. zur Bertheilung überstndet. Da Euer Hochwohlgeboren zu diesem edlen Wohlthätigkeitsacte in so hervorragender Weise beigetragen haben, so erlaubt sich der k. k. Bezirksschulrath in Römerstadt Euer Hochwohlgeboren für die in so hochherzigerweise den armen Schülern des Bezirkes zugewendeten Spenden den innigsten und besten Dank auszudrücken. Durch diese Spenden wird es vielen armen Kindern möglich gemacht, die Schule fleißiger besuchen zu können und die armen Eltern sind einer großen Sorge enthoben. Die Freude und die Dankesäußerungen derselben wollen Euer Hochwohlgeboren als Ausdruck des Dankes gütigst entgegennehmen. K. k. Bezirksschulrath Römerstadt, am 1. Jänner 1893. Sr. Hochwohlgeboren Herrn Joachim Pollak, Fabrikant in Proßnitz. Prag. Gewerbetreibende beim Professor Dr. Zucker. Aus Prag wird dem „Vaterland" geschrieben: „Beim Abgeordneten Professor Dr. Zucker erschien heute (16.) Mittags in Vertretung der Prager Zimmermeister-Genoffenschaft, sowie sämmtlicher Prager Genossenschaften der baulichen Hilfsgewerbe und der Ltzmeglnieko-Livnostenslrä. degeäa (böhmischer Handwerkerverein) eine mehrgliedrige Deputation, bestehend aus Anhängern der beiden böhmischen Nationalparteien, welche demselben eine kalligraphisch prachtvoll ausgeführte und auch sonst äußerlich sehr geschmackvoll ausgestattete Anerkenmmgs-, Dank- und Bertrauensadreffe für seine außergewöhnliche Bemühung um Verbesserung des die Regelung der Baugewerbe betreffenden Gesetzentwurfes zu Gunsten der Bauhandwerker bei dessen Durchberathung im Abgeordnetenhause übergab und denselben ersuchte, trotz allfälliger momentaner Trübung des Horizontes bei Bertheidigung der kleingewerblichen Interessen im Abgeordnetenhause zu verharren. Abgeordneter Professor Doctor

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