Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 4 (27.1.1893)
- Date
- 1893-01-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3020958--02081-3026153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 56 Oesterreichischr Wochrnschrist Nr. 4 Die galizischm Juden befinden sich in keiner beneidenswerthen Lage. Die Gleichberechtigung in den Gesetzen und die Gleichberechtigung im Leben, auf dem Boden des Staates und der Gesellschaft — das sind ganz verschiedene Dinge. Das empfinden wir Juden auch außerhalb Galiziens. Aber die in Galizien! es sind dort eigenartige Verhältnisse und wenn ein realistischer Schriftsteller sich dieses Stoffes bemächtigen wollte, er würde kein Ende finden. Kommt nun aus dem Westen ein cdelfühlender Mensch nach Galizien, so wird er beim Anblicke, der eigenartigen Verhältnisse zu größerer Duldsamkeit sich angeregt fühlen und er wird der Stimme eines edlen Herzens gehorchen. Hat er aber Herz und Gemüth an die Dämonen des Antisemitismus verkauft, daun wird er um so rücksichtsloser auf die Juden losschlagen, je wehrloser dieselben erscheinen. Einzelne Fälle beweisen als Illustrationen je nach den Umständen viel und wenig. Nachdem man aber weiß, was der Antisemitismus ist, so beweisen sie im gegebenen Falle viel und überhaupt Alles, was bewiesen werden soll. Man schreibt uns: „Der — —-Confiscirt Confiscirt! Von einem hohen Officier wird uns berichtet, daß — — --Confiscirt — — Ein — — — — — — Confiscirt! — — — — — — hält im militär-wissenschaftlichen Club von Przemysl einen Vortrag, streift dabei den „Ewigen Juden" von Eugen Sue, blos um pathetisch hinzusügen zu können: „Und wo der Jude erscheint, ist Elend und Jammer in seinem Gefolge. Das sehen wir alle Tage um uns herum." Es sei bemerkt, daß im „Ewigen Juden" von Sue nicht die Juden es find, welche schlecht wegkommen und daß der „Ewige Jude", wie Manche glauben, vielleicht nur eine Verkörperung Wotans ist. Der germanische Gott war kein Antisemit, im militär-wissenschaftlichen Club zu Przemysl, wo Rcgimentsärzte so wissenschaftlich objectiv sprechen, würde Wotan in der Verkleidung des Juden kaum eine freundliche Aufnahme finden. Allerdings liegt dort das „Deutsche Volksblatt" auf; der Antisemitismus bedeutet eben mehr als die Wissenschaft und kostet auch weniger Kopfzerbrechen. Was sich nun weiter über diese Dinge bemerken läßt, das kann Jeder sich selber sagen. Es hätte ja geschehen können, daß der — —----Confiscirt Confiscirt! Confiscirt-wer weiß aber, wozu man sie nicht noch brauchen kann? Wenn das Ungewitter im Osten, sich entladen sollte, und einmal wird es losbrechen, dann werden die kriegführenden Armeen sich nicht ohne den polnischen Juden behelfen können. Das sollte doch — •-Confiscirt Und der polnische Jude im Kaftan kann dann vielleicht der Armee Dienste leisten wie kein ruhmrediger Antisemit sie zu leisten vermag. Die galizischen Juden sind ' loyal und patriotisch; die galizischen Juden predigen nicht den Vaterlandsverrath wie dies schon von antisemitischer Seite geschehen ist. Wenn die galizischen Juden „Unser Kaiser" sagen, dann meinen sie den Kaiser von Oesterreich und sie sind von Ehrfurcht vor dem Kaiser erfüllt, in dem sie die Verkörperung aller Monarchentugenden, das Ideal der Gerechtigkeit und Menschenliebe sehen. Diese Gefühle wird ihnen der Antisemitismus nicht rauben. Aber man soll dem jüdischen Soldaten doch auch einige Ermuthigung gewähren, man soll es ihm möglich machen, Freude am Dienste zu haben. Die größte Strenge wird willig ertragen, wenn sie vom Geiste der Gerechtigkeit begleitet ist; — --Confiscirt „Ich bin Antisemit und kann nicht anders." Das ist eine schlechte Ausrede gegenüber dem erhabenen Beispiel, wie es vom Throne aus den Völkern voranleuchtet, keine Ausrede gegenüber den gerechten Intentionen des obersten Kriegsherrn. Erst kommt der Dienst unb da wo das Interesse des Dienstes spricht, soll und darf der Soldat nichts anderes kennen. Die Zeit ist vorüber, wo man dem Juden die militärischen Fähigkeiten absprechen konnte. In allen Kriegen seit Anfang des Jahrhunderts hatten Juden als Soldaten die Feuerprobe bestanden. Und was die Vorfahren der Juden und auch der galizischen Juden betrifft, so sagt der keineswegs judeyfreundliche Geschichtsschreiber Schlosser, von den jüdischen Kriegen unter Kaiser Vespasian: „Die Wuth und Verzweiflung der Juden war so groß, daß die Bewohner einzelner fester Plätze die Stadt mit dem nämlichen Heldenmuth vertheidigten wie die Saguntiyer im zweiten punischen Kriege oder wie die Bürger von Saragossa in der neueren Zeit. Selbst die Römer- Haben die Vertheidigung von Jerusalem dem Kampfe der Karthager und Numantiner gleichgestellt." Was uns betrifft, so sind wir uns bewußt im Interesse der Armee und des Staates gesprochen zu haben; es muß eine Gerechtigkeit auch für die Inden in Galizien geben. Dr. Eugen Dühring. In diesem Monate beging Eugen Dühring seinen 60. Geburtstag. Die deutsch-nationalen Antisemiten feierten dieses große Ereigniß durch die Veranstaltung eines Festcommerses und das „Deutsche Volksblatt" pries in einem panegyrischen Leitartikel die Verdienste Dührings um die antisemitische Heilslehre. Unseren Lesern ist das greise Geburtstagskind nicht unbekannt, sie wissen, wer Eugen Dühring ist, was er will und welche Bedeutung er beansprucht. Man hat ihn den „Kirchenvater des Antisemitismus" genannt, aber diese Bezeichnung deckt nicht vollständig den Begriff, den man damit verbindet Er hat sich bemüht der Judenhetze eine wissenschaftliche Unterlage zu geben, indem er die absolute Gegensätzlichkeit der arischen zur semitischen Rasse behauptete. Herr Dühring befand und befindet sich da allerdings in Widerspruch mit den Lehren Confiscirt!