Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 3 (20.1.1893)
- Date
- 1893-01-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 3 Oesterreichifchr Wvcherrschrist Seite 49 Dr. Ferdinand Kronawetter: „Die Staatsgrundgesetze in Oesterreich und in Ungarn." 3. Discussion über „Die Zwecke und Ziele des Vereines", eingeleitet von unserem Vereinsmitgliede dem Architekten und Stadttaumeister Herrn Wilhelm Fränkel. Damen herzlich willkommen. Der Schriftführer: Dr. Alfred Skrein. Der Präsident: Arnold Marek. Wien. (Decorirung.) Dem Rechnnngsrathe im Finanzministerium, Herrn Ignaz Lasns, wurde von Seiner Majestät dem Kaiser in Anbetracht der langjährigen verdienstvollen Wirksamkeit das goldene Berdienstkreuz mit der Krone verliehen. — Aus Berlin komnrt die Meldung, daß Herr Professor Theodor Nöldeke in Straßburg, einer der Sachverständigen im Processe Rohling-Bloch, von Sr. Majestät mit dem Rothen Adlerorden dritter Classe mit der Schleife ausgezeichnet worden ist. Wien. Allerdings findet man unter Juden nicht das gleiche Elend wie unter Christen; aber die Ursache dieser Verschiedenheit ist nicht, wie die Antisemiten meinen, daß sämmtliche Juden mit Geld gespickt seien. Nein, es gibt unter uns dieselbe Armuth, wie unter den Nichtjuden; die jüdische Wohlthätigkeit läßt es jedoch nicht zum Aeußersten kommen, nicht zu jener Unversöhnlichkeit im Kampfe um das Dasein, welche zur Verthierung oder zur Verzweiflung zwingt. Der arme Jude braucht nicht mitten unter Millionen Wesen seiner Gattung in Gegenwart einer vor Ueberfluß sich langweilenden besitzenden Classe zu Grunde zu gehen, weil es ihm an Hilfe fehlt. Was die Cultusgemeinde im Großen nicht leisten kann, das thun die vielen privaten Wohlthätigkeitsvereine, jeder in seinem Kreise. Von diesen in Wien so zahlreichen jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen, feierte einer der werkthätigsten, der Verein „Obeseü schelEmes", dieser Tage das Jubiläum seines fünfundzwanzigjährigen Bestandes. Sonntag, den 15. d., um 6 Uhr Abends versammelten sich die Mitglieder desselben und zahlreiche Gäste im Tempel in der Seitenslettengasse. Nach einem Festgesang mit Orgelbegleitung, ausgeführt vom Obercantor S i n g e'r und dem Chorpersonale, hielt der Prediger Dr. Wolf eine erhebende Festrede, worauf das „Menucha-Nechonah-" und das Kadisch-Gebet als Seelen-Andacht für die verstorbenen Mitglieder folgten. Den zweiten Theil des Programmes bildeten: ein Lied, componirt vom Obercantor Singer, der 133. Psalm und zum Schluffe das „Alenu". Es war' eine wahrhaft erhebende Feier,. entsprechend dem Abschlüsse eines Vierteljahrhunderts eifrigen Wirkens dieses Humanitären Vereines. Und auch die Veranstaltung dieser Feier zeigt von dem regen Eifer seines Vorstandes, der Herren Leop. Fried, I. M i t t l e r, Mich. F l e i s ch m a n n und Siegfr. Beer für die Vereinsinteressen, und es ist im Namen der von diesem Verein unterstützten Armen in erster Linie diesem Vorstande der Dank ausgesprochen. Die Feier war von zahlreichen Gästen, worunter nebst den Vereinsmitgliedern auch Deputationen vieler humanitärer Vereine, so auch die Herren Reichsrathsabgeordneter Dr. I. S. Bloch, Baurath Stiaßny, Direktor Arnold Marek, Herr B. Kanitz Präses des Gaumel-Chesed-Vereines, Herr S. Heit und viele hervorragende Persönlichkeiten zu sehen waren, besucht. Anläßlich des 25jährigen Bestandes dieses Vereines hat der Vorstand desselben beschlossen, nachbenannte Herren, die dem Vereine stets wohlwollende Gesinnung bekundeten, zu Ehrenmitgliedern zu ernennen und ihnen die betreffenden Diplome durch' eine Deputation aus dem Vorstande überreichen zu lassen u. zw. den Herren Baron Albert Rothschild, Baron M. Königswarter, Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, Reichsraths-Abgeordneter Dr. I. S. Bloch, Ortsschulrath S. Heit, kaiserl. Rath Heinrich Klinger, S. Geiringer, Jg. Eisler, Leopold Schechter, Samuel Elias, W. Fantl und Mich. Löw, Obercantor Josef Singer. Ferner hat der Verein aus Anlaß dieser Feier namhafte Geldspenden an zahlreiche bedürftige Mitglieder vertheilen lassen. Wien. Am 8. Jänner fand im israelitischen Tempel IX., Müllnergasse, die Trauung des Frl. Pauline Wilhelm, Tochter des Sanitäts-Referenten der Oe. N.-W.-B. Herrn Dr. Wilhelm, mit Herrn Felix Heinrich Vogl statt. Das zahlreich anwesende Publicum,' unter welchen sich die Honoratioren des Bezirkes befanden, war von der edlen, modernen, zu fronlnier Andacht einladenden Architectonik des Gotteshauses angenehm überrascht, nicht minder von der sachlichen, zum Herzen dringenden Rede des Herrn Rabbiners Schorr und von der Art und Weise, in welcher der stimmbegabte Kantor Herr Kläger und der gut geschulte Chor feierlich-harmonisch ihres Amtes walteten. Wien. Ein erfreuliches Bild humanitären Wirkens bietet der soeben in Druck erschienene Rechenschaftsbericht für das Vereinsjahr 1892 des „Gegenseitigen israelit. Hilfsvereines für Handwerker und Kleingewerbetreibende in Wien". Die Leistungen dieses Vereines sind: Gewährung von Darlehen, Leichenbestattung und Witwenunterstützung, er legt aber seinen Schwerpunkt auf die practische erstere und letztere Thätigkeit, nicht wie die Leichenbestattungsvereine auf anderen Religionsgebieten, die nur um der „schönen Leich'" willen da sind, und die vielen „unterstützenden Mitglieder" dieses Vereines, unter denen sich auch einige Nichtjuden befinden, können wahrlich ihr Scherflein auf dem Altar der Menschenliebe gar nicht besser und gottesgefälliger darbringen. DieVereinsleitung,ist eine vortreffliche, so daß bei der liberalsten Handhabung der Leistungen das Vereinsvermögen doch nahezu 4000 Gulden beträgt, die in guten Papieren angelegt sind. Im eigenen Interesse der vielen jüdischen Handwerker liegt es, diesem Vereine zahlreich beizutreten, wie ein verdienstliches Werk ist, ihn durch Unterstützungen zu fördern. Mögen auch unsere reichen Glaubensgenossen diesem Verein thatkräftig unter die Arme greifen und ihn in seiner Mission unterstützen. Wien, (Kanzleieröffnung.) Dr. OscarHeim hat seine Kanzlei als Hof- und Gerichtsadvocat in Wien l., Gouzagagasse dir. 1 eröffnet. Der Name des jungen Advocaten ist unfern Lesern wohlbekannt. Schon zu einer Zeit, als in der Judenschaft eine bedauernswerte, nahezu allgemeine Indolenz herrschte, that sich Dr. Hein auf dem heißumstrittenen Bodßn seiner schlesischen Heimat zu wiederholten Malen, insbesondere durch einen von uns reproducirten offenen Brief an Schönerer und eine in diesem Blatte ausführlich besprochene Brochüre gegen den ehemaligen Reichsratsabgeordneten Türk rühmlichst hervor. Nach seiner Uebersiedlung nach Wien, schrieb Dr. Hein die bekannten publicistisch und parlamentarisch vielfach besprochenen Streitschriften gegen den Abgeordneten Schneider und als das „Vaterland" eine dieser Brochüre ein „Sammelsurium" von Erdichtungen nannte, strengte er gegen dieses Blatt einen Ehrenbeleidigungs-Proceß an, welcher nach mannigfachen Zwischenfällen mit der Verurtheilung des geklagten Journales endigte. Reichenberg. Neue Germanen. Wie wir einem Berichte des Reichenberger Schönererorgans entnehmen, hat sich am 7. d. M. in Bodenbach eine neue Ortsgruppe des an die Stelle des behördlich aufgelösten „Schülvereins für Deutsche" getretenen „Germanenbund :c." constituirt. Der Bericht erzählt von großer Begeisterung, von Glückwunsch-Telegrammen Schönerers und vieler antisemitischer Verbindungen, und zählt als in den Vorstand gewählt auf die Herren: Franz Jäger, Obmann; Otto Hörisch, Cassier; Georg Wo bst, Schriftführer; Gustav Feiler, Fritz Löffler und Walter Otto als Beisitzende. Somit wäre also dem dringendsten Bedürfnisse Bodenbachs abgeholfen. Gleichzeitig erhalten wir nachstehende Zuschrift: „Geehrter Herr Redacteur! Auf einer Geschäftsreise begriffen, passirte ich dieser Tage Bodenbach an der Elbe und hatte dort Gelegenheit, in einem Gasthause die unflüthigsten antisemitischen Redensarten einer Gestllschaft junger Leute mitanzuhören. Auf mein Befragen wurde mir mitgetheilt, daß dies die Vorstandsmitglieder des neugegründeten antisemitischen Vereines „Germanenbund" in Bodenbach an der Elbe sind, — mein Erstaunen hat aber seinen Höhepunkt erreicht, als ich weiter erfuhr, daß der Obmann dieses Vereines und dessen Stellvertreter Angestellte der bekannten Firma Jordan und Timäus in Bodenbach sind, die auch einen bedeutenden Kundenkreis unter den Juden hat. Man sagte mir wohl, daß die Chefs dieser Firma sehr achtbare und liberale Herren sein sollen, es wäre aber in diesem Falle rein nnmöglich, daß sich deren Commis herausnehmen würden, eine derartig hetzerische Thätigkeit zu entwickeln, wenn die Herren Jordan & Timaeus dies nicht dulden würden. Nach den gegebenen Verhältnissen ist man zur Annahme gezwungen, daß die genannte Firma mit dem Treiben ihrer Commis, unter denen sich besonders Jäger und Hörisch hervorthun, ideutificirt werden kann, dann darf es diese Firma nicht unterlassen, diese zwei antisemitischen Maulhelden sofort zu entlassen. Sollte dies aber nicht geschehen, dann bitte ich in einer ihrer nächsten Nummern den Sachverhalt nochmals zu erörtern