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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-20 · 3 (20.1.1893) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
3 (20.1.1893)
Date
1893-01-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 48 Oesterreichifche Wochrnptzrifi Nr. 3 an erforderlichen Geldmitteln gelangte jedoch dieser Verein bis nun zu gar keiner Thätigkeit. In jüngster Zeit wurde nun vom rührigen hiesigen — auch in Wien wegen seines Humanitären Wirkens während seines mehrjährigen dortigen Domicils und insbesondere wegen der Gründung der „Oesterreichisch-israelitischen Union", verdiente und in bester Erinnerung gebliebenen Advocaten Herrn Dr. Sigmund Zins eine Versammlung der angesehensten, fortschrittlich gesinnten hiesigen Glaubensgenossen zum Behufe der Reactivirung dieses Vereines einberufen. Die Anregung fand in den betreffenden Kreisen allgemeinen Anklang, da die Gründung eines Tempels von der hiesigen fortschrittlich gesinnten Judenschaft längst gewünscht wurde und einem wahren Bedürfnisse entspricht und es nur einer energischen Initiation bedurfte, um die schlummernden Elemente zu neuem Leben zu entfachen. Die Einqeladenen folgten auch zahlreich dem Rufe zur ersten Besprechung und zollten den kurzen und flammenden Eröffnungsworten, mit denen Dr. Zins die Nothwendigkeit, Existeuzfähigkeit und die ebenso religiöse als civilisatorische Mission eines modernen Gottesdienstes und eines Bandes, das die jüdische Jugend und Intelligenz fester an's Judenthum fesselt, nachwies, begeisterten Beifall. Es wurde sofort eine Commission eingesetzt und dieselbe mit der Sammlung von Mitgliedern und Beiträgen und allen vorbereitenden Schritten betraut. Diese Commission, als deren Obmann Dr. Zins fungirte, erledigte sich in kaum 6 Tagen ihrer Ausgabe in geradezu überraschender Weise. Sie sammelte in diesen einigen Tagen im nächsten Bekanntenkreise Beitrittserklärungen mit über circa elftausend Gulden und 25percentige sofortige ü Conto Zahlungen und veranlaßt die Vorstandsmitglieder des seinerzeit gegründeten Tempelvereines zur Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung behufs Nencoustituirung des Vereines. Diese hat am 14. d. M. stattgesnndcn und wurde sohin der in allen Kreisen der Bevölkerung gleichangesehene und mit die wiederholten bisherigen Versuche einer hiesigen Tempelgründung vielverdicnte Großindustrielle Herr Sigmund Regenftreif zum Bereinspräfidenten, Herr Dr. Zins zum Vice- Präsidenten und ein aus den besten, thatkräftigsten und opferwilligsten, verschiedenen Ständen und Gesellschastsclassen angehörenden Elementen zusammengesetzter Ausschuß gewählt, der alle Gewähr dafür bietet, daß sein ebenso energisches und zielbewußtes als maßvolles, bedachtes und auch die religiösen Gefühle der orthodoxen Partei thunlichst schonendes Wirken das begonnene, allen Radicalismus perhorrescirende und das religiöse Bewußtsein der jüdischen Intelligenz erhaltende und pflegende Werk in Bälde seiner segensreichen Verlvirklichung zuführen werde. Die Urheber desselben haben sich ein bleibendes Verdienst erworben. 8. — Breslau, 3. Jänner. Wie aus den Rathhausprotokollen zu ersehen war, feiern im kommenden Jahre 1893 folgende in unserer Mitte weilenden Glaubensgenossen ihr 50jähriges B ürgerjubiläum: Kaufmann Hermann Breslauer (31. März), Partikulier Abraham Bia l (16. Mai), Kaufmann Leo Fedor Wilhelm Beer (23. Mai), früherer Kaufmann Jacob Bend ix (30. Mai), Hausbesitzer Louis Richter (4. Juli), Rentier Jacob Cohn (25. Juli) und Kaufmann Falk Ries (13, October). Möge allen Jubilaren ein glücklicher Lebensabend beschießen sein. — Dem Universitätsprofessor der Medicin Dr. Leopold Auerbach ist der Rothe Adlerorden 4. Classe verliehen worden. Der Rechtsanwalt und Notar Julius Berger Hierselbst ist zum Justizrath ernannt worden. — In Lublinitz feiert die israelitische Gemeinde am 5. Jänner das 60jährige Bestehen ihres Beerdigungsvereines. — In den ersten Tagen des Monates Jänner feiert Herr Dr. med. Mannheimer zu Beuthen (Oberschlesien) sein 25jähriges Jubiläum als Stodtverordneten-Vorsteher. — Ebenda hielten die Rabbiner Qberschlesiens am 25. December in Beuthners Hotel eiue Conferenz ab. Oels i. Schl-, 30. December. Der Vorsteher unserer Gemeinde Herr Amtsgerichtsralh Dr. Bv rchert, ist als Landesgerichtsrath nach Neisse berufen und verläßt schon Anfangs Januar unsere Stadt. Das Scheiden dieses Mannes wird von der ganzen Stadt im höchsten Grade bedauert. Denn Herr Dr. Bvrchert gehört zu denjenigen, die hohe Begabung mit außergewöhnlicher Liebenswürdigkeit verbinden. Er bekleidete viele Ehrenämter: er war Kreistagsabgeordneter, Vorsitzender des Kriegervereines und erster Vorsteher der Gemeinde. Bei jeder öffentlichen Feier, an welcher die Notabeln der Stadt sowie auch. die Officiere theilnahmen — bei der Enthüllung von Denkmälern und der Feier des Kaisers Geburtstages im Krieger-Verein — fungirte er als Festredner und erntete Beifall. Dabei ist Herr Dr. Bvrchert Jude mit Leib und Seele. Es ist kein Wunder, daß die hiesige jüdische Gemeinde, deren Zierde er gewesen, den Schmerz seines Scheidens ganz besonders empfindet. Sie hielt es deshalb als Pflicht, ihrem langjährigen ersten Vorsteher zu Ehren ein Festessen zu veranstalten, an welchem sich sämmtliche Gemeindemitglieder betheiligten. Mainz, 6. Jänner. Der vielgeschmähte „mammonistische Geist" die „Feilheit der Gesinnung" bei den Antisemiten offenbart sich in folgendem Inserat, das wir der RiUNiner 1 des „Allg. Anz." für Druckereien (Klimsch u, Cie.) entuehnlen: Verleger gesucht! In einer Stadt von ca. 30.000 Einwohnern, in der sich nur eine einzige und zwar liberale Zeitung krincct, wird ein Verleger oder Drnckereibesitzer mit etwas Capital gesucht, der die Begründung einer antisemitischen Zeitung in's Werk üucu will miö kann. Die Stadt und Umgegend ist dieser Sache finsterst günstig gesinnt und wird Unterstützung zugesichert. Offerten unter 352 A. an die Expedition dieses Blattes erbeten. Geld kann man am Besten verdienen, tvenn man Modeartikel fabricirt und so wird sich wohl auch ein Buchdrucker „mit etwas Capital" fiuden, der dieser Gelegenheit zu liebe „überzeugter" Antisemit und über Nacht „Talinudgelehrter" wird. — Paris. Einem Interview des Ministers des Innern Lonbet mit einem Redacteur des „Petit Marseillais", worüber eine Depesche aus Marseille vom 2. Januar berichtete, entnehmen wir folgende Stelle: Ans die Frage des Journalisten: „Und Drnmont, welchen Zweck verfolgt der?" antwortete Lonbet: „Der will einfach Geld verdienen; sein Journal ist eine .;boutiqne commerciale“ und was Sie 'vielleicht überraschen wird: ein Theit seiner Redaeteure sind — Israeliten^ Aber das ist fa kein vereinzelter Fall, denn auch der „Gaulois", de'' eine ähnliche Campagne führt, ivird von einem Inden, Arthur Meyer' geleitet!" Die Angabe des Herrn Loubet ist richtig; wir hatten selbst schon Gelegenheit genommen, auf die jüdischen Mitarbeiter der antisemitischen „Libre Parole" hinzuweisen. Jerusalem. Herr Bernhard Neßler, Doctor der Chemie und Physik an der Universität Bern (Schweiz), befindet sich derzeit im heiligen Lande, als Gesandter o des berühmten Pariser Philantropen Baron Edmond de Rothschild, welcher wie allgemein bekannt sämmtliche israelitischen Colonien in Palästina, unter seinem Schutze hat, um die verschiedenen Gegenden und Grundlagen nächst den Colonien sicher zu studiren, ob solche sich zur Anlegung größerer Oel und Parfümerie-Fabriken und Raffinerien eignen. Herr Doctor Bernhard Neßler hat seine Universitätsstudien in der Schweiz unter dem Protectorate des edlen Barons gemacht, ist somit ein Günstling desselben. Auf Veranlassung des Philantropen hat Herr Dr. Neßler in vorigen Jahre praktische Studien in mehreren großen Fabriken von Grocce Cannes Nice und Marseille gemacht. Herr Dr. Neßler hat sich auf dem Gebiete der Chemie durch einige pharmaceutische Entdeckungen bekannt gemacht, über welche die chemischen Zeitungen lobenswerthe Notizen brachten. Selber entstammt einer achtbaren, israelitischen, rumänischen Familie, seine Vorstudien hat er in Rumänien gemacht In seinem Vaterlaudc sind ihm aber leider wie allen rumänischen taleutirten Israeliten alle Wege zu einer Carriere abgesperrt. VmmMer;.! E Wien. Der israelitische Wählerverein versendet die Einj ladung zu der am Samstag den 21. Jänner d. I., präcise! 8 Uhr Abends, in Khuner's Restaurant, L, Schottenring 19, stattfindenden Plenarversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag des Reichsrathsabgeordneten Herrn

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