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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-20 · 3 (20.1.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
3 (20.1.1893)
Date
1893-01-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 Oesterrerchischr Wochenschrift Sette 47 wurde mit begeistertem Eljenrufen ausgenommen. Eine aus fünf Herren bestehende Deputation, geführt von L. M. Kunewalder, wurde entsendet, um den neugewählten Präsidenten abzuholen und in die Generalversammlung zu geleiten. Beim Betreten des Saales stürmisch akklamirt, begab sich der neugewählte Präsident Sigmund Kohner auf die Estrade, woselbst er vom Vorsteher Martin Schweiger begrüßt wurde. Der Präsident antwortete mit einer bedeutsamen Ansprache, welche wiederholt vom Beifalle unterbrochen wurde. Dann schloß der Vorsitzende Schweiger mit einigen Worten die Generalversammlung, worauf Präsident Sigmund Kohner die Gratulationen der Anwesenden entgegennahm. Nikolsburg. Am 20. d. M. feierte Herr Dr. Moriz Eisler seinen siebzigsten Geburtstag. Mit voller Rüstigkeit und seltener Frische und Regsamkeit des stets schaffenden Geistes ist dieser vortreffliche Mann bis zum heutigen Tage rastlos thätig. Seine Arbeit ist seit fast 40 Jahren der Erziehung und Bildung der Jugend gewidmet, seit welcher Zeit Herr Dr. Eisler der hiesigen israel. Volksschule als Leiter vorsteht und an dem Gymnasium den Religionsunterricht ertheilt. Eine große Anzahl von Schülern in hervorragenden Lebensstellungen legt beredtes Zeugnis ab von den Leistungen des allzeit verehrten Lehrers. Dem vielfach Beschäftigten blieb noch immer Zeit genug, der exacten Wissenschaft bedeutende Beiträge zu liefern und auf philosophischem Gebiete Originelles zn produciren. Die „Vorlesungen über die jüdischen Philosophen des Mittelalters", sowie zerstreute philosophische Abhandlungen erfteuen sich bei Fachgelehrten der größten Anerkennung und gelten als Quellen zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters. Herr Dr. Eisler liebte aber allzeit nicht nur die Philosophie als Wissenschaft, sondern bewährt sie in seinem Leben, das dem Denken gewidmet ist: dem Denken über Heranbildung jüdisch erzogener Kinder und Jünglinge, dem Denken über Wohl und Wehe seiner Glaubensgenossen. Reiche und tiefe Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur unterstützte den immer weiter strebenden Mann im Wirken und Forschen, so daß sie in Bereinigung mit Philosophie die schönsten Früchte zeitigt. Herzensgüte und leutselige Freundlichkeit, ernstheiteres Wesen und jedermann gewinnendes Entgegenkommen, zieren den gelehrten Schulmann, der ob seiner Herzens- und Geistesgaben von allen Bürgern unserer Stadt geschätzt und geliebt wird. Mögen dem Siebzigjährigen an der Seite seiner trefflichen Gattin noch lange Jahre ungetrübter Lebensfreude beschieden sein und er in ungeschwächter Kraft des Geistes und des Leibes in unserer Mitte weilen und wirken. Graz. Von antisemitischer Seite wird man incht müde, im hiesigen Gemeinderathe auf Erlaß eines Schachtverbotes zu dringen. Nun sollte man wissen, daß diese Angelegenheit den deutschen Reichstag am 18. Mai 1877 eingehend beschäftigt hat. Aus den damaligen Verhandlungen, die mit einer einmüthigen Abweisung eines Schächtverbots endigten, mögen, hier nur einige Zitate folgen, aus welchen sich Jedermann, auch wenn er dem Gegenstand sonst fern steht, leicht ein selbständiges Urtheil bilden kann. Der Abgeordnete B r ö m e l, Mitglied der ad hoc gewählten Reichstags-Commission, äußerte sich damals: Wir beschränken uns hier absichtlich auf solche Hinweise, die jeder Zeitungsredaction zugänglich sind. „Meine Herren, mir ist selten ein Fall vorgekommen, wo allgemein aufgestellte Behauptungen so gründlich und schlagend widerlegt worden sind, wie die in der Petition der deutschen Thierschntzvereine aufgestellten Behauptungen, daß das jüdische Schächten in hohem Maße eine Thierquälerei enthalte. Es ist den Mitgliedern des Hauses unter anderen lehrreichen Dr ckschriften auch eine Zusammenstellung der Gutachten zugegangen, welche in dieser Frage von den hervorragendsten Autoritäten auf dem Gebiete der Beterinärwissenschaft erstattet worden sind, und aus dieser Zusammenstellung ergibt sich, daß die 55 Gutachten, welche von Professoren der Physiologie an den Universitäten Deutschlands und des Auslands und von einer Reihe anderer Autoritäten, sodann von einer Commissson des Königlich sächsischen Ministerium des Innern erstattet worden sind, — alle diese Gutachten ohne eine einzige Ausnahme erklären, daß bei dein rituellen Schächten mit irgend einem Scheine des Rechts von Thierquälerei nicht die Rede sein könne. Meine Herren, das ist doch eine so scharfe, schlagende Widerlegung der in der Commission berathenen Petition in einem wichtigen Punkte, daß, wie ich meine, wir zu dem Beschluß kommen müssen, diese Petition enthält in ihrer Gesammtheit nicht ein Material, welches als unanfechtbare zuverlässige Grundlage für einen Beschluß des Hauses angesehen werden kann." In demselben Sinne äußerten sich sämmtliche Redner, die sich an der Debatte betheiligten, mit der Ausnahme des Antisemiten Dr. Böckel, dem der Abgeordnete Dr. Windhorst damals u. a. Folgendes erwiderte: „Mnne Herren, zunächsi möchte ich jedes Mißverständniß beseitigen, als ob ich die Bestrebungen der Thierschutzvereine nicht anerkenne. Im Gegentheil ich bin ein großer Freund dieser Vereine, und das nicht allein durch Wort, sondern auch in der That. Aber das kann mich nicht hindern^ dann, wenn sie cas Maß überschritten — und das haben sie hier gethan, — ihnen entgegenzutreten. Die Thierschutzvereine werden nur dann vollen Erfolg haben, wenn sie Maß halten, — wie das überhaupt der Fall ist. Was dann die Anschauung betrifft, die der verehrte letzte Redner aussprach, kann ich mich zu derselben absolut nicht bekennen. Wenn es sich um religiöse Anschauungen handelt, die durch Jahrtausende überkommen sind, und die heilig gehalten sind von vielen unter unseren Mitbürgern, dann gebe ich der Regierung das Recht nichr, in dieselbe einzugreisen; und ich habe nicht die Meinung, daß man die religiös.n Ansichten mode'n soll nach angeblich modernen Ideen. Dem entgegenzutreten, halte ich für meine Pflicht, und deßhalb bin ich mit dem verehrten Herrn in diesem Punkte absolut nicht einverstanden. Wenn derselve nun meint, es wäre die Sache überhaupt noch nicht klar gestellt, so kann ich ihn nur bitten, daß er das ganze Material einmal prüfen möge, welches uns hier vorliegt, und das in der Commission.auch geprüft worden ist. Dasselbe stellt nach meiner Ansicht klar und bestimmt fedaß das Schächten den verpflichtenden religiösen Gebräuchen der betreffenden Religionsgenossen angehört, und mir ist gar nicht der geringste Zweifel darüber, daß wir die Gewissen vieler unserer jüdischen Mit bürger schwer verletzen würden, wenn wir in dieser Hinsicht eine Aenderung vornehmen wollten." Wir beschränken uns hier absichtlich auf solche Hinweise die jeder Zeitnngsredaction zugänglich sind. Holleschau. Der anläßlich einer rabbinischen Function hier weilende Dr. Frankl aus Kremsier besuchte in Begleitung des Obmannes Herrn Carl Beer die hiesige hebräische Schule und wohute dem Unterrichte des Oberlehrers Honig und des Rabbinats-Affessors Frankfurter bei. Die Antworten der Kinder bekundeten eine reiche Kenntniß der Bibel und des Raschi-Commentars, wie auch gründliches grammatisches Wisien, auf welche Fächer Herr Dr. Frankl beim Religionsunterrichte den Hauptwerk legt und deren Aneignung gewöhnlich als Maßstab für die allgemeinen Leistungen eines Schülers gilt. Herr Tr. Frankl; welcher während seiner 17jährigen Praxis diese Wahrnehmung gemacht, daß die aus der hiesigen Schule stammenden, mit tüchtigem hebräischen Wissen ausgestatteten Kinder fast immer Borzugsschüler sind, wünschte beim Abschied, daß dieses Criterium sich auch ferner bewähren und die Schule ein mit der Gotteslehre erfülltes Geschlecht erziehen möge. — Mit dem Baue eines neuen Tempels wird schon im Frühjahre begonnen. (Iudendeutsch.) Das von Fr. Dittes herausgegebene „Pädagogium" enthält im Decemberhefte 1892 eine Besprechung des Buches: „Allerhand Sprachdummheiten von G. Wustmann" Trotz aller Verwahrung gegen den Antisemitismus „ein ziemlich weites politisches Programm", oder besser gesagt: „Ein Topf, in den verschiedene aus unedlen und unmoralischen Trieben ableitbare Ziele kunterbunt durcheinander geworfen werden" verweilt der Referent dennoch mit sichtlichem Behagen bei den eingebürgerten Sprachfehlern als „Silberhochzeit" und „kein Aufsehens" machen, welche Wörter nach der Ansicht des Verfassers zuerst nur ein Jude kann gesprochen haben. Wie selbst die Bessergesinnten von diesem Vorurtheile nicht frei sind, mag folgender Fall beweisen: Gegen Ende des Jahres 1880 kam der Landesschulinspector N . . . nach Kremsier, um die Untersuchung gegen einen Lehrer einzuleiten, der angezeigt wurde, daß er die jüdischen Mittelschüler mit alttestamentlichen Namen auftust und sie dadurch dem Gelächter der Mitschüler preisgibt. Bei einer diesbezüglichen Unterredung mit dem Landesschulinspector bemerkte ich, daß jüngst ein Professor unter eine schriftliche Arbeit die Note „Judendeutsch" setzte. „Ich will es rügen," so meinte der Landesschulinspector, obwohl dieses Wort als die characteristische Bezeichnung für falsche Constructionen und die schlechte Anwendung gewisser Präpositionen gilt, die nur den Juden eigenthümlich ist. Der hierüber zur Rede gestellte Lehrer mußte gestehen, daß die Juden die besten Deutschen der Classe sind. Fr. Stanisla«, im Jänner 1893. (Gründung eines Tempels in Stanislau.) Bor mehreren Jahren hat sich hier ein Tempelverein constituirt, der sich die Erbauung und Erhaltung eines Tempels mit modernem Gottesdienste zum Ziele setzte. Durch die Ungunst der Verhältnisse, den inzwischen eingetretenen Tod des Präsidenten und insbesondere wegen Mangels

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