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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-20 · 3 (20.1.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
3 (20.1.1893)
Date
1893-01-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Oesterreichifche Wochrnschrist Seite 39 die sich im übrigen vollkommen als Judengemeinden fühlten, socialistische und communistische Gemeinden. Dieser unter Christi Flagge in die Welt gesetzte jüdische Sauerteig, diese stürmische und rücksichtslose Forderung nach unbedingter, auch auf das wirtschaftliche Gebiet auszudehnender Gleichberechtigung aller Menschen, das ist der Semitismus, der sich die europäische Welt erobert hat. Die meisten der Eroberten wußten gar nicht, wessen Geist sie sich gefangen gaben, denn das Christentum kam ursprünglich zu den europäischen Völkern als ein Instrument der Knechtung, und das gieng folgendermaßen zu: Nach alter arischer Auffassung sind die Menschen weit entfernt, gleichberechtigt zu sein. Bon jenen zwei wichtigsten Grundsätzen des Judenthums, daß nämlich alle Menschen einen Gott und einen Ursprung haben, wußten die arischen Völker nichts. Sie hatten nicht blos viele Götter, sondern auch viele Ursprünge der Menschen. Die Edlen unter den Ariern stammten eben von den verschiedenen Göttern und das Volk war die Heerde der Staub geborenen. Am deutlichsten ist diese Verschiedenheit der Menschen nach der ursprünglichen, arischen Auffassung bei dem im Osten zurückgebliebenen Stamme der indo-arischen Völkerfamilie, bei den Indern, ausgeprägt. Nach indischer Auffassung theilen sich die Menschen in folgende große Kasten: Tief unten ist die Kaste der Pariah's, das sind die absolut Rechtlosen. Auf dieser breiten Schichte des Elends und der vollkommenen Rechtlosigkeit baut sich eine zweite Stufe, die der Sudras auf, das sind die etwas ordinäreren Gewerbsleute. Nach ihnen kommt dann die der Kschatrias, der Krieger, und die Spitze der Pyramide bildete die Kaste der Brahmanen, der Priester. Diese Kasten entstehen aus einander. Der Pariah besitzt eine Seele, die vor ihm im Körper irgend eines Thieres gewohnt hat; die Seele des Pariah muß —nach indischer Auffassung wandert nämlich die Seele aus einem Körper in den andern Körper (das Kind ist immer eine Jncarnation eines früheren Besitzers der gleichen Seele) — zehnmal wieder in einen Pariah fahren, um dann als Lohn des zehnmaligen, tadellosen Lebenswandels geläutert aussteigen zu dürfen in den Körper eines Sudra. Zehn Generationen hindurch muß dann die Seele eines Sudra in dem Körper von Sudras weilen, bis sie so veredelt ist, um weiter aufsteigen zu dürfen u. s. w. Natürlich haben diese so fundamental verschiedenen Kasten kein gleiches Recht. Der Paria begeht ein todeswürdiges Verbrechen, wenn er in den Schatten eines Brahmanen tritt. Er wird ohne Gnade und Barmherzigkeit hingerichtet, und der Brahmane muß sich sehr umständlichen Reinigungen unterziehen, um sich von dieser Befleckung zu reinigen. Der indische Untergeordnete konnte niemals zur Vorstellung gelangen, daß er mit den höheren Wesen gleiches Recht besitze. Derselbe Kastenbegriff zeigt sich, wenn auch mit verschiedener Motivirung, in andern Ländern. Es war zwar nicht die Kastenabsonderung durch Seelenwanderung, aber doch im Wesen die gleiche Auffassung, welche sich in dem Satze ausdrückt, daß der Edeling von den Göttern abstamme und die große Masse von gemeinem Staube. Diese Anschauung war den Königen, insbesondere der germanischen Volksstämme in der Zeit der Völkerwanderung unbequem geworden, denn allerdings besaß ein König der Ostgothen oder der Vandalen die Götter zu Ahnen, die Götter der Adeligen waren aber dem Werthe nach dieselben, oft auch höhere; denn ein solcher König stammte manchmal nur von einem Gotte minderer Qualität, z. B. die Amelungen von der Freia, während die Balthen von dem obersten Gotte, von Wodan stammten, alfo von einem höheren Ursprung waren, als das Königsgeschlecht selbst. Diese Abstammungslehre wurde den Königen unbequem, und als sie im Sturme der Völkerwanderung und der dadurch hervorgerufenen Verschiebung der Machtverhältnisse sich stark genug fühlten, in diesem Punkte gründlichen Wandel eintreten zu lassen, bot ihnen das Christenthum ein ungemein bequemes Auskunftsmittel. Sie acceptirten das Christenthum wegen seiner Gotteinheit, jetzt erklärten sie: Die Macht stammt von Gott, aber ihre allern, es war ein Gott, der ihnen allein die Macht verliehen. Die anderen edlen Geschlechter verloren den göttlichen Ursprung ihrer Macht. Freilich hätten auch die Knechte nunmehr sagen können: „Wir haben auch das gleiche Recht," aber die Knechte waren so untergeordnet, daß an sie gar nicht gedacht wurde. Das erklärt auch, warum bei jenen Religionskämpfen, die zur Einführung des Christenthums führten, immer die Könige es waren, welche gegen den Widerstand der Großen das Christenthum einführten und nie umgekehrt. Daß das der innerste Kern des Semitismus sei, beweisen Ihnen die christl. und jüdische Bibel. Christus erklärt, in den Evangelien Mathäus und Markus auf die Frage, was der wesentlichste Inhalt der religiösen Gesetze sei: Es find 2 Satzungen» gegen deren Bedeutung alles Andere verschwindet. Die eine ist: „Höre Israel, ich der Ewige, dein Gott, bin der einzige Gott," und die zweite ist: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." Dieser innerste Kern unserer und der christlichen Religion war den arischen Völkern lange unbewußt, und es geschah auch sehr Vieles, um sie nicht zum Bewußtsein dieser Thatsache kommen zu lassen. Ein volles Jahrtausend blieb bei Todesstrafe die Lectüre jener Bücher verboten, die doch die einzige Grundlage aller Lehren der christlichen Kirche sind, der christliche Laie durfte weder das alte, noch das neue Testament lesen. Das nützte aber alles nichts. Dieses semitische Gift, dieser semitische Sauerteig, der hineingetragen war in die europäische Welt, wirkte unablässig fort und machte sich immer mehr Luft durch wiederholte verzweifelte Befreiungsversuche der europäischen Völker, denn alle Versuche stützten sich ausschließlich auf der Semiten Bücher, unter denen'ich nicht blos das alte Testament, sondern auch das neue verstehe, denn auch dieses wurde von Semiten geschaffen und athmet semitischen Geist. E Von den Albigenserkriegen angefangen, durch alle Reformationskriege und insbesondere in den großen englischen Befreiungskämpfen, haben immer die geknechteten Völker mit der Bibel in der Hand gegen die Berknechtungsgelüste der Unterdrücker gekämpft. Allgemach ist es gelungen, im Principe den Grundsatz zum herrschenden zu machen: „Alle Menschen sind gleichberechtigt." In der Praxis ist dieser Grundsatz nicht verwirklicht worden, und wenn wir nach meiner Ueberzeugung jetzt endlich an der Schwelle eines neuen Zeitalters stehen, welches diese Lehre zur Wahrheit machen wird, dann theilen sich in diesem Erfolge zwei Volksstämme: der semitische, der die Idee der Freiheit und Gleichberechtigung in die Welt gebracht hat, und der moderne arische, der die Mittel für die Verwirklichung der Idee endlich nach nahezu 2000 Jahren geschaffen. Wir Juden hätten niemals diese befreiende That aus eigener Kraft zuwege gebracht. Das, was wir gefordert haben, stand im Widerspruche mit den Anforderungen der Cultur und unsere Geisteskräfte waren nicht darnach geartet, die Kräfte der Natur zur Verwirklichung dieses Ideals zu benützen. Ich erlaube mir zu erklären, wie ich das verstehe. Alle menschliche Cultur hat 2 Voraussetzungen. Es muß Menschen geben, die mehr als das zur Fristung thierischer Nothdurft Erforderliche haben; denn sonst können die Künste nicht entstehen, die ja die Verkörperung des Schönen sind, nicht die Wissenschaft, die Verkörperung des Erhabenen. Es muß aber außerdem auch Menschen geben, die nicht den ganzen Tag im Schweiße ihres Angesichtes hart arbeiten; es muß neben Reichthum auch die Muße in der Welt einziehen, weil ja Kunst und Wissenschaft Nachdenken und Freiheit der Geisteskräfte und der Zeit erfordern. So lange die menschliche Arbeit bloß eine Anstrengung der Muskelkraft war, konnte der Einzelne auch bei höchster Geschicklichkeit und größtem Fleiße nicht zu Ueberfluß und Muße kommen. Deshalb war eine Jnstitutton nöthig, welche zum mindesten einzelnen Menschen ermöglichte, ohne harte Arbeit Ueberfluß zu erlangen. Derjenige, der zuerst den Gedanken faßte, den im Daseinskämpfe Besiegten nicht zu tödten, sondern zur Arbeit zu verwenden, der war der Schaffer der ersten Cultur; denn die Überschüsse dieser sclavischen Arbeit brachten den Herren Ueberfluß und Muße, die allerdings zuerst zur Befriedigung brutaler Bedürfnisse, später aber zu idealen Zwecken benützt wurden. So entstanden Kunst und Wissenschaft und so erlangten jene Völker, welche die Sclaverei kannten, die Macht über andere, und so verbreitete sich die Institution der Knechtschaft über die ganze Welt. Unser Verdienst ist es, die Ungerechtigkeit dieses Zustandes zuerst eingesehen und seine Abschaffung gefordert zu haben, aber unsere Versuche mußten scheitern. Wir wollten jedem Menschen das unverkürzbare Recht auf das Product seiner eigenen Arbeit verleihen, ohne Tribut an den Herrn des Bodens und an den Capitalisten, doch all dies bei einer so mäßigen Höhe der Arbeitsergiebigkeit, daß dieser Versuch scheitern mußte. Die arische Welt hat es verstanden, das, was ursprünglich eine wenn auch grau-

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