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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-20 · 3 (20.1.1893) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
3 (20.1.1893)
Date
1893-01-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 37 Nr. 3 Orsterreichifche Wochenschrift Das ist eine männliche Antwort auf eine bubenhafte, freche und gemeine Herausforderung. Dieser Herr Axmann fitzt auch als Gehilfen-Obmann im Gremium der Wiener Kaufmannschaft, er hat — wenn wir von seinem Chef absehen sollen — fast täglich Gelegenheit, mit ehrlichen und anständigen jüdischen Kaufleuten in Berührung zu kommen. Wenn auch angenommen werden darf, daß Hunderte seiner ungebildeten Collegen mißleitet und bethört worden sind, so gilt doch von ihm, dessen Intelligenz eine sehr bedeutende ist, genau dasselbe, was von seinen Patronen Dr. Geßmann und Schneider gilt — sein Antisemitismus ist Geschäftssache, ist für ihn das Mittel zur Erreichung einer höheren socialen Stellung. Und angesichts dieses Umstandes muß man sich mit Schrecken fragen: wohin soll es mit dem Wiener Kaufmannssiande in Zukunft kommen, wenn an der Spitze seines Nachwuchses nicht die verkörperte Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit, sondern verkörperte gewissenlose Streberei steht? Nicht in ihrem persönlichen und auch nicht im Interesse des Judenthums, sondern im Interesse des guten Rufes und des Ansehens der Wiener Kaufmannschaft ist es nothwendig, daß sich die jüdischen Chefs zu energischer Abwehr der Judenhetze innerhalb der Gehilfenschaft aufrafsen und daß alle anständigen christlichen Chefs ihnen dabei ihre Unterstützung gewähren. Das Mittel hiezu ist ein sehr einfaches — wir überlassen es jedem Einzelnen dasselbe ausfindig zu machen und zur rücksichtslosen Anwendung zu bringen. Mag der Anhang des Herrn Axmann sich auch seine materielle Existenz vom Ritter Stampiglius garantiren lassen, mag er die Wunderkrast der christlich-socialen Heilslehre voll und ganz an sich erproben. Arischer und semitischer Geist. Bortrag gehalten am 14. Jänner 1893 im Vereine „Oesterr. israel. Union" von Dr. Theodor Hertzka. Nach den schmeichelhaften und meine Bescheidenheit beschämenden Worten, die der geehrte Herr Vicepräsident gesprochen, nehme ich einigermaßen Anstand, jene Entschuldigungen vorzubringen, mit denen ich ursprünglich meinen Vortrag einzuleiten gedachte. Denn das Thema, das ich behandeln will, gehört zu den sogenannten heiklen Themen, man geht ihnen gern aus dem Wege, aber mit Unrecht. Wir haben gar keinen Grund, einer eingehenden Erörterung der Vorwürfe, die uns von unseren christlichen Mitbürgern gemacht werden, aus dem Wege zu gehen. Ich glaube, daß bei dieser Auseinandersetzung beide Theile nur gewinnen werden. Wir haben uns dessen, was wir uns gegenseitig sind, beiderseits nicht zu schämen. Eigentlich könnten wir bei etwas Eitelkeit stolz sein auf die Vorwürfe, die uns gemacht werden. Wir sollen die Weltherrschaft nicht blos anstreben, sondern eigentlich bereits erreicht haben. Da wir aber bekanntlich die europäischen Armeen nicht commandiren, _ den Richterstand nicht in unserer Hand halten, über die Gesetzgebung nicht verfügen, so bliebe uns, um die Herrschaft auszuüben, gar kein anderes Mittel, als die Macht unseres Geistes, und wenn eine verschwindende Minorität einzig kraft ihres Geistes über eine an Zahl so unendlich größere Volksmasse herrscht, so wäre das ein Zeichen ihrer Größe, ihrer Erhabenheit, wie sie in der Weltgeschichte wohl noch nie dagewesen ist. Ich brauche Ihnen nun nicht zu sagen, daß es mit dieser Herrschaft eigentlich etwas windig aussieht. Es ist nicht wahr, daß wir nur zu wünschen brauchen, um die fettesten Stellen im Staate zu erlangen; es ist sogar das Gegentheil der Fall. Damit ein Jude irgend eine Stelle, sei es im Lehramte, sei es in der Judicatur oder sonst wo, erreichen soll, muß seine Qualification zweifach und dreifach besser sein, und dann bekommt er die Stelle in der Regel erst recht nicht. Aber etwas ist an dieser, um das gebräuchliche Wort anzuwenden, Verjudung Europa's und Amerika's doch. Der semitische Geist hat in gewissem Sinne die Herrschaft über Europa und Amerika, über alle civilisirten Völker des Abendlandes erlangt; denn diese Völker sind ja Christen und das Christenthum ist ein Ausfluß des Judenthums und je reiner das Christenthum anstreten wird, je mehr es sich abklären wird auf seinen eigentlichen Inhalt, wie er von seinem Stifter gepredigt wurde, desto vollkommener tvird die Berjudung Europa's und Amerika's werden. Unsere christlichen Mitbürger haben sich über diesen Einfluß nicht sonderlich zu beklagen und sie thun es auch nicht; wir hätten vielleicht umgekehrt mehr Grund dazu, denn bei dem nunmehr nahezu 2000jährigen Zusammenleben war ja der Einfluß ein wechselseitiger und wir haben einigen Anlaß, uns darüber zu beklagen, daß die Aenderung, die mit unserem Volkscharakter vor sich gegangen ist, in nicht allen Stücken eine vortheilhafte war. Man wirft uns einen allzuweit gehenden Handelsgeist, mit dem häßlichen Worte benannt, Schachergeist, vor. Ganz und gar ungerechtfertigt ist dieser Vorwurf leider nicht, aber in unserem Volkscharakter liegt die Neigung zur Schacherei nicht. In unserem Staate besaßen wir so wenig Geschicklichkeit zum Handel, daß wir, um uns die Materialien zum Bau unseres eigenen Tempels zu beschaffen, uns an die phönicischen Kaufleute wenden mußten. Und noch in den späteren Jahrhunderten waren die Juden ein rein ackerbautreibendes Volk mit einer sehr geringen Industrie und gar keinem Handel. Wenn wir also Kauslente und zum Theil Schacherer geworden sind, so ist der Druck daran Schuld, der uns jede andere Beschäftigung abschnitt. Es ist aber trotz des nahezu 2000jährigen Druckes nicht gelungen, den Schachergeist wirklich zur charakteristischen Eigenschaft unserer Volksseele zu machen. Wir sind auch heute nicht mit Begeisterung Kauslente. Beweis dessen, daß, sowie ein Jude nur die Möglichkeit hat, dem zu entrinnen, er sein Kind mit Vorliebe höheren geistigen Bernsen widmet und zwar in viel höherem Maße, als die christlichen Mitbürger. Aber von dieser mehr nebensächlichen Einwirkung unserer arischen Mitbürger auf uns abgesehen, möchte ich Sie ans eine vielleicht tiefere Wechselwirkung zwischen arischem und semitischem Geiste aufmerksam machen. Das Verdienst des jüdischen Geistes ist es, daß der Menschheit eine Aufgabe gestellt wurde, die sie vor uns nicht kannte. Auf dem Gebiete der höheren philosophischen Speculation hat Israel unter allen Völkern das Großartigste geleistet. Alle die Nationen des Erdballes haben aus diesem Gebiete nichts aufzuweisen, was den zwei Namen Moses und Christus ebenbürtig ist. Auf anderen Gebieten aber sind wir olmmäcytig und unfruchtbar geblieben; wir Semiten und speciell wir Juden haben auf dem Gebiete der Kunst im allgemeinen wenig, aus deni Gebiete der bildenden Kunst so viel wie gar nichts geleistet. Das wäre jedoch von untergeordneter Bedeutung. So Außerordentliches wir aber aus dem Gebiete der Moral leisteten, so wenig haben wir es verstanden, den Zusammenhang der Naturkräfte tiefer zu ergründen, wir haben die Naturkräfte uns nicht dienstbar zu machen gewußt und wie die anderen Nationen unserem Moses und Christus nichts Ebenbürtiges an die Seite zu stellen vermögen, so haben wir nichts Ebenbürtiges einem Newton, einem Stephenson rc. an die Seite zu stellen und es ist eigenthümlich, daß, während man uns allgemein vorwirst, daß wir blind materiellen Dingen nachjagen, wir am dem Gebiete des höchsten Idealismus das Höchste geleistet, auf dem Gebiete des materiellen Wissens aber sehr wenig. Es ist das zum Theil ein Umstand, der in den geographischen Berhältniffen begründet ist; unsere ursprüngliche Heimat liegt in jenen milderen, von der Natur begünstigteren Landstrichen, wo das, was zur Fristung des Menschenlebens erforderlich ist, ohne harten Kampf mit der Natur zu gewinnen, und wo daher der menschliche Geist nicht genöthigt war zu jener äußersten Anstrengung, die erforderlich ist, um in kälteren, stiefmütterlich behandelten Regionen, wie es die europäischen Länder sind, das Fortkommen zu fristen. Die europäischen Völker sind durch ihre geographische Lage genöthigt gewesen, den Kamps mit der Natur energisch nnd ernsthaft aufzunehmen, und so ist es ihnen gelungen, die Herrschaft über die Natur zu erlangen und die Naturkräfte ihren Zwecken dienstbar zn machen, was uns nicht gelang. Aber dadurch allein läßt sich die Sache nicht erklären; wir leben schließlich doch geraume Zeit auch unter diesen stiefmütterlich behandelten Breiten und wir haben auf diesem Gebiete doch herzlich wenig geleistet. Erscheint also diesfalls auch eine gewisse Verschiedenheit in den Geistesanlagen zu herrschen. Wir Semiten sind geeignet für die Aufgaben der Ethik, der Philosophie, die arischen Rassen haben ein größeres Genie für die Aufgaben der Naturwissenschaften. Es scheint also, daß das Schicksal diese zwei Rassen dazu bestimmt hat, irgend einen großen Zweck mit vereinten Kräften zu erreichen. Wonach ringen wir eigentlich? Was kann die Menschheit erreichen und was will sie erreichen? Die Menschheit kämpft um ihr Glück, um ihr Wohlergehen in geistiger und physischer Beziehung. Wie steht es nun diesbezüglich? Haben wir in diesem Kampfe um die Verwirklichung des jeder menschlichen Creatur tief innewohnenden Sehnens nach Glück wesentliche Fortschritte gemacht? Biele behaupten es. Man weist hin ans die großartigen Errungenschaften der Technik, der Wissen-

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