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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-13 · 2 (13.1.1893) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
2 (13.1.1893)
Date
1893-01-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2 Orsterreichifche Wochenschrift Seite 29 Wien. (Oesterr. Israel.-Union.) Samstag, den 14. Jänner 1893, halb 8 Uhr, Vereinsversammlung im Restau- > raut Khuner, I. Schottenring 19. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Theodor Hertzka über: „Semitischer und arischer Geist". 3. Anträge und Interpellationen. Damen willkommen. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 8. Jänner 1893wurden getraut: Herr Julius Beck mit Frl. Pauline Löbl: Herr Josef Sommer mit Frl. Mathilde Knvpfelmacher; Herr Emauuet Lang mit Frl. Melanie Rosauer; Herr Max Epler mit Frl. Gabriele Sobotka. Wien. (Verlobung.) Frl. Johanna Schiller, Tochter des Herrn Cantors I. Schiller hat sich mit dem Kaufmann Herrn Hugo Brüll verlobt. Frl. Ernestine Braunstein, Tochter des verstorbenen S. Braunstein, hat hat sich mit Herrn Jacob Koller verlobt. Wien, 3. Jänner. Heute Morgens ist Herr Samuel Singer im 72. Lebensjahre gestorben. Sein Tob wird tiefe Trauer bei allen Hervorrufen, die ihn kannten. Er war Inhaber und Director einer sehr besuchten Lehr- und Erziehungsanstalt. Ein ausgezeichneter, anerkannter Schulmann, der sowohl in Prag als in Wien Jahrzehnte hindurch zum Wohle der Jugend thätig war. E. B. Wien. (Wohlthätigkeitsact.) Der Börsenrath und Cultusvorstand, Herr Salo Kohn, hat sich nach langjähriger erfolgreicher und ehrenvoller Thätigkeit vom Geschäfte zurückgezogen und hat auch gleichzeitig die zahlreichen von ihm bekleideten Ehrenstellen zurückgelegt. Wie jeden wichtigen Lebensabschnitt, so benützte Herr Kohn auch diesen zu namhaften Acten der Wohlthätigkeit, indem er für den Fond zur Unterstützung armer Börsebesucher 10.000 Gulden und für das neu zu errichtende Rabbiner-Seminar 5000 Gulden spendete. Wien. Der israel. Humanitätsverein im X. Bezirk hält Sonntag, den 15. d. M. um halb 5 Uhr nachmittags im Bethause , Kepplerplatz Nr. 1 einen Trauergottesdienst ab. Unmittelbar darauf findet die Generalversammlung des Vereines statt. ' Wien-Mariahilf. Im Nachtrage zu unserem Berichte über die Generalversammlung des isr. Tempelvereines für Mariahilf und Neubau werden wir ersucht zu constatiren, daß der Restaurateur Herr Löbl, VI. Kaserngasse 20 in dessen Localitäten die Versammlung tagte, aües aufg^boten, um die zahlreichen Gäste in jeder Weise zu befriedigen. Die Erschienenen sprachen auch einstimmig ihre Zufriedenheit aus, über das vortreffliche Menu und die gute Bedienung. Wien, 9. Jänner. Dem „Pester Lloyd" wurde telegraphisch gemeldet: Auf der Abtheilung für Hautkrankheiten der neuerbauten Poliklinik wurden gestern die Vorlesungen mit einem sehr interessanten - und wie es scheint, hochbedeutenden neuen Thema eröffnet. Dr. v. Hebra demonstrirte an einer größeren Anzahl von Kranken eine überraschende, zum Theile glänzende Heilwirkung eines von ihm und seinem Assistenten, Bezirksarmenarzt Dr. S. Kohn entdeckten neuen Heilmittels, des „Thi osinamin". Verschiedene, bis jetzt nahezu gar nicht oder nur sehr schwer ' heilbare Krankheitsformen der Haut- oder anderer Gewebssysteme, wie: Lupus, Lymphdrüseuschwellungen, die verschiedenen durch Verätzüng entstehenden Veränderungen der Speiseröhre :c. behandeln die genannten Aerzte bereits seit längerer Zeit mit Jnjectionen von Thiosinamin. Die Heilerfolge versprechen weitere glänzende Resultate. Redner hob hervor, daß das Thiosinamin kein schwer zu gewinnendes Heilmittel wie das Koch'sche Tuberkulin, sondern eine chemisch genau definirte, leicht darstellbare Substanz sei, deren Wirkung eine gleichmäßige, das Gesammtbefinden des Patienten nicht trübende sei. Wien. Sonntag, den 8. d. M., 4 Uhr nachmittags fand im Bethause VI., Stumpergasse 42, eine erhebende Trauerfeier für den verblichenen Präsidenten 'Herrn Leop. Löw-Beer statt. Unter den Anwesenden bemerkte man außer der leidtragenden Familie die Herren: Cultusvorsteher, Architekt Max Fleischer in Vertretung der Cultusgemeinde, den Vereins- Tempel-Vorsteher Herrn Hermann Liebe rman n und den Rabbiner Dr. Reich aus Baden. Der.schwarz decorirte Tempel war bis auf die letzten Plätze besetzt. Se. Ehrwürden Herr- Rabbiner Dr. S ch m i e d l hielt eine tiefempfundene Gedenkrede. E- A. Wien. (Da s S chwurg erich ts r ep erto ire für Jänner) weist eine ganze Reihe von Betrugs-, Veruntreuungs-, Nothzuchts-, Diebstahls-, Brandlegungs- und Schändungsdelicten auf. Bei keinem dieser Delicte figurirt ein Jude als Angeklagter, dagegen sind es zum Theile gute Gesinnungsgenossen der Herren Schneider, Lueger, Pattai und Lichten sie in, die auf der Anklagebank sitzen Werden. Lapieuti sat. Budapest, 7. Jänner. Baron Albert Rothschild hat während seines zweitägigen Aufenhaltes in Budapest durch die Ungarische Creditbank dem Bürgermeister 5000 fl. zur Vertheilung an die Armen der Stadt ohne Unterschied der Confession übersenden lassen. Tarnopol. Frau Helene Bach, Gattin des Herrn David Bach hat auf Veranlassung des Cultnsrathes M. Rap a Port 600 fl. verschiedenen Humanitären Instituten der israel. Cultusgemeinde gespendet. Im Namen der Armen wird hiemit der edlen Spenderin der Dank ausgesprochen. Ranten, 10. Jäuner. Zum Knabenmord. Der Ober- Staatsanwalt Hamm aus Köln und der erste Staatsanwalt Baumgard sind hier eingetroffen, um nach der Verhaftung Wesendrup's bezüglich des bekannten Kuabenmordes weitere Untersuchungen vorzunehmen. Rom. Der ehemalige italienische Finanzminister Lnzatti ist jetzt schriftstellerisch sehr thätig. In der „Nuova Antologia" hat eisoeben einen Artikel über die Gewissensfreiheit gegen den Antisemitismus veröffentlicht. Ein gewesener jüdischer Finanzminister gegen das antisemitische Treiben — das ist in der That sehr bemerkenswerth. — Jüdische Reisende dürfte es intereffiren, zu erfahren, daß hier eine ausgezeichnete jüdische Restauration zu finden ist, nämlich die desAchilleTeglio (Bia S. Lorenzo di Monti). — Große Freude bereitete hier die Nachricht, daß der ausgezeichnete Gelehrte Herr Dr. A. Berliner in Berlin, der mehrere Male hier weilte, um in den hiesigen Bibliotheken Studien zn machen, von einer längeren Krankheit wieder genesen ist. Buearest. Der König empfing den Universitäts-Professor Lazar Scheineanu in Audienz und unterhielt sich mit ihm längere Zeit über sein letztes Werk „Geschichte der rumänischen Philosophie". Professor Scheineanu's dcdactische und wissenschaftliche Werke werden von seinen Schülern sehr geschätzt. Trotzdem wurde er im Jahre 1891 mit seinem Ansuchen um Naturalisation abgewiesen. Jerusalem. Unsere Gemeinde beklagt das Hinscheiden ihres Oberrabbiners des Chacham Baschi Rafael Meir Panigel. Der Verstorbene erstellte sich als großer Talmudist eines bedeutenden Ansehens unter den jüdischen Gemeinden des Ostens und wußte durch sein conciliantes Wesen den Frieden zwischen den Aschkenasim und Sephardim zu erhalten. Auch bei den übrigen Einwohnern von Jerusalem war er eine beliebte und populäre Persönlichkeit. Der Titel „Baschi" wurde ihm von der türkischen Regierung verliehen, weil ihm richterliche Autorität in jüdischen Angelegenheiten zuerkannt wurde. In der Residenz des Oberrabbiners nahmen Prinz Georg von Wales und der verstorbene Herzog von Clarence an der Passahfeier (Sederabend) theil, als sie gelegentlich ihrer Reise im Jahre 1882 nach Jerusalem kamen. Feuilleton. Me Wienerin. Es stand fast in der Mitte der Gasse und war das größte und schönste Haus derselben, zwei Stock hoch, mit einer langen Fensterreihe in der Front, einem Spitzbogenthor und mit Quadern geplastertem Flur, einem Herrenhause gleich zwischen den ebenerdigen Häusern zu beiden Seiten. Und doch wurde dem Vorübergehenden unheimlich zu Muthe. Ohne die weißen Vorhänge vor den Fenstern, ohne den Rauch, der aus einem Schornsteine stieg, hätte man es für unbewohnt gehalten. Denn, während vor jedem anderen Hause der Gasse zu jeder Tageszeit Leben und Bewegung herrschte, Leute ein- und ausgiengen, Kinder spielten oder Geschäftswageu und Karren auf- oder abgeladen wurden, zeigte sich vor diesem großen Hause den ganzen Tag keine Menschenseele und drang auch von drinnen keine Stimme heraus, als wäre es ausgestorben und Niemand darin etwas zu suchen hätte. Ich mußte vom Schulhause aus, wo ich auch meine Wohnung hatte, und das nahezu am Ende der Gasse stand, zweimal

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