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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-13 · 2 (13.1.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
2 (13.1.1893)
Date
1893-01-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 26 Oesterreichifche WochenfrlpM Nr. 2 ohne Zustimmung der Partei in Scene setzte, sich thatsächlich als schädlich für die deutschnalionale Sache erwiesen hat, erklärt es der „Deutsche Volksverein" in Wien als eine unbedingte Nothwendigkeit, daß das „Deutsche Volksblatt" auf das Entschiedenste bekämpft werden muß. Der „Deutsche Volksverein" habe sich in seiner am 13. December 1892 stattgefundenen Hauptversammlung noch einmal veranlaßt gesehen, kundzugeben, daß er sich aus's Entschiedenste gegen das „Deutsche Volksblatt" wende. Der „Deutsche Volksverein" erwarte von seinen Mitgliedern, daß selbe nach Kräften bemüht sein werden, gegen das „Deutsche Volksblatt" stets entschieden und allerorts Stellung zu nehmen, und finde es auch überflüssig, sich in Hinkunft mit diesem Zeitungsunternehmen weiter zu befassen." — Dies die Entschließung des Vereins, an welche Schönerer folgende Bemerkung knüpft: „Mit Rücksicht auf diese Kundgebung obliegt mir als Vereins-Obmann die Pflicht, selbe nicht nur hiemit zur Kenntniß aller Bereinsmitglieder zu bringen, sondern auch darauf hinzuweisen, daß es durchaus unstatthaft erscheint, duß Parteigenossen das genannte Blatt beziehen." Lundenburg^ (Die interessanten Arier aus Lu ndenbu rg.) Wir haben in Nr. 1 dieses Blattes hingewiesen, daß wir den Ehrenantisemiten-Director unserer Bürgerschule illustriren wollen. Es widert uns an in dem ganzen Schmutze herumzuwühlen und gehört auch eine herkulische Kraft dazu, diesen Augiasstall auszumisten. Wir wollen also bloß auf das Jahr 1887 zurückgreifen, um der Welt ein Muster antisemitischer Dankbarkeit zur Nichtdarnachachtung zu liefern. Vor allem darf nicht unerwähnt bleiben, daß der Ehrenantisemit sich in den möglichst deruten Vermögens- und Wirthsschaftsverhältnissen befand und sich noch heute befindet. Oft waren die Lehrer der Anstalt bemüßigt, für den Director bei der hiesigen Sparcasse zu giriren, um ihn nicht böse zu - machen, bis die Direction dieses Institutes den Beschluß faßte, ein Lehrergiro nicht mehr anzunehmen. Es ist ja hier fast kein Geschäft, wo er nicht schuldig wäre und die Leute von der Directorin molestirt wurden. Dies zur Erläuterung des Folgenden: Am 16. Jänner 1887 veranstaltete der Lehrkörper aus Anlaß der Eröffnung des neuen Bürgerschulgebäudes eine Academie, welche einen Ertrag von 128 fl. zur Unterstützung araier, bedürftiger Schüler der Anstalt abwarf. Der Ehren-Director nahm den Betrag dem an der Cassa sitzenden Fachlehrer ab, nahm ihn an sich und machte monatelang keine Miene, Rechnung legen zu wollen, bis er vom Lehrkörper dazu aufgefordert wurde. Doch wollte er es selbst dann nicht thun, als einige Mitglieder der Gemeindevertretung deputativdarüberbeimLandesschulinspectorBeschwerdeführten,weil er es nicht imstande war. In dem Augenblicke, als der verstorbene Fachlehrer Walaschek im Begriffe stand, die gerichtliche Anzeige auf Unterschlagung zu erstatten, sprang der jüdische Fachlehrer dem Director chei und streckte ihm 60 fl. vor, um der Lehrerschaft die Schande zu ersparen. Von jetzt an war derselbe eine Citrone, welcher allmonatlich Beträge selbst bis zur Höhe von 120 fl. und darüber abgepreßt wurden. Die Lage des Direktors verschlimmerte sich, ja es kam so weit, daß eines Tages der Jude gerufen wurde und, nachdem ihm die Barschaft bestehend aus 4 kr. gewiesen, um ein Darlehen von 5 fl. gebeten ward. Der arme, sparsame Lehrer hatte sich den Betrag ausgeliehen und ihn der kranken Gattin in Gegenwart des Direktors übergeben. Als nun nach Monaten der Lehrer sein Geld verlangte, jedoch grob abgefertigt wurde, sah er sich bemüssigt, den Restbelrag einzuklagen. Jetzt fingen seine Leiden an. Der Director begann auf alle mögliche Weise ihu zu nergeln und vergaß sich so weit, den alten Lehrer als einen Wüstling hinstellen zu wollen und wer weiß, wie weit es derselbe getrieben hätte, da er auch dem k. k. Bezirksschulinspector die Ohren vollblies, wenn es Gott nicht gefügt hätte, daß der betreffende Lehrer zwei von dem Director für Geld gefälschte Zeugnisse, über welche wir nächstes Mal ausführlich berichten werden, in die Hand bekommen hätte. Er mußte vorläufig verstummen, denn aus dem Ankläger wurde ein Angeklagter. So lohnt nur ein Antisemit seinen Wohlthäter, der ihn vor der strafenden Hand der Gerechtigkeit gerettet hat. Nächstens mehr. bull. Krakan, 4.Januar. (An tisemitische Agitation). Die Clericalen haben im Lande eine antisemitische Action eingeleitet, welche ein merkwürdiges Spiegelbild der eigenthümlichen Verhältnisse und Zustände in Galizien bietet. Die große Armuth der jüdischen Bevölkerung in Galizien ließ annehmen, daß dem berüchtigten Geschäfts-Antisemitismus hier der wahre Untergrund, der gemeine Neid, fehle, und man hat die von nationalen Strebern Hierlands hervorgerufene christlich-sociale Bewegung nicht ernst genommen. Eine unleugbare Thatsache ist es, daß auch unter dem galizischen Landvolke ein großer Nothstand herrscht, an dem zum großen Theil unsere Schlachta die Schuld trägt. Dies hat Professor Graf Stanislaus Tarnowski in seiner vielbesprochenen Studie „Poreye“, in welcher er die galizische Schlachta wegen des von ihr betriebenen eigenartigen Bauernwuchers schonungslos geißelte, überzeugend nachgewiesen. Die Krakauer Reforma hat in ihrem Blatte vom 26. Oktober vorigen Jahres den Bericht eines galizischen Landtags-Abgeordneten veröffentlicht, der auf Grund persönlicher Warnehmung darlegte, daß der Nothstand, welcher die Ursache der Bauernauswanderung aus Galizien nach Amerika bildet, durch die Ausbeutung des Landvolkes seitens der Gutseigenthümer herbeigeführt wird. Statt aber den bäuerlichen Nothstand durch Anwendung rationeller Mittel zu beheben, werden nun seitens unserer Antisemiten in althergebrachter Weise die Juden für das Elend der galizischen Landbevölkerung verantwortlich.gemacht. In jedem galizischen Bezirke soll eine landwirthschaftliche Genossenschaft (Kötko rolnicze) gebildet werden, jedes Mitglied derselben soll Beiträge leisten, um in allen Dörfern christliche Geschäfte zu errichten, damit der Bauer die Lebensmittel nicht mehr bei den Juden kaufe. Die frommen Mitglieder dieser antisemitischen Genossenschaften halten auch fleißig Versammlungen ab. Auf einer solchen, die hier vorige Woche unter dem Vorsitze des Prälaten Krzemienski stattfand, hat ein bäuerlicher Redner in der heftigsten Weise gegen die Juden losgezogen, die Organisation christlicher Geschäfte in den Dörfern wurde eingehend besprochen und beschlossen. Diese Angelegenheit beschäftigt jetzt unsere Clericalen fast ausschließlich und bildet auch einen der Hauptpunkte des Programnis des bevorstehenden polnischen Katholikentages. In zahlreichen galizischen Ortschaften hat man derartige christliche Geschäfte bereits errichtet, in welchen Bauern den Verkauf besorgen, um den Juden den Handel unmöglich zu machen, während den seit 800 Jahren in Polen ansässigen „Fremdlingen" andererseits auch das Recht, sich mit Agricultur zu beschäftigen, seitens der nationalen Chauvinisten abgesprochen wird. Unbefangene Patrioten und gute Katholiken sprechen es aber offen aus, daß der von einigen Strebern in's Werk gesetzte unselige Feldzug gegen das Gros der sich kümmerlich vom Handel nährenden Juden ein Unglück für das Land sei. Statt durch Hebung der Industrie des Landes, durch Errichtung von die Landwirthschaft fördernden Fabriken dem nothleidenden Volke Arbeit zu verschaffen, sucht man unsinnigerweise den Bauer seinem eigentlichen Berufe, dem Ackerbau, zu entziehen und ihn in einen Geschäftsmann umzuwandeln, wozu er die Eignung nicht besitzt und wodurch die angeblich beabsichtigte Abhilfe des unter dem Landvolke herrschenden Nothstandes entschieden nicht heröeigeführt werden kann, während andererseits durch diese geplante Concurrenz gegen die jüdischen Kaufleute auf dem flachen Lande eine völlige Vernichtung der großen Masse der ohnehin armen galizischen Juden bewirkt werden wird. Angesichts dieser drohenden Gefahren stehen die Juden rath- und thatenlos, anstatt sich zur Abwehr zu einen, sind sie politisch zerklüftet, gespalten und zerfleischen sich noch überdies in geschäftlichem Hader. Wir besitzen keine Provinzpresse von Belang, während die hauptstädtischen Blätter auf die Juden loshauen, ob sie nun liberal oder conservativ sind. Es wäre endlich Zeit, daß die Juden sich ermannen und zu energischen Entschlüssen aufraffen. Brünn. (Antisemitisch-ho chverrätherische Geheimbündelei.) Dreizehn Zöglinge der hiesigen höheren staatlichen Gewerbeschule wurden wegen Theilnähme an einem behördlich nicht angemeldeten politischen Verein Schön erer'sch en Couleur's unter die Anklage auf Geheimbündelei gestellt. Der gedachte Verein welcher den Namen „Germania" führte und behördlich nicht vorgelegte Statuten besaß, wurde bei einer seiner Zusammenkünfte von der Gendarmerie aufgehoben. Im Disciplinarwege wurden die 13 jungen Leute von sämmtlichen staatlichen Lehranstalten in Oesterreich ausgeschlossen. Der Antisemitismus treibt immer schönere Blüthen. Wie die Alten brummen, so die Jungen summen! Wenn den Professoren ßer Antisemiten-Cultus offen gestattet wird. so darf es dann nicht befremden, wenn das Drachengift auch die empfängliche Jugend infiscirt. E. b. Protznitz. (Schulantisemitismus) Böses Beispiel verdirbt gute Sitten. Diefseitens des.hiesigen Antisemiten-Blattes m rüdester Weise inscenirte Judenhetze'hat auch in der hiesigen beut-

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