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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-01-13 · 2 (13.1.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
2 (13.1.1893)
Date
1893-01-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Oesterreichifchr Wochrnfchrist Seite 25 Im selben Hause wohnte ein jüdischer Kaufmann, Namens L. S. Fischet, dessen Frau, ein wahrer Engel, (Tochter des angesehenen Predigers I. N. Mannheimer) dafür sorgte, daß Ihr Vater bei Fischet als Geschäftsdiener ausgenommen wurde, wo er mehr als ein Jahrzehnt verblieb, bis das Geschäft durch Unglücksfälle aufgelöst wurde. Dieser, wenn auch untergeordneten Stellung Ihres Vaters — eine bessere konnte er nicht erreichen, da es ihm an der nöthigen Bildung fehlte — verdanken es Euer Hochwürden, daß er Ihnen die gelungene Erziehung geben konnte. Ja, diese Stellung ermöglichte es erst, daß er jene Frau, (wohl Ihre Stiefmutter?) mit der er jahrelang in gemeinschaftlichem Haushalte lebte, als alter Mann zum Traualtar führen konnte, womit sein sehnlichster Wunsch erfüllt war. Ich war in besserer Stellung in jenem Hause thätig, war trotz meiner damaligen Jugend Freund und Berather Ihres Vaters und mit an Verklärung grenzender Freude sprach er damals davon, wie er es. Gott und dem jüdischen Chef dankt, Ihre Mutter zum Traualtar führen zu können. Sie selbst, ich sehe Sie heute noch im Geiste vor mir, ein blondes hageres Bürschchen, haben Dank Ihrer guten Erziehung, vielleicht instinctiv erkennend, daß dieß Ihre Wohlthäter, dem Juden und der Jüdin-die Hände geküßt. Ihr seeliger Vater und auch Ihre seelige Mutter waren sronnn und von wahrer Religiosität durchtränkt. Wenn d er aufstehen würde und Euer Hochwürden und Ihr Bruder würden ihn fragen, ob es auch brave Juden gibt, so würde er Ihnen antworten müssen, daß die Juden, mit denen er zu verkehren Gelegenheit hatte, seine Wohlthäter und Freunde waren. Einer seiner besten Freunde war ich. Wenn Sie als Kind krank waren, und dieß war häufig der Fall, so wurden Sie mit dem Besten, das aus dieser jüdischen Küche kommen konnte, gestärkt und gelabt! , Sie selbst, Hochwürden, stehen dem Judenthume und den Juden viel zu ferne, als daß Sie die Gesammtheit derselben richtig beurtheilen könnten, würden sie selbe nur halbwegs so kennen, wie sie Ihr Vater gekannt, so würden Sie das Treiben dieser Antisemiten eher verdammen, als unterstützen. Nochmals um Entschuldigung bittend, finden Euer Hochwürden, falls Sie mich mit einer Antwort beehren wollen, untenstehend meine Adresse und begrüße Sie als gewesener alter Freund Ihres Vaters ganz ergebenst B. Marcus, 2. Bez., Theresiengasse 12. HürreüpvnclenLM. Wien. (Wilhelm Ritter v. Gutmann.) In der am 1. Jänner 1893 abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde wurde über Zuschrift des Herrn Wilhelm Ritter v. Gutmann, daß er seine Stelle als Präsident dieser Gemeinde niederlegt, einstimmig beschlossen: Demselben durch eine Deputation den wärmsten Dank und die vollste Anerkennung für seine hervorragenden Verdienste zum Ausdrucke zu bringen, ihm das lebhafteste Bedauern über seine Resignation auszusprechen und an ihn die Bitte zu stellen, die Demission zurücknehmen zu wollen. Tags darauf begab sich die Deputation zu Herrn von Gutmann und entledigte sich ihrer Mission in den beredtesten Worten. Herr v. Gutmann dankte für die freundliche Anerkennung, die ihm volle Befriedigung für seine der hiesigen Cultusgemeinde gewidmete Thätigkeit gewährt und in welcher er einen Beweis für das stets gute Einvernehmen erblickt. Seine Demission könne er aus vielfachen Gründen nicht zurücknehmen, doch will er als Vorstandsmitglied seine sich gesteckten Ziele im Auge behalten und weiter verfolgen. Die Mittheilung, daß Herr v. Gutmann im Verbände des Cultusvorstandes verbleibt, wirkte erfreulich auf die Mitglieder der Deputation. In der am 8. Jänner d. I. stattgehabten Plenarsitzung wurde hierüber Bericht erstattet und der Entschluß des Herrn Wilhelm v. Gutmann, seine Thätigkeit dem Cultusvorstande auch fernerhin zu widmen, mit großem Beifall entgegengenommen. Wien. Man schreibt uns aus Paris: Unser Glaubensgenosse, der Director der Sternwarte in Paris, Herr L ö w i, ein geborener Wiener, dessen wissenschaftliche Kraft man in Oesterreich zu verwenden verschmäht hat, ist zum Vicepräsidenten der Academie der Wissenschaften ernannt worden. M. Leonce Lehmann, ein sehr geachtetes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Paris, starb hier am 27. December. M. Lehmann war Advocat am Verwaltungsgerichtshof und am Cassationshof, sowie Mitglied des Advocaten-Ausschusses bei diesem Gerichtshöfe. Er war Vertreter von Constantine im Central-Consistorium von Frankreich und betheiligte sich auch activ an den Arbeiten des Executiv - Comite's der „Alliance israelite", deren Honorar - Secretär er war. M. Lehmann war Chevalier der Ehrenlegion und vormals Secretär des verewigten Adolphe Cremieux zur Zeit als derselbe unter der dritten Republik Justizminister war. Wien. Einen neuen Beweis „nnpatriotischer Gesinnung der Juden" findet das biedere „Deutsche Volksblatt" vom 10. Jänner in der Thatsache, daß „in den Organen des Berliner Judenthums nachdrücklich für ein Compromiß in der Militärvorlage Stimmung gemacht wird", um einen Conflict zwischen der Krone und dem Parlament anszuweichen. „Da sich vor der Macht des jüdischen Geldes auch Republikaner und Demokraten beugen, so wird die deutschsreisinnige Partei in Berlin sich dem jüdischen Commando fügen müssen." „Es bestätigt sich auf's Neue, daß die jüdische Sonderpolitik ausschließlich eigene Interessen vertritt, selbst wenn dadurch jene Parteien, die sonst größtmögliche Judensrenndschast bekundeten, zersetzt und vollends corrumpirt werden. Das „Ferment der Decomposition" kann sein Wesen niemals verleugnen, auch nicht gegenüber seinen Freunden und Parteigenossen." Würden die „Organe des Berliner Jndenthums" gegen einen solchen Ausgleich „Stimmung machen", so wäre das nicht minder ein Beweis der „Vaterlandslosigkeit" und unpatriotischen Gesinnung. Patriot ist blos der, welcher bei Schönerer bettelt und einen Spiegelhaken von ihm empfohlen erhält. Wien. — Unterrichtsminister Dr. v. Gautsch hat am 2. d. M., betreffend das fiir das Amt eines Rabbiners in Schlesien erforderliche Maß allgemeiner Bildung, Folgendes verordnet: § 1. Die Candidaten für das Amt eines Rabbiners in Schlesien haben in Beziehung auf ihre allgemeine Bildung nachzuweisen, daß sie zum mindesten das Ober-Gymnasium v ollständig mit gutem Erfolge zurückgelegt haben. § 2. Den gegenwärtig in Schlesien fungirenden Rabbinern, welche als solche bereits vor dem 15. April 1890 bestellt waren und deren Bestellung in der Eigenschaft als Rabbiner der staatlichen Cultusbehörde zur Kenntniß gebracht und von dieser Behörde ohne Einsprache zur Kenntniß genommen wurde, wird die erwähnte Nachweisung erlassen. 8 3. Dagegen haben alle übrigen egenwärtig angestellten Cultus-Functionäre, welche, sei es unter em Titel von Rabbinern, sei es unter was immer für anderen Titeln, selbstständig Rabbinats-Functionen ausüben — im Falle sie als Rabbiner in Schlesien weiter sungiren wollen — binnen sechs M onaten vom Tage der Kundmachung der vorliegenden Verordnung im Landesgesetzblatte für Schlesien die oberwähnte Nachweisnng über die erlangte allgemeine Bildung beizubringen, es sei denn, daß ihnen über ihr diesbezügliches Einschreiten diese Nachweisung im Sinne des nächstfolgenden Paragraphen erlassen wird. § 4. Der k. k. Landes-Präsident für Schlesien wird hiemit bis auf Weiteres ermächtigt, den Rabbinats-Candidaten in Schlesien behufs ihrer Anstellung als Rabbiner daselbst in vorkommenden rücksichtswürdigen Fällen die nach Maßgabe der gegenwärtigen Verordnung vorgeschriebene Nachweisung über die erlangte allgemeine Bildung im Namen des Ministers für Cultus und Unterricht zu erlassen." Wie», 7. Jänner. Schönerer und Vergani. Herr- Georg Schönerer hat an die Parteigenossen ein Schreiben folgenden Inhalts gerichtet: „Der antisemitische Volksverein" in Wien habe bereits am 22. December 1890 folgenden Beschluß gefaßt: „Im Hinblicke daraus, daß die Haltung des „Deutschen Volksblatt", unter der Herausgeberschaft des aus der Deutschnationalen Partei ausgeschlossenen Ernst Vergani, der die Gründung dieses Blattes seinerzeit in nicht zu rechtfertigender Weise

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