Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 2 (13.1.1893)
- Date
- 1893-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 24 Orsterrenhifche „MWHeilungen" des Abwehr- Vereines in Berlin. Sauitätsrath Dr. Conrad Küster schreibt in der von ihm herausgegebenen „Mg. D. Universitäts-Ztg.": „ * , . Aber Zeit ist es, daß wir die gegenwärtigen unsittlichen Strömungen mit sester Hand beseitigen, ehe sie alles versumpfen. Bor allen Dingen müssen wir dafür einstehen, daß nur sachlich, nicht persönlich gegen die wirklich bestehenden Schäden vorgegangen wird und daß nicht einzig und allein bestimmte Theile unserer Mitbürger dafür verantwortlich gemacht werden. Eine gewiffe angeborene oder vielmehr von Kindheit auf großgezogene Abneigung gegen die Juden hat einen großen Theil der anständig und edel denkenden Deutschen dazu verführt, gegen die verleumderischen Hetzereien zweifelhafter, neidischer Elemente gleichgiltig sich zu verhalten oder sogar eine innere verschämte Freude darüber zu haben. Es ist traurig, daß sie erst, nachdem sie selbst von diesen zweifelhaften Elementen mit Koth beworfen worden, anfangen, die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen. Wenn es nicht so ernst wäre, würde es zum Lachen sein, daß unser stramm antisemitisches Offiziersrorps und unsere wenigstens stark mit waschechten Antisemiten untermischten Richter von den Antisemiten beschimpft werden. Die gute Lehre empfangen sie, daß man, was schlecht und unsittlich ist, und was die Allgemeinheit stört, stets bekämpfen und nicht so lange warten soll, bis man selbst beworfen wird." Gegen die Ahlwardt-Büsteu entrüstet sich das Hamburger Anttsemitenblättchen, indem es schreibt: „Wir glauben kaum, daß die Herstellung solcher Büsten dem Kopfe eines Antisemiien entsprungen ist, vermuthen vielmehr, daß sie nur das Unternehmen eines recht pfiffig sein wollenden Geschäftsmannes darstellt. Ein wirklicher Gesinnungsgenosse müßte wissen, daß für solche, einen übertriebenen Personencultus dienenden Dinge innerhalb unserer Reihen nur ein sehr geringer Absatz zu erwarten ist. Gerade im Interesse Ahlwardt's, dessen Bedeutung wir im vollsten Maße anerkennen, müssen wir gegen solche Unternehmungen protestiren, welche nur dem Ansehen des muthvollen, aber ebenso bescheidenen Mannes schaden können. Oder sollten es gar Gegner mit solchem Manöver versuchen, uns und unserer Sache eins zu versetzen? Das wäre gar nicht so undenkbar!" Das könnte stimmen. Am Ende hat die „Alliance israelite-1 die Hand im Spiele. Das Schönste an der Sache ist aber, daß das Blatt, welches den Mund so voll nimmt, im Jnseratentheile derselben Nummer eine Annonce bringt, worin dieAhlwardt-Büsten zum Verkauf an geboten werden. Ob Christian oder Jtzig, Das Geschäft bringt's mal so mit sich! Das Gebet eines Antisemiten. In der „Wests. Reform", deren Redaction der Rector aller Deutschen nach seiner Entlassung aus dem Gefängniß übernimmt, stammelt ein Verehrer des armen Märtyrers folgendes Gebet: „In diesen nun heute so schweren, obgleich auch so ruhmvollen Tagen Wie könnt' ich, wie dürft' ich Herrn Ahlwardt mein pflichtbewußt' Beileid versagen?" Sein Eindruck ist — hüben wie drüben — von solcher Gesammt- und Total-Art: Mir kommt's unwillkürlich zu beten: „Gott schütze und segne Herrn Ahlwardt!" Hörde, 23. December 1892. Wilh. Wenzel. Aus Leipzig wird unter dem 1. Jänner geschrieben: „Vor einigen Tagen gelang es der hiesigen Polizei, ein sogenanntes 'Absteigequartier aufzuheben, in dem w'ohlsituirte junge und alte Lebemänner ihre Orgien feierten. Durch Verrath der Wirthin ist es dann der Polizei gelungen, noch weitere vierzehn Absteigequartiere derselben Art zu entdecken und gleichfalls aufzubeben. Auf diese Weise ist eine große Zahl geachteter Bürgerfamilien in kaum glaublicher Weise blosgestellt worden, denn die betheiligten „Damen" sind keineswegs Prostituirte. sondern Frauen und Töchter achtbarer Bürger. Mehrere von den betheiligten Personen sind bereits verhaftet worden, so die Frau eines biederen Handwerkers, die um des Geldes willen ihre zwei Töchter der Schande preisgab. Ein großer, Aufsehen erregender Sittlichkeitsproceß wird demnächst diesen unsittlichen Enthüllungen folgen." Wochenschrift Nr. 2 Ein ähnlicher Scandal hat sich schon vor kurzer Zeit dort ereignet. Damals betheiligten sich ausgesprochene Antisemiten (wenn auch nicht gerade Mitglieder antisemitischer Vereine) an den Orgien. Jedenfalls waren es iü beiden Fällen Arier und Germane n. Wären es Juden, dann würde die antisemitische Presse nicht verfehlt haben, darauf hinzuweisen, wie sich die Sittenlosigkeit der jüdischen Rasse wieder einmal gezeigt habe.' Auch Einer. Verehrliche Redaction! Während es mir früher öfter gegönnt war, bei Ihnen vorzukommen, war dies leider durch anderweitige Hindernisse seit längerer Zeit nicht möglich. Ein Vorkommniß in letzterer Zeit drückt mir wieder die Feder in die Hand. Ihnen, der Sie stets auf der Wacht unsere Gegner zu bekämpfen, dürfte der Name „Pater Stauracz" nicht unbekannt sein. Dieser „Pater Stauracz", der sich in den letztjährigen Wahlcampagnen stets in der vordersten Reihe unserer Gegner bewegte, blieb durch einige Jahre stille, bis er vorige Woche Arm in Arm mit meinem gewesenen Hausherrn, dem Prinzen Alois Lichtenstein wieder in den Vordergrund ttat, um mit diesem sein „Kauft nur bei Christen" in die Welt hinauszurufen. Einer unserer populärsten Wiener Dichter Anton Langer gebrauchte stets, wenn ihm etwas zu „dumm" vorkam, den Ausspruch „Daß ich nicht lach'". An Anton Langer erinnere ich mich stets, wenn ich Pater Stauracz ausrufen höre: „Kauft nur bei Christen." Weder er noch sein seliger Vater hatten je Gelegenheit, weder bei Christen noch bei „Juden" etwas zu kaufen, denn meines Wissens wurde die Garderobe des alten Stauracz, wie auch des Herrn „Pater", nunmehrigen „Kirchenverwalter", ans den abgelegten Kleidern der Familie des seligen Predigers der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Jsak Noa Mannheimer und von den jüdischen Angestellten im Hause Fis chel bestritten. Zur Bekräftigung dieser meiner Behauptung, lege ich Ihnen anbei die Copie eines Schreibens bei, welches ich „recommandirt" dem Herrn Pater während seiner Hetzarbeit vor drei Jahren zusandte. Eine Zeit lang darauf blieb er mäuschenstille. Herrn Franz Stauracz, Weltpriester Wien, April 1889. Euer Hoch würden! Entschuldigen Sie, wenn ich mir erlaube, an Euer Hochwürden die vorliegenden Zeilen zu richten. Ich lese in neuerer Zeit, sowohl Ihren Namen, als auch den Namen Ihres Herrn Bruders Ludwig, wie Sie miteinstimmen in das Donnerwetter gegen Juden und die Judenpresse. Gestern sagten Sie in einer öffentlichen Versammlung, die Judenpresse verunglimpft den geistlichen Stand, wo und wann haben Sie Aehuliches in der sogenannten Wiener Judenpresse gelesen? Doch ich bin nicht dazu berufen, die Judenpresse zu verteidigen. Diese gebietet über weit bessere Federn, als jene ist, die mir zu Gebote steht. Wenn man Euer Hochwürden aber interpelliren würde, was Ihnen die Juden als solche gethan haben, Sie wüßten wohl keine Antwort darauf. Ich will Ihnen hier eine kleine und wahre Reminiszenz erzählen, die es Euer Hochwürden beweisen dürfte, daß Sie am Allerwenigsten Ursache haben, den Juden feindselig entgegen zu treten. Vor ungefähr 35 Jahren kam Ihr seeliger Herr Vater, als müder, ausgedienter Soldat nach Wien, er war weder der deutschen Sprache ganz mächtig, noch hatte er die geringste Bildung, war aber ein äußerst braver und religiöser Mann. Nachdem er keine andere Beschäftigung fand, mußte er sich bei den Wasserwagen der Commune (Ihnen sind die alten Vehikel unbekannt) als Schlauchschleuderer verdingen, eine harte Arbeit, für die er eine Tages-Entlöhnung von 30 Kreuzer, sageDreißig Kreuzer C. M. erhielt; stellen Sie sich den alten Mann bei 30 Grad Hitze einmal vor! Er wurde von der Arbeit krank. Sie wohnten damals 1, Currentgasse, jetzige Nr. 7 in einer elenden Kammer, Ihr Vater war dort Hausmeister.