Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 2 (13.1.1893)
- Date
- 1893-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Oesterreichische Wochenschrift Seite 21 schlagen hat, wenn die liberale Partei die Wichtigkeit des Momentes und jene Grundsätze des Freisinns, der Humanität und bei Toleranz wieder bethätigt, welche ihr einst zu Glanz und Macht verholsen haben. Mit geballter Faust soll Herr v. Plener eingeschüchtert werden, das Programm des Ministeriums Taaffe anzunehmen, und man eröffnet ihm zu diesen! Zwecke die schreckliche Aussicht, daß sein Name in Zukunft nur noch in einem Athem mit den Verderbern der Menschheit, mit den Namen eines — Krönaw etter, Rothschild, Guttman und Rabbi Bloch genannt werden wird. — eine Drohung, die, seitdem ein Abt des Benedictiner-Stiftes von Marienberg zum „Rabbi Treuinsels", der greise Cardinal- Fürsterzbischof von Wien zum „Judenknecht" gestempelt wurden, ihren ehemaligen Schrecken einigermaßen bereits eingebüßt haben mag! Wir verstehen voll' und ganz die Angst der kläffenden Meute, die sich vor dem Maulkorb und der Peitsche fürchtet. Wir begreifen auch, daß alle bestialischen Jnstincte in Aufruhr kommen, angesichls der drohenden Schmälerung des bisherigen köstlichen Hundefutters. Für die Herren stehen große Interessen, steht die Existenz auf dem Spiele, und um dieser Gefahr zu entgehen steckt der Rudel die Köpfe zusammen und heult mit rührender Uebereinstimmung. Das „Deutsche Volksblatt" und die „Politische Fragmente", die sich sonst nicht allzu freundlich vertragen, haben sich diesmal gesunden, aber die Verschiedenheit ihrer Natur kommt auch in der Verschiedenheit ihrer Argumente zum Ausdruck. Die „Politischen Fragmente" sind wüthend darüber, daß wir unsere Aufforderung nicht blos an die liberale Partei, sondern auch an. die Conservativen gerichtet und betont haben, die Letzteren könnten den Antisemitismus wirksamer bekämpfen, als die Liberalen, und sie rufen die alpenländischen Bauern gegen den Frevel auf, den wir ihnen zumuthen. Man wird abwarten müssen, ob die alpenländischen Bauern sich ihr Christenthum lieber von den „politischen Fragmenten", als von ihren Abgeordneten auslegen lassen. Die Zeichen mehren sich, daß die katholischen Conservativen den antichristlichen Character der sogenannten „christlich-socialen" Bewegung zu erkennen beginnen. Nicht ohne Grund hat „das Organ der Bischöfe" — um ein Wort der „politischen Fragmente" zu gebrauchen — „sein philosemitisches Herz entdeckt." Nicht die Liebe zu den Juden ist es, welche die Bischöfe zwingt, sich der „christlich-socialen" Bewegung entgegenzustellen, sondern die Sorge für ihre eigene, schwer bedrohte christliche Autorität, die Erkenntntß, daß der Antisemitismus die Grundlage des Christenthums selbst erschüttert und untergräbt. „Die Scheidung der Geister", welche sich im conservativen Lager vollzieht, hat des Anstoßes von jüdischer Seite nicht bedurft. Die Kirche ist zur Einsicht gelangt, daß der Antisemitismus anarchistische Ziele verfolgt und jene Staats¬ und Gesellschaftsordnung gefährdet, welche nach ihrer Lehre göttlichen Ursprungs ist. Vielfach befindet sich der junge Clerus in heller Auflehnung gegen das Gebot der canonischen Obedienz und die Bischöfe sehen, wie der Satz: „exiseoxus imxei'at" Tag für Tag an Geltung verliert. Pan Verganiw hat seiner Sache einen schlechten Dienst erwiese^ als er am Sylvestertage jenen Brief eines katholischen Pfarrers veröffentlichte, in welchem derselbe erklärte, der „ehrlich und offen kämpfende Theil des Clerus schwärme für die christlich-sociale Bewegung und man müsse Gott und seinem Gewissen mehr folgen, als den Hofbischöfen." Allerdings, der Lapsus, den Pan Verganiw mit dem Abdrucke dieses Briefes begangen hat, erklärt sich durch seinen besonderen Stairdpunkt in diesem Streite. Für ihn, den großen Corruptionstödter, kommt bei alledem nur die geschäftliche Seite in Frage, und auch unser Artikel habe ihm darum nur die Ueberzeugung beigebracht, daß auch die B, Heiligung am politischen Leben für den Juden „nur ein Geschäft" bedeutet. Was, alter Schwede! Die Natur dieses seltenen Ehrenmannes verleugnet sich in dem kritischesten Augenblicke nicht, er bleibt auch dann der „Cato von Eisen", wenn ihm nicht Herr Georg Schönerer, sondern der Rabbi Bloch gegenübersteht. Der unbestechliche Charakter Pan Verganiw's bäumt sich in tiefer sittlicher Entrüstung dagegen auf, daß die Juden aus der gegenwärtigen politischen Situation einen Vortheil ziehen wollen und er wirst ihnen vor, daß sie ein politisches „Geschäft" machen wollen. Und Pan Verganiw muß das wissen, denn er ist wohl erfahren in politischen Geschäften, er ist ein Großhändler mit politischen Gesinnungen und Ueberzeugungen, er kann sich auf seine eigene erfolgreiche geschäftliche Vergangenheit berufen. Seine Handelscorrespondenz ist ja gedruckt worden, Herr Schönerer har sie der Oeffentlichkeit übergeben. Wir wissen, daß er vor diesen Urzeuger der antisemitischen Bewegung winselnd auf den Knien gelegen ist, daß er die erbarmungswürdigsten Bettelbriefe an ihn gerichtet hat, daß er, sich für das kleinste Almosen des Schloßherrn von Rosenau dankbar zu erweisen, ganz Oesterreich und Alles, was dem Oesterreicher heilig ist, zu verrathen, versprach. Erft als er von dem Unerbittlichen die wohlwollende Mahnung erhielt, sich an seinem Spiegelhaken aufzuhängen, damit diese ehrenvolle Procedur nicht von fremder Hand an ihm vollzogen werde, hat der geiumungs tüchtige Mann in seinem Blatte den Kamps gegen Schönerer eröffnet. Wir wissen ferner, daß Pan Verganiw einen von Herrn Pattei den Armen überwiesenen Betrag seiner eigenen Tasche zuführte. Als Strafe dafür, daß Pattai die antiösterreichischen und antidinastischen Tendenzen dieses Organes in gehörige Beleuchtung gebracht. Bald erforderte es das Geschäft, daß die Herren sich versöhnen und „in den Armen lagen sich beide und weinten vor Schmerz und vor Freude". Wir wissen, daß Ernst Verganiw sein Blatt zu einer Metze genracht hat, die sich dem Meistbietenden hingab und daß er seine Partei zu einem Sammelpunkte der politischen Deminronde gestaltete, einer Bande von Glücks- und Stellungsjägern, von in- und auswendigen Haderlumpen, die sich an der Judenhetze und den reichen Subsidien für dieselbe nährten. In derselben Nummer, in welcher er den Juden den Vorwurf politischen Geschäftssinnes macht, findet sich eine Rede seines Brotgebers, des Prinzen Liechtenstein citirt, in welcher derselbe für ein Zusammenwirken d r heterogensten Elemente, der Conservativen,Deutschnationalen und Anli.sem iten eintritt, d. h. die Preisgebung der eigenen Grundsätze predigt. Und noch ist in frischer Erinnerung die Agitationsreise, welche Ritter Stampiglius nach Prag unternahm, um die Verbrüderung der Antisemiten mitdenJungczechen anzubahnen, noch gedenkt man des Besuches Ahlwardt's in Wien, bei welchem im Interesse der deutschen Agrarier gegen die Handelsverträge Stimmung gemacht werden sollte. Und mehrnoch!Jahrelanghabendie Antisemiten,hatLuegerim Parlament gegen den Dreibund und den Dualismus gezetert. Man hat gegen Deutschland und Italien gehetzt, man hat die ungarischen Rumänen nach Wien geführt, um gegen die Ungarn zu demonstriren und noch in der jüngsten Nummer seines „Oesterreichischen Volksfreund" bringt Herr P s e n n e r, der ehemalige, antisemitische Reichsrathscandidat für die Innere Stadt, einen Artikel, in welchem Oesterreich als die „Dreibundswurzen" bezeichnet wird. In den letzten Tagen aber hat die antisemitische Partei auch in diesen beiden Punkten eine radikale Schwenkung vollbracht, Herr Pattai ist im katholisch-politischen Casino in der Leopoldstadt für den Dreibund und für den Dualismus eingetreten und Prinz Liechten st e i n ist ein begeisterter Lobredner des ungarischen Ausgleiches geworden. Die antisemitische Partei ist eine politische Prostituirte und Pan Verganiw unterhält ein polnisches Lustanar. Und dieser Mensch wirft den Juden vor, daß sie politische Geschäfte machen wollen > Er, der polnische Renegat, hält sich darüber aus, daß sich eine deutsch nennende Partei von einem dem Polen-Club angehörenden Juden die Wege weisen lassen soll? Was sind die Antisemistlinge anders als eine internationale Bande von Sttauchrittern? Unterhalten sie nicht intime Beziehungen zu den französischen Genossen? Der famose Marquis