Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1 (6.1.1893)
- Date
- 1893-01-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- Elijah 1× ep/1004307
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Seite 14 Orsterreichische Wochenschrift_Nr. 1 sobald die Sterne sich am Himmel zeigen, in das Haus des Rabbi zu kommen. Und als Elijah wieder allein war, warf er sich auf sein Angesicht und dankte Gott von Neuem für seine barmherzige Hilfe, mit der er ihm. den Schwachen, beigestanden. Am Abend führte ihn der Rabbi auf das Dach seines Hauses und zeigte ihm den Himmel und das Heer der Sterne, eicklärte den Gang und den Wechsel der Zeiten und als Elijah, hingeriffen von so viel Größe, Majestät, Weisheit und Macht, nach jenen Dingen fragte, die verborgen bleiben hinter dem Glanze der gewaltigen Tiefe, da gönnte ihm der Rabbi einen einzigen Blick in die Welt des Verborgenen, dann aber sagte er: „Nicht weiter!" Da fragte Elijah: „Rabbi, woher kommt die Sehnsucht der Seele, das zu schauen, wofür ihr hier auf Erden so enge Grenzen gezogen, die nur für wenige Auserwählte keine sind?" „Daher, mein Sohn, weil uns zwei Aufgaben wurden, für!s Leben. Wir sollen unsere Seele sättigen mit Erkenntnis, aber wir sollen auf der Erde leben, unser Geschlecht fortzupflanzen und die Freuden dieser Welt genießen nach dem Willen des Herrn. Und dies unser Irdisches wird der Seele ein Hindernis, das Himmlische frei zu durchdringen könnte ein Sterblicher sich rein halten von irdischem Begehren; er würde Gott schauen." Weiter wagte Elijah nicht zu. fragen, sondern behielt die Worte in seinem Herzen ohne zu bemerken, daß er hier zum dritten Male versucht wurde. Von diesem Tage an war er der Lieblingsjünger deZ Meisters und nach Verlauf der drei Jahre erklärte dieser feierlich, daß Elijah ben Meir nunmehr Rabbi Elijah heiße, und eine große Schaar von Freunden und Bewunderern folgte ihm in die Heimat. Chajim Hakulha und sein ganzes Haus kam ihm entgegen, das Schafar wurde geblasen, Jünglinge und Jungfrauen empfingen ihn mit Flötenspiel und Paukenklang — bald führte ihm der Vater die verschleierte Braut entgegen, bald standen sie neben der Chuppe vereint. Die Ringe wurden gewechselt, das Glas wurde zerbrochen und Elijah's Eltern segneten die Stunde, da er ausgezogen. Als die fröhliche Hochzeitsschaar das Haus der Neuvermählten erreicht hatte, gelang es Elijah sich für einen Augenblick aus ihrer Mitte zu stehlen. Rasch begab er sich in einen kleinen Hain, der hinter dem Hause lag, hier demüthigte er sich vor Gott und betete: „Allmächttger, barmherziger Gott, ehe ich mein-Weib umarme und werde wie andere Sterbliche, bitte ich Dich, senke Deine Gnade auf mich herab und laß mich nur einen Schimmer des Höchsten schauen oder einen Ton aus Deiner Ewigkeit hören. Allmächtiger, der Du da löschest den Durst der Thiere des Waldes, habe doch Mitleid mit dem Durst meiner Seele, die nach Dir und Deiner Herrlichkeit schmachtet und laß einen Tropfen auf mich niederträufeln, selbst auf die Gefahr hin, daß mir dann davon nicht wird, wenn ich einstens nach Deinem Willen abgerufen werde von dieser Erde!—" Da hörte er über seinem Haupte einen Vogel singen. Es klang süß flötend und zwitschernd, wie anderer Vogelfang und dennoch wie wunderbar, wie ganz anders! Ein Ton wurde hörbar, bei dem däuchte es Elija als erhöbe es ihn über eine Wolke und die schien ihm eine der sieben Sephiros, die einstens im Werden der Zeiten ausströmten von Ihm, dem Einzigen, dem Urgeist, Metation um zu werden zu sieben Welten voll Lust und Weh. Und wieder drang ein Ton zu ihm, durch den glaubte Elijah einen zweiten zu hören und. in ihm jenen Lobgesang den die Engel anstimmten, Ihm selbst, Gott Zebaoth, als die Schöpfung vollbracht war. All dies hörte er und durch jene beiden Melodien noch viele andere, unaussprechliche. Da endlich verstummte der Gesang. Noch einen Augenblick lauschte der Beglückte, dann aber sprach er: „Herr, ich danke Dir, Du hast meine Seele gesättigt. Er wollte zurüh zu seiner Braut, da starrte ihm tiefe Stille und Finsterniß entgegen, er dachte an einen Scherz der Mutswilligen Freunde, klopfte an die Thür des Hauses — Niemand antwortete. Doch glaubte er ihr geheimes Lachen zu vernehmen, daß es ihnen gelungen, ihm dem Bräutigam, einen Streich zu spielen, dann klopfte er stärker. Da fragte eine fremde Stimme von innen: „Wer ist da?" „Ich bin's," antwortete Elijah, laßt mich ein zu meiner Braut." „In diesem Hause ist keine Braut, Fremdling," antwortete die Stimme, „störe nicht die Nachtruhe der Schlummernden!" Jetzt erst bemerkte Elijah, daß er sich wirklich im Hause geirrt, was ihm höchst seltsam vorkam, und suchte nun sein Haus, konnte es aber nicht finden. Der Morgen brach an und geängstigt und aufgeregt über sein fruchtloses Suchen und den fremdartigen Anblick, den ihm sein Geburtsort gewährte, ging er in die Synagoge. Als er aber auch hier lauter fremde Gesichter erblickte, brach er in Thränen aus und rief laut die Namen seiner Eltern. Niemand antwortete, entsetzt und verwundert war jedes Auge auf ihn gerichtet, — da wankte ein steinalter Greis auf ihn zu und sagte: „Wer ruft da die Freunde meiner Jugend?" „Ich bin's, kennt Ihr mich? Gestern wurde ich getraut. Wo ist meine Braut, wo meine Familie, die Freunde? Wo ist mein Haus?" „Wie hieß Deine Braut?" fragte der zitternde Alte, und als er die Antwort vernommen, rief er aus: „Allmächttger Gott, dies ist Elijah, der vor 70 Jahren auf so geheimnisvolle Weise Verschwundene. „Siebzig Jahre?" rief Elijah, „o das ist ein grausamer Scherz, nicht wahr, ein Scherz! Führt mich zu ihr, im Namen Gottes führt mich zu meiner Braut!" „Kommt, ich will Euch führen!", sagte der Alte und geleitete ihn zum „guten Qrt." Hier zeigte er ihm die Gräber seiner Eltern und seiner Braut und auf dem Grabstein der Letzteren las er eine Inschrift über sein rätselhaftes Verschwinden am Hochzeitstage. Am Grabe der Geliebten ließ er sich nieder und verhüllte sein Angesicht. Da kam der Todesengel mit seinen breiten Flügeln und sagte: „Komm folg' mir Bruder, heim zu ihr, die Dich aussandte, „das Höchste" zu suchen." Freiheit, Liebe, Menschlichkeit. Unter diesem Titel erscheint in der Verlagshandlung von I. van Groningen & Comp, in Berlin ein Prachtwerk gegen den Anlisemismus, und es wird Aeußerungen in Versen und in Prosa hervorragender Zeitgenossen gegen die Intoleranz des Antisemitismus, für Freiheit, Liebe und Menschlichkeit bringen. Es liegen uns einige Probeblätter vor, aus denen wir folgende Beiträge herausheben. Weckruf. O Glaubenshaß! der du im Weltenrunde Des heil'gen Friedens Erbfeind warst von je; Der du der Menschheit ewig off'ne Wunde, Des Erdendaseins unbezwingbar Weh! O, wie viel Leben sind durch' dich gebrochen?! O, wie viel Herzen traf dein Todesstich?! Umsonst ist dir das Dichterwort gesprochen: Wer nichts für andre thut, thut nichts für sich. Einseitig, herzlos, grausam ist geblieben Dein finst'res Walten bis auf diesen Tag, In deinem Thun, du glaubtest den zu lieben, Dess' heil'ger Mund von Nächstenliebe sprach! Im Wahn, der Menschheit Heiligstes zu ehren, Denkst kalt und selbstgerecht du nur an dich. Nur geist'ge Tyrannei ist dein Begehren, Wer nichts für and're thut, thut nichts für sich! So wühlst du fort, zu des Jahrhunderts Schande, Ein Hohn der neuen aufgeklärten Zeit. Dein Giftstrom trägt Verderben in die Lande, Du bist der Geistesfreiheit Sterbekleid. Wo immer deine Herrschaft du begründet, Vor dir noch jeder Blüthenkeim verblich; Dein Hauch hat Scheiterhaufen angezündet! Wer nichts für and're thut, thut nichts für sich. Warum mußt Du, ein finst'rer Dämon schreiten Noch heut' die mittelalterliche Bahn? Was haben die vom Ghettozwang befteiten, Einst hart verfolgten Brüder dir gethan, Wer heißt dich, deine wahnbethörten Massen Zum Kampf anfeuern gegen-and're, sprich?! Weh! Deine Losung heißt: Den Nächsten hassen! Wer nichts für and're thüt, thut nichts für sich.