Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1 (6.1.1893)
- Date
- 1893-01-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Elijah 2× ep/1004307
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 1 Seite IS Oesterreichische Wochenfchrifi übermittelt und hat folgenden Wortlaut: Die Flugschrift erschien vor einem Monat. Der Verkauf in den Straßen wurde Polizeilich verboten. Verkauf in den Gewölben kann gesetzlich nicht verboten werden. Das Publikum hat von der Schrift gar keine oder wenig Notiz genommen. „Keine Insulte oder Gewaltthätigkeit gegen die Juden ist vorgekommen." Petersburg, 2. Jänner. Die prachtvolle auf der Officiersgasse gelegene Synagoge wird von der hiesigen israelitischen Gemeinde wegen Mangels an Mitteln zur weiteren Erhaltung demnächst der Türkengemeinde behufs Umwandlung in eine Moschee verkauft werden. Odessa, 10. December. Der Bankier Moses Liwschütz wurde gestern Nachts in seiner Wohnung von zehn maskirten, als Tscherkessen gekleideten Räubern überfallen und im Bette ermordet. Baarschaften und Kostbarkeiten von beträchtlichem Werthe wurden geraubt. Die Polizei ist den Mördern auf der Spur. Feuilleton. Das Höchste. Von M. A. Goldschmidt. (Aus dem Dänischen von I. Frank.) In der reichen fruchtbaren Ebene von Saron, nickt weit von der Hafenstadt Joppe, weidete Elijah die Schafe seines Vaters an derselben Stätte, wo auch die zahlreichen Heerden Chajim Hakulha's ihre Weideplätze hatten. Noch war kaum ein Menschenalter seit der Zerstörung Jerusalems verflossen. Was war aus dem Heiligthume Gottes geworden? was aus Jenen, die hier gelebt und gelitten? Es war, als hätte die Erde ihren Mund aufgethan und als Entgelt für willkommene Beute, die sie verschlungen, glühendes Gestein und flüssiges Erz emporgesendet, das erstarren mußte, um zu zeugen von Trauer und Trübsal, die die heilige Stätte heimgesucht. Aber gerade von dem Tage an, da die Zinnen seines Heiligthumes fielen, hatte Israel begriffen, daß der Tempel des Herrn zunächst im Herzen des Volkes wieder erstehen müsse, sollte es dereinst gelingen, ihn auf Zion neu zu erbauen und nie zuvor war Gottes Wort mit so glühendem Eifer gehört und gelehrt worden, als gerade jetzt. Denn ein Wunder war geschehen. Rabbi Jonathan, der einzig Ueberlebende, der die Gesetzesauslegung kannte, war in einem Sarge herausgetragen worden aus der belagerten Stadt und hatte nachher von Titus die Erlaubniß erhalten, eine Schule zu eröffnen. Der Sarg war die Wiege neuen Lebens geworden, und alles strömte nach Jabne, um zu seinen Füßen aus dem Munde des Meisters oder eines seiner Jünger das Wort des Herrn zu hören, damit es so Tausenden zu eigen würde und nicht wieder Gefahr liefe, unter Ruinen begraben zu werden. Um diese Zeit zählte Elijah 16, Zippora aber, die jüngste Tochter Chajim Hakulha's 14 Jahre. Die beiden Kinder hatten sich liebgewonnen und als Jüngling und Jungfrau eines Tages gemeinsam einen Hochzeitszug mit Pauken- und Flötenspiel vorbeiziehen sahen, sagte Elijah: Wie freudig sehe ich der Stunde entgegen, die uns beide unter der Chuppe vereint. Wenn nur Dein Vater nicht dagegen ist ... ." Lächelnd erwiderte Zippora : „Mein Vater wird uns nicht hinderlich sein, von ihm hast Du nichts zu befürchten". Zippora war schön und reich, und ihr Vater daher um einen Tochtermann nicht verlegen, darum fragte Elija, dem die Worte der Geliebten wunderlich schienen, ängstlich: „Von ihm hätte ich nichts zu befürchten? Von wem sonst? Denn Du liebst mich ja Zippora, mein Alles — oder liebst Du mich nicht?" Da erwiderte Zippora: Lass' Dir's nicht nahe gehen, betrübe Dich darob nicht und zweifle nicht an mir, aber so lange die Gatten der Schwestern Dich einen Am-Horez nennen dürfen, so lange will ich Dir nicht angehören, denn mit Wonne und Stolz nur will ich zu Dir emporsehen." Tief bewegt fragte Elijah: Zippora, was ist Dein Begehr? Sprich, was verlangst Du von mir? „Das Höchste!" antwortete sie ihm, mit einem Blicke, der das Innerste seines Wesens durchdrang. „Groß sollst Du werden, größer, als sie Alle". Da leuchtete es auf in Elijah's Augen und er sprach: „Du, Du allein solltest dem Gedanken Worte leihen, der längst schon meine Seele bewegte. „Das Höchste.nun ist es ausgesprochen; in Gottes Namen denn!" Und Zippora reichte ihm die Stirne znm. Kusse, und sagte: „Drei Jahre will ich auf Dich warten, mein Herr und Bräutigam". Dann gieng Elijab heim, erzählte seinen Eltern von seinem Vorhaben, nach Jabne zu gehen, und, obgleich sie ihn nur schwer entbehren konnten, wollten sie doch nicht zwischen ihm und den Herrn treten, sondern segneten ihn und gaben ihm einen Zehrpfennig mit auf den Weg. Unter den Tausenden von Jüngern, die die Augen des Meisters suchten, blieb Elija lange Zeit unbemerkt. Ein halbes Jahr war fast vergangen, da geschah es eines Tages, daß der H ohe ihm am Eingänge oer Lehrstätte entgegentrat. Fest blockte er ihm in's Auge, dann fragte er: „Was suchst Du mein Sohn?" Vor freudiger Erregung ob der Ehre kaum des Wortes mächtig, antwortete Elijah: ,Das Höchste!" Weiter fragte der Rabbi: „Was ist Dein Gebet?" „Ich bete zum Herrn, daß er wieder aufbaue feinen Tempel, daß er segne sein Volk und die Versuchung, von mir fernhalte."„Wer das Höchste" sucht, darf der Versuchung nicht aus dem Wege gehen. Bitte vielmehr Gott, daß er Dich aus die Probe stelle." Noch am selben Tage flehte Elijah zum Herrn, ihn zu versuchen, zugleich aber auch um Kraft, der Anfechtung zu widerstehen. Kurze Zeit darauf näherte sich ihm der Mann, auf dessen Dache sein Zelt stand, und sprach: „Mein Bruder, Du könntest leicht Gott und mir selbst einen großen Dienst erweisen, indem Du mich gegen einen Uebelwollenden beschützest. Ich zahlte ihm 100 Sekel Silber und da keine Zeugen zur Stelle waren, leugnet er jetzt, sie empfangen zu haben. Es kann Gott nur gefallen, daß der schändliche Anschlag des Mannes zu schänden werde und da Dir nun die Wahrheit bekannt, so komm und zeuge für mich, und die Hälfte der Summe ist Dein." Doch Elijah: „Wie kann ich etwas bezeugen, was meine Augen nie gesehen?" Dagegen der Andere: „Du sollst ja dadurch nur der Wahrheit zum Siege verhelfen, die Dir nun wohl bekannt. Oder . . . „Nein, an der Wahrheit Deines Wortes will ich nicht zweifeln, aber bezeugen kann ich nur, was mein Auge gesehen, mein Ohr gehört hat." Und als Elijah wieder in die Versammlung kam, blickte ihm der Rabbi freundlich entgegen und sagte: „Ich bin zufrieden mit Dir, Du hast wohlgethan." Elijah aber pries Gott, der ihm einen so leichten Sieg beschieden. Nach einiger Zeit nahte sich ihm abermals sein Wirth und sagte: * „Ich habe nicht vergessen, daß Ihr Euch geweigert, für mich zu zeugen, aber muß bekennen, daß ihr streng genommen Recht hattet. Ihr seid ein braver Jüngling, ich will Euch wohl und Ihr dürft Euch von mir erbitten, was Ihr wollt." Elijah dankte und sagte nur, daß er nichts verdient habe und darum nichts begehre. Der Andere aber erwiderte: „Wohin kämen wir, wenn uns nur das würde, was wir verdienten? Viele von uns hätten dann kaum trockenes Brod, um wie viel weniger frisches Wasser und süße Früchte? Geht doch, ich weiß daß Ihr nach drei Jahren, wenn Jhr's zum Rabbi gebracht, Euch mit Chajim Hakulha's schöner Tochter vermälen wollt. Aber warum so lange zögern? Der Rabbi ist mein Freund, in drei Monaten spricht er Euch frei, wenn ich ein Wort für Euch einlege und dann könnt Ihr heimziehen und mit Zippora glücklich werden." Wie wurde da Elijah bei dem Gedanken, so bald am Ziele seiner Wünsche zu sein. — Aber, konnte es die Geliebte so gemeint haben, als sie ihn ausschickte, „das Höchste" zu suchen und ihm versprach, drei lange Jahre auf ihn zu warten? Nein, unmöglich! Daher dankte er dem Manne und eilte davon. Wieder nickte ihm der Rabbi srenndlich zu und sprach: „Du hast wohlgethan, mein Sohn. Dann näherte sich ihm der Schawmes mit seinem Stabe und lud ihn ein, des Abends,